La Malinche, die Graskönigin. Frauen und ihre Rollen während der Conquista


Seminararbeit, 2017
32 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

USS Malinche
Legenden in Weiß und Schwarz
Quellenlage, Methodologie und Forschungsstand

La Malinche
Umfeld
Indigene Frauen vor der Ankunft der Spanier
Frauen in Neuspanien
Das Leben Malinches
Die Bedeutung Malinches
“Malinchismo”

Die Dolmetscherin

Verzeichnis der verwendeten Literatur, Internetquellen und Bildquellen
Verwendete Literatur
Internetquellen
Bildquellem

USS Malinche

In der Fernsehserie Star Trek: Deep Space 9 existiert über einen Kreuzer der Sternenflotte, der in Episode 13 der fünften Staffel in Erscheinung tritt und unter dem Kommando eines gewissen Captain Sanders flog, eine Anekdote[1].

Hans Anthony Beimler, ein in Mexiko-Stadt geborener Deutscher und einer der Drehbuchautoren von Deep Space 9 gab diesem Schiff den Namen – USS Malinche, Registriernummer NCC-38997. Robert Hewitt Wolfe, ein weiterer Drehbuchautor dieser Serie erklärte später, dass er als Amerikaner und sogenannter Gringo den Namen nicht kannte und ihn für eine Erfindung hielt, vielleicht aus dem Vulkanischen[2].

Tatsächlich ist der Name Malinche nicht vulkanischen Ursprungs.

Es handelt sich um den Namen einer Frau, die im frühen 16. Jahrhundert während der Eroberung Mexikos durch die Spanier unter Cortéz in Erscheinung trat. Malinche ist eine gebürtige Indianerin, die einerseits als Opfer und andererseits als Verräterin gesehen wird, weil sie den Spaniern während ihrer Eroberung bei mehreren Gelegenheiten half. Sie ist eine der komplexesten Figuren der mexikanischen Geschichte, die immer wieder zu verschiedensten Zwecken uminterpretiert und adaptiert wurde – und die, wie der anfangs erwähnte Kreuzer zeigt, außerhalb Mexikos fast unbekannt ist.

Es muss auch gesagt werden, dass es bisher keine Anzeichen dafür gibt, dass ein Schiff einer offiziellen Organisation den Namen Malinche erhalten könnte. Warum die Fernsehserie Star Trek einen Kreuzer ihrer Sternenflotte nach ihr benannte, beziehungsweise, was Beimler dazu veranlasste, ist nicht bekannt.

Legenden in Weiß und Schwarz

Die Conquista, die spanische Eroberung Mexikos von 1519 bis 1521, beginnend mit der Landung von Cortéz an den Stränden des heutigen Veracruz und mit dem Fall von Tenochtitlan, der großen Hauptstadt des Aztekenreichs, endend, ist eines der wichtigsten Ereignisse der mexikanischen und auch der spanischen Geschichte. Um diese in erzählender Form veranschaulichen zu können, wurde mit Hilfe vorhandener Quellen zwei große Narrativen erarbeitet, die Schwarze und die Weiße Legende, oder in spanischer Sprache Leyenda Blanca und Leyenda Negra.

Diese beiden Legenden, oder Lesarten, existieren meiner Kenntnis nach nur im Zusammenhang mit der Conquista, spezifischer im Kontext zu ihren Quellen. Die Weiße Legende verkörpert die Auffassung, das die Gräueltaten der Konquistadoren verharmlost wurden um das Image der kolonialen Herrschaft zu verbessern, während die Schwarze Legende eher das Gegenteil behauptet, dass nämlich die Taten der Konquistadoren aufgebauscht wurden um Kritik am Herrschaftssystem in den Kolonien üben zu können.[3]

Ein Teil dieser Quellen wurde aus unterschiedlichen Gründen und mit diametralen Zielen niedergeschrieben. So hatte der spätere Bischof von Chiapas Bartolomé de Las Casas durchaus Interesse daran, die Vorgänge, die er schilderte und deren Augenzeuge er war, so grausam wie möglich zu erzählen, da er, sowohl auf den Inseln der Karibik als auch auf dem Festland für die Rechte der Indios sehr erfolgreich eintrat.

Welche der beiden Narrativen der Wahrheit näher kommt ist für diese Arbeit nicht relevant, sie ist aber ein Symptom, welches nicht nur Malinche, sondern viele weitere Themen betrifft und von Luis Gonzales folgendermaßen charakterisiert wird:

Wenige Länder kultivieren Geschichte mit so viel Enthusiasmus wie Mexiko.

- Luis Gonzáles, mexikanischer Historiker[4].

Quellenlage, Methodologie und Forschungsstand

Methodologisch ist diese Arbeit eine Literaturarbeit in der vorhandene Literatur analysiert und Ergebnisse zusammengestellt und präsentiert werden. Der Schwerpunkt orientiert sich bei dieser Vorgehensweise vor allem an einer wichtigen Frage:

Wie bedeutend war die Rolle Malinches während der Eroberung Mexikos und inwiefern wird sie eventuell zu sehr 'aufgebauscht' um verschiedensten Zwecken zu dienen?

Zu diesem Thema und allgemein zur Rolle der Frau in Mexiko ist moderne und aktuelle Literatur verfügbar, welche mir dank JSTOR und Wikipedia größtenteils zur Verfügung stand. Gleichzeitig muss man aber konstatieren, dass viele Informationen entweder direkt aus Mexiko stammen oder sich auf mexikanische Literatur beziehen.

