Leichte Sprache. Eine Kommunikationshilfe für Alle?


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Leichter Sprache
2.1 Entwicklung der Leichten Sprache
2.2 Regeln der Leichten Sprache
2.3 Zielgruppe
2.4 Rechtliche Grundlagen

3. Kritikpunkte

4. Modifikation von Material in Leichter Sprache
4.1 Prälingual Gehörlose
4.2 Ideen zur Anpassung von Texten in Leichter Sprache für prälingual Gehörlose

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbilungsverzeichnis

1. Einleitung

Sprache ist ein Medium, welches wir täglich nutzen. Informationen werden in mündlicher oder schriftlicher Form übermittelt, wobei unterschiedliche Varietäten der deutschen Sprache genutzt werden. Während die meisten Unterhaltung in Standardsprache stattfinden, werden wir dennoch in Zeitungen oder behördlichen Briefen mit Fachsprachen konfrontiert, die nicht immer einfach zu verstehen sind. Unsere heterogene Gesellschaft besteht auch aus Menschen, die bereits bei der Rezeption von Standardsprache Probleme haben. Um ihnen dennoch die Möglichkeit der Partizipation zu geben, ist die Leichte Sprache ein gutes Hilfsmittel. Leichte Sprache ist eine verständliche Sprache, die komplexe Texte aus Standard- aber auch Fachsprache für Menschen mit Leseschwierigkeiten übersetzt. Doch wer sind diese Menschen mit Leseschwierigkeiten? - Schaut man in die Literatur so ergibt sich eine sehr heterogene Gruppe, die die Leichte Sprachen nutzen soll und kann. Neben Menschen mit Lernschwierigkeiten, einer geistigen Behinderung oder Personen mit Demenz werden auch prälingual Gehörlose und Migranten zu den Rezipienten und Rezipientinnen[1] gezählt. Doch ist es überhaupt möglich, dass die Leichte Sprache eine einheitliche Lösung für eine derart heterogene Gruppe darstellt?

2. Definition von Leichter Sprache

Die Leichte Sprache ist eine Varietät der deutschen Sprache (Vgl. Maaß 2015, S.12). Sie definiert sich als eine verständliche Sprache, die vorrangig im Schriftgebrauch verwendet wird (Vgl. Aichele 2014). Geschützt ist der Begriff der Leichten Sprache nicht, welches dazu führt, dass es unterschiedliche, wenn auch ähnliche Regelwerke zum Umgang mit ihr gibt (Vgl. Kellermann 2014). Sie ,,[...] hat das Ziel, Menschen mit Leseschwierigkeiten die Teilhabe an Gesellschaft und Politik zu ermöglichen.“ (Kellermann 2014).

Sie ist ebenso wie die Einfache Sprache eine Möglichkeit Informationen für Menschen mit Leseschwierigkeiten aufzubereiten. Jedoch unterscheiden sich die Konzepte in ihren Regeln. Während die Leichte Sprache Satzellipsen erlaubt und zusammengesetzte Wörter mit einem Bindestrich oder Mediopunkt trennt, ist die Einfache Sprache in seinen Strukturen komplexer. Es werden vollständige Sätze und schwierigere Wörter benutzt, die man versucht in der Leichten Sprache zu vermeiden (Vgl. Kellermann 2014).

2.1 Entwicklung der Leichten Sprache

Einen Erfinder der Leichten Sprache zu finden ist schwer. So schreibt Maaß (Vgl. Maaß 2015, S.26) die Anfänge der Bewegung der Leichten Sprache den Finnen und anderen Europäischen Ländern zu, während Kellermann (Vgl. Kellermann 2014) den Ursprung für die Leichte Sprache bei der amerikanischen Organisation People First sieht. Stimmen der Bewegung für Leichte Sprache kamen jedoch vor allem von den Selbstvertreter_innen, die durch die Einführung der Leichten Sprache versuchten, ihre Rechter besser zu verstehen und durchsetzen zu können (Vgl. Seitz 2014).

