Produktlebenszyklus eines Kleidungstückes. Fast Fashion versus Slow Fashion


Projektarbeit, 2017
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Vorwort

2.0 Über unser Konsumverhalten

3.0 „Fast Fashion“
3.1 Die Definition des Geschäftsmodells „Fast Fashion“
3.2 Kurze Vorstellung und Ethik des „Fast Fashion“ Labels ZARA
3.3 Produktlebenszyklus eines Kleidungsstückes
3.3.1 Die Baumwollproduktion
3.3.2 Die Arbeitsbedingungen
3.3.3 Die Preiszusammensetzung
3.3.4 Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt

4.0 „Slow Fashion“
4.1 Die Definition des Geschäftsmodells „Slow Fashion“
4.2 Kurze Vorstellung und Ethik des „Slow Fashion“ Labels Hessnatur
4.3 Der Produktlebenszyklus eines Kleidungsstückes
4.3.1 Die Biobaumwollproduktion
4.3.2 Die Arbeitsbedingungen
4.3.3 Preiszusammensetzung
4.3.4 Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt

5.0 Vergleich

6.0 Fazit

7.0 Quelllenverzeichnis

8.0 Abbildungsverzeichnis

1.0 Vorwort

Viele Menschen haben ihre Essgewohnheiten umgestellt und haben das Auto gegen den Bus oder die Bahn getauscht. Das soll heißen wir essen bewusst und wir verkehren bewusst. Aber kleiden wir uns auch bewusst? Unser Konsumverhalten hat sich verändert. Primark ist das neue Prada geworden und wir kaufen mehr Kleidung ein als je zuvor. Die Deutschen sortieren jährlich 600 000 bis 700 000 Kleidungsstücke aus. Das sind umgerechnet 40 000 vollbeladene Lastkraftwagen. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 195) Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, diese sich über die schwerwiegenden Folgen nicht bewusst oder gar uninformiert ist. Umso mehr wir kaufen, desto größer wird unser ökologischer Fußabdruck. Wenn wir uns ein T-Shirt für acht Euro kaufen, stellen wir uns nicht die Fragen wo und zu welchen Bedingungen es produziert worden ist. Für das Thema ökologische Mode fehlt uns oft das nötige Vertrauen in die Modebranche. Etikettenschwindel und Unternehmen die sich nur ein „grünes Mäntelchen“ umhängen, sogenanntes „Greenwashing“ betreiben, das heißt, „dass umweltfreundliche Leistungen eines Unternehmens hervorgehoben werden, während das Kerngeschäft umweltverschmutzend bleibt“, verunsichern uns soweit, dass wir unser Konsumverhalten nicht überdenken und unüberlegt weiter einkaufen. (Diekamp und Koch 2010: 149) Früher stand die Funktion der Kleidung im Vordergrund. Heute folgen wir Trends mit Halbwertzeit, die uns Modedesigner und viele andere vorleben. Die meisten Schränke sind zu voll und beinhalten mehr Kleidung, als man anziehen kann. Unsere Kleidung vom letzten Winter ist noch ganz, doch getragen wird sie dennoch nicht mehr. Und jeden Morgen stellen wir uns weiterhin die Frage: „Was zieh ich an?“ Wäre es nicht besser wenn wir uns beim nächsten Einkauf die Fragen stellen würden: „Brauche ich das wirklich?“ und „Warum ist das eigentlich so günstig?“. Es ist an der Zeit sich bewusst Fragen zu stellen und einen Schnitt zu machen. Dazu muss der grüne Markt keine Idee mehr bleiben, sondern sich zu einem Konzept entwickeln, das bleibt. Der politische Wille und das Umweltbewusstsein der Unternehmen wachsen in den letzten Jahren rasant. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 24) Man kann auch sagen „Green is the New Black! “ (Tamsin Blanchard 2007: 1)

In dieser Arbeit findet ein Vergleich von „Fast Fashion“ und „Slow Fashion“ statt. Dazu werden zwei beispielhafte Unternehmen vorgestellt. Insbesondere wird der Produktlebenszyklus eines Kleidungstückes unter den Gesichtspunkten Ökologie, Ökonomie und Sozialverantwortung betrachtet und gegenübergestellt. Dazu werden Gesichtspunkte der Baumwollproduktion, Arbeitsbedingungen, Preiszusammensetzung, sowie die Auswirkungen auf die Umwelt und Gesundheit näher beleuchtet. Es soll untersucht werden, inwieweit Massenproduktion und Umweltverträglichkeit kombinierbar sind und für Unternehmen profitabel.