Persönlich findet Malinche in den Quellenberichten der Eroberer eher selten Erwähnung, selbst Cortéz erwähnt sie beispielsweise nur zwei Mal, davon nur ein einziges Mal mit Namen – Hauptquelle ihrer Lebensgeschichte ist eine Biographie, welche von López de Gómara mehrere Jahrzehnte nach der Eroberung[5] und wahrscheinlich mit viel Hilfe von Cortéz geschrieben wurde. Andere spanische Quellen sind unter anderem ein Stück von Bernal Díaz de Castillo, der sie vielleicht persönlich kannte und ihr eine Hauptrolle in seiner Narrative gab. Außerdem erscheint ihr Name auch in den probanzas, prinzipiell spanische Rentenanträge alternder Konquistadoren und ihrer Kinder, um dort eine wichtige Rolle einzunehmen.[6]

Die Codices, indigene Quellen, welche die Azteken und andere einheimischen Völker nach der Eroberung Mexikos weiterhin anfertigten, weisen sowohl bildhaft als auch sprachlich sehr viel häufiger auf Malinche hin. So erscheint sie oftmals in zentraler Rolle in den Abbildungen der verschiedenen Codices, beispielsweise zeigen die Fragmente des Lienzo de Tlaxcala vier Abbildungen von Malinche als Übersetzerin von Cortéz in Tlaxcala.[7]

Details ihres Lebens, wie beispielsweise ihr Geburtsjahr oder ihr Geburtsort wurden selten dokumentiert, allerdings existieren weitaus mehr, zu großen Teilen falsche Legenden.[8]

Im Rahmen der Gender History wurde die Bedeutung der Frauen, sowohl der prominenten[9], als auch der normalen Frauen in der mexikanischen Geschichte tiefgreifend erforscht, so dass auf diese Ergebnisse Bezug genommen werden kann. Betrachtet werden auch normale Frauen, ebenso wie prominente und normale Männern im mittelalterlichen Spanien, als auch unter den Maya[10] und Azteken, sowie im eroberten Mexiko und in Neuspanien[11].

Parallel zu diesen Betrachtungen kann das damalige Zeitgeschehen nicht ausgeklammert werden, denn Malinche war mit diesem sehr eng verwoben, unabhängig davon, wie die gestellte Frage beantwortet wird. Ihre Bedeutung auf die Nachwelt wird ebenfalls beleuchtet, diese geht weit über einen Kreuzer der Sternenflotte hinaus, tief in das Innenleben, in die innere Psyche der modernen Mexikaner.

Dieser Ansatz bedeutet jedoch nicht, dass wir über Malinche urteilen oder Beweise für ihre Rolle als Opfer oder als Täterin oder als Verräterin suchen oder finden wollen. Vielmehr liegt der Schwerpunkt auf der Darstellung ihres Lebens und ihrer Umgebung, zeitlich gesehen sowohl vor der Eroberung Mexikos als auch danach, denn eines ist sicher: Ohne Kenntnisse des Umfeldes einer Person kann man ihre Handlungen nicht verstehen, es ist faktisch unmöglich[12].

La Malinche

Umfeld

Indigene Frauen vor der Ankunft der Spanier

An dieser Stelle muss in Malinches Biographie vorgegriffen werden: Man geht davon aus, dass sie zwischen 1496 und 1501 im heutigen Bundesstaates Tabasco, nahe der Golfküste, geboren wurde und im Laufe ihres frühen Lebens auf verschlungenen Pfaden nach Osten gelangte. In ihrem Geburtsort sprach man Nahuatl, die Sprache der Azteken, während man in ihrer neuen Heimstatt Maya verwendete.[13]

Folglich muss diese Arbeit die Rolle der Frau sowohl bei den Azteken als auch bei den Maya beleuchten, wenn auch nur im kurzen Abriss. Überraschenderweise stellt man sofort fest, dass die Quellenangaben über aztekische Frauen weitaus besser als gedacht sind, nicht zuletzt dank der Codices, von denen einige wie Enzyklopädien angefertigt wurden um den Eroberern das aztekische Leben zu veranschaulichen.

Die anderen indigenen Völker, wie Olmeken oder Zapoteken, sind für die mexikanische Geschichte zwar von Bedeutung, innerhalb dieser Themenstellung, die sich auf die Eroberungsphase Mexikos bezieht, aber von geringer Bedeutung, auch wenn die Zapoteken bis heute existieren.

Auch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die wenigen, noch vorhandenen schriftlichen Quellen erst nach der Eroberung entstanden sind und überwiegend von Spaniern wie Diego da Landa oder Bernardino de Sahagún verfasst wurden – oder aus der Feder von Indios stammen, die bekehrt und assimiliert wurden und deshalb eventuell ein recht negatives Frauenbild zeichneten. Festzustellen ist, dass keiner der Autoren eine Frau war.[14]

Beginnen wir im Reich, oder Kulturraum der Azteken[15] in dem Malinche geboren wurde: Die Azteken, die sich selbst nicht aztecatl sondern mexica nannten, waren ein Nahua-Volk, eine große Sprachgemeinschaft, welche zu der Uto-Aztekischen Familie gehört. Unter anderem lässt sich eine entfernte Verwandtschaft mit den Sprachen der Hopi-Indianer und der Comanchen feststellen.[16]

Wie alle Nahua-Völker migrierten sie aus dem Norden Mexikos, oder, je nach Quelle, aus noch nördlicheren Gebieten in das heutige Mexiko, wurden sesshaft und integrierten sich in die lokale Bevölkerung. Während sich die Azteken an dem Ort niederließen, wo die heutige Stadt Mexiko liegt, zogen andere weiter und ließen sich wie beispielsweise die Tlahuicas im heutigen Bundesstaat Morelos nieder und vermischten sich mit den dort bereits angesiedelten Tolteken und Chichimeken.[17]

Dieses fruchtbare Land, welches Francisco Plancarte y Navarrete für das Paradies der Indios hielt, für Tamoanchán[18], wurde wahrscheinlich von einer den Azteken sehr ähnlichen sozialen Struktur geprägt, der Calpullis. Calpullis waren, wie ein Chronist namens Zorita beschrieb, „Viertel von Leuten, die sich gegenseitig kennen oder von gleicher Abstammung sind und das Land seit uralten Zeiten besitzen“[19]. Sie lebten wie in einem Familienclan, der von einem calpullec angeführt wurde, praktisch ein Ältester, der aus ihrer Mitte stammte[20] und von den erwachsenen Mitgliedern der Gemeinschaft gewählt wurde, eine sehr patriarchalische Gesellschaftsordnung, die sich auch im Alltag widerspiegelte. So wurde das Viertel oder der Clan von den Männern regiert, während die Frauen in allen ökonomischen und rechtlichen Bereichen im Haus herrschten[21]. Auch führte Moctezuma I. eine Allgemeine Schulpflicht für Jungen ein, gleichgültig welcher Gesellschaftsschicht[22] sie angehörten, während nur Mädchen aus gehobenen Gesellschaftsschichten die Priesterschulen bis zum heiratsfähigen Alter von 16 Jahren[23] besuchen durften – auf dem Lehrplan standen Musik, Tanz, Weberei und Kochen, was von älteren Frauen gelehrt wurde. Ehebruch hatte die Todesstrafe zur Folge[24].

