Der Vertrag von Verdun 843. Der Beginn der deutschen und französischen Nation?


Ausarbeitung, 2017
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Vertrag von Verdun

3. Die Teilung des Reiches
3.1. Das Westreich
3.2. Das Mittelreich
3.3. Das Ostreich

4. Markiert der Vertrag von Verdun den Beginn der deutschen bwz. französischen Nation?

5. Abschluss

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Das Europa des 9. Jahrhunderts war von einem Frankenreich geprägt, dass durch die von Ludwig dem Frommen erlassene Erbfolgeregelung von 817, der Ordinatio Imperii, und der Problematik, die zum Tragen kam, als dieser mit seiner zweiten Frau Judith noch einen Sohn und potentiellen Erben geschenkt bekam, in eine Periode der Machtkämpfe steuerte, und unweigerlich auch einen Niedergang des Reiches zur Folge haben musste.

Die Erbfolgeregelungen Ludwigs des Frommen gaben im 9. Jahrhundert zweifellos Anlass für zahlreiche Auseinandersetzungen im Karolinger Reich. Die Konfrontationen mit seinen Söhnen, allen voran durch die Erbfolgeregelung der Ordinatio Imperii, als auch die darauf folgenden Streitigkeiten der Söhne untereinander, erlangten große Bedeutung für die Zukunft des Frankenreiches, auch wenn diese Tatsache zum damaligen Zeitpunkt sicherlich nicht abzusehen war. Zweck der Ordinatio war eine Stärkung und Festigung des Reiches, welche aber, wie wir sehen werden, nicht in Erfüllung ging. Generell erscheint das 9 Jahrhundert – aus Sicht der Karolinger – als ein recht schwieriges zu werden. Innerlich durch immer wieder sich wiederholende Teilungsverträge und die damit herangehenden Brüderzwiste der Söhne von Ludwig des Frommen in Unordnung geraten, äußerlich in ständiger Obhut ob den Angriffen von Magyaren, Vikingern oder Sarazenen. Vielfältige Teilungsverträge wurden geschlossen und die häufigen Reichsteilungen waren prägend für die späte Karolingerzeit. Die mit Abstand bedeutendste Reichsteilung fand sich allerdings im Vertrag von Verdun des Jahres 843 wieder.

Der Tod Ludwig des Frommen leitete eine neue Phase in der karolingischen Reichsgeschichte ein. Denn mit seinem Ableben im Jahre 840 starb nicht nur ein fränkischer König und Kaiser, sondern auch die Idee der Reichseinheit. Des Weiteren hinterließ er nach seinem Tode dem Frankenreich eine Schar von Erben, welche alle Ihre Ansprüche und Positionen verteidigen wollten. Folglich dem alten fränkischen Erbgesetz Chlodwigs, der den Besitz unter seinen Erben (Söhnen) teilte, wurde auch weiter geteilt. Diese Teilungen waren dennoch nicht das Ende des Frankenreichs gewesen, sondern vielmehr nur eine Teilung der Hausherrschaft der Karolinger. Bei diesen Teilungen entstanden Binnengrenzen, die aber nicht von langer Dauer waren und oftmals mit dem Aussterben der jeweiligen Linie wieder verschwanden. Von seinen Söhnen entmachtet und gestürzt, erlebte Ludwig der Fromme die inneren Kämpfe um das Reich nur in Gefangenschaft und konnte dann selbst nicht mehr aktiv in die Nachfolgeregelungen eingreifen. Seine Söhne hingegen, allen voran Lothar I., horteten die Macht. Lothar ließ sich zum Kaiser erheben, da die Bischofsversammlung, welche sich seit 829 ein Aufsichtsrecht über den Kaisertitel zugeschrieben, ihm bestätigte, dass der ehemalige Kaiser Ludwig dieses Amt nur unzulänglich verwaltet habe. [1] Aber auch Karl der Kahle oder Ludwig der Deutsche wollten sich nicht nur auf ihre Unterkönigtümer beschränken lassen. Lothar wollte nämlich das Reich nach der Ordinatio Imperii von 817 aufteilen, jedoch hätte dies eine territoriale Rückstufung Ludwigs und Karls bedeutet, die sich nicht mehr gewillt waren einzugehen. Lothar konnte sich letztlich mit seiner Politik nicht durchsetzen. Und so kehrte Ludwig der Fromme, nachdem Lothar mit seinen Gefolgsleuten geflohen war, wieder auf seinen Thron zurück. Im Jahre 834 wurde Ludwig der Fromme erneut in die Kirche aufgenommen, mit den Reichsinsignien geschmückt und als Kaiser wieder anerkannt. Lothar hingegen wollte und konnte sich nicht geschlagen geben. Und wohl auf Druck seiner Anhänger brachen offene Kämpfe aus. Die militärische Macht seiner beiden Brüder konnte er jedoch nicht überwinden. Um schließlich seine Herrschaft über Italien zu wahren, unterwarf er sich und durfte dadurch Italien nicht mehr eigenmächtig verlassen. [2] Doch die innere Schwäche des Frankenreiches wurde im Laufe der Zeit zur äußeren Schwäche, da vor allem Dänen und Schweden immer wieder in das Reich einfielen. [3]

Der Vertrag von Verdun steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Er sollte den Grundstein für das moderne Europa legen. Folgend werde ich in dieser Proseminararbeit einen kurzen Überblick über den Vertrag selbst sowie die Folgen selbigen näher erörtern. Abschließend werde ich die verschiedenen Forschungsstände heranziehen, welche sich mit der Frage beschäftigen, ob denn der Vertrag von Verdun als Geburtsstunde der französischen und deutschen Nation angesehen werden kann.

