Das Thema Klimawandel ist allgegenwärtig. Die Folgen sind vor allem in Ländern südlich des Äquators sichtbar und sowohl akademische, als auch politische Debatten drehen sich um unsere Erde. In dem 2015 entstandenen Abkommen in Paris verpflichteten sich insbesondere Industrieländer dazu, innerhalb der nächsten 10 Jahre 100 Milliarden USD pro Jahr für Unterstützungsmaßnahmen für Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen zu mobilisieren. Auch nationale Organisationen der betroffenen Länder haben mittlerweile einen Direktzugang zu den multilateralen Klimafonds. Hierbei stellt sich die Frage, ob die Interessen der Geberländer in der Verwaltung der Fonds eine schwache Ausprägung der „Ownership-Policies“ und Unterstützungsmaßnahmen nationaler Institutionen begünstigen.
In ihrem Buch untersucht Tina Bauer den Einfluss der Sitz- und Stimmverteilung zwischen Geldgebern und -empfängern auf die Unterstützungsmaßnahmen der Fonds. Doch auch die Rolle von Vertretern der Zivilgesellschaft wird von der Autorin umfassend thematisiert. Durch einen Fallvergleich dreier multilateraler Klimafonds deckt sie fesselnde Fakten in unserer Klimapolitik auf und liefert zugleich eine machtkritische Analyse der Governance-Strukturen unserer internationalen politischen Ökonomie.
Aus dem Inhalt:
Klimawandel;
Fonds;
Ownership-Prinzip;
Ökonomie;
Finanzierung
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Untersuchungsgegenstand
2.1 Fallauswahl: multilaterale Anpassungsfonds
2.2 Entstehung und Organisationsstruktur der Fonds
3 Problemstellung: Beteiligung nationaler Akteure in der Anpassungsfinanzierung
3.1 Hintergrund: Anpassungsfinanzierung in multilateralen Institutionen
3.2 Geberdominanz in der Governance
3.3 Ownership: Hintergrund und Relevanz in der Anpassungsfinanzierung
4 Theorie
4.1 Forschungsstand- und Lücke
4.2 Begriffsdefinitionen und Operationalisierung
4.3 Erklärungsmodelle: Theorie der internationalen politischen Ökonomie
4.4 Anwendung auf den Untersuchungsgegenstand
4.5 Abgeleitete Hypothesen
5 Methodik: Konzepte und Durchführung der Analyse
5.1 Polity und Politics in der Governance
5.2 Ownership- Policies: Direktzugangs- und Partizipationsmechanismen
5.3 Analyse der Daten
6 Analyse
6.1 Governance: Polity und Politics
6.2 Ownership-Policies
7 Komparative Perspektive und Synthese
7.1 Politische Ökonomie in der Governance
7.2 Grad des Ownerships
8 Fazit und Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Governance-Strukturen multilateraler Klimafonds (Least Developed Country Fund, Adaptation Fund, Green Climate Fund) das sogenannte „Ownership-Prinzip“ bei der Anpassungsfinanzierung beeinflussen. Im Zentrum steht die Frage, ob eine machtkritische Governance, die den Einfluss von Empfängerländern und zivilgesellschaftlichen Akteuren stärkt, zu einer effektiveren Umsetzung von Direktzugangs- und Partizipationsmechanismen führt.
- Governance-Strukturen und Geberdominanz in Klimafonds
- Die Rolle des Ownership-Prinzips in der Klimafinanzierung
- Direktzugangsmechanismen für nationale Institutionen
- Stakeholder-Partizipation im Projektzyklus
- Qualitativer Fallvergleich multilateraler Institutionen
Auszug aus dem Buch
3.2 Geberdominanz in der Governance
Die Akteure aus den vom Klimawandel am meisten betroffenen Entwicklungsländern nahmen ihre Repräsentation und Stimmrechte in der Entscheidungsfindung multilateraler Fonds in der Vergangenheit oftmals als unbefriedigend wahr (Vgl. Schalatek 2010: 42). Denn die Fonds sprachen den Geberländern oder -Institutionen wie der Weltbank, in der die entwickelten Länder die größten Anteilseigner sind, unverhältnismäßig viel Einfluss zu (Vgl. Schalatek 2010: 43). Der GEF wurde zum Beispiel aufgrund seiner mangelnden Transparenz in der Enscheidungsfindung sowie der Zusprache von Vorrechten an mächtige Akteure kritisiert (Vgl. Mitchell et al. 2008: 2). Einer Umfrage aus dem Jahr 2009 zufolge waren die Ratsentscheidungen nur 69 Prozent der Interviewten gegenüber transparent gestaltet. Außerdem verfügten die Geberländer über größere und erfahrenere Delegationen, während sich mehrere Entwicklungsländer einen Delegierten teilen müssen, so dass deren Stimmen in den Verhandlungen nicht angemessen vertreten zu sein scheinen (Vgl. GEF 2009: 14). Daher fordern die Empfängerländer mehr Mitbestimmungsrechte, um auch ihre Prioritäten entgegen denen der Geberinstitutionen durchsetzen zu können: “Developing countries are increasingly calling for […] a shift away from a climate finance architecture in which decision making is often dominated by contributor-driven institutions and priorities.“ (Brown et al. 2013: 5, Ballesteros et al. 2010: 18).