Auch die Kleiderordnung richtete sich nach der sozialen Struktur. Frauen der höheren Schichten trugen einen langen Rock, der mit einem Baumwollgürtel um die Hüfte gebunden wurde, den cueitl, ihren Oberkörper bedeckten sie mit einem Hemd – ein Luxus, den ärmere Frauen wohl nicht hatten, man vermutet, dass sie ihren Oberkörper nicht bedeckten. Männer kleideten sich mit einem Lendenschurz und einer Art Mantel, dem ilmatli, der je nach Schicht aus feineren oder weniger feinen Fasern bestand.[25]

Die Einordnung der Frauen in das gesellschaftliche Leben der Maya ist einerseits einfach, zugleich aber auch unglaublich kompliziert, sie hängt vom Zeitraum und Ort der Betrachtung ab.

Aus Palenque, einer der wichtigsten Metropolen der Tieflandmaya ist beispielsweise bekannt, dass die Abfolge einer Dynastie manchmal über die weibliche Linie entschieden wurde – allerdings ereignete sich das in der klassischen Zeit, wortwörtlich Jahrhunderte vor Ankunft der Spanier[26],[27]. Auch ist bekannt, dass Maya-Herrscher der klassischen Zeit polygam waren, während die unteren Schichten monogam lebten[28].

Das wichtigste Ritual im Leben eines Maya war die Hochzeit, wobei nicht nur die Liebe, sondern auch die Sterne über die Zukunft der Brautleute entschied, was bei den Maya nicht weiter verwundert. Die Mitgift wurde ausgehandelt und die anschließende Hochzeit mit Musik, Tanz und gutem Essen gefeiert, wobei die eigentliche Trauung nicht immer von einem Priester vollzogen wurde, sondern auch von dem Kazike[29], oder im Bedarfsfall vom Dorfältesten. Wie Bartolomé de las Casas berichtete, waren die Brautleute beim Vollzug der Ehe in ihrer Hochzeitsnacht nicht alleine, sondern wurden von zwei alten Frauen begleitet, die sie in die Feinheiten ihrer nächtlichen Tätigkeit einweihten, sozusagen eine praxisnahe Aufklärung betrieben.[30]

In ruralen Gebieten finden sich viele Darstellungen von Frauen, woraus man die Schlussfolgerung zog, dass Frauen in ländlichen Gebieten eine dem Mann sehr ähnliche Stellung einnahmen – unterstützt wird diese These aufgrund unserer Erkenntnisse über agrarische Tätigkeiten der Frauen, wie der Zucht domestizierter Tiere, wie Rehe und Hunde, die als Nahrungsquelle und Opfergaben für die Götter dienten, als auch auf dem Feld, wie beispielsweise beim Anbau von Heilkräutern und Pflanzen, die der Fasergewinnung für Textilien dienten und bei der Vogelzucht zur Gewinnung ihrer Federn.[31]

Dank da Landa ist bekannt, dass den Frauen der Maya die Teilnahme an den blutigen Opferritualen zwar verboten war, allerdings berichtete er von einer Gruppe älterer Frauen, welche zu bestimmten Gelegenheiten die Tempel betreten durften, vielleicht eine Parallele zu den aztekischen Priesterinnen, von denen Sáhagun berichtete und zu den Priesterinnen auf den Reliefs von Tepantitla Patio in Teotihuacan[32].

[33] Zum Schluss dieses Abschnitts muss des weiteren noch ein wichtiger Aspekt beleuchtet werden, die Mythologie: In den zutiefst gläubigen Zivilisationen der Maya und Azteken spielte sie eine essenzielle Rolle, ihre mythischen Überlieferungen waren Kern und Begründung für das Sein aller Dinge, so wie sie sich vorbehaltlos darstellten.

Es finden sich einige Frauen in den Weiten der Pantheons dieser Kulturen, allerdings spielten sie, sobald sie im Rampenlicht standen, selten eine positive Rolle. Man glaubte an böswillige übernatürliche Frauen, man glaubte, dass alle Frauen zu Untreue und Verrat fähig waren, dass Frauen Streit und Krieg säten und Niederlagen ernteten.

Am Fuße des Templo Mayor in Tenochtitlan, in dem Tlaloc und dem Stammesgott Huitzilopochtli Ehre erwiesen wurde, fand sich ein sehr aufschlussreiches Relief über das wechselseitige Verhältnis der Staatsideologie zu Frauen, in welcher sie als böse und aufrührerisch beschrieben werden.

Auf dem Relief findet sich auch Coyolxauhqui, gefesselt, nackt, blutend, mit abgetrennten Kopf und Gliedmaßen. Die Geschichte dieser mythisch-historischen Gestalt wurde von Sahagún weitergegeben, der zu erzählen weiß, wie Coyolxauhqui ihre Geschwister auf dem Berge Coatepec zum Angriff gegen ihre Mutter führte, die unbefleckt schwanger geworden war[34] – und im Moment als sie zum Angriff übergehen wollten, kam das Kind kampfbereit zur Welt, Huitzilopochtli selbst schützte seine Mutter, schlug Coyolxauhqui den Kopf ab und ließ sie den Berg hinunterrollen, wo sie gebrochen ankam.

