Eine neue Sprache, eine neue Kultur, eine neue Heimat – nach dem Abschied von Geburtsland, Freunden und Familie stehen Migranten vor der Herausforderung der Identitätsbildung in einer bislang völlig ungewohnten Umgebung.
Özge Duran geht in dieser Publikation den Schwierigkeiten bei der Identitätsfindung von Migranten nach und untersucht, inwiefern die Existenzanalyse als Möglichkeit einer psychotherapeutischen Betreuung helfen kann. Der Autor geht auch darauf ein, wie Psychotherapie auch bei traumatischen Erfahrungen, die Flucht und Migration begleiten, unterstützen kann.
Aus dem Inhalt:
- Migration;
- Identität
- Existenzanalyse;
- Psychotherapie;
- Interkulturelle Identität
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Fragestellung und methodisches Vorgehen
2 Theoretische Vorüberlegung
2.1 Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff 'Migrant'
2.2 Identität
2.3 Interkulturelle Identität
3 Spezifische Belastungen für MigrantInnen
3.1 Migration als traumatische Erfahrung
3.2 Zur Identität bei MigrantInnen
3.2.1 Identität bei jugendlichen MigrantInnen
3.2.2 Identität und Globalisierungsprozess
3.3 Migrationsprozess und Ich-Identität
3.4 Psychoanalytische Überlegungen zur Ich-Identität
3.5 Existenzanalyse und Logotherapie
3.5.1 Zur Person Viktor E. Frankl
3.5.2 Theoretische Grundannahmen
3.5.2.1 Selbstreflexion
3.5.2.2 Das Menschenbild
3.5.2.3 Mit innerer Zustimmung leben
3.5.2.4 Der Mensch als Sinnsucher
3.5.3 Methoden und Anwendungsgebiete
3.5.3.1 Dereflexion
3.5.3.2 Paradoxe Intention
3.5.3.3 Einstellungsmodulation
3.5.3.4 Analyse der Möglichkeiten dieser Therapieform
3.5.3.5 Existenzanalyse nach Alfred Längle - Methoden und Anwendungen
4 Diskussion und Reflexion der Erkenntnisse
5 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, inwiefern die Existenzanalyse als psychotherapeutische Methode MigrantInnen bei der Identitätsfindung und -bildung unterstützen kann, insbesondere unter Berücksichtigung der spezifischen traumatischen Belastungen des Migrationsprozesses.
- Psychologische und soziologische Grundlagen der Identität
- Spezifische Belastungen und Traumatisierungen durch Migration
- Theoretische Grundlagen und Menschenbild der Existenzanalyse nach Frankl und Längle
- Anwendung existenzanalytischer Methoden (Dereflexion, Paradoxe Intention, Einstellungsmodulation) bei Identitätsproblemen
- Reflexion der Rolle der Psychotherapie bei interkulturellen Identitätsprozessen
Auszug aus dem Buch
3.5.3.1 Dereflexion
Für Menschen, die sich in einer Therapie befinden, ist erforderlich, dass sie den Blick mit Hilfe des Psychotherapeuten von sich selbst abwenden. Hierzu wird von Frankl eine bestimmte Technik, die Dereflexion, beschrieben. Das Kernelement dieser Technik besteht darin, dass der Blick des Betroffenen aus sich selbst heraus initiiert wird und somit auch von ihrer Niedergeschlagenheit hin zu den intakten Teilen ihrer Persönlichkeit gelangt. Hieraus folgt, dass den Menschen die Möglichkeit der Sinngebung eröffnet wird, welche ihm zur Verfügung steht (vgl. Yalom 2010, S. 546).
