Die private Vermögensverwaltung in Zeiten von Niedrigzinsen

Risiken und Chancen ausgewählter Anlagen für Privatanleger


Textbook, 2018
83 Pages
Anonymous

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Definitionen und Theorien
2.1 Niedrigzinsphase
2.2 Effizienzmarkthypothese
2.3 Behavioral Finance
2.4 Portfoliotheorie
2.5 Capital Asset Pricing Model

3 Ausgewählte Anlagen für Privatanleger
3.1 Risikofreie Anlagen
3.2 Aktives Fondsmanagement
3.3 Passives Fondsmanagement
3.4 Einzelaktien

4 Kritische Würdigung
4.1 Performancedarstellung von aktiven Fonds
4.2 Studien zur Performance von aktiven und passiven Fonds

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Höhe des Leitzinses in der Eurozone von 2000 bis 2017

Abbildung 2: Beziehung der drei Abstufungen von Informationseffizienz

Abbildung 4: Effizienzkurve

Abbildung 5: Kapitalmarktlinie im CAPM

Abbildung 6: Wertpapierlinie im CAPM

Abbildung 7: Darstellung des Bottom-up-Ansatz

Abbildung 8: Linienchart der Bayer AG-Aktie

Abbildung 9: Balkenchart der Bayer AG-Aktie

Abbildung 10: Point & Figure-Chart der deutschen Börsen AG

Abbildung 11: Candlestick-Chart der Bayer AG-Aktie

Abbildung 12: Rendite der Fonds im Vergleich zur Benchmark S&P 500 von 1970-2001

Abbildung 13: Von der Benchmark outperformte aktive Fonds nach Regionen

Abbildung 14: Rendite von aktiven USA-Aktienfonds von 1998-1999 und 2000-2001

Abbildung 15: Outperformance aktiver Fonds nach Regionen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Veränderung des Sparverhaltens von Privatpersonen im Zuge der Niedrigzinsen

Tabelle 2: Fondsgruppen nach Kostenquartilen 2008 und anschließender Performance

Tabelle 3: Performancevergleich zwischen gering und stark diversifizierten Portfolios von 1990 bis 2014

Tabelle 5: Hypothetische Performance-Statistik eines Investmentfonds

Tabelle 6: Hypothetische arithmetische Durchschnitte eines Investmentfonds

Tabelle 7: Jährliche Rendite von Fonds von 1990 bis 1998

Tabelle 8: Stand der Forschung: Renditeunterschiede aktiver und passiver Kapitalanlagen

Tabelle 9: Outperformance der Benchmark im Vergleich zum jeweiligen Aktienfonds in den USA

Tabelle 10: Die langfristige Wertentwicklung einer anfänglichen Einmalanlage von 10.000€ in Abhängigkeit von den Anlagekosten

1 Einführung

1.1 Problemstellung

Seit dem 16.03.2016 befindet sich der Leitzins in der Eurozone auf einem historischen Tief von 0,00%.[1]

Seither erscheinen fast täglich mediale Veröffentlichungen über Ursachen und Folgen der Leitzinssenkung. Dabei wird häufig über Nachteile für Privatpersonen als Folge der Zinssenkung berichtet.

Beispielsweise titelte die Bild, auflagenstärkste Zeitung Deutschlands, im Zuge der Senkung des Leitzinses auf 0,00%: „Sparer werden enteignet“.[2] Diesem Paradigma folgte das Handelsblatt: „Angriff auf die deutschen Sparer“.[3]

Die mediale Aufmerksamkeit begründet sich in dem flächendeckenden Ausmaß der Zinssenkung, denn es sind praktisch alle Privatpersonen betroffen, da die Banken die niedrigen Zinsen an die Anleger weiterreichen und deshalb durch klassische Anlagearten bei der Bank keine lukrative Rendite mehr erzielt werden kann.[4]

Aus Tabelle 1 lässt sich eine Folge der Zinssenkung für Privatanleger erkennen. Demnach hat sich das Sparverhalten von fast einem Viertel der befragten Privatpersonen aufgrund der Niedrigzinsen im März 2016 ins Negative entwickelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Veränderung des Sparverhaltens von Privatpersonen im Zuge der Niedrigzinsen[5]

Das bedeutet, dass diese Personen weniger Vermögen anhäufen und demnach mehr Geld für Konsum zur Verfügung haben. Allerdings ist den meisten Personen, die ihr Sparverhalten im Zuge der Niedrigzinsen gesenkt haben, nicht bewusst, dass weitaus andere Anlagearten für Privatanleger zur Verfügung stehen.