Stein merkt sehr aufschlussreich an, dass Mesoamerikaner anhand solcher Geschichten sehr schnell zu dem Schluss gelangen könnten, dass Frauen in größeren politischen Einheiten eine eher untergeordnete Rolle gespielt hätten, während andere diese Mythen sehr schnell als 'Staatsideologie' abstempelten, da sie die Sichtweise der Rolle der Frau und ihr Rollenbild verzerrten. Auch erfordere diese Sichtweise, dass weibliche Macht und Einflussnahme nicht nur an männlichen Werten wie kriegerische Fähigkeiten gemessen werde.

Zum besseren Verständnis der Strukturen muss das häusliche Umfeld näher betrachtet werden: Maya wie Azteken verstanden die Familie als Keimzelle der Gesellschaft[35] und es war alleine die Aufgabe der Frau diese Gemeinschaft zusammen zu halten – und, trotz der äußerst wichtigen kultischen Bedeutung von Nahrungsmitteln, war es ihre Aufgabe das Essen sowohl für die Familie als auch für die Götter herzurichten. Diese Stellung bot ihnen auch eine ökonomische Nische, denn Textilien waren sowohl Kleidung, als auch Kultobjekt, als auch Tribut oder Währung.[36]

Vielleicht, so mein Gedanke, waren sich Frauen in ihren Rechten und Möglichkeiten in den Reichen der Azteken und der Römer und in den Stadtstaaten der Maya näher, als die Geographie es vermuten ließe.

Frauen in Neuspanien

Befasst man sich mit Frauen im Vizekönigreich Neuspanien in Zusammenhang mit Malinche, so muss man sich eine Tatsache, die bereits in einer Fußnote erwähnt wurde, nochmals vor Augen führen: Als Malinche 1527 starb, existierte das Vizekönigreich formell noch nicht.

Antonio de Mendoza konnte erst 1535 die Herrschaft als Vizekönig offiziell antreten, da das Vizekönigreich erst zu diesem Zeitpunkt gegründet wurde[37].

Dennoch soll der soziale Umschwung, welcher von der Eroberung ausging, nicht ausgeklammert werden. Er wurde vornehmlich durch das Massensterben der Indios verursacht, entweder durch direkten Völkermord, Zwangsarbeit oder durch Dezimierung der Bevölkerung aufgrund europäischer Krankheiten, gegen die sie anfällig waren, oder durch ihre Missionierung[38] und die Hispanisierung Amerikas, welche bis heute nachwirkt. Als einfachstes Beispiel sei erwähnt, dass 2010 laut dem CIA World Factbook ungefähr 82,7 Prozent der Mexikaner Katholiken waren[39].

Im Zeitraum von der Ankunft Cortéz auf dem amerikanischen Kontinent[40] und der Gründung der Siedlung Villa Rica de la Vera Cruz, des heutigen Veracruz am 28. Juni 1521 ging es allerdings weniger um diesen Umschwung als vielmehr um die Eroberung und der Applikation einer anderen Kultur. In Malinches Leben handelte es sich um jene Phase, in der sie öffentlich in Erscheinung trat und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellte.

Dieser Abschnitt der Betrachtung endet nicht etwa 1535 mit der offiziellen Gründung des Vizekönigreichs oder 1527 mit Malinches Tod, sondern 1542 mit den Leyes y ordenanzas nuevamente por Su Majestad, para la gobernación de las Indias, bekannt auch als die Neuen Gesetze, die teilweise wieder annulliert wurden. Allerdings blieben einige wichtige Punkte wie die Abschaffung der Versklavung indigener Bewohner, ihre Zwangsarbeit und eine Aufhebung der horrenden Tributzahlungen erhalten, welche von den Ecomenderos, den Haltern einer encomienda, die eine bestimmte Anzahl von Indigenen besaßen, verlangt wurden. Diese Maßnahmen sagen zwar spezifisch über die Stellung der Frauen wenig aus, allerdings stellten sie einen rechtlich wichtigen Umbruch in der Geschichte Neuspaniens[41] dar.

[42] In diesen Zeitraum fällt auch die Genese von zwei weiteren wichtigen Frauengestalten der Mexikanischen Geschichte: Die Jungfrauen von Guadalupe und Los Remedios, beides Marienerscheinungen.

Die Geschichte der Jungfrau von Los Remedios begann mit einer Wette, in dessen Verlauf Cortéz eine Statue der Jungfrau Maria in den Tlaloc-Tempel in Templo Mayor stellte, woraufhin Regen einsetzte, ein Beweis für die Überlegenheit Gottes und der Jungfrau Maria über die Gottheiten der Azteken. Während der Noche Triste, Cortéz überstürzter Flucht aus Tenochtitlan in der Nacht vom 30. Juni 1520, sollen die Azteken erfolglos versucht haben das kleine Standbild zu entfernen – wie es allerdings innerhalb der nächsten etwa zwei Jahrzehnten auf den Hügel Tetoltepec gelangte, ist bis heute umstritten, aber dort wurde es von Juan de Tovar, einem christianisierten Kazike, gefunden, der behauptete, einen weiteren Teil der Erscheinungen gesehen zu haben: Wie die Jungfrau Maria in Form dieser Statue gegen die Azteken gekämpft habe, ihnen, um sie zu blenden, Dreck in die Augen geworfen habe und damit Cortéz und seinen Männern zur Flucht verholfen habe.

Dagegen erschien die Jungfrau von Guadalupe 1531 auf dem Tepeyac, einem Hügel, der etwas außerhalb der heutigen Stadt Mexiko lag. Dort erschien sie Juan Diego, einem bekehrten Indio und forderte die Errichtung einer Kapelle an besagter Stelle – Juan de Zumárraga, der damals amtierende Bischof, verlangte einen Beweis. Nochmals erschien Maria und trug Diego auf, seine tilma, eine Art Mantel, mit Blumen des Hügels zu füllen und diese dem Bischof als Beweis zu zeigen. Diego tat, wie befohlen und als er den Mantel vor dem Bischof ausbreitete, erschien ein Bild der Jungfrau Maria auf dem Mantel und der Beweis war erbracht. Heute befindet sich dieser Mantel im, man möchte es fast so nennen, Nationalheiligtum Mexikos, der Basilica de Nuestra Señora de Guadalupe. Das Bild der Jungfrau wurde in der Bewegung des Guadalupanismo genutzt und benutzt. Poole merkt an, dass dieses Symbol, welches vor allem von Indios und Kreolen genutzt wurde, als die Jungfrau Maria interpretiert werden kann, die ihren 'spirituellen Waisenkindern' Trost spendet[43].