Eine Vorreiterrolle nahmen dabei die Schweden ein. Die Swedish National Agency for Education beschäftigte sich bereits Ende der 1960er Jahre mit der Idee des ,Easy Read‘, woraus einige Jahre später die erste Zeitung in Einfacher Sprache entstand (Vgl. Kellermann 2014). Kellermann hingegen schreibt den Ursprung der Leichten Sprache der amerikanischen Organisation People First zu, die sich bereits 1974 formierte und Mitte der 1990er Jahre mit dem Konzept des ,Easy Read‘ beschäftige und auch erste Regeln formulierte (Vgl. Kellermann 2014). In Europa gründete sich dann Ende der 1980er Jahre die Gemeinschaft Inclusion Europe, die von Selbstvertreter_innen gegründet wurde. In diesen Jahren wurden die formulierten Regeln auch ins Deutsche übersetzt und kamen erstmals zur Anwendung (Vgl. Maaß 2015, S.10).

Das erste offizielle deutsche Netzwerk von Menschen mit Lernschwierigkeiten wurde im Jahr 1997 gegründet, danach folgte vier Jahre später der Verein Mensch zuerst, welcher ebenfalls zwei Wörterbücher für Leichte Sprache herausgab (Vgl. Kellermann 2014). So häuften sich Ende der 1990er Jahre und Anfang der 2000er Jahre die Erfolge für die Leichte Sprache, die durch die große internationale Aufmerksamkeit immer mehr in den Fokus rückte. Die Konkretisierung der Regeln für den deutschen Gebrauch der Leichten Sprache geht jedoch vor allem auf das Netzwerk Leichte Sprache zurück, welche seit Mitte der 2000er Jahre eng mit der deutschen Organisation Mensch zuerst zusammenarbeitet. Seit 2014 erhält die Hildesheimer Forschungsstelle Leichte Sprache auch immer mehr Anerkennung auf diesem Gebiet.

2.2 Regeln der Leichten Sprache

Das Netzwerk Leichte Sprache verfasste für die den Gebrauch der Leichten Sprache ein Regelwerk, dass sich in sechs Punkte gliedert (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013). Der erste Bereich umfasst die Wörter, die genutzt werden soll. Das Netzwerk Leichte Sprache gibt dabei vor, dass vor allem leichte Wörter verwendet werden sollen. Es soll darauf geachtet werden, dass die Wörter genau beschreiben worum es sich handelt, statt einen Oberbegriff zu benutzen. So wird hier das Beispiel des öffentlichen Nahverkehrs gegeben, welcher als zu schwierig für die Rezipient_innen angesehen wird. Die bessere Alternative dazu sei dabei die Verwendung von konkreten Verkehrsmitteln, wie Bus und Bahn (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 4). Fach- und Fremdwörter sollen in Texten in Leichter Sprache vermieden werden und Worte genutzt werden, die die Rezipient_innen kennen. Des Weiteren sollen schwierige Wörter immer erklärt werden. In dem Regelwerk wird dies in folgendem Beispiel sehr gut dargestellt:

„Herr Meier hatte einen schweren Unfall. Jetzt lernt er einen anderen Beruf. Das schwere Wort dafür ist: berufliche Rehabilitation.“ (Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 5)

Auf diese Weise können die Leser_innen der Texte schwere Worte sofort mit Erklärungen in Verbindung bringen. So ist es möglich den Wortschatz der Betroffenen zu erweitern. Im Verlauf des Textes können auch schwere Worte benutzt werden, da sie vorher bereits erläutert wurden. Dennoch ist es wichtig, dass immer die gleichen Worte genutzt werden. Synonyme der Begriffe können bei den Leser_innen für Verständnisprobleme sorgen, da diese eventuell nicht in ihrem Wortschaftt verankert sind (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S.5). Eine weitere Besonderheit bei der Leichten Sprache ist zudem die Trennung von langen und zusammengesetzten Wörtern mithilfe eines Bindestrichs oder Mediopunkts. Die Rezipient_innen können die Wörter damit besser lesen und verstehen. So würde in Leichter Sprache „Lang-strecken-lauf“ aufgetrennt werden, um ein besseres Verständnis zu fördern (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S.6) Weitere Besonderheiten beziehen sich auf die Vermeidung von Abkürzungen, der Verwendung von Verben statt Hauptwörtern und dem Gebrauch von aktiven Wörtern. Auch der Genitiv oder Konjunktive sollen möglichst vermieden werden, ebenso wie der Gebrauch von Negationen.