1.2 Zielsetzung

Aus diesem Grund stellt diese Bachelorarbeit einen Überblick über Geldanlagen für Privatanleger zusammen. Der Privatperson soll dabei gezeigt werden, dass auf dem Kapitalmarkt, trotz Niedrigzinsen, lukrative Renditen erzielt werden können. Die Zinssenkung stellt somit also keinen Grund dar, seine Sparrate zu verringern und kein Vermögen aufzubauen.

Nach dem Lesen der Bachelorarbeit hat der Leser ein Grundverständnis und einen Überblick über die Möglichkeiten der Geldanlage. Dieses Verständnis trägt dazu bei, eine schnellere und leichtere Entscheidung über die zu wählenden Anlagearten zu treffen.

Speziell soll dabei die Frage geklärt werden, mit welchem Fondsmanagementstil auf lange Sicht eine bessere Rendite erzielt werden kann. Die Anhänger von aktiven und passiven Fonds vertreten eine gegenteilige Meinung über die Effizienz der Märkte. In der Bachelorarbeit wird geklärt, mit welchem Fondsmanagementstil der Privatanleger langfristig signifikant bessere Renditen erzielen kann.

1.3 Vorgehensweise

Zunächst erfolgt eine Erläuterung der theoretischen Hintergründe, um ein besseres Verständnis der folgenden Themen zu vermitteln. Zu Beginn wird dabei auf den Leitzinsverlauf und dessen Auswirkung eingegangen. Danach werden die Effizienzmarkthypothese, Behavioral Finance, die Portfoliotheorie und das Capital Asset Pricing Model beschrieben.

Im Hauptteil werden ausgewählte Anlagen für Privatanleger vorgestellt und auf Chancen und Risiken durchleuchtet. Begonnen wird mit risikofreien Anlagen. Daraufhin folgt ein Überblick über die Annahmen und Zielsetzungen des aktiven Fondsmanagements. Im Anschluss werden die Aktienbewertungsmethoden der Fundamentalanalyse und der Technischen Analyse vorgestellt. Im Hinblick darauf folgt ein kurzer Einblick in die Gedanken des Market Timing. Das aktive Fondsmanagement wird danach auf Vor- und Nachteile für den Privatanleger untersucht.

Im Anschluss folgt eine prägnante historische Herleitung des passiven Fondsmanagements und dessen Annahmen und Zielsetzung. Im Hinblick darauf werden die verschiedenen Arten von passiven Fonds aufgezeigt. Zusammenfassend wird das passive Fondsmanagement auf Vor- und Nachteile für den Privatanleger untersucht. Ebenso folgt eine Einschätzung, ob und wie weit Einzelaktien für Privatanleger geeignet sind.

Anschließend folgt eine kritische Würdigung, in welcher vor allem mit Hilfe von Studien erläutert wird, welche Anlageform langfristig die beste Rendite für Privatanleger liefert. Zum Abschluss folgt eine Zusammenfassung und Einschätzung, welche Anlageart langfristig am geeignetsten für Privatanleger scheint.