Bis zur Errichtung des AF, welcher erstmals Empfängerländern eine formale Mehrheit durch die Sitzverteilung zusprach (Vgl. Harmeling, Kaloga 2011: 26), herrschte ein Konsens darüber, dass die Governance- Strukturen in der Klimafinanzierung die traditionellen Geber-Nehmer Dynamiken widerspiegeln (Vgl. Oxfam 2010: 5). Neben der mangelnden Einbeziehung der Empfängerländer in die Governance sind auch nichtstaatliche Akteure wie zivilgesellschaftliche Organisationen, welche die Interessen lokaler Stakeholder und allen voran die vulnerabler Bevölkerungsgruppen vertreten, weder in der Verwaltung, noch bei der Entscheidungsfindungsfindung in den vertikal gestalteten Klimafonds angemessen vertreten (Vgl. Ballesteros et al. 2010: 7). Ihre bisherige Rolle beschränkt sich bestenfalls auf oberflächliche Konsultationsprozesse durch einen Beobachter- oder Beraterstatus (Vgl. Schalatek 2010: 43).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Klimafinanzierung und das Forschungsinteresse am "Ownership-Prinzip" ein.
2 Untersuchungsgegenstand: Vorstellung der untersuchten Fonds (LDCF, AF, GCF) sowie deren Entstehungsgeschichte und Organisationsstrukturen.
3 Problemstellung: Beteiligung nationaler Akteure in der Anpassungsfinanzierung: Erörterung der Geberdominanz in der Governance sowie der Relevanz von Ownership für die Anpassungsfinanzierung.
4 Theorie: Darlegung der Theorie der internationalen politischen Ökonomie als Analysemodell sowie Ableitung von Arbeitshypothesen.
5 Methodik: Konzepte und Durchführung der Analyse: Beschreibung der analytischen Konzepte für Governance und Ownership sowie der Vorgehensweise bei der Datenauswertung.
6 Analyse: Detaillierte Untersuchung der Polity-, Politics- und Ownership-Variablen in den drei Klimafonds.
7 Komparative Perspektive und Synthese: Vergleichende Gegenüberstellung der Ergebnisse hinsichtlich Governance-Strukturen und Ownership-Policies.
8 Fazit und Handlungsempfehlungen: Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse und Ableitung von Empfehlungen zur Verbesserung der Mitbestimmung und Partizipation.
Schlüsselwörter
Klimafinanzierung, Ownership-Prinzip, Governance, Anpassung, Direktzugang, Stakeholder-Partizipation, multilaterale Fonds, Entwicklungsländer, politische Ökonomie, Geberdominanz, UNFCCC, Adaptation Fund, Green Climate Fund, LDCF, Machtverhältnisse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Governance-Strukturen von Klimafonds die Teilhabe nationaler Institutionen aus Entwicklungsländern beeinflussen und inwiefern dies dem "Ownership-Prinzip" entspricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder sind die institutionelle Gestaltung multilateraler Klimafonds, der Direktzugang zu Finanzmitteln für nationale Institutionen sowie die Partizipation der Zivilgesellschaft im Projektzyklus.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Sitz- und Stimmverteilung (Governance) in Klimafonds und der tatsächlichen Ausprägung von Direktzugangsmechanismen und Partizipationsmöglichkeiten für Empfängerländer zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Dokumentenanalyse der offiziellen Policies und Richtlinien der drei ausgewählten Fonds, ergänzt durch ein Punktesystem zur Bewertung der Partizipationsgrade.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse der Polity- und Politics-Dimensionen der Governance sowie der daraus resultierenden Ownership-Policies der jeweiligen Fonds.
Welche Schlüsselwörter beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen gehören Klimafinanzierung, Ownership, Governance, Direktzugang und Stakeholder-Partizipation.
Inwiefern beeinflusst der "LDCF-Rat" die Ergebnisse?
Die Arbeit zeigt, dass die Governance-Struktur des LDCF aufgrund der starken Anlehnung an den GEF und der gewichteten Stimmrechte die Geberinteressen begünstigt, was den Direktzugang nationaler Institutionen erschwert.
Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft laut der Analyse?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass zivilgesellschaftliche Beobachter trotz formaler Rollen oft nur begrenzten Einfluss ausüben können, wobei die Qualität der Einbindung je nach Fonds und Institutionalisierungsgrad stark variiert.
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- Tina Bauer (Author), 2018, Die Bedeutung des Ownerships in der Klimafinanzierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384442