„Schlecht: Peter ist nicht krank.

Gut: Peter ist gesund.“ (Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 10).

Negationen wie nicht oder keine können von einigen Rezipient_innen übersehen werden, aus diesem Grund sollen sie möglichst vermieden und durch andere Worte ersetzt werden (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 10). Ebenso soll auf Redewendungen oder bildliche Sprache verzichtet werden, diese kann nach Ansicht des Netzwerks Leichte Sprache falsch verstanden beziehungsweise wörtlich genommen werden (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 10).

Der zweite Bereich befasst sich mit dem Umgang von Zahlen. Es sollen ausschließlich arabische Zahlen in Texten genutzt und Jahreszahlen vermieden werden und durch ungefähre Zeitangaben ersetzt werden. Spricht man beispielsweise vom Jahr 1801, so kann in Leichter Sprache der Ausdruck vor langer Zeit genutzt werden (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 11). Insbesondere große Zahlen sollen durch ungefähre Angaben ersetzt werden, um eine Erleichterung beim Lesen zu verschaffen (Vgl. Stefanowitsch 2014). Dies kann das Verstehen von Texten erleichtern, da einige der Rezipient_innen keine Zahlvorstellung besitzen und somit ein zusätzlicher Schwierigkeitsfaktor beim Erfassen der Informationen gegeben ist. Der Bereich Zahlen umfasst noch weit aus mehr Regeln, die jedoch aufgrund der Länge der Arbeit vernachlässigt werden sollen. Als dritten Bereich benennt das Regelwerk die Sätze. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Sätze in ihrer Struktur einfach sind, also nur aus Hauptsätzen bestehen und möglichst kurz sind (Vgl. Netzwerk für Leichte Sprache, S. 17). In dieser Form lassen sich die Informationen für die Rezipient_innen besser aufnehmen. Die Verknüpfungen von Haupt- und Nebensatz sind nicht für alle Nutzer_innen der Leichten Sprache nachvollziehbar.

Der vierte Bereich umfasst die Texte im Allgemeinen. Dabei sollen die Leser_innen möglichst angesprochen werden, damit sie die enthaltene Information als für sich relevant ansehen. Ebenso sollen anders als gewohnt bei der Nutzung von weiblicher und männlicher Person immer die männlichen Personen an erster Stelle kommen. Diese Form ist für die Nutzer_innen einfacher zu lesen und erleichtert somit auch das Lesen der weiblichen Form. So würde es also in der Leichten Sprache nicht Schülerinnen und Schüler, sondern Schüler und Schülerinnen ausgedrückt werden (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 19). Fragen und Verweise sollten nicht genutzt werden, nach Angaben des Netzwerks führen sie dazu, dass Menschen sich belehrt fühlen oder das Bedürfnis besitzen rhetorische Fragen beantworten zu müssen. Verweise hingegen können für Verwirrungen sorgen, sollten sie dennoch nötig sein, so müssen sie hervorgehoben werden und nicht wie in anderen Texten in Klammern stehen (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache, S. 20).

Ein wichtiger Punkt ist die Gestaltung des Textes, denn nicht nur inhaltlich sind viele Regeln zu beachten, auch bei der Darstellung sollten einige Punkte beachtet werden. Dies nennt Stefanowitsch (Vgl. Stefanowitsch 2014) auch die orthographische Empfehlung. Diese Empfehlung besagt, dass möglichst nur eine Schriftart in einem Text genutzt werden soll, welche möglichst ohne Serifen ist. Dabei spielt auch die Schriftgröße und der Abstand zwischen den Zeilen eine Rolle, um das Lesen für die Rezipient_innen zu erleichtern. Es wird zudem empfohlen den Text linksbündig zu formatieren (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013 S. 24). Wichtig ist, dass ein Satz stets nur eine Zeile einnimmt und Wörter nicht getrennt werden (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013 S. 25). So können sich die Nutzer_innen besser auf den Satz und die darin enthaltenen Informationen konzentrieren. Weitere Vorgaben beziehen sich zudem auf das Druckerzeugnis selbst, wie beispielsweise Farben,Untergrund und erklärende Bilder auf die jedoch im Folgendem nicht näher eingegangen werden soll.