2 Definitionen und Theorien

2.1 Niedrigzinsphase

Der Leitzins stellt ein wichtiges Element für die Steuerung der nationalen und internationalen Geldpolitik dar.[6]

Bis 1999 wurde der Leitzins in Deutschland von der Bundesbank festgelegt. Dies änderte sich mit Einführung der Europäischen Währungsunion, mit welcher die Europäische Zentralbank die Bestimmung des Leitzinses für die gesamte Eurozone übernahm. Ein niedriger Leitzins bedeutet eine leichte Geldbeschaffung für Geschäftsbanken bei der Zentralbank und deshalb die Möglichkeit, Kredite mit geringeren Zinsen an Ihre Kunden weiterzugeben.[7]

Anhand folgender Abbildung zeigt sich der Verlauf des Leitzinses in der Eurozone.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Höhe des Leitzinses in der Eurozone von 2000 bis 2017[8]

Im Sommer 2008, kurz vor dem Höhepunkt der Finanzkrise, wurde der Leitzins von der Europäischen Zentralbank auf 4,25 Prozentpunkte festgesetzt. Innerhalb kurzer Zeit wurde dieser auf ein Prozent gesenkt.

Seit der Finanzkrise 2008 befindet sich der Leitzins, und demnach auch die Guthabenzinsen bei Geschäftsbanken für Privatanleger, fast ausschließlich auf dem Abwärtstrend. Im September 2014 wurde der Leitzins auf ein Rekordtief von 0,05% abgesenkt. Am 16.03.2016 folgte dann die Senkung auf 0,00%.[9]

Aus dieser Senkung bzw. den folgenden Minuszinsen ergibt sich ein noch nie da gewesenes Phänomen in der Volkswirtschaft und an den Kapitalmärkten. Die Privatpersonen verzichten in der Gegenwart nur auf Konsum, wenn sie durch Zinszahlungen entsprechend entschädigt werden. Ein Verzicht auf Konsum und Zinsen stellt aus klassischer Sicht ein nicht rationales Verhalten dar.[10] Aufgrund dessen führt eine Zinssenkung für Privatanleger zu mehr Konsum oder aber zu einer Geldanlage in risikoreicheren Anlagen, wie zum Beispiel Aktien. Durch eine Anlage in konventionelle Geldanlagen, wie Sparbuch und Tagesgeld, wird kaum noch eine Rendite erzielt. Aufgrund der vorherrschenden Inflation von 0,5% im Jahr 2016, liegt bei einer Anlage in Tagesgeld eine leichte Geldentwertung vor. Deshalb ist es für den Privatanleger notwendig, sich andere, lukrativere Investments zu suchen, um der Inflation entgegenzuwirken.

2.2 Effizienzmarkthypothese

In der 1970 erschienen Effizienzmarkthypothese definiert der Begründer, Eugene Fama, dass ein Markt informationseffizient ist, wenn alle verfügbaren und relevanten Informationen vollständig und unverzüglich durch den Wertpapierpreis einer Aktie abgebildet werden. Somit werden nicht nur vergangene und aktuelle Daten, wie Bilanzen, Gewinne, politisches Klima, Präferenzen der Marktteilnehmer etc. beachtet, sondern auch deren kausales Zusammenspiel und die Erwartungen in die Zukunft.[11]

Die Effizienzmarkthypothese stellt dadurch einen wichtigen Bestandteil der neoklassischen Kapitalmarkttheorie dar.[12]

Es ist allerdings zu beachten, dass die Kapitalmarkteffizienz vom Begriff des vollkommenen Marktes abzugrenzen ist. Die Effizienz des Marktes stellt lediglich einen Bestandteil des vollkommenen Marktes dar.[13] Damit ein vollkommener Markt vorliegt, sind weitere Voraussetzungen zu erfüllen, wie der kostenlose Zugang zu denselben Informationen für alle Marktteilnehmer, vollkommen rational handelnde Individuen mit homogenen Erwartungen, die unendliche Teilbarkeit von Wertpapieren und das Nichtvorhandensein von Transaktionskosten und Steuern.[14]

Der Begründer der Effizienzmarkthypothese unterscheidet zwischen der schwachen, halbstrengen und strengen Informationseffizienz.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Beziehung der drei Abstufungen von Informationseffizienz[15]

Aus Abbildung 2 lässt sich entnehmen, dass jeweils die höhere Form der Informationseffizienz die niedrige(n) Form(en) miteinschließt.

