Fernmündliche Reanimationsanleitung und ihre Auswirkungen auf das Reanimationsverhalten von Laienhelfern


Hausarbeit, 2017

17 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Reanimation
2.1 Reanimationsanleitung im Rahmen von Erste Hilfe Kursen
2.2 Fernmündliche Reanimationsanleitung

3 Beteiligte Personengruppen
3.1 Leitstellendisponent / Leitstellendisponentin
3.2 Medizinischer Laie

4 Auswirkungen der fernmündlichen Reanimationsanleitung

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Standardisierte Handlungsanweisung „Telefonreanimation Erwachsene“ der Integrierten Leitstelle München

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Am Sonntagabend kam es zu Wiederbelebungsversuchen durch Bekannte, die per Telefon von der Feuerwehr angeleitet wurden. Der Patient konnte in ein Krankenhaus transportiert werden.“ (Düsseldorf, o. J.) Es wird beschrieben, dass ein medizinischer Laie mit der Durchführung der Reanimation oft erst durch die telefonische Anleitung eines Leitstellendisponenten oder einer Leitstellendisponentin beginnt und die Überlebenschance des Betroffenen dadurch deutlich steigen kann (Bayrisches Rotes Kreuz, 2017). Solche oder so ähnliche Pressemitteilungen sind in der jüngeren Vergangenheit vermehrt zu vernehmen und werfen die Frage auf, welche Auswirkungen die fernmündliche Reanimationsanleitung der Leitstellendisponenten und Leitstellendisponentinnen auf das quantitative Reanimationsverhalten von medizinischen Laien hat. Dieser Forschungsfrage soll im Folgenden wissenschaftlich nachgegangen werden. Zunächst wird der Ablauf einer Reanimation beschrieben, gefolgt von einer Darstellung wie eine Herz – Lungen – Wiederbelebung im Rahmen eines Erste Hilfe Kurses bzw. unter fernmündlicher Anleitung vermittelt werden kann. Unbeachtet bleiben hierbei die medizinischen Vorgänge während eines Herzkreislaufstillstandes. Nachfolgend sind in Kapitel 3 die an einer Telefonreanimation beteiligten Personengruppen mit ihren medizinischen Kenntnissen dargestellt, um in Kapitel 4 die konkreten Auswirkungen einer fernmündlichen Reanimationsanleitung erörtern zu können. Zum Nachvollziehen welche Kernelemente eine Reanimation ausmachen, werden diese zuerst beschreiben.

2 Reanimation

Im medizinischen Wörterbuch Pschyrembel wird die Reanimation wie folgt definiert: „Lebensrettende Sofortmaßnahmen bei Herz-Kreislauf-Stillstand oder Atemstillstand (bzw. Schnappatmung). Ziel ist die Wiederherstellung bzw. Aufrechterhaltung von Atmung und Kreislauf und damit die Gewährleistung der Durchblutung und Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe wie Gehirn und Herz“ (Koppenberg, 2017).

Für das Überleben eines erwachsenen Patienten mit Herzkreislaufstillstand ist die qualitativ hochwertige Reanimation entscheidend. Diese Wiederbelebung besteht im Idealfall aus einer Kombination von Herzdruckmassage und Atemspende ergänzt durch erweiterte medizinische Maßnahmen. Im Verhältnis 30 Herzdruckmassagen (HDM) zu 2 Atemspenden soll eine Reanimation möglichst unterbrechungsfrei durchgeführt werden. Die Drucktiefe der HDM beträgt zwischen 5 cm und 6 cm in einer Frequenz von 100 – 120 Kompressionen pro Minute. Sollte der Helfer nicht in der Atemspende ausgebildet sein, kann diese ausbleiben. Es wird eine Frühdefibrillation durch einen automatisierten externen Defibrillator (kurz AED) innerhalb der ersten drei bis fünf Minuten nach dem Kreislaufkollaps angestrebt, um die Überlebensrate zu steigern (Monsieurs et al., 2015). Erweiterte Maßnahmen durch medizinische Fachkräfte gliedern sich in EKG Diagnostik und ggf. Defibrillation, eine Atemwegssicherung mit Beatmung und Überwachung und einem venösen Zugang zur Applikation von Medikamenten. Diese Maßnahmen werden während der Basisreanimation durchgeführt und Unterbrechungen der HDM währenddessen vermieden (Koppenberg, 2017). Weiterführende Leitlinien und medizinische Hintergründe zur Reanimation sollen in dieser Arbeit nicht thematisiert werden, können aber z. B. im Band 18, Heft 8 der Zeitschrift „Notfall + Rettungsmedizin“ recherchiert werden.

