Die Kritik Iris Marion Youngs an der Politik der Gleichheit in "Social Movements and the Politics of Difference"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
15 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Inhaltsverzeichnis
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Einleitung
... 3
1. Politik der Gleichheit
... 4
2. Stigmatheorie nach Goffman
... 5
3. Kritik an Politik der Anerkennung
... 8
4. Politik der Differenz
... 11
Fazit
... 13
Literaturverzeichnis
... 15

3
Einleitung
,,Gesetzgeber oder Revolutionäre, die Gleichsein und Freiheit zugleich verspr
e-
chen, si
nd Phantasten oder Charlatans."
1
Bereits im 18. Jahrhundert stellte man sich die Frage, bezüglich des Verhältnis-
ses von Freiheit und Gleichheit. Johann von Goethe formulierte hierzu seine
klare Meinung und vertritt den Standpunkt, dass Freiheit und Gleichheit sich
gegenseitig ausschließen. Auf die Gesellschaft übertragen würde das bedeu-
ten, dass in einer Gesellschaft in der alle Individuen als
,,gleich" angesehen
werden, sich ihre Mitglieder nicht frei entfalten können.
Auch die heutige Sozialforschung beschäftigt sich mit dieser Thematik. Beson-
ders in einer globalisierten Welt, in der viele verschiedene kulturelle Gruppen
zusammenleben und die klaren Grenzen zwischen verschiedenen Ethnizitäten
verschwimmen, rückt der Fokus der ,,Gleichbehandlung"
wieder in den Fokus.
Diese gesellschaftliche Pluralität stellt demokratische Herrschaftssysteme vor
große Herausforderungen. Mögliche Antworten auf dieses Problem finden sich
in den politische Theorien, welche sich mit der Thematik der Anerkennung und
Identitätsansprüchen vom verschiedenen Gruppen beschäftigen. Bei Gesell-
schaften mit großer Pluralität, stellt sich immer die Frage nach dem richtigen
Umgang mit den verschiedenen Gruppen.
Betrachtet man hierzu den theoretischen Diskurs stößt man auf zwei verschie-
dene Handlungsstrategien: Die Politik der Gleichheit und die Politik der Diffe-
renz.
Ich werde mich in dieser Arbeit mit dem Kapitel ,,Social Movements and the P
o-
litics of Difference
" von Marion
Young auseinandersetzen. Ein Augenmerk der
Arbeit soll auf der Argumentationsstruktur Youngs liegen, welche mit Hilfe der
Stigmaforschung und deren Theorien belegt oder widerlegt werden soll.
Im ersten Teil der Arbeit werde ich die Politik der Gleichheit vorstellen. In einem
zweiten Schritt werden die wichtigsten Erkenntnisse der Stigamforschung und
1
Burghart, Ramona: Goethe und das Zeitalter der Französischen Revolution und Napoleons
(2005), Zugriff unter: http://www.grin.com/de/e-book/80163/goethe-und-das-zeitalter-der-
franzoesischen-revolution-und-napoleons (aufgerufen am 03.09.2016), S. 3.