Unterliegt ein Markt der schwachen Informationseffizienz, so ist er im Hinblick auf historische Kursverläufe effizient. Das bedeutet also, dass im aktuellen Kurs die vergangenen Kursverläufe enthalten sind. Somit ist es also nicht möglich mit Hilfe Technischer Analysen und Algorithmen eine Überrendite zu erzielen.[16]

Bei Vorliegen einer halbstrengen Informationseffizienz, welche die schwache Informationseffizienz beinhaltet, werden alle öffentlich zugänglichen Informationen, wie Jahresabschluss, Presseberichte etc. bereits im aktuellen Kurs einer Aktie berücksichtigt. Deshalb verspricht eine Aktienbewertung mit Hilfe der Fundamentalanalyse keinerlei Outperformance.[17] Eine höhere, über dem Marktdurchschnitt liegende Rendite kann also lediglich mit Insiderwissen erwirtschaftet werden. Allerdings ist eine fundamentale Analyse dennoch erforderlich, damit ein Markt eine semi-starke Informationseffizienz erlangt. Angenommen, kein Marktteilnehmer analysiert mit Hilfe der fundamentalen Daten, so können sich diese Informationen auch nicht in den Wertpapierkursen widerspiegeln. Hierbei spricht man von einem sogenannten Informationsparadoxon.[18] Deshalb ist bei einer halbstrengen Informationseffizienz aktives Management nur sinnvoll, sobald die Manager über Insiderwissen oder Spezialkenntnisse verfügen, die nicht hinreichend am Markt bekannt sind.[19]

Unter der Annahme der strengen Informationseffizienz, sind bereits alle öffentlichen und nichtöffentlichen Informationen in den aktuellen Aktienkurs eingepreist. Dementsprechend ist es also weder mit der technischen und fundamentalen Analyse, noch mit Insiderwissen möglich, Überrenditen zu erzielen.[20]

Verifiziert man diese Theorie, so kommt man zu dem Ergebnis, dass sich ein passives Management des Vermögens am Sinnvollsten darstellst, was bedeutet, dass man sich mit der durchschnittlichen Marktrendite zufriedengibt. Ein Indiz dafür ergibt sich aus den Auswertungen vergangener Anlegerstatistiken. Dabei wurde festgestellt, dass durch aktives Depotmanagement häufig keine Überrendite erzielt werden kann.[21] Eine intensive Diskussion dieser Thematik findet in Kapitel 4.2 statt.

2.3 Behavioral Finance

Die Behavioral-Finance-Forschung beschäftigt sich mit der Psychologie von Marktteilnehmern hinsichtlich des Finanzverhaltens. Es wurde offengelegt, dass Abweichungen an Märkten zu beobachten sind, die nicht mit der Theorie von effizienten Märkten übereinstimmen.[22]

Die Behavioral-Finance-Forschung wird den modernen Teilbereichen der Finanzwirtschaft zugeordnet und ist nicht als Pendant der modernen Finanztheorien anzusehen, sondern kann als Weiterentwicklung dieser angesehen werden.[23]

Mit Hilfe dieser Theorie soll die Preisbildung also nicht nur durch ökonomische, sondern zusätzlich durch ein Zusammenspiel von psychologischen und soziologischen Faktoren erklärt werden.[24]

Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass der Mensch aufgrund seiner psychischen, neuronalen und mentalen Beschränkungen kein rational handelndes Wesen darstellt. Das Rationalprinzip stellt eine fundamentale Prämisse im Sinne der neoklassischen Wirtschaftstheorie dar, wodurch zumindest teilweise die Idee der Informationseffizienz von der Behavioral Finance verworfen wird.

