Das Symposion ist einer der bekanntesten Dialoge Platons. In deutscher Übersetzung lässt sich oftmals „Das Gastmahl“ finden, obwohl „Das Trinkgelage“ wohl angebrachter wäre, denn es wird mehr getrunken als gegessen. Das Symposion handelt vom Begriff des Eros, gemeinhin als Gott der Liebe bezeichnet. In verschiedenen Reden versucht Platon darzustellen, was der Eros sei. In einer auch aus dichterischer und schriftstellerischer Sicht sehr gelungenen Weise komponiert Platon verschiedene Reden, welche den Eros unterschiedlich charakterisieren. In der Rede des Sokrates, in welcher die Rede der Diotima berichtet wird, kommt Platon auf das wahre Wesen des Eros zu sprechen. Gleichsam als Führer auf dem Weg zur Erkenntnis des Schönen selbst sei Eros der Vermittler zwischen dem Unsterblichen und dem Sterblichen. Die Reden und Vorgänge werden von Apollodoros in einer Rahmenhandlung einem anonymen Zuhörer erzählt.
Die Absicht dieser Arbeit ist es, den Begriff und die Funktion des Eros zu klären. Dazu werden die Reden, die im Symposion gehalten werden, so gerafft wie es noch verständlich ist, zusammengefasst. Kurze Kommentare zwischen den Reden sollen erklärend wirken. Am Ende gehe ich noch kurz auf den Begriff der Idee und die Möglichkeit, diese selbst zu erkennen, ein. Zitate aus dem Symposion entsprechen der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Reden
2.1. Phaidros
2.2. Pausanias
2.3. Eryximachos
2.4. Aristophanes
2.5. Agathon
2.6. Sokrates’ Überraschung
3. Sokrates
3.1. Der Eros als bedürftiger Dämon
3.2. Herkunft, Natur und Nutzen des Eros
3.3. Zeugung im Schönen
4. Zusammenfassung des bisherigen
5. Stufenweg zur Vollendung in der Schau des Schönen
6. Alkibiades
6.1. Lobrede auf Sokrates
6.2. Ausklang des Symposions
6.3. Funktion der Alkibiades-Rede
7. Verbindung Eros – Idee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff und die Funktion des Eros in Platons Symposion, indem sie die verschiedenen Reden der Protagonisten analysiert, um das wahre Wesen der Liebe als Vermittler zwischen Sterblichem und Unsterblichem sowie als Wegweiser zur Erkenntnis der Idee des Schönen zu ergründen.
- Analyse der verschiedenen Eros-Charakterisierungen in den Reden des Symposions
- Untersuchung der sokratischen/diotimischen Definition von Eros als bedürftiger Dämon
- Erörterung der Zeugung im Schönen als Mittel zur Erlangung von Unsterblichkeit
- Erarbeitung des Stufenwegs zur Vollendung in der Schau des Schönen
- Deutung der Alkibiades-Rede im Kontext der sokratischen Lebensführung
Auszug aus dem Buch
3.1) Der Eros als bedürftiger Dämon
In einem Vorgespräch mit Agathon widerlegt Sokrates die von Agathon dem Eros zugestandene Schönheit. Es sei notwendig so, dass jenes, welches begehrt und geliebt werde, dem Begehrenden bedürftig sei. Wenn jemand etwas wünsche, dann habe er dies nicht, brauche es aber. Und jemand, welcher etwas habe, brauche von diesem nicht noch mehr, begehre es daher nicht. Auf den Ist-Zustand bezogen sei dies richtig.
Wenn ein reicher Mann wünsche reich zu sein, meine er damit, auch in Zukunft reich zu sein. Das bedeutet, „dasjenige lieben was noch nicht bereit ist und man nicht hat“. Daraus folgere er, dass Liebe und Begierde auf das gehe, welches man nicht selbst habe und wessen man bedürftig sei.
Eros bedürfe aber der Schönheit. Wenn dies so sei, sei der Eros selbst nicht schön. Weil das Gute schön sei, bedürfe der Eros auch des Guten. Daher sei der Eros weder schön noch gut, denn beides liebe er, und zu lieben bedeute, bedürftig zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Platons Symposion, Zielsetzung der Arbeit zur Klärung von Begriff und Funktion des Eros unter Verwendung der Schleiermacher-Übersetzung.
2. Die Reden: Zusammenfassende Darstellung der unterschiedlichen Eros-Definitionen von Phaidros, Pausanias, Eryximachos, Aristophanes und Agathon.
3. Sokrates: Widerlegung der vorangegangenen Schönheitszuschreibungen und Einführung der diotimischen Lehre von Eros als bedürftigem Dämon, der zwischen Sterblichem und Unsterblichem vermittelt.
4. Zusammenfassung des bisherigen: Komprimierter Überblick über die bisher behandelten Reden und den Erkenntnisstand zum Wesen des Eros.
5. Stufenweg zur Vollendung in der Schau des Schönen: Beschreibung des philosophischen Aufstiegs von der Liebe zu schönen Leibern hin zur reinen Schau der Idee des Schönen.
6. Alkibiades: Analyse der Lobrede des Alkibiades auf Sokrates, des Ausklangs des Gastmahls und der Funktion der Alkibiades-Rede als Kontrastfolie.
7. Verbindung Eros – Idee: Synthese der Eros-Funktion als Kraft, die den Menschen zur Erkenntnis der Ideenwelt und somit zur Unsterblichkeit führt.
Schlüsselwörter
Platon, Symposion, Eros, Liebe, Philosophie, Dämon, Idee des Schönen, Zeugung im Schönen, Unsterblichkeit, Erkenntnis, Diotima, Sokrates, Alkibiades, Stufenweg, Tugend
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Begriff und die Funktion des Eros, wie sie Platon in seinem Dialog Symposion darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Natur des Eros, die Verbindung zwischen Eros und dem Schönen, der Prozess der Zeugung im Schönen und der philosophische Erkenntnisweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das wahre Wesen des Eros zu klären, der von Platon als Vermittler zwischen dem Sterblichen und dem Unsterblichen charakterisiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine interpretative Textanalyse, die die im Symposion gehaltenen Reden zusammenfasst, kommentiert und in den philosophischen Kontext von Platons Ideenlehre stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Reden der Dialogteilnehmer, die sokratische Widerlegung sowie den Stufenweg zur Schau des Schönen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Eros, Platon, Symposion, Idee, Dämon, Unsterblichkeit und Stufenweg.
Wie unterscheidet sich der Eros des Sokrates von dem der anderen Redner?
Während die anderen Redner Eros als Gott mit verschiedenen Eigenschaften loben, definiert Sokrates (unter Berufung auf Diotima) den Eros als Dämon, der aufgrund seines eigenen Mangels nach dem Schönen und Guten strebt.
Welche Rolle spielt die Alkibiades-Rede für das Verständnis des Dialogs?
Die Alkibiades-Rede dient als kritischer Abschluss, der Sokrates' unkonventionelle Lebensführung beleuchtet und den Kontrast zwischen dem idealen Eros und der menschlichen Unvollkommenheit aufzeigt.
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- Kevin Francke (Author), 2004, Begriff und Funktion des Eros in Platons Symposion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38453