Die Basisreanimation für Laien kann in Erste - Hilfe - Kursen erlernt und trainiert werden. Auf die Inhalte der Herz–Lungen–Wiederbelebung in solchen Kursen soll im Folgenden eingegangen werden.

2.1 Reanimationsanleitung im Rahmen von Erste Hilfe Kursen

Die Erste Hilfe ist mit dem Behandlungsbeginn und Hilfsmaßnahmen bei Erkrankungen oder Verletzungen definiert und von jedem zur jederzeit leistbar. Sie hat das Ziel Leben zu erhalten. Von Erste Hilfe Ausgebildeten wird erwartet, dass sie die Notwendigkeit zur Durchführung von Erste Hilfe Maßnahmen erkennen, diese anwenden und dabei die Grenzen ihrer Möglichkeiten beurteilen können. Darüber hinaus sollen sie in der Lage sein, weitere Hilfskräfte z. B. durch Absetzten des Notrufs alarmieren zu können (Zideman et al., 2015).

Im Bezug zur Reanimation wird im Rahmen der Ersten Hilfe nachfolgendes Vorgehen beschrieben und gelehrt. Zuerst werden die Vitalzeichen des Patienten überprüft, dies findet durch eine Ansprache und leichtem Rütteln an der Schulter statt. Bei ausbleibender Reaktion des Betroffenen muss man von einer Bewusstlosigkeit ausgegangen werden, anschließend werden die Atemwege und die Atmung kontrolliert. Bei fehlender normaler Atmung spricht man von einem Herzkreislaufstillstand. Es folgt das Absetzten des Notrufes und ggf. das Verwenden eines AED. Hiernach beginnt der Helfer oder die Helferin mit der HDM. Hierzu wird neben dem Betroffenen in Höhe des Brustkorbs gekniet, den Handballen einer Hand auf das untere Brustbeindrittel des entblößten Oberkörpers des Patienten gelegt und die andere Hand auf die Erste aufgesetzt. In einer Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute wird der Brustkorb des Betroffenen ca. 5 cm bis 6 cm tief mit durchgestreckten Armen eingedrückt. Hierbei ist die Kompressions- und Entlastungsdauer gleich lang. Nach 30 Kompressionen folgen 2 Atemspenden.

Um den Atemweg anatomisch freizumachen wird der Kopf überstreckt, anschließend wird die Nase des Betroffenen durch Daumen und Zeigefinger verschlossen und der Mund leicht geöffnet. Der Helfer oder die Helferin atmet normal ein und umschließt mit den eigenen Lippen den Mund des Betroffenen dicht. Es wird über den Zeitraum von einer Sekunde ausgeatmet, so dass sich der Brustkorb des Betroffenen sichtbar hebt. Nach erneutem Einatmen wird die Atemspende ein zweites Mal wiederholt. Die Maßnahmen der Herzdruckmassage und Atemspende werden im Wechsel bis zum Eintreffen von medizinischem Fachpersonal oder bis zum Einsetzen einer normalen Atmung des Betroffenen durchgeführt (Deutsches Rotes Kreuz, o. J.). Diese beschriebenen Maßnahmen werden praktisch im Rahmen eines Ersten Hilfe Kurses dargestellt und trainiert. Hier besteht der Hauptunterschied zu einer fernmündlichen Reanimationsanleitung.

2.2 Fernmündliche Reanimationsanleitung

Bei einer fernmündlichen Reanimationsanleitung ist es weder möglich die Abläufe und Tätigkeiten im Vorfeld zu trainieren, noch ist eine visuelle Anleitung des Notfallzeugen möglich. Dadurch kommt einer einfach und verständlich gesprochenen Handlungsanweisung eine herausragende Bedeutung zu.