Sie verfolgt das Ziel, nicht rationale Entscheidungen von scheinbar rationalen Anlegern zu erläutern und weshalb diese zu nicht rationalem Verhalten neigen. Es wird nicht versucht, existierende Theorien, wie die der Informationseffizienz zunichte zu machen, sondern die Schwachstellen um den psychologischen und mentalen Faktor zu erweitern.[25]

Der in der Theorie rational handelnde „Homo Oeconimicus“, wird in der Praxis durch den „Homo Oeconomicus Humanus“ ersetzt, der des Öfteren mit Emotionalität beeinflusste finanzielle Entscheidungen fällt.[26]

Robert Shiller hat 1981 aufgezeigt, dass die Volatilität von Aktienkursen höher ist als in der Effizienztheorie vermutet. Diese Studie gab den Startschuss für die Behavioral Finance und der dadurch folgenden Forschung nach der Preisbildung an Kapitalmärkten unter Berücksichtigung von psychologischen und mentalen Einflüssen der Marktteilnehmer[27].

Ein weiteres Beispiel für Anomalien auf dem Kapitalmarkt ist der Value-Growth-Effekt. Mit Hilfe des KBV bzw. KGV können Unternehmen in Value- bzw. Growth-Aktien unterschieden werden. Im Vergleich zu den Value-Aktien haben Growth-Aktien ein höheres Kurs-Buchwert-Verhältnis bzw. Kurs-Gewinn-Verhältnis. Grund dafür könnte eine übermäßige Zuversicht über die zukünftige Performance sein. In einer Studie von Josef Lakonishor, Andrej Shleifer und Robert Vishny wurde der Value-Effekt unter Zuhilfenahme des KBV von 1968 bis 1989 nachgewiesen. Demnach war die jährliche durchschnittliche Rendite der Value-Aktien um 6,3% höher als die Rendite der Growth-Aktien.[28]

Im Zuge des Three-Factor-Modells versuchte der Begründer der Informationseffizienz, Eugene Fama, die Renditedifferenz mit einem Risikozuschlag für Value-Aktien zu erklären, der nicht in den Kennzahlen enthalten ist.[29]

Jedoch konnte bisher kein Beleg dafür gefunden werden, dass Value-Aktien risikoreicher als Growth-Aktien sind.[30]

Deshalb ist auch der Value-Effekt ein Indiz für die Falsifizierung der Effizienzmarkthypothese in Reinform.[31]

Somit ist die Behavioral Finance Anhaltspunkt und Begründung für das Vorhandensein aktiver Fondsmanager, deren Ziel es ist, Anomalien am Kapitalmarkt zu erkennen und eine Überrendite zu erzielen.[32]

Ob diese Anomalien durch aktive Fondsmanager in der Praxis erkannt und verwertet werden können, wird in Kapitel 4.2 durchleuchtet.

2.4 Portfoliotheorie

Der Ökonom Harry Markowitz gilt als Gründer der Portfoliotheorie. Diese gilt mit dem Artikel „Portfolio Selection“ aus dem Jahre 1952 als entscheidender Wegweiser für die moderne Portfoliotheorie. Beispielsweise titelte Peter Bernstein, dass die Entfernung der Finanzwissenschaft zwischen der Zeit vor 1952 und der Zeit nach 1952 unvorstellbar hoch gewesen ist.[33]

Markowitz stellte fest, dass eine Diversifikation nicht sinnvoll ist, sobald nur die Zielvariable Rendite ins Auge gefasst wird, da dann der Gesamtbetrag der Investition in das Wertpapier mit der höchsten erwarteten Rendite investiert werden müsste. Er konnte allerdings beobachten, dass Marktteilnehmer ihr Kapital meist auf mehrere Wertpapiere aufteilten.[34] Die Diversifikation wird dabei als Instrument zur Risikominimierung des Gesamtportfolios verwendet. Dabei wurde erstmals nicht nur die Variable der zukünftigen Rendite ins Auge gefasst, sondern ebenfalls die Variable Risiko.[35]

Die Rendite wird in der Portfoliotheorie als Zufallsgröße betrachtet, die durch Erwartungswerte, Korrelation und Standardabweichung abgebildet wird.[36]

Die Standardabweichung stellt aufgrund der Schwankungsbreite des Portfolios das Risiko dar. Es wird dabei versucht, dass ein Portfolio eine möglichst hohe Rendite, aber ein möglichst niedriges Risiko aufweist.[37]

Die Korrelation einzelner Wertpapiere untereinander wird dabei als viel wichtiger wahrgenommen, als die bloße Menge an Wertpapieren in einem Portfolio.[38]

Somit wird also deutlich, dass sich das Bilden von Wertpapierportfolios als sinnvoll darstellt. Dabei ist das Ziel, eine möglichst hohe Rendite, bei möglichst geringem Risiko, zu erwirtschaften. Bei der Beurteilung des Risikos spielen Standardabweichung und Korrelation eine entscheidende Rolle.