2.0 Über unser Konsumverhalten

„Alles muss raus“, „nur heute 50 Prozent Rabatt“, „kaufe drei paar Schuhe und erhalte das günstigste gratis dazu.“ Die Geschäfte werden ihre Ware nicht los. Die Läden sind überflutet von Ware und die neue Lieferung steht schon vor der Tür. Monatliche neue Trends sind zum Standard geworden. Dabei werden Wintermäntel im Sommer und Bikinis im Winter verkauft. (vgl. Heike Holdinghausen 2015: 21) „Die Mode ist über ihre eigentliche Bestimmung hinausgewachsen und hat sich dann selbst überholt. Keine Frage: Das System steht kurz vor dem Kollaps.“ (von TM Textilmitteilungen 2015, zit. nach Heike Holdinghausen: 22) Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Textilien hat sich von dem Jahr 1990, 5kg bis zu 2010 auf 25kg gesteigert. Obwohl die Schränke überfüllt sind, geben wir in Deutschland monatlich ca. 50 Euro pro Person für Kleidung aus. (vgl. Diekamp und Koch 2010: 71) Wir tragen ein T- Shirt im Schnitt ca. sieben Mal, ehe es ausrangiert und weggeschmissen wird. Es zu reparieren ist ökologisch wenig sinnvoll. ( Diekamp und Koch 2010: 51) Des Weiteren landen 28 bis 40 Prozent unserer Kleidung, ohne sie getragen zu haben im Kleidercontainer oder in der Mülltonne. (Heike Holdinghausen 2015: 20) Offenbar leben wir in einer Gesellschaft, deren Lebensstil maßgeblich auf die Sicherung und Steigerung des Konsums ausgerichtet ist. Einkaufen, online und offline gilt als neue Freizeitaktivität. Ein T- Shirt kostet nicht mehr als ein Beutel Kartoffeln. Das ist so wenig, dass es den Konsumenten an Interesse fehlt ihre Kaufentscheidungen zu hinterfragen. Diese Schnäppchenjagd löst bei den Käufern Glücksgefühle und Erfolgserlebnisse aus. Konsum gilt als Unterhaltung. ( Diekamp und Koch 2010: 51ff.)

Auch wenn der Markt als sehr gesättigt erscheint, ist Deutschland nach China, USA und Japan, der fünftgrößte Bekleidungsmarkt der Welt. Die Fachhändler, auch die sogenannten „Multi – Label- Fachhändler“, haben fast keine Chance mehr sich gegen größere Konzerne wie zum Beispiel Inditex durchzusetzen. Laut Heike Holdinghausen, „haben 1993 noch 55 000 Einzelhändler Kleidung, aber auch Tischdecken oder Bettwäsche gekauft, 2012 waren es nur noch 35 000.“ (2015: 25) Die größte Bedrohung ist: Onlineshopping. Die eröffneten Vergleichsportale im Internet sorgen außerdem für leere Städte und noch höheren Wettbewerbs- und Preisdruck. Die Deutschen haben im Jahr 2014 für über acht Millionen Euro für Kleidung im Netz, vor allem bei Amazon und Zalando ausgegeben. (vgl. Heike Holdinghausen 2015: 21-25) Bei einer Bestellung im Internet entstehen zusätzliche Transportwege und Verpackungsmüll, die unsere Umwelt belasten. Dabei nicht zu vergessen: Die hohe Retourquote. Laut Zalando werden 50 Prozent aller Pakete zurückgeschickt. Schätzungsweise ist die Zahl jedoch höher. (vgl. Heike Holdinghausen 2015: 21-27)

Doch die grünen Märkte wachsen. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 24) Dies erkennt man an den LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability), die eine immer größere Konsumentengruppe einnehmen. Bei diesem Konsumententyp stehen die Werte Gesundheit und Nachhaltigkeit an erster Stelle. Dabei handelt es sich meistens um Personen mit einem überdurchschnittlichen Gehalt. Die konsumierten Produkte sollen unter nachhaltigen Bedingungen produziert worden sein, aber auch im Punkto Design und Ästhetik mithalten können. Laut einer Trend und Zukunftsforschung zählen 30 Prozent der westlichen Länder zu dieser Zielgruppe. (vgl. Diekamp und Koch 2010: 152) Zu den anderen Zielgruppen gehören zum Beispiel LOVOS (Lifestyle of Voluntary Simplicity), SCUPPIES (Socially-Conscious Upwardly Mobile Persons), DINK (Double Income No Kids) oder die Segmentierung erfolgt anhand des Sinus-Milieus. Übrigens zählen die LOHAS, SCUPPIES und die LOVOS zu den schnellst wachsenden Verbrauchergruppen. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 28) Dieses Potential kann weiter ausgeschöpft werden. Erkennbar ist bereits jetzt eine Trendwende im Konsumverhalten der Masse. Inwieweit die grünen Märkte den Markt dominieren können, soll in den folgenden Kapiteln analysiert werden.

