Der Konflikt um den schmalen Streifen Land am östlichen Mittelmeer, das Palästina genannt wird, besteht nun seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Maßgeblich zurück zu führen ist der heutige Zustand, ein Zustand, in dem sich Zionisten1 und arabische Nationalisten feindselig gegenüberstehen, auf die kurzsichtige und widersprüchliche Kolonialpolitik Großbritanniens während des 1. Weltkrieges. Der geheime britisch-französische Teilungsplan vom Mai 1916 – Sykes-Picot-Abkommen –, der den Vorderen Orient zwischen beiden Staaten aufteilte, widersprach dem Angebot des britischen Hochkommissars MacMahon an den Sherifen von Mekka, Hussein, 1915/16. Vor dem 1. Weltkrieg gehörten große Teile des Nahen Ostens zum Osmanischen Reich. Als Gegenleistung für einen arabischen Aufstand gegen die mit Deutschland und Österreich-Ungarn verbündeten Osmanen versprach MacMahon, sich für ein großarabisches Reich in Palästina und Syrien einzusetzen. Mit der Balfour- Deklaration im November 1917 war das Chaos perfekt. Sie unterstützte die „Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen“2. Die Absicht der Briten war es gewesen, die zionistischen gegen nationalarabische Interessen auszuspielen und damit als lachender Dritter den britischen Einfluss auf die Kolonie Palä stina, die offiziell ein Mandat des Völkerbundes an Großbritannien war, zu sichern. In letzter Konsequenz entstand am 14. Mai 1948 der Staat Israel, nachdem Großbritannien sein Mandat zurück gegeben hatte.
Auf palästinensischer Seite hat sich die PLO als legitime Vertretung etabliert. Ursprünglich war sie als ein Produkt des innerarabischen Machtkampfes in den 60er Jahren gegründet worden.
Im politischen Gesamtzusammenhang des Nahostkonflikts behandelt diese Arbeit die Entwicklungsgeschichte der PLO. Nach eingehender Untersuchung der Gründungsgeschichte wird im weiteren Verlauf eingehend die Fatah, die bestimmende Gruppierung innerhalb der PLO, und ihre Eingliederung in die PLO dargestellt. Nach einer Darstellung der Entwicklungsgeschichte der PLO bis in die 1990er Jahre und der Intifada 1987 werde ich abschließend mit dieser Arbeit folgenden Fragenkatalog klären:
Zu welchem Zweck wurde die PLO gegründet?
Was verhalf ihr zum Aufstieg bzw. zur Anerkennung?
Was sind die Ziele der PLO?
Ist die PLO demokratisch aufgebaut?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die PLO
2.1. Die PLO bis 1969
2.2. Entwicklung der Fatah
2.2.1. Gründungszeit
2.2.2. Karameh
2.3. Die PLO ab 1969
2.4. Legitimation für die PLO
2.5. Intifada 1987
2.5.1. Gründe für die Intifada
2.5.2. Verlauf
3. Auf dem Weg zum Frieden?
4. Abschließende Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) im Kontext des Nahostkonflikts. Zentrales Ziel ist es, den Aufstieg der PLO, ihre Rolle als palästinensische Interessenvertretung sowie ihre Wandlungen im Zuge politischer Umbrüche wie der Intifada 1987 wissenschaftlich zu analysieren.
- Gründungsgeschichte und interne Struktur der PLO
- Die Rolle der Fatah als bestimmende Gruppierung
- Legitimationsstrategien der PLO auf nationaler und internationaler Ebene
- Bedeutung der Intifada für die Positionierung der Organisation
- Friedensprozesse und das Verhältnis zum israelischen Staat
Auszug aus dem Buch
2.2.1) Gründungszeit
Gründervater der Fatah war eine Gruppe um Yassir Arafat (genannt Abu Ammar) und Khalil al-Wazir (Abu Jihad)17. Diese Gruppe kannte sich schon seit Anfang der 50er Jahre aus ihrer Studienzeit in Kairo. 1950 war Arafat nach Kairo gegangen, hatte sich dort den Muslimbrüdern angeschlossen und war von 1952 bis 1956 Vorsitzender der „Union palästinensischer Studenten“18.
Vor allem die Muslimbrüderschaft (yamyat al-ikhwan al-muslimin)19 hatte großen Einfluss auf die palästinensische Nationalbewegung, die Ausdruck in der Fatah fand. Die meisten palästinensischen Studenten in Ägypten waren Muslimbrüder (Ikhwan muslimun, kurz Ikhwan). Seit Mitte der 1930er bestand Kontakt zwischen den Ikhwan und Palästina, den Hajj Amin al-Husaini, der Führer des Obersten Arabischen Komitees (OAK)20 hergestellt hatte.
Die Ikhwan strebten die Schaffung eines religiösen Staates nach den Prinzipien des Koran an. Ihr Interesse galt daher den heiligen Stätten in Jerusalem und Palästina. Ihr politisches Handeln war geprägt durch anti-imperialistischen Kampf und die Befürchtung zionistischer Strömungen. Damit deckte sie sich mit der palästinensischen Nationalbewegung, wie sie vor 1948 existierte.
Durch den Krieg 194821 und die folgenden Vertreibungen wurde die palästinensische Gesellschaft auseinandergerissen. Die Entwicklung eines eigenen Nationalgefühls für Palästina wurde gehemmt. Wie viele Palästinenser flüchtete die traditionelle Führungsschicht, die grundbesitzenden Notabeln, in die angrenzenden Länder und wurde dort – im Gegensatz zu den ärmeren Flüchtlingen – assimiliert. Ohne die Sicherheit ihres Besitzes waren sie unfähig, die politische Führung zu behaupten. Statt dessen entstanden neue Führungsstrukturen in Beirut, aus denen später die panarabisch orientierte PFLP hervorging, und in Kuwait, wo die Fatah den Geist eines palästinensischen Nationalgefühls aufleben ließ22.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historischen Wurzeln des Nahostkonflikts, insbesondere die britische Kolonialpolitik, und definiert die PLO als zentrale Vertretung der palästinensischen Bevölkerung.