Am effizientesten sind dabei die Portfolios, bei denen es bei gleicher Rendit, kein geringeres Risiko gibt und bei welchen es bei einem gleichen Risiko keinerlei höher zu erwirtschaftende Rendite gibt.[39]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Effizienzkurve[40]

In dieser Abbildung ist die erwartete Rendite in Abhängigkeit des Risikos eines Portfolios zu sehen. Dabei stellt die Linie die Effizienzkurve dar, also alle Portfolios, bei welchen es keine höhere Rendite bei gleichem Risiko und, bei welchen es bei gleicher Rendite kein geringeres Risiko gibt. Deshalb sind lediglich jene Portfolios auf der Effizienzlinie für den Investor relevant. Hierbei wurden allerdings die Annahmen getroffen, dass alle Wertpapiere beliebig teilbar sind, keine Steuern und Transaktionskosten vorhanden sind und der Betrachtungszeitraum für die optimale Budgetaufteilung eine Periode beträgt.[41]

Die Portfoliotheorie übt durch die Annahme des zufälligen, zukünftigen Renditeverlaufs Kritik an der Fundamentalanalyse und der Technischen Analyse aus. Demnach geben sich Anhänger der Portfoliotheorie mit der zufälligen Unsicherheit der Anlage in der Zukunft zufrieden, wohingegen das Ziel der Analysten darin besteht, die Rendite einzelner Anlagen vorherzusagen und damit eine Outperformance im Vergleich zur Benchmark zu erzielen. Anhänger der Portfoliotheorie hingegen sind darauf bedacht, sich mit Hilfe einer ausgewählten Asset-Allocation größtmöglich am Markt zu diversifizieren, um die Standardabweichung und Korrelation zu senken. Als Folge dessen sinkt das Risiko des Gesamtportfolios.[42]

Die von Markowitz entwickelte klassische Portfoliotheorie wurde seit 1952 mehrmals mit Hilfe theoretischer und empirischer Forschung weiterentwickelt und ist deshalb in die moderne Portfoliotheorie vorangeschritten.[43]

2.5 Capital Asset Pricing Model

Das Fundament für die Entstehung des Capital Asset Pricing Model (CAPM) setzte Markowitz mit seiner eben erläuterten Portfoliotheorie.[44]

Mit Hilfe dieses Grundmodells entwickelten Sharpe[45], Lintner[46] und Mossin[47] das Sharpe-Lintner-CAPM.

Dabei wurde die Idee der Risikominimierung mit Hilfe von Diversifikation von Wertpapieren von Sharp in das CAPM übernommen. Jedoch wurde in der Portfoliotheorie nicht geklärt, inwieweit ein grundsätzliches Marktrisiko besteht, welches nicht durch Diversifizierung verhindert werden kann und deshalb vom Markt im Durchschnitt vergütet werden muss.[48]

Die zu beantwortende Frage ist, welche Rendite von einem Portfolio im Kapitalmarktgleichgewicht erwartet werden, wenn neben der risikotragenden Anlageform eine risikolose Anlagemöglichkeit besteht. Zusätzlich wird vom CAPM beantwortet, wie sich der Preis eines Wertpapiers, also die Rendite, in Abhängigkeit der Rendite des Kapitalmarktes entwickelt und welches Risiko für dieses Wertpapier relevant ist.[49]

Beim CAPM werden Annahmen getroffen, die über die Annahmen der Portfoliotheorie hinausgehen. Es wird angenommen, dass am Markt ein risikoloser Zinssatz besteht, zu welchem jederzeit eine beliebige Menge an Geld aufgenommen und investiert werden kann. Des Weiteren ist die zukünftige Erwartung über Rendite und Risiko der Wertpapiere aller Marktteilnehmer homogen.[50] Dafür ist ein informationseffizienter Markt, wie in 2.3 erläutert, von Nöten.[51]