Der letzte und wohl wichtigste Punkt betrifft das Prüfen des Textes. Die Texte sollten möglichst von Prüfer_innen Korrektur gelesen werden, die Leseschwierigkeiten besitzen, da nur diese feststellen können, ob der Text verständlich ist. Gibt es noch Verständnisprobleme bei bestimmten Passagen können diese mit der Hilfe der Prüfer_innen überarbeitet werden, um zu gewährleisten, dass die Texte für die Rezipient_innen möglichst verständlich sind (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 35-36).

2.3 Zielgruppe

Die Zielgruppe der Rezipient_innen für Leichte Sprache ist sehr heterogen. Sie umfasst Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen in Bezug auf ihre kognitiven und sensorischen Fähigkeiten, beziehungsweise solchen mit nicht abgeschlossenem Spracherwerb. Zu der Zielgruppe werden unter anderem Menschen mit einer geistigen Behinderung gezählt, sowie Menschen mit einer Hirnverletzung (beispielsweise einer zerebralen Störung), prälinguale Gehörlose (Menschen, die während des Spracherwerbs ihr Gehör verloren haben), funktionale Analphabeten, Legastheniker, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Menschen mit Demenz und auch Migranten (Vgl. Maaß 2014, S. 16 - 18 und Stefanowitsch 2014). Die Aufzählung macht deutlich, wie vielfältig die Gruppe der Nutzer_innen von Leichter Sprache sein soll. Es liegen unterschiedliche Gründe für die Leseschwierigkeiten zu Grunde, sodass in Frage gestellt werden muss, ob die Leichte Sprache tatsächlich für alle aufgezählten Rezipient_innen im vollen Umfang geeignet ist. Dieser Frage soll noch einmal genauer in der Kritik Aufmerksamkeit geschenkt werden.

2.4 Rechtliche Grundlagen

In Deutschland wurde das das Gleichstellungsgesetz für Behinderte Menschen erst spät eingeführt. Seit 2002 sorgt das Behinderten Gleichstellungsgesetz (BGG) für eine Gewährleistung der Barrierefreiheit, die sich einerseits auf die physische Barrierefreiheit bezieht, aber auch die metaphorische einschließt (Vgl. Maaß 2015, S. 20-21). Dies bedeutet, dass beispielsweise Hürden in Bezug auf die Kommunikation abgebaut werden sollen.

Durch die UN-Behindertenkonvention im Jahr 2008 erhielt die Leichte Sprache noch einen höheren Stellenwert. Diese konkretisiert die Forderungen des BGG noch weiter und verlangt ,,[...] Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen [...]“ (Maaß 2015, S. 20). Durch diese neuen Gesetze erfolgte bereits im darauf folgenden Jahr die Bereitstellung von Wahlprogrammen in Leichter Sprache. Zudem trat im Jahr 2011 die „Barrierefreie­Informationstechnik-Verordnung“ (kurz BITV) in Kraft sowie ein Jahr später das BITV 2.0 (Vgl. Maaß 2015, S. 21). Mit dieser Verordnung ist die Leichte Sprache, ebenso wie die Gebärdensprache als Kommunikationsmittel gesetzlich vorgeschrieben und kann von Nutzer_innen der Leichten Sprache eingefordert werden. Des Weiteren besagt die BITV 2.0, dass die Werbeauftritte des Bundes in Leichter Sprache angeboten werden müssen (Vgl. Maaß 2015, S.21).