4
deren theoretischen Konstrukte beschrieben und analysiert. In einem nächsten
Schritt werden die Erkenntnisse der Stigmatheorie mit der Kritik Youngs am
Konzept der Politik der Gleichheit verknüpft. Abschließend soll mit der Politik
der Differenz ein anderes theoretisches Denkmodell vorgestellt werden.
1. Politik der Gleichheit
Betrachtet man Gesellschaften der Vergangenheit hinsichtlich ihrer Sozialstruk-
turen, wird man immer wieder mit Klassen bzw. Schichtmodellen konfrontiert.
Hier besitzt jede Gruppe einen individuellen Platz mit einer spezifischen Aufga-
be. Beispielsweise unterscheidet die Ständeordnung des Mittelalters: Klerus
(erster Stand), Adel (zweiter Stand) und das Bürgertum/ Bauernstand (dritter
Stand). Eine solche vertikale Hierarchisierung definiert Gesetzte und soziale
Normen je nach Gruppenzugehörigkeit. Ein Wechsel der Schicht ist nicht mög-
lich, da diese Struktur de
r ,,sozialen Ungleichheit", als g
ottgegeben und von der
Natur gewollt legitimiert wird. Entgegen der heutigen Ansicht, dass alle Men-
schen gleichwertig sind, wurde damals die Meinung vertreten, dass sich Men-
schen in ihrer Natur unterscheiden und einige besser sind als andere.
2
Im deutschsprachigen Raum wurden diese Denkstrukturen erstmals im 18.
Jahrhundert aufgebrochen. Der aufkommende Begriff der ,,Aufklärung" b
e-
schreibt d
as Streben: ,,die menschlichen Verhältnisse frei von allen Bindungen
an Tradition und Vorurteil aus der Vernunft neu zu konstruieren."
3
Mit dem Ab-
legen von alten Traditionen entstanden neue Ansichten innerhalb der Gesell-
schaft. Jedes Individuum wurde von nun an als gleichwertig betrachtet. Es war
nun Aufgabe der Politik und des Gesetzgebers jedem Menschen gleiche politi-
sche und zivile Rechte zuzusichern, um die neuen Denkstrukturen zu festigen.
4
Durch universell geltende Rechte sollen allen Menschen möglichst gleich be-
handelt werden. Unterschiede zwischen Gruppen und Individuen sollen lediglich
im privaten Bereich berücksichtigt werden. Das Ziel ist eine Gesellschaft zu
schaffen, in der sich die Mitglieder im Rahmen ihrer individuellen Fähigkeiten
und Fertigkeiten frei entwickeln können. Eine wichtige Bedingung hierfür ist,
2
Young, Iris Marion: Social Movements and the Politics of Difference, Princeton 1990, S. 156.
3
Luhmann, Niklas: Soziologische Aufklärung (1967), Zugriff unter:
http://www.jstor.org/stable/40876851?seq=1#page_scan_tab_contents (aufgerufen am
22.08.2016).
4
Young, Iris Marion: Social Movements and the Politics of Difference, S. 156.

5
dass Unterschiede von Geschlecht, Religionszugehörigkeit Ethnizität und Ras-
se keinerlei Einfluss auf die Rechte der Bürgerinnen und Bürger haben.
5
Young
fasst diese Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit unter dem Begriff der ,,Assim
i-
lation" zusammen. Das Modell geht davo
n aus, die formelle Angleichung des
sozialen Status dazu führen kann, dass alle Menschen nach den gleichen Re-
geln, Prinzipien und Standards behandelt werden.
6
Richard Wasserstrom ist ein Vertreter dieses Modells. In seinem Werk ,,On R
a-
cism and Sexism" plädiert er für die Abschaffung der Unterschiede zwischen
den Gruppen. Auf diese Weise kann Unterdrückung, welche aufgrund gruppen-
basierter Unterschiede entsteht verhindert werden. Nach seinem Ideal sollen
Unterschiede wie Rasse, Geschlecht und Hautfarbe lediglich in ihrer physiologi-
schen Erscheinung wahrgenommen werden. Er vergleicht die Unterschiede
zwischen den Gruppen mit den verschiedenen Augenfarben der Menschen. Es
werden Unterschiede der Farbe festgestellt, diese lassen jedoch keinen
Schluss auf die Identität einer Person.
7
Im weiteren Verlauf beschreibt Wasser-
strom drei wichtige Funktionen, die das Modell der Assimilation erfüllt: Zum ei-
nen stellt er fest, dass die Gruppengrenzen willkürlich durch Herrscher gezogen
wurden und somit keine Berechtigung haben. Des Weiteren führt das assimila-
tionistische Ideal zu einem klaren Standard von Gleichheit, nachdem auch alle
vor dem Gesetz gleich behandelt werden sollen. Die dritte Funktion befreit die
Menschen von ihren Gruppengrenzen, wodurch sich die Mitglieder der Gesell-
schaft frei entwickeln können.
8
2. Stigmatheorie nach Goffman
Der Soziologe Goffman beschäftigt sich in seinem Werk von 1963 mit dem Be-
griff des Stigmas. Daraufhin erhielt der Begriff auch Einzug in die sozialwissen-
schaftliche Forschung. Hier wird das Stigma als
,,ein physisches, ps
ychisches
oder soziales Merkmal definiert, durch das eine Person sich von den übrigen
5
Young, Iris Marion: Social Movements and the Politics of Difference, S. 157.
6
Young, Iris Marion: Social Movements and the Politics of Difference, S. 158.
7
Young, Iris Marion: Social Movements and the Politics of Difference, S. 158.
8
Young, Iris Marion: Social Movements and the Politics of Difference, S. 158.