Durch die Aufnahme einer risikolosen Anlagemöglichkeit in das Modell, wird auf der dadurch entstehenden Kapitalmarktlinie ein effizientes Marktportfolio gebildet. Verbindet man den Achsenabschnitt Rf mit den individuellen Portfolios auf der Effizienzkurve, so ergeben sich die scheinbar jeweils individuellen Portfoliogeraden für jeden Anleger. Allerdings ist Abbildung 4 zu entnehmen, dass die Kapitalmarktlinie alle anderen Effizienzgeraden, in Bezug auf die Risikoeffizienz, dominiert.[52]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Kapitalmarktlinie im CAPM[53]

Die Kapitalmarktlinie ergibt sich aus dem Ordinatenabschnitt Rf und dem Tangentialpunkt zur Effizienzkurve. Dieser Punkt wird als Marktportfolio M bezeichnet. Das Marktportfolio ist dabei das effizienteste aller Portfolios, da es lediglich das systematische, nicht durch Diversifizierung vermeidbare Risiko beinhaltet.[54] M stellt dabei die Zusammenstellung aller gehandelten Anlagen, gewichtet nach den Wertpapierkursen, in einem Portfolio dar.[55] Im Vergleich zur Portfoliotheorie, welches individuelle Portfolios betrachtet, hält im CAPM jeder Marktteilnehmer die gleiche Portfoliozusammensetzung, die sich lediglich durch die jeweilige Risikobereitschaft verändert und sich damit aus einer Kombination zwischen risikoloser Anlage und Marktportfolio ergibt. Dies wird sowohl als Tobin-Separation[56] als auch als Dichotomisierung des Anlagewahlprozesses[57] bezeichnet. Das bedeutet also, dass durch die Annahme der gleichen Erwartungen, jeder Marktteilnehmer das gleiche Marktportfolio hält, welches lediglich durch die jeweilige Risikoeinstellung und damit durch die Gewichtung zwischen Marktportfolio und risikoloser Anlage bestimmt wird.[58]

Wird in ein risikoreicheres Portfolio, als in das Marktportfolio, investiert, so ergibt sich auch eine höhere Renditeerwartung. Es ergibt sich daraus die Frage, wie einzelne Anlagen im CAPM bewertet werden können. Eine Antwort dazu liefert Abbildung 5, die die Wertpapierlinie abbildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Wertpapierlinie im CAPM[59]

In dieser Abbildung ist zu erkennen, dass die Wertpapierlinie den Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite eines Wertpapiers und deshalb dessen Preis am Kapitalmarkt darstellt. Mathematisch kann dies auch folgendermaßen dargestellt werden.[60] Auf eine Herleitung wird im Rahmen dieser Bachelorarbeit aufgrund des enormen Umfangs verzichtet.[61]

[...]


[1] Vgl. Deutsche Bundesbank Eurosysteme (2016)

[2] Vgl. Frenser I. (2016)

[3] Vgl. Atzler E. / Osman, Y. / Hofer, J. (2016)

[4] Beispielsweise Sparkasse Berlin: Anlagesumme 10.000€, Laufzeit 3 Monate Tagesgeldkonto: 0,1% Zinsen p.a.

[5] Mit Änderungen entnommen aus: Bundesverband deutscher Banken (2016), S. 4

[6] Vgl. Siebert, H. (2003), S. 281

[7] Vgl. ebenda

[8] Enthalten in: Kerbler, G. (2016)

[9] Vgl. Deutsche Bundesbank Eurosysteme (2016)

