Industrie und raumstruktureller Wandel. Der Strukturwandel Bochums (9. Klasse Gymnasium Erdkunde)


Unterrichtsentwurf, 2017
16 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

1 Bemerkungen zur Lerngruppe

2 Curriculare Einordnung

3 Relevantes Eingangsverhalten

4 Didaktische Entscheidungen

5 Stundenziel

6 Lernziele

7 Methodische Entscheidungen

8 Tabellarischer Unterrichtsverlauf

9 Literatur

10 Anhang


1 Bemerkungen zur Lerngruppe

 

Seit Anfang Februar unterrichte ich die Klasse … (15 Schülerinnen und 15 Schüler[1]) zwei Stunden in der Woche eigenverantwortlich, in der eine lebhafte und produktive Lern- und Arbeitsatmosphäre herrscht. Das allgemeine Leistungsniveau der Klasse ist als heterogen zu bezeichnen, was sich sowohl im Rahmen der schriftlichen Leistungen, als auch im Rahmen der mündlichen Teilhabe äußert. Die Klasse zeigt sich überwiegend interessiert und motiviert gegenüber dem Reihenthema Ruhrgebiet. Dies lässt sich z.B. auf die räumliche Nähe des Schulortes zum Unterrichtsgegenstand zurückführen. Besonderes Interesse lässt sich bei Schülern feststellen, die aus dieser Region zum Schulort zugezogen sind (z.B. …). Die Heterogenität des Leistungsniveaus lässt sich weiterhin durch die Quantität und Qualität der mündlichen Leistungen herausstellen. Besonders … zeichnen sich durch qualitativ hohe Redebeiträge aus, wobei letzterer insbesondere durch kritische Äußerungen und Nachfragen der Beiträge der Mitschüler zum genaueren Nachfragen anregt. Im guten Leistungsbereich befinden sich …., die den Unterricht regelmäßig mit ihren Beiträgen bereichern, jedoch häufiger Probleme mit der korrekten Fachsprache und der Einbindung ihrer Aussagen in den Unterrichtsprozess haben. An diesen Stellen muss die Lehrkraft dementsprechend nachschärfen. Diese gilt insbesondere weiterhin für die Schüler des mittleren und unteren Leistungsniveaus (….). Ihre Aussagen sind oft vorschnell und oberflächlich formuliert, so dass hier stets Handlungsbedarf seitens des Lehrers besteht. Eine besondere Rolle nimmt … ein. Er bringt sein großes Fachwissen und seine Analysefähigkeit nur selten in das Unterrichtsgeschehen mit ein, zeigt aber deutliche Stärken bei direkter Ansprache. Weitere passive Rollen nehmen … ein. Um ihrer Passivität entgegenzuwirken, werden sie häufig bei Präsentationen oder bei der Besprechung der Hausaufgaben gezielt eingebunden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in der Klasse eine Leistungsheterogenität vorherrscht. Besonders bei der gezielten Auswertung von Karten, Diagrammen und Statistiken haben noch viele Schüler Schwierigkeiten. Dies gilt insbesondere für die Unterscheidung von relativen und absoluten Zahlen, obwohl diese wiederholt Arbeitsweisen im Unterricht sind. In der Lehrprobenstunde wird dieses berücksichtigt, indem das Vertiefungsmaterial diese Probleme aufgreift. In der Lerngruppe entwickeln sich bei der Bewertung von Unterrichtsgegenständen häufig Diskussionen, da die Schüler mehrperspektivische Haltungen demgegenüber aufweisen. Diese werden bei der Planung des Unterrichtes stets berücksichtigt.

 

2 Curriculare Einordnung

 

Die Lehrprobe findet in der 7. der auf 10 Stunden angelegten Unterrichtsreihe Entwicklungen und Verflechtungen in der Wirtschaft analysieren statt. Zu Beginn der Unterrichtsreihe wurde das Mutterland der Industrialisierung (England) behandelt und warum es grade hier zu diesem Prozess kam. Als zentrale Triebfedern wurden die begünstigenden Standortfaktoren der Region besprochen (Erz- und Kohlevorkommen, Infrastruktur, technische Neuerungen, Arbeitskräftepotential sowie das erforderliche Know-how). Daraufhin wurden diese Vorraussetzungen auf Deutschland übertragen und weitere topographische sowie anthropogene Faktoren des wirtschaftlichen Booms des Ruhrgebietes analysiert. Darauf folgten die Ursachen und Folgen der wirtschaftlichen Krise in dieser Region. Die Hauptgründe waren zum einen die nicht mehr vorhandene Wettbewerbsfähigkeit der „Ruhrpottsteinkohle“, sowie zum anderen die Verringerung der globalen Nachfrage von Stahl aufgrund technischer Neuerungen der Baubranche (z.B. Kunststoff). Als Folgen dieser Krise wurden Arbeitslosigkeit und Abwanderungen aus dem Ruhrgebiet benannt. An diese Wissensgrundlage knüpft das Thema der Lehrprobenstunde nahtlos an, da ein weiterer Wandel des Ruhrgebietes die Reaktion auf die beschriebene Krise ist.

 

3 Relevantes Eingangsverhalten

 

Die Schüler…

 

 …kennen den geographischen Ort Bochums in zentraler Lage des Ruhrgebiets.

 

 …kennen die Wirtschaftsstruktur Bochums um 1960.

 

 …kennen das Modell der Wirtschaftssektoren.

 

 …kennen die Hauptgründe für den wirtschaftlichen Aufstieg und für die Krise des Ruhrgebietes.

 

 …können Arbeitslosigkeit und Abwanderungen als zeitnahe Folgen der Krise erklären.

 

 …kennen den Begriff und die Bedeutung des Strukturwandels aller Voraussicht nach nicht.