Insgesamt und ganz weltlich gesehen wurde die indianische Frau in den Haushalt zurückgedrängt, wo sie sich um die Keimzelle der Gesellschaft kümmerte und die alten Lebensweisen lebendig hielt. Susan Schroeder beschreibt es gar so:

And it is here in the home […] that women were held most accountable for conservation of their family's, or as it were, their community's, way of life. Ideally, real power for women came in the meticulous attention to their gendered assignments, which symbolically transcended the commonplace and ordered their world at large.

- Susan Schroeder, Women's Status and Occupation: Indian Women in New Spain., in Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1616.

Darüber hinaus schreibt sie, dass die indianische Frau durch die patriarchale Gesellschaft zwar zurückgedrängt wurde, ihre wichtige Rolle innerhalb der Familie aber erhalten blieb. Ungeachtet der Katholischen Kirche und der männlichen Dominanz, welche die patriarchale Gesellschaftsform in Lateinamerika einführte, konnten indianische Frauen zumindest zu Beginn rechtliche und ökonomische Perspektiven nutzen, die allerdings nach und nach verschwanden. Auch gab es keine, oder sehr mangelhafte Bildungsmöglichkeiten für Frauen.

Schroeder berichtet zwar von einem Programm, in dem indianische Mädchen die Grundschule besuchen durften, allerdings dauerte dieses Programm zu Beginn des 16. Jahrhunderts nur etwa ein Jahrzehnt– danach, so schreibt sie, waren solche Initiativen eher inoffiziell. Erst im 18. Jahrhundert eröffneten Jesuiten eine weiterführende Schule für Mädchen, allerdings wurden die Jesuiten 1767 aus dem Land vertrieben[44].

Je größer dagegen die Distanz zu urbanen Zentren wurde, desto gleichwertiger wurde die Rolle der Frau in heimischen Arbeitsprozessen – mit einer Ausnahme, nämlich Regionen, in denen die Missionierung fortgeschritten war. Frauen wurden in Berichten selten erwähnt, wenn sie aber aufgeführt wurden, dann eher im negativen Sinne, wie beispielsweise bei Gefahren für den Haushalt, oder dem Aufbegehren einer Frau, sowie in rechtlicher Hinsicht, was sich als sehr nützlich erwies und dokumentierte Möglichkeiten bot.[45]

Spanische Frauen dagegen hatten durch die katholische Kirche und die bereits etablierte spanische Gesellschaftsstruktur ein sehr klares Bild darüber, wie sie sich zu verhalten oder zu leben hatten. Dieses Bild könnte man mit den drei großen K‘s zusammenfassen, namentlich Kirche, Küche, Kinder, was in mancher Hinsicht nicht zutreffend wäre.

In Neuspanien gab es nur sehr wenige spanische Frauen und diese waren von der sozialen Stellung ihrer Familie stark abhängig, oder, sie schufen sich selber zumindest in der Anfangszeit eine soziale Stellung als Abenteurerinnen[46]. Je mehr sich die Verhältnisse festigten, desto stärker wurde die Rolle der Kirche und desto mehr etablierte sich der oben erwähnte Moralkatalog, auch etablierte sich eine Sicht auf die Weiblichkeit, die der Sicht auf biblische Frauengestalten wie Eva oder Maria ähnelten[47] – wer dabei nun Vorbild sein sollte und wer nicht, das sei dahingestellt.

Grundsätzlich kann man sagen, dass spanische Frauen eine höhere Stellung als beispielsweise indianische Frauen genossen, auf dem Lande herrschte strikte Trennung, während diese in der Stadt nicht vollständig möglich war. Mehr noch, in den Städten lebten indigene Frauen vermehrt in Konkubinaten, welche die Illegitimität[48] ihrer Kinder zur Folge hatte, ein Problem, welches auch Malinche peripher betreffen sollte.

Diese beiden Frauenwelten sollte Malinche kennen lernen und in ihnen leben.

Das Leben Malinches

Wie könne man Dona Marina, la Malinche nicht erwähnen, fragte Vega in seinem Buch über die Conquistadoras[49], und tatsächlich muss man sie auch hier benennen – schließlich ist ihr diese Arbeit gewidmet, eine der wenigen Frauengestalten in der kolonialen mexikanischen Geschichte, die tatsächlich namentlich und in ihrer Bedeutung greifbar ist.

Diese Evidenz besteht weniger aus ihrem augenscheinlichen Leben als vielmehr aus ihrer Bedeutung und ihrer Verklärung, dazu aber im Nachfolgendem mehr.

Beginnen wir an dem Punkt, an welchem solche Geschichten normalerweise beginnen: Am Anfang, im Leben normalerweise bei der Geburt. Malinches genauer Geburtstag und Geburtsort sind unbekannt, allerdings ist bekannt, dass sie im heutigen Bundesstaat Veracruz nahe der Golfküste, zwischen 1496 und 1501 geboren wurde[50].

Bereits ihr Name birgt Streit, von ihrer Rolle in der Conquista, der spanischen Eroberung Mexikos gar nicht anzufangen. Malinche, so heißt es, wurde als Malinalli oder Malinal geboren, benannt nach einer bestimmten Grassorte und kalendarischen Bedeutung, allerdings kann dies nicht bindend untermauert[51] werden. Auch ist ihr 'Beiname' tenepal eine Bezeichnung der Nahua, was eher auf ihre Rolle als Übersetzerin anspielt, 'jemand, der lebhaft spricht'[52], analog zu Doña Marina la lengua.