2. Der Vertrag von Verdun

Die Zeit während und nach dem Tode Ludwig des Frommen war von Bürgerkriegen zwischen den Brüder Lothar I., welcher als Kaiser die Oberhand behielt, Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen um die Aufteilung des Reiches gekennzeichnet. Den ersten „Höhepunkt“ erreichte dieser Zwist in der Schlacht von Fontenoy im Jahre 841. In dieser kämpfte Lothar I. als Kaiser mit Hilfe von Pippin II., dem Sohn Pippins von Aquitanien, gegen seine Brüder Ludwig den Deutschen und Karl dem Kahlen um die fränkischen Kerngebiete rund um Aachen und andere bedeutsame Pfalzen, über die er laut den Vereinbarung der Ordinatio Imperii die Oberherrschaft inne haben sollte. Zwar konnte Lothar diese behalten, ging aber dennoch als Verlierer aus der Schlacht.[4]

Dem im August 843 geschlossen Vertrag von Verdun, der als Versöhnung der Brüder von den voran anhaltenden Brüderkriegen betitelt werden kann, gingen zähe und langwierige Vorverhandlungen voraus. Zwar beabsichtigte man keine Aufteilung des Frankenreiches in ein, wie sich später zeigen wird, West- Mittel- und Ostreich, dennoch aber war es ein fundamentaler Schritt von der Reichsteilung zu den spätkarolingischen Teilreichen und kann durchaus als Gegenstück der Ordinatio Imperii von 817 gesehen werden. Dem dynastischen Erbrecht zufolge, sollte das Reich vielmehr in drei möglichst gleichwertige Teile geteilt werden. Trotz der Teilung des Reiches wurde Lothar bereits zuvor im Zuge der Ordinatio von seinem Vater Ludwig dem Frommen als Mitkaiser auserwählt. Das bedeutete, dass es die Teilung zwar drei Könige, mit drei verschiedenen Zuständigkeitsbereichen mit sich brachte, die Oberherrschaft über das Gesamtreich jedoch bei Lothar, dem Kaiser, lag.[5] An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass die Ernennung Lothars zum Mitkaiser und die darauffolgenden Jahre der Brüderstreitigkeiten einem hochinteressanten Vorverlauf zugrunde liegen, der hier aber nicht näher erläutert werden soll. Zwar ist der Vertrag von Verdun selbst nicht überliefert, doch geben zum Beispiel die Annales Bertiniani seinen Inhalt wenigstens in groben Zügen wieder:

„Karl begab sich zur Zusammenkunft mit den Brüdern und traf sie in Verdun. Hier erhielt Ludwig, nachdem die Teilung ausgeführt war, alles jenseits des Rheins, dazu diesseits die Städte und Gaue von Speier, Worms und Mainz; Lothar das Land zwischen Rhein und Schelde bis zu ihrer Mündung und dann das Land um Cambrai, den Hennegau, das Lomensische und Castricische Gebiet, und die Grafschaften links der Maas und weiter bis zum Einfluss der Saóne in die Rhóne, und der Rhóne entlang bis zum Meer mit den Grafschaften auf beiden Seiten. Außerhalb dieser Grenzen erhielt er bloß Arras durch die Güte seines Bruders Karl. Der Rest bis Spanien fiel Karl zu. Und nachdem sie gegenseitige Eide geschworen, schied man zuletzt voneinander.“[6]

[...]


[1] Vgl. SCHIEFFER Rudolf. Die Karolinger. Stuttgart 1997. S. 132.

[2] Vgl. SCHIEFFER Rudolf. Die Karolinger. Stuttgart 1997. S. 134.

[3] Vgl. BUGGE Alexander: Die Wikinger. Bilder aus der Nordischen Vergangenheit. Lund 1904. S. 28.

[4] Vgl. SCHIEFFER Rudolf, Die Karolinger. Stuttgart 1997. S. 114.

[5] Vgl. PRINZ Friedrich, Grundlagen und Anfänge. Deutschland bis 1056. München 1985. S. 113.

[6] BECHER Matthias (Hg.), Geschichte Kompakt. Merowinger und Karolinger. Darmstadt 2009. S. 114.

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Details

Titel
Der Vertrag von Verdun 843. Der Beginn der deutschen und französischen Nation?
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V384575
ISBN (eBook)
9783668595712
ISBN (Buch)
9783668595729
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frankreich, 9. Jahrhundert, ordinatio imperii
Arbeit zitieren
Gregor Wolfsberger (Autor), 2017, Der Vertrag von Verdun 843. Der Beginn der deutschen und französischen Nation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384575

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