 

 …sind mit der Methode der Karten-, sowie der Diagrammauswertung vertraut, bedürfen jedoch noch der Unterstützung und Übung bei der fachsprachlichen und vollständigen Beschreibung und Auswertung.

 

4 Didaktische Entscheidungen

 

Das niedersächsische Kerncurriculum im Fach Erdkunde schreibt im Kompetenzbereich Fachwissen die Behandlung „regionale[r] […] wirtschaftsräumliche[r] Verflechtungen in Landwirtschaft […] und Industrie (z.B. Ruhrgebiet[2]) fest. Ähnliche inhaltliche Ziele lassen sich weiterhin im Fach Politik – Wirtschaft finden: „Wirtschaftlicher Strukturwandel und seine Auswirkungen auf das Beschäftigungssystem[3]. Da dieser Inhalt im Politik - Wirtschaftunterricht im Schuljahr 10/1 angesiedelt ist, kann, in enger Absprache des dazugehörigen Fachlehrers im Sinne eines fächerübergreifenden Lernens unterrichtet werden. Im Erdkundeunterricht sollten bei der Behandlung dieser Thematik speziell der Wandel des zu behandelnden Raumes und die Folgen für die Menschen deutlich werden[4].

 

Dieser Aspekt lässt sich besonders am Raumbeispiel Bochum deutlich machen. Der Strukturwandel lässt sich an kaum einer anderen Stadt so veranschaulichen. Zu Beginn der Kohlekrise (1958) lassen sich in der Karte Bochums (von 1960) noch 17 Zechen (neun davon im Kartenabschnitt[5]), fünf Eisenverhüttungs- und Stahlindustrien und drei Elektronikbetriebe ausmachen. Die Zahl der Gesamtbeschäftigten im sekundären Sektor lag 1961 bei 110.100[6]. Als Folge der bereits beschriebenen Krise wurden in diesem Raumbeispiel bis 2006 fast sämtliche angesprochene Strukturen geschlossen und sind in der Karte größtenteils nicht mehr zu erkennen. Die Beschäftigungszahl im sekundären Sektor sank dabei drastisch auf 34.420[7].

 

Der Strukturwandel äußert sich in Bochum in vielfältiger Weise. Es entstanden z.B. zwölf Zentren im Kartenausschnitt mit überwiegend Dienstleitungsbetrieben (z.B. Einkaufszentrum „Ruhrpark“), eine Fachhochschule in Altenbochum und sechs Standorte mit einer vielfältigen Branchenstruktur. Die Auswahl des Kartenmaterials begründet sich in der besseren Übersichtlichkeit (Aufgliederung der Sektoren in Karte und Legende) des Haack Weltatlasses gegenüber dem Diercke Weltatlas, da der Wandel zum Dienstleistungszentrum hier vergleichend nicht so deutlich zu erkennen ist. Vielmehr sind die historischen Karten des Atlasses auf die Errichtung der Opelwerke konzentriert. Da die Ebene des sekundären Sektors hier nicht verlassen wird, ist die alternative Kartenauswahl gerechtfertigt. Die Anzahl der Beschäftigten in Bochums tertiären Sektor stieg zwar seit der Krise um 17.900 (Stand 2006), welches hervortretend auf die Existenz der Fachhochschule zurückzuführen ist (7.700). Damit hat der tertiäre- bzw. quartäre Sektor den sekundären Sektor weit überholt, jedoch konnte dieser Sektor bei weitem nicht den kompletten Arbeitsplatzverlust der post Krisenzeit auffangen. Dieser erste Eindruck der negativen Bewertung des Wandels gilt es jedoch weiterhin zu beleuchten, denn es bleibt Ungewiss, wie sich die Stadt ohne den Strukturwandel entwickelt hätte. Durch die Schließung zahlreicher Industriebranchen würde es folglich auch zu einer Reduktion des tertiären Sektors kommen.

 

Das eingeführte Schulbuch[8] wird in dieser Stunde nicht verwendet, da der Strukturwandel des Ruhrgebietes hier in einer darbietenden Form präsentiert wird und somit kein eigener Lernzuwachs und Erkenntnisgewinn zu verzeichnen wäre. Das Beispiel Bochum steht somit als ein repräsentatives Exempel[9] für den Strukturwandel in altindustriellen Räumen. Das Thema hat einen besonderen Stellenwert für die Progression des Lernfortschrittes in dieser Unterrichtsreihe. Die in dieser Stunde erarbeitete dominierende Wirtschaftsstruktur ist die Grundlage für spätere Verknüpfungen und Erklärungsmuster der Globalisierung. Somit wird kein „Inselwissen“ gebildet, sondern im Sinne eines kumulativen Lernens gehandelt. Dies lässt sich auch anhand der vorhergehenden Stunden nachweisen.

 

Durch die fortschreitende Tertiärisierung in Deutschland[10] liegt eine starke Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung für die Schüler vor. Der Trend zur Dienstleistungsgesellschaft nimmt dabei direkten Bezug zur eigenen Ausbildung der Schüler in der Schule und kann Chancen und Risiken des Arbeitsmarktes offen legen.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Industrie und raumstruktureller Wandel. Der Strukturwandel Bochums (9. Klasse Gymnasium Erdkunde)
Note
1,5
Autor
Jahr
2017
Seiten
16
Katalognummer
V384418
ISBN (eBook)
9783668623200
ISBN (Buch)
9783668623217
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Strukturwandel, Ruhrgebiet, Bochum, Altes Referendariat, Niedersachsen, Gymnasium, Studienseminar
Arbeit zitieren
Marco Franke (Autor), 2017, Industrie und raumstruktureller Wandel. Der Strukturwandel Bochums (9. Klasse Gymnasium Erdkunde), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384418

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