Dabei ist Doña Marina die Respekt zollende Form ihres Taufnamens, Doña bedeutet noch heute Herrin[53], Marina ist der Name. Aus diesem wurde auch durch Lautverschiebungen Malin-tzin, wobei -tzin ein Ausdruck der Ehrerbietung ist, analog der spanischen Doña. Bei der Rückübersetzung entstand daraus Malinche, da im Spanischen tz-Laute als ch-Laute interpretiert werden und das stimmlose N am Ende weggelassen wird.[54]

Von Bedeutung ist auch, dass sie von den Azteken weder als Malinche noch als Malintzin gesehen wurde. Es scheint viel eher so, dass die Azteken in Malintzin eine bisher unbekannte Entität sahen, welche durch die Spanier und letztendlich auch durch Malinche mit ihnen sprach. Dafür spricht, wie Díaz erklärte, dass die Bezeichnung Malinche beziehungsweise Malintzin eine Abkürzung für ‚der Hauptmann der Marina‘ ist. Der Terminus Hauptmann ist dabei als militärischer Dienstgrad zu sehen, was auch erklären würde, warum Cortéz diesen Titel trug – warum aber Juan Pérez de Arteaga bei mindestens einer Gelegenheit von den Nahua als Malinche bezeichnet wurde, lässt den Schluss zu, dass Malintzin die Bezeichnung für eine andere Entität war.[55]

Malinche wurde als Tochter eines Kazike oder eines anderen hohen Adeligen in Veracruz geboren[56] – für ihre noble Abstammung spricht, dass sie die Ausdrucksweise des tecpillatolli beherrschte, die Sprache der Herren in Nahua, ein indirekter rhetorischer Stil von großer Komplexität[57].

Nach dem Tod ihres Vaters und der Neuvermählung ihrer Mutter, sowie der Geburt eines Halbbruders, wurde sie unter ungeklärten Umständen den in Tabasco lebenden Maya ausgehändigt, wo sie eventuell als Sklavin lebte[58].

Sie lernte nicht nur die lokale Sprache, sondern verbrachte dort auch einen Großteil ihrer Jugend.

[59] 1516 grassierte in Yucatan erstmals eine Pockenepidemie, eine, bis zu diesem Zeitpunkt vollkommen unbekannte Krankheit, welche die Menschen mit solch einer Geschwindigkeit dahinraffte, dass man sie den Einfachen Tod nannte. 1517 landete erstmals ein spanisches Schiff mit Sklavenjägern im Mayagebiet an, unweit dem Ort, an dem Malinche lebte.

Man konnte sie zurückschlagen, doch hörte der Kommandant der Expedition von Gold, sah Gold, konnte nach Kuba zurückkehren und davon berichteten – man hörte dem Mann, der später seinen Verletzungen erlag, sehr genau zu. Man hörte so genau zu, dass 1518 vier Schiffe die Landung versuchten, doch auch sie wurden zurückgedrängt.

Einige Monate später, man schrieb das Jahr 1519, führte ein Mann aus Medellín in der Extramadura, einem der kargsten Landstriche Spaniens, elf Schiffe, fünfhundert Mann und sechzehn Pferde nach Yucatan. Wieder riefen die lokalen Maya ihre Männer zusammen und stellten sich den landenden Spaniern entgegen und sie kämpften ehrenhaft... bis die Spanier ihre Pferde entluden und ein kleiner Reitertrupp in die Maya-Linien eindrang. Die Maya, die bis dahin noch nie ein Pferd, geschweige denn einen Reiter, gesehen hatten[60], flohen und der Mann aus der Extramadura, ein gewisser Hernán Cortéz de Monroy y Pizarro Altamirano, errang den Sieg.

An diesem Ort hörte Cortéz auch von einem bärtigen Mann, einem gewissen Gerónimo de Aguilar, der zusammen mit anderen Spaniern seit Jahren von den Maya festgehalten wurde[61], doch sollte zuerst ein anderes Geschäft erledigt werden: Als Teil des Friedensabkommens wurden im März 1519 Cortéz und seinen Männern zwanzig Frauen, Sklavinnen, übergeben – unter ihnen auch Malinche, welche erst im kurz vorher gegründeten Veracruz ihre Bilingualität offenbarte[62].

Díaz beschrieb sie als „good looking and intelligent and without embarassment“[63] und schrieb später, dass nur mit ihr und unter dem Schutz des Allmächtigen viele der Dinge, welche die Spanier vollbrachten, erst möglich wurden[64]. Da Landa drückte es folgendermaßen aus, dass Gott Cortéz zwei treue Übersetzer gegeben hatte, welche sich in dem Land und seiner Kultur auskannten[65].

[...]


[1] Alle Angaben nach: USS Malinche., in: Memory-Alpha, http://memory-alpha.wikia.com/wiki/USS_Malinche, abgerufen am 20. Juni 2017. Nicht unbedingt die wissenschaftlichste aller Internetquellen, ich weiß, aber eine gute Art, diese Anekdote zu erzählen.

[2] Der bekannte Charakter Mister Spock, gespielt von Leonard Nimoy, war Vulkanier.

[3] Vgl. Benjamin Keen, Conquistadors., in: Michael Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 321.

[4] Nach Thomas Benjamin, Historiography., in: Michael Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 646, Übersetzung durch Sebastian Eccius.

Im Original steht dort geschrieben: „ Few countries cultivate history with as much enthusiasm as Mexico.

[5]...und Malinches Tod 1527...

[6] Vgl. Frances Karttunen, Malinche and Malinchismo., in: Michael Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seite 775.

[7] Ebendort. Ikonographisch sind diese Abbildungen ebenfalls sehr interessant.

[8] Ebendort.

[9] Analog zu den Großen Männern. Zu diesen großen Frauen gehören, unter anderem, Malinche sowie die Jungfrauen von Guadalupe und Los Remedios, zwei Marienerscheinungen. Wenn man sich mit Mexiko beschäftigt, so merkt man sehr schnell, dass man es mit einem zutiefst katholischen Land zu tun hat.