[10] Vgl. Kampmann, R. / Walter, J. (2010), S. 70

[11] Vgl. Fama, E. (1970), S. 383

[12] Vgl. Daxhammer R./ Fascar M. (2012), S. 35

[13] Vgl. Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 39

[14] Vgl. Daxhammer R. / Fascar M. (2012), S. 35

[15] Enthalten in: Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 40

[16] Vgl. Fama, E. (1970), S. 383, 414

[17] Vgl. Fama, E. (1970), S. 405 - 409

[18] Vgl. Möller, H.P. (1985), S. 500

[19] Vgl. Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 41

[20] Vgl. Fama, E. (1970), S. 409

[21] Vgl. Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 45

[22] Vgl. Fama, E. (1970), S. 414

[23] Vgl. Ohlsen, R.A. (1998), S. 10-18

[24] Vgl. Shiller, R. (1998), S. 1

[25] Vgl. Daxhammer, R. / Fascar, M. (2012), S. 76

[26] Vgl. ebenda

[27] Vgl. Shleifer, A. (2000), S. 16f.

[28] Vgl. Lakonishok, J. / Shleifer, A. / Vishny, R.W. (1994), S. 1541 ff.

[29] Vgl. Fama E. / French, K. (1996), S. 55 ff.

[30] Vgl. Shleifer, A. (2000), S. 20

[31] Vgl. Thaler, R.H. (1999), S. 14

[32] Vgl. Masarwah, A. (2012)

[33] Vgl. Markowitz, H.M. / Blay, K.A. (2014), S. 8, zitiert nach Bernstein, P. L. (2007)

[34] Vgl. Markowitz, H.M. (1991), S. 206

[35] Vgl. ebenda, S. 471

[36] Vgl. Spremann, K. (2008), S. 59

[37] Vgl. ebenda

[38] Vgl. Markowitz, H.M. (1952), S. 89

[39] Vgl. Steiner M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 6

[40] Enthalten in: Steiner M. / Bruns C. / Stöckl, S. (2012), S. 9

[41] Vgl. ebenda, S. 8

[42] Vgl. Spremann, K. (2008), S. 60 f.

[43] Vgl. Bernstein, P.L. (1995), S. 10

[44] Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. / Rathgeber, A. (2009), S. 259 ff.

[45] Vgl. Sharpe, W.F. (1964), S. 425 ff.

[46] Vgl. Lintner, J. (1965), S. 13 ff.

[47] Vgl. Mossin, J. (1966), S. 768 ff.

[48] Vgl. Sharpe, W.F. (1964), S. 426

[49] Vgl. Steiner M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 21

[50] Vgl. Steiner M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 21

[51] Vgl. Ross S.A. / Westerfield, R.W. / Jaffe, J.F. (2010), S. 428-466

[52] Vgl. Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 22

[53] Enthalten in: ebenda

E(Ri) = Renditeerwartungswert des Portfolios i

E(Rm) = Renditeerwartungswert des Marktportfolios m

Rf = Zinssatz für risikolose Anlagemöglichkeit

σi = Standardabweichung des Portfolios i

σm = Standardabweichung des Marktportfolios

[54] Vgl. Hielscher, U. (1999), S. 78

[55] Vgl. Loistl, O. (1994), S. 251

[56] Vgl. Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 23

[57] Vgl. Sharpe, W.F. (1964), S. 427

[58] Vgl. Tobin, J. (1958), S. 65 ff.

[59] Enthalten in: Steiner, M. / Bruns, C. / Stöckl, S. (2012), S. 26

[60] Vgl. ebenda, S. 25

[61] Vertiefung: Herleitung s. ebenda, S. 24-26

Excerpt out of 83 pages

Details

Title
Die private Vermögensverwaltung in Zeiten von Niedrigzinsen
Subtitle
Risiken und Chancen ausgewählter Anlagen für Privatanleger
Year
2018
Pages
83
Catalog Number
V385023
ISBN (eBook)
9783960952022
ISBN (Book)
9783960952039
File size
1881 KB
Language
German
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Tags
Rendite, Leitzins, Fondsmanagement, Anlagearten, Aktien, Bank, Sparverhalten, ETF, Niedrigzinsen, Vermögen, private Vermögensverwaltung, BWL, aktives Fondsmanagement, passives Fondsmanagement, aktiv gemanagte Fonds
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