6
Mitgliedern einer Gesellschaft oder Gruppe, der sie angehört, negativ unter-
scheidet und das sie von vollständiger sozialer Anerkennung ausschließt"
9
Um den Prozess der Stigmatisierung zu erklären führt Goffman den Begriff der
,,sozialen" Identität an. Diese b
einhaltet zum einen persönliche- und zum ande-
ren strukturelle Merkmale eines jeden Individuums. Die strukturellen Merkmale
beinhalten gesellschaftliche Einflüsse auf das Individuum. Dieser Teil der Identi-
tät wird durch Erwartungen und Vorstellungen anderer geprägt, indem einer
Person bestimmte Dispositionen zugeschrieben werden. Der persönliche Teil
der sozialen Identität entsteht aufgrund der eigenen Attribute und Eigenschaften
einer Person. Zwischen beiden Identitätsformen kann es zu Konflikten kommen,
da die Rollerwartungen anderer, sich nicht mit den Eigenschaften der eigenen
Person decken.
10
,,Diese Diskrepanz muss nicht in jedem Falle problematisc
h
eingeschätzt werden. Sie kann jedoch dazu führen, dass Personen Attribute
zugeschrieben werden, die diese als abweichend kennzeichnen und damit her-
abstufen. Dieser Prozess wertet Goffman dann als Stigmatisierung.
11
Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass nicht das Merkmal selber das
Stigma ist, sondern die negative Auslegung dessen. Eine weitere Eigenschaft
des Stigmas gilt dann als erfüllt, wenn über das vorhandene Merkmal hinaus
der Person negative Eigenschaften zugeschrieben werden, ohne diese objektiv
zu begründen. Der Prozess kann also als Generalisierung eines Merkmals ver-
standen werden. Hohmeier spricht in diesem Zusammenhang von einer Über-
tragung eines Merkmals auf die gesamte Person und ihrer sozialen Bezüge.
12
Im Alltag werden an Stelle des Begriffs des Stigmas oft verwandte Begriffe wie
Stereotyp, Vorurteile und Diskriminierung verwendet. Die folgende Tabelle
grenzt die einzelnen Begrifflichkeiten voneinander ab und unterscheidet eine
öffentliche- und eine Selbststigmatisierung.
99
Schäfers, Bernhard: Soziologie in Deutschland, Opladen 1995, S. 354.
10
Goffman, Erving: Stigma, Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identitäten, Frank-
furt/Main 1975, S. 10.
11
Vgl. Goffman, Erving: Stigma, S. 10.
12
Hohmeier, Jürgen: Stigmatisierung als sozialer Definitionsprozeß,, in: Brusten, Manfred/
Hohmeier, Jürgen (Hrsg.): Stigmatisierung 1, Zur Produktion gesellschaftlicher Randgruppen,
Damstadt 1975, S. 5-24. Zugriff unter: http://bidok.uibk.ac.at/library/hohmeier-
stigmatisierung.html (aufgerufen am 09.09.2016).
Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Kritik Iris Marion Youngs an der Politik der Gleichheit in "Social Movements and the Politics of Difference"
Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V384288
ISBN (eBook)
9783668622869
ISBN (Buch)
9783668622876
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
iris, marion, young, social, movements, politics, difference, eine, analyse, kritik, youngs, politik, gleichheit, verwendung, elemente, stigmaforschung
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Die Kritik Iris Marion Youngs an der Politik der Gleichheit in "Social Movements and the Politics of Difference", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384288

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