[10] Die Maya, die bedeutenden Sternenbeobachter von der Halbinsel Yucatan, waren anders als die Azteken kein geschlossener und politisch einheitlicher Bereich (es ist auch bei den Azteken ein wenig komplizierter, aber dazu später mehr), sondern eine lose, durch eine gleiche Sprache und Kulte verbundene Gruppe an Stadtstaaten, jeder mit eigenem Herrscher und spezifischen kulturellen Ausprägungen – man kann sich das ein wenig so wie die Stadtstaaten des Antiken Griechenland vorstellen.

Zumal, technisch gesehen, die Hochkultur (ich bin kein allzu großer Freund dieses Begriffs) der Maya zu jenem Zeitpunkt schon untergegangen war. Die Maya, mit denen wir es hier zu tun haben, sind Maya-Tolteken.

[11] Malinche starb 1529, das Vizekönigreich begann 1521 und wurde 1535 formell gegründet.

[12] Außerdem ist nun nicht wirklich viel über Malinches Leben bekannt, also...

[13] Vgl. Karttunen, Malinche and Malinchismo., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 776.

[14] Allerdings gibt es im Codex Telleriano-Remensis eine Abbildung, welche eine junge Adelige als Malerin in einem Manuskript zeigt.

Vgl. Cecelia F. Stein, Women's Status and Occupation: Mesoamerica., in: Michael Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico. History, Society & Culture., London Chicago 1997, Seiten 1609 und 1612.

[15] Auch von einem 'Reich der Azteken' zu sprechen ist sehr schwierig, da eroberte Städte und Gebiete Vasallen wurden: Sie waren an Tenochtitlan Tributpflichtig, hatten ihre politische Unabhängigkeit verloren, konnten aber im Inneren weiter mehr oder weniger frei agieren. Selten erfolgte eine Integration in das politische Wesen.

Vgl. Barbara Beck, Mais und Zucker. Zur Geschichte eines mexikanischen Konflikts., Berlin 1986, Seite 41.

[16] Vgl. James Maffie, Aztec Philosophy., http://www.iep.utm.edu/aztec/, abgerufen am 6. Juli 2017.

[17] Vgl. Beck, Mais und Zucker., Seite 21.

[18] Ebendort, Seite 20.

[19] Nach Beck, Mais und Zucker., Seite 24.

[20] Ebendort, Seite 25.

[21] Im Haus Im HaausSo geht man zumindest davon aus.
Vgl. Stein, Women's Status and Occupation: Mesoamerica., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1609.

[22] Auch wenn nur Jungen aus gehobenen Schichten die Priesterschulen besuchen konnten.

[23] Während Jungen mit 20 heiratsfähig wurden.
Vgl. Maria Longhena, Versunkenes Mexiko. Geschichte und Kultur der Maya, Azteken und anderer vorkolonialer Zivilisationen., Überarbeitete Auflage, Vercelli 2011, Seite 87.

[24] Ebendort, Seiten 86 und 87.

[25] Ebendort, Seite 94.

[26] Ebendort, Seite 86.

[27] Die englische Wikipedia führt ein paar Listen über Herrscher in Maya-Städten, so auch in Tikal, heute in Guatemala, wo unter anderem eine Dame mit dem schönen Namen Ix Kalo'mte' Ix Yo K'in erscheint, die in der Liste auch als 'Lady of Tikal' geführt wird und mit einem Herrn Kaloomte' B'alam im frühen 6. Jahrhundert zusammen regierte – ob als Gemahlin oder nicht ist nicht geklärt. Dass für sie jedoch Stelen errichtet wurden, anhand derer wir sie kennen und datieren können, bedeutet bei den Maya einiges.
Vgl. Rulers of Tikal., https://en.wikipedia.org/wiki/Rulers_of_Tikal, abgerufen am 17. Juli 2017.

[28] Vgl. Longhena, Versunkenes Mexiko., Vercelli 2011, Seite 86.

[29] Diese Bezeichnung ist mehr als Stammesführer zu verstehen, nicht als König. Und eigentlich heißt er Cacique.
Vgl. Cacique., https://en.wikipedia.org/wiki/Cacique, abgerufen am 17. Juli 2017.

[30] Vgl. Longhena, Versunkenes Mexiko., Vercelli 2011, Seite 86.

[31] Vgl. Stein, Women's Status and Occupation: Mesoamerica., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1611.

[32] Ebendort, Seite 1612.

[33] Alle Angaben nach: Stein, Women's Status and Occupation: Mesoamerica., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1610.

[34] Inwieweit christliche Motivik, Sahagún war immerhin Missionar, hineinspielt, sei mal so dahin gestellt.

[35] Vgl. Longhena, Versunkenes Mexiko., Vercelli 2011, Seiten 86 und 87.

[36] Vgl. Stein, Women's Status and Occupation: Mesoamerica., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1611.

[37] Und 1821 aufgelöst wurde, als die zugehörigen Gebiete mit Ausnahme der Philippinen und Kuba unabhängig wurden. Diese beiden gingen erst 1898 verloren, nachdem Spanien im Spanisch-Amerikanischen Krieg verloren hatte.

[38] Die beiden vorherigen Punkte zeigen drei hauptsächliche Diskussionslinien, nämlich die der Katastrophisten, der Moderaten und der Minimalisten, welche alle drei in gewisser Weise in das Schema der Weißen und der Schwarzen Legenden hineinspielen, welche wir in der Einleitung besprochen haben. Diese Schätzwerte, welche wiederum aus Schätzwerten entstanden, da es keine ordentliche Volkszählung in Mexiko bis 1895 gab, sprechen von einem Anteil zwischen 25 und 95 Prozent der Bevölkerung, je nach Betrachtungsweise, die zwischen 1519 und 1595 'wegstarb'.
Vgl. Robert McCaa, Population: Colonial., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1150 und 1151.

[39] Vgl. Central Intelligence Agency (Hrsg.), https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/mx.html, abgerufen am 20. Juli 2017.

[40] Damit lässt Martin V. Fleming die politische Geschichte des Habsburgerischen Neuspanien beginnen.
Vgl. Martin V. Fleming, Politics and Government: Hapsburg New Spain., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1098.