2. Die PLO: Das Kapitel analysiert die Entstehung der PLO 1964, ihre Transformation unter der Führung der Fatah ab 1969 sowie die massiven Auswirkungen der Intifada 1987 auf ihre politische Strategie.
2.1. Die PLO bis 1969: Es wird die Gründungsphase unter Ahmed Shukairi beschrieben, die stark von ägyptischen Interessen und der Notabeln-Schicht geprägt war.
2.2. Entwicklung der Fatah: Der Fokus liegt auf der Entstehung der Fatah als radikale, palästinensische Nationalbewegung und ihr Bestreben, eine eigenständige Führungsrolle zu übernehmen.
2.2.1. Gründungszeit: Dieser Abschnitt beleuchtet die ideologischen Ursprünge der Fatah-Gründer innerhalb palästinensischer Studentenkreise in Kairo und deren Verbindung zu den Muslimbrüdern.
2.2.2. Karameh: Die Schlacht von Karameh wird als entscheidender Wendepunkt dargestellt, der der Fatah massiven Zulauf und Legitimität in der Bevölkerung verschaffte.
2.3. Die PLO ab 1969: Die Konsolidierung der PLO unter Yassir Arafat zur Dachorganisation wird hier thematisiert, inklusive der Etablierung militärischer und ziviler Infrastrukturen.
2.4. Legitimation für die PLO: Hier wird der Prozess der diplomatischen Anerkennung der PLO durch arabische Staaten und internationale Gremien bis 1974 erläutert.
2.5. Intifada 1987: Der Aufstand wird als Chance zur politischen Repräsentation der PLO analysiert, die trotz interner Spaltung die Führung in den besetzten Gebieten übernahm.
2.5.1. Gründe für die Intifada: Untersucht werden die langfristigen wirtschaftlichen und politischen Spannungen unter israelischer Besatzung sowie die neue „Politik der Eisernen Faust“.
2.5.2. Verlauf: Es wird dargelegt, wie die PLO im Hintergrund die Fäden der Intifada zog und die „Vereinigte Nationale Führung der Intifada“ bildete.
3. Auf dem Weg zum Frieden?: Das Kapitel behandelt die geheimen Osloer Verhandlungen und den Versuch, durch Abkommen wie das Gaza-Jericho-Abkommen eine Grundlage für Frieden zu schaffen.
4. Abschließende Zusammenfassung: Der Autor resümiert die Entwicklung der PLO von einer von Interessen anderer Staaten geprägten Organisation hin zu einer eigenständigen, wenn auch international herausgeforderten Akteurin im Friedensprozess.
Schlüsselwörter
PLO, Fatah, Palästina, Nahostkonflikt, Yassir Arafat, Intifada, Palästinensische Autonomiebehörde, Osloer Verträge, Arabische Liga, Besatzung, Legitimität, Unabhängigkeit, Nationalcharter, Widerstand, Friedensprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung der PLO, ihre Rolle im Nahostkonflikt und ihre Transformation von einer Gründungsorganisation der Arabischen Liga hin zur politischen Interessenvertretung der Palästinenser.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernpunkten gehören die Gründungsgeschichte der Fatah, der Einfluss internationaler Mächte auf die PLO, die Auswirkungen der Intifada 1987 und die diplomatischen Schritte in Richtung Friedensabkommen.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Der Autor hinterfragt, wie sich die PLO als legitime Vertretung etabliert hat, wie sie ihre Ziele gegenüber Israel und anderen arabischen Staaten formulierte und ob ihr Aufbau demokratischen Standards entspricht.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse auf Basis historischer Quellen und Literatur, die den Prozess der politischen Institutionalisierung und Legitimationsfindung untersucht.
Was wird primär im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Entwicklungsgeschichte der PLO von 1964 bis 1969, die Ära Arafat, die Bedeutung der Schlacht von Karameh sowie die Analyse der Intifada 1987 und der darauffolgenden Friedensbemühungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind PLO, Fatah, Intifada, Legitimität, Souveränität, Nahostkonflikt und politische Transformation.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Muslimbrüderschaft auf die frühe Fatah?
Der Autor sieht in den frühen Kontakten der Fatah-Gründer zu den Muslimbrüdern in Kairo eine ideologische Basis, die durch anti-imperialistischen Kampf und eine starke religiöse bzw. nationale Identitätsbildung geprägt war.
Welche Rolle spielt die „Politik der Eisernen Faust“ für den Ausbruch der Intifada?
Sie wird als einer der wesentlichen Auslöser für den Palästinenseraufstand 1987 angeführt, da sie durch Deportationen und Administrativhaft den Druck auf die palästinensische Bevölkerung massiv verschärfte.
Inwiefern hinterfragt der Autor die demokratische Legitimität der PLO?
Der Autor stellt fest, dass es kein direktes demokratisches Wahlsystem zum Nationalrat gibt; die Legitimität der PLO resultiert nach seiner Einschätzung primär aus ihrem konsequenten Anspruch, als einzige Vertretung aller Palästinenser zu agieren.
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- Kevin Francke (Author), 2004, Die Entwicklungsgeschichte der PLO im politischen Gesamtzusammenhang des Nahostkonflikts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38451