Die Vorgehensweise ist hierbei sehr einfach gestrickt und besteht lediglich darin, dass der Patient daran gehindert wird, sich nur auf sich selbst zu konzentrieren und der Fokus daraufgelegt wird, den Sinn außerhalb seiner Welt zu suchen (vgl. ebd.). Das Prinzip der Dereflexion soll Betroffenen dabei helfen, das zu vergessen, was besser für jemanden ist. Zudem hilft es dabei, sich nicht vollkommen von den bestehenden Problemen vereinnahmen zu lassen und den Menschen dann zu dem wahren Sinn zu lenken. Denn: „Dereflexion ermutigt uns, einer bekannten Situation unerkannte Aspekte abzugewinnen und alte Sicht- und Handlungsweisen zu verabschieden.“ (Pattakos 2011, S. 169). Innere Beschränkungen können überwunden und neue Beziehungen eingegangen werden, da Patienten lernen zu vermeiden, was besser vermieden werden soll (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung der Identitätsfindung bei MigrantInnen ein und definiert das methodische Vorgehen sowie die Forschungsfrage der Arbeit.
2 Theoretische Vorüberlegung: Es erfolgt eine Auseinandersetzung mit den Begriffen 'Migrant', 'Identität' und 'interkulturelle Identität', um eine theoretische Basis für die weitere Arbeit zu schaffen.
3 Spezifische Belastungen für MigrantInnen: Dieses Hauptkapitel analysiert die vielfältigen, oft traumatischen Belastungen der Migration und beleuchtet die Identitätsentwicklung unter den Bedingungen von Jugend, Globalisierung und dem Verlust der Heimat.
4 Diskussion und Reflexion der Erkenntnisse: Die Wirksamkeit der Existenzanalyse wird reflektiert, wobei betont wird, dass sie eine wertvolle Ergänzung in der psychotherapeutischen Praxis darstellt, jedoch kulturelle Kompetenz erfordert.
5 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und betont die Bedeutung von kultursensibler Ausbildung für PsychotherapeutInnen.
Schlüsselwörter
Migration, Identität, Interkulturelle Identität, Identitätsfindung, Existenzanalyse, Logotherapie, Identitätsbildung, Ichfindung, Psychotraumatologie, Sinnsuche, Einstellungsmodulation, Dereflexion, Transmigration, Personale Existenzanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Schwierigkeiten, die MigrantInnen bei der Identitätsfindung erleben, und untersucht, wie existenzanalytische Ansätze als psychotherapeutische Hilfestellung dienen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die psychologischen Folgen der Migration, das Identitätskonstrukt in der Postmoderne sowie die therapeutischen Konzepte der Existenzanalyse und Logotherapie nach Frankl und Längle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob und inwieweit die Existenzanalyse bei der Bewältigung von Identitätskrisen und der Entwicklung einer interkulturellen Identität für MigrantInnen wirksam ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche und -analyse existenzanalytischer und psychotherapeutischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich den spezifischen Belastungen durch Migration, der Bedeutung der Ich-Identität und der detaillierten Beschreibung existenzanalytischer Interventionsmethoden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Identitätsbildung, interkulturelle Identität, psychische Traumatisierung, Existenzanalyse, Logotherapie und Sinnsuche geprägt.
Wie unterscheidet sich die Identität von MigrantInnen von anderen Identitätskonstruktionen?
Bei MigrantInnen spielt der Prozess der Transmigration und das Leben in unterschiedlichen kulturellen Räumen eine Rolle, was oft zu multiplen oder widersprüchlichen Identitätskonstrukten führt.
Warum ist die 'innere Zustimmung' für MigrantInnen so essenziell?
Die innere Zustimmung (das 'Ja' zum Leben) dient laut Existenzanalyse dazu, trotz schwerer Schicksalsschläge oder Identitätsverlusten eine haltgebende persönliche Haltung zu entwickeln und dem Leben einen Sinn zu geben.
- Arbeit zitieren
- Bakk. in Özge Duran (Autor:in), 2018, Identitätsfindung im Migrationsprozess. Existenzanalyse als Hilfestellung bei der Suche nach der eigenen interkulturellen Identität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384327