[41] Vgl. Ron Morgan, New Laws of 1542., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seiten 1020 und 1021.

[42] Alle Angaben nach: Stafford Poole, Virgin of Guadalupe and Guadalupanismo., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seiten 1535 bis 1537; Linda A. Curcio, Virgin of Los Remedios., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seiten 1537 bis 1539.

[43] Vgl. Poole, Virgin of Guadalupe and Guadalupanismo, in: Werner, Encyclopedia of Mexico., Seite 1539.

[44] Um diese Zeit wurde auch der Konvent von Corpus Christi in Mexiko-Stadt gegründet, das einzige Nonnenkloster für indigene Frauen, und auch nur höheren Ranges, in Neuspaniens Geschichte. (Vgl. Schroeder, Women's Status and Occupation: Indian Women in New Spain., in Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., Seite 1617).

[45] Ebendort.

[46] Vgl. Pilar Gonzalbo Aizpuru, Gender: Colonial., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 569. Über Conquistadoras gibt es ein Buch von Carlos B. Vega, in spanischer Sprache: Carlos B. Vega, Conquistadoras. Mujeres Heroicas de la Conquista de América., Jefferson London 2003.

[47] Ebendort, Seite 568.

[48] Beispielsweise waren 35 Prozent der Geburten in Mexiko-Stadt illegitim (ebendort, Seite 570).

[49] Vgl. Carlos B. Vega, Conquistadoras. Mujeres Heroicas de la Conquista de América., Jefferson London 2003, Seite 197.

[50] Vgl. La Malinche, https://en.wikipedia.org/wiki/La_Malinche, abgerufen am 31. Juli 2017.
Lustigerweise bringt sie dieses Geburtsdatum in die selbe Altersgruppe wie Karl V., Jahrgang 1500, unter dessen Herrschaft Mexiko schlussendlich gelangte, und Bernal Díaz de Castillo, Jahrgang 1490, welche die wichtigsten Quellen für die Eroberung Mexikos schrieb.

[51] Vgl. Karttunen, Malinche and Malinchismo., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 776.

[52] Ebendort. Die genaue etymologische Herkunft ist eigentlich eine Art Kofferwort, tentli, die Lippe, daraus folgend tene, jemand, der Lippen hat (und die soll sie gehabt haben, wenn man Díaz glauben will), dazu -pal, mit Hilfe von. Daraus folgend, tenepal, mit Hilfe von Lippen, beziehungsweise jemand, der lebhaft spricht. Steht bei Karttunen.

[53] Sollte der geneigte Leser jemals auf die ehemalige Königin von Spanien treffen, so behalte er bitte im Hinterkopf, dass Königin Sofia heute mit vollem Titel als Su Majestad la Reina Doña Sofía tituliert wird – fast genau der gleiche wie der ihrer Nachfolgerin, nur mit Doña angefügt und einem anderen Namen. (Vgl. Casa de Su Majestad el Rey, Su Majestad la Reina Doña Sofía, http://www.casareal.es/ES/FamiliaReal/Reina/Paginas/subhome_reina.aspx, abgerufen am 31. Juli 2017.)

[54] Vgl. Karttunen, Malinche and Malinchismo., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 776.

[55] Ebendort.

[56] Vgl. Keith Guzik, Taming the Tiger., in: Making Things Stick. Surveillance Technologies and Mexico's War on Crime., http://www.jstor.org/stable/10.1525/j.ctt1ffjn82.6, abgerufen am 31. Juli 2017.

[57] Vgl. Karttunen, Malinche and Malinchismo., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 776.

[58] Geoffrey G. McCafferty, The Cholula Massacre. Factional Histories and Archaeology of the Spanish Conquest, https://antharky.ucalgary.ca/mccafferty/sites/antharky.ucalgary.ca.mccafferty/files/CholulaMassacre_2000.pdf, abgerufen am 1. August 2017.

[59] Alle Angaben nach: William Brandon, The Rise and Fall of North American Indians. From Prehistory Through Geronimo., o.O. 2003, Seite 88.

[60] Das Pferd, oder besser gesagt sein Cousin Equus Ferus, starben in Nord- und Mittelamerika vor etwa 12.500 Jahren aus, so wie viele andere Spezies, was nach neueren Erkenntnissen auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Einzig in den asiatischen Steppen hat das Pferd überlebt und von dort seinen Siegeszug angetreten. Vgl. Elise LeQuire, No Grass, No Horse., http://www.thehorse.com/articles/14327/no-grass-no-horse, abgerufen am 31. Juli 2017.

[61] Dieser andere Spanier, ein gewisser Guerrero, hatte sich von den Maya assimilieren lassen und zwar vollkommen – so sehr, dass sie, wie er Aguilar berichtete und wie es Díaz aufzeichnete, ihn als Kazike angenommen hatten und ihm im Krieg folgten (vgl. ebendort).

[62] Vgl. Karttunen, Malinche and Malinchismo., in: Werner (Hrsg.), Encyclopedia of Mexico., London Chicago 1997, Seite 776.

[63] Nach Brandon, The Rise and Fall of North American Indians., o.O. 2003, Seite 88.

[64] Nach Guzik, Taming the Tiger., in: Making Things Stick., http://www.jstor.org/stable/10.1525/j.ctt1ffjn82.6, abgerufen am 31. Juli 2017.

[65] Nach Brandon, The Rise and Fall of North American Indians., o.O. 2003, Seite 89.

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
La Malinche, die Graskönigin. Frauen und ihre Rollen während der Conquista
Hochschule
Universität Salzburg
Veranstaltung
Möglichkeiten und Grenzen der Frau im Mittelalter.
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
32
Katalognummer
V384535
ISBN (eBook)
9783668595613
ISBN (Buch)
9783668595620
Dateigröße
1079 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
malinchismo, la malinche, mexiko
Arbeit zitieren
Sebastian Eccius (Autor), 2017, La Malinche, die Graskönigin. Frauen und ihre Rollen während der Conquista, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384535

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