3. Kritikpunkte

Kritikpunkte gibt es immer, so auch bei der Leichten Sprache. In diesem Abschnitt sollen einige Punkte zu den Regeln, aber auch die heterogenen Zielgruppe betreffend, betrachtet werden. Dies beginnt bereits bei der Umsetzung der Regeln für Leichte Sprache. Einige Strukturen, die vermieden werden sollen, können für Bedeutungsunterschiede in der Übersetzung sorgen. Dazu gehört zum Beispiel die Vermeidung von Negationen. Doch dies ist nicht immer möglich, wenn man den Sinn des eigentlichen Satzes bewahren möchte. So nennt Stefanowitsch (Vgl. Stefanowitsch 2014) in seinem Text das Beispiel „Peter ist nicht gesund.“, drückt man den Satz positiv aus „Peter ist krank.“, so hat dies nicht die gleiche Bedeutung. Nicht gesund zu sein, bedeutet nicht automatisch, dass man krank ist. Fühlt man sich unwohl ist dies nicht gleich bedeutend mit einer Krankheit, schließt aber auch ein, dass man nicht vollständig gesund ist. Diesen Unterschied kann man mit der Vermeidung von Negationen nicht aufzeigen, es müsste weitergehend erklärt werden, um diesen Unterschied deutlich zu machen. Ähnliches zeigt sich bei dem Satz „Peter trinkt nicht gerne Kaffee.“. Es ist schwer den Satz ohne eine Negation auszudrücken. „Peter trinkt alles außer Kaffee gerne“ hat nicht die gleiche Bedeutung, da nicht deutlich ist, ob es noch andere Getränke gibt, die Peter nicht gerne trinkt. Eine weitere Regel an dem Stefanowitsch (Vgl. Stefanowitsch 2014) Kritik übt, ist die Vermeidung von Passivkonstruktionen.

„[...] Passivstrukturen kommen unter anderem dort zum Einsatz, wo allgemeine Tatsachen berichtet werden sollen und ein aktiver Satz spezifische Handelnde benennen müsste (Morgen wird gewählt bedeutet etwa nicht notwendigerweise, dass eine bestimmte Person oder Gruppe wählt, die man in einem Aktivsatz zum Subjekt machen könnte).“ (Stefanowitsch 2014)

Eine grundsätzliche Vermeidung von Passivstrukturen kann daher zu Bedeutungsunterschieden führen, die in Bezug auf die Verbreitung von Informationen bei den Nutzer_innen zu Verständnisschwierigkeiten führen kann.

Auch die Detailtreue ist ein häufig benanntes Problem in Bezug auf die Leichte Sprache. Die Regeln besagen, dass genaue Zahl- und Mengenangaben zu vermeiden sind und durch ungefähre Werte oder Umschreibungen zu ersetzen sind (Vgl. Netzwerk Leichte Sprache 2013, S. 11). Ein Beispiel wäre die Anzahl von Unterschriften bei einer Petition. Es handelt sich dabei oft um große Zahlen, die jedoch genau angeben, wie viele Menschen bereits unterzeichnet haben und auch wie viele Unterschriften noch fehlen. Rundet man die Zahlen wie vorgeschlagen oder ersetzt sie durch eine Floskel wie „viele Menschen“, werden die Informationen sehr ungenau. Dies mindert die Genauigkeit der Informationen auf Kosten des leichteren Verständnisses für die Rezipient_innen (Vgl. Stefanowitsch 2014).

[...]


[1] Im folgenden werden die männliche und weibliche Form mit der Gendergap angegeben, um auch jene einzuschließen, die sich keiner der beiden sozialen Geschlechter zugehörig fühlen.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Leichte Sprache. Eine Kommunikationshilfe für Alle?
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V384473
ISBN (eBook)
9783668596559
ISBN (Buch)
9783668596566
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion, multimodale Kommunikation, Leichte Sprache, prälingual Gehörlose, Gebärdensprache, Kritik
Arbeit zitieren
Chantal Dierks (Autor), 2017, Leichte Sprache. Eine Kommunikationshilfe für Alle?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384473

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