Eine solche gesprochene Anleitung, eine Telefonreanimation (T-CPR), ist keine neue Entwicklung, sie wurde bereits 1985 im Journal of Public Health beschrieben und ist in den Leitlinien des European Resuscitation Council seit 2010 fest verankert, wird jedoch in deutschen Leitstellen sehr unterschiedlich praktiziert (Hackstein et al., 2014).

Bei einer fernmündlichen Reanimationsanleitung ist zunächst von dem Leitstellendisponenten oder der Leitstellendisponentin durch gezielte Fragen der Herzkreislaufstillstand festzustellen, um mit der telefonischen Reanimationsanleitung beginnen zu können. Dies wird als eine der schwierigsten Aufgaben von Leitstellendisponentinnen und Leitstellendisponenten beschrieben. Besonders das Unterscheiden von Schnappatmung und normaler Atmung ist eine schwierige und fehleranfällige Handlung bei einer solchen Notrufabfrage (Maurer, Mayr, Kaiser, Schinnerl, Baubin, 2015). Durch eine T-CPR kann zum Notfallzeitpunkt das Wissen über die Reanimationsdurchführung vom Leitstellenpersonal an den Ersthelfer oder die Ersthelferin weitergegeben werden. Ebenso kann Unterstützung vermittelt und Defizite von medizinischen Laien abgebaut werden (Marung, 2013). Zur Unterstützung des Leitstellenpersonals wird in einigen Leitstellen auf eine strukturierte Notrufabfrage zurückgegriffen und in anderen Leitstellen mit Hilfe von Protokollen abgefragt. Ein solches standardisiertes Vorgehen hat sich als günstig erwiesen, um eine möglichst effiziente Abfrage und Anleitung zu erzielen (Hackstein et al., 2014).

Es stellen sich jedoch auch Situationen mit erschwerten Bedingungen für eine Anleitung zur Reanimation dar. Das Fehlen eines schnurlosen Telefons des Notrufers oder ein an die Polizei abgesetzter medizinischer Notruf sind hierfür als Beispiele zu nennen. Bei letztgenanntem muss der Leitstellendisponent oder die Leitstellendisponentin beim Ersthelfer zurückrufen, um eine T-CPR durchführen zu können, dies kostet Zeit (Marung, 2013).

Die Durchführung einer telefonischen Reanimationsanleitung ist weder gesetzlich verpflichtend noch folgt sie deutschlandweit einem einheitlichen Algorithmus (Maurer, Mayr, Kaiser, Schinnerl, Baubin, 2015). Ein Beispiel einer standardisierten Anleitung zur Telefonreanimation der Integrierten Leitstelle München ist nachfolgend dargestellt. Die rot umrandeten Felder sind für das Leitstellenpersonal Pflichtfelder und dem Laienhelfer wortwörtlich vorzulesen, die grauen Felder sind zusätzliche Möglichkeiten die der Leitstellendisponent oder die Leitstellendisponentin hat um dem Notrufer oder der Notruferin weitere Hilfestellungen zu ermöglichen. Anweisungen für das Leitstellenpersonal ergeben sich aus den blau umrandeten Boxen (Nest et al., 2014).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Standardisierte Handlungsanweisung „Telefonreanimation Erwachsene“ der Integrierten Leitstelle München (Quelle: Nest et al., 2014)

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Fernmündliche Reanimationsanleitung und ihre Auswirkungen auf das Reanimationsverhalten von Laienhelfern
Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein
Note
2.0
Autor
Jahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V384985
ISBN (eBook)
9783668597266
ISBN (Buch)
9783668597273
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Reanimation, Laienreanimation, Telefonreanimation, Ersthelfer, Erste Hilfe, Rettungsdienst, Leitstelle, Notruf, T-CPR
Arbeit zitieren
Volker Julius (Autor), 2017, Fernmündliche Reanimationsanleitung und ihre Auswirkungen auf das Reanimationsverhalten von Laienhelfern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/384985

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