3.0 „Fast Fashion“

3.1 Die Definition des Geschäftsmodells „Fast Fashion“

Der Begriff „Fast Fashion“ beschreibt die Mode- und Textilindustrie der heutigen Zeit. Mit diesem Modell assoziiert man laut Tamsin Blanchard häufig den Trendbegriff „Fashion Victim“. Dabei handelt es sich um eine Person, die sich stets an den aktuellen Trends der Modellabels orientiert und kleidet. (vgl. 2007: 3ff.) Label, die sich an dem Geschäftsmodell orientieren, haben stetig die neuesten Modelle und die aktuellsten Trends auf Lager. Namenhafte Marken wie H&M, United Colors of Benetton, C&A und Zara verfolgen diese Strategie. (vgl. Werner-Lobo und Weiss 2016: 206-305) Wirtschaftliche Schnelligkeit und Umsetzungsgeschwindigkeit stehen dabei an erster Stelle. Eine hohe Warenrotation, das heißt der Verkauf von hohen Stückzahlen in kurzer Zeit, soll dabei einen hohen Umsatz garantieren. Die Ware die sich nicht gut verkauft, wird schnellstmöglich aus dem Sortiment entfernt. (vgl. Diekamp und Koch 2010: 51) Zudem befinden sich die Produktionsstätten meistens in Billiglohnländern oder dort, wo die Arbeitskräfte günstig sind. Abgesetzt wird dort, wo die Konsumentinnen kaufkräftig sind. „Last and least“, werden die steuerlichen Abgaben dort gezahlt, wo die Steuersätze niedrig sind.

Der Begriff „Fast Fashion“ sollte spätestens jedem, nach dem Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes in Bangladesch ein Begriff sein. Diese Produktionsstätte wurde ohne Berechnung der Statik aufgestockt, um möglichst schnell, produzieren zu können. Bei dem Unglück wurden 1130 Menschen Tote und 2438 Verletzte in den Trümmern vorgefunden. Mitverantwortlich war, der Gründer des Inditex Konzerns, der unter anderem auch Gründer der Modemarke Zara ist und zu den reichsten Menschen der Welt gehört. (vgl. Werner- Lobo und Weiss 2016: 174-178.)

3.2 Kurze Vorstellung und Ethik des „Fast Fashion“ Labels ZARA

Der Verhaltenscodex von Zara lautet: „Respecting human und labour right.” (Werner- Lobo und Weiss 2016: 304) Das Unternehmen ist der Inbegriff für „Fast Fashion“. Laut Heike Holdinghausen, „braucht das erfolgreiche Unternehmen nur zwei bis drei Wochen von der ersten Idee auf dem Zeichenbrett bis zum fertigen Teil im Laden.“ (2015: 21) Die spanische Handelskette Zara wurde 1975 von Amancio Ortega gegründet. Zara unterliegt der Unternehmensgruppe Inditex (Industrias de Textil S.A.), welche zu den größten Textilunternehmen der Welt zählt. Der Firmensitz von Inditex befindet sich in Arteixa, Spanien. Insgesamt werden innerhalb dieser Unternehmensgruppe 109 512 Menschen beschäftigt. Dieser Unternehmensgruppe sind unter anderem die Mode und Textilartikel der Marken Bershka, Massimo Dutti, Oysho, Pull & Bear, Stradivarius und Uterqüe untergeordnet. Über On- und Offlineshops verkauft das Unternehmen weltweit Kleidung. Gründer Amancio Ortega zählt mit einem Umsatz von 13,8 Milliarden Euro und einem Gewinn von 2,6 Milliarden Euro zu reichsten Menschen der Welt. (vgl. Werner- Lobo und Weiss 2016: 304) Laut dem Forbes Magazin wird sein Vermögen auf rund 57 Milliarden US- Dollar geschätzt. (ebd. 304) Der Firmengewinn pro Mitarbeiter/in beträgt 23 000 Euro.

Das Unternehmen unterliegt einem Verhaltenskodex, der unter anderem Kinderarbeit, Zwangs- und Pflichtarbeit und Diskriminierung verbietet. Des Weiteren werden in dieser Unternehmensrichtlinie, die Achtung der Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen, sowie der Schutz der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter offengelegt. (Inditex 2017: 6-9) Der Kodex garantiert faire und positive Arbeitsbedingungen. Zum Thema Nachhaltigkeit äußert sich Inditex (2017) wie folgt: „We are named as group leader for the retailing industry in the Dow Jones Sustainability Index and top Greenpeace´s Detox Catwalk, being described as “exemplary” in our approach to zero discharge of hazardous chemicals during our production.”

Die Unternehmensgruppe sieht sich also selbst, als ein beispielhaftes Unternehmen, das für Nachhaltigkeit in der Einzelhandelsbranche steht und keine gefährlichen Chemikalien verwendet. Gegen das Unternehmen bestehen jedoch schwere Vorwürfe. Der Gruppe wird die Ausbeutung und Sklaverei in der Textilproduktion, sowie die Verwendung umwelt- und gesundheitsschädigender Chemikalien und Steuervermeidung vorgeworfen. Im Folgenden wird untersucht inwieweit die Anschuldigungen und das Selbstbild des Unternehmens mit der Realität übereinstimmen.

3.3 Produktlebenszyklus eines Kleidungsstückes

Dieser Produktlebenszyklus eines Kleidungsstückes befasst sich mit allen Stationen der textilen Kette - von der Fasergewinnung bis zum Endverbrauch.

3.3.1 Die Baumwollproduktion

Der Produktlebenszyklus eines Kleidungsstückes beginnt mit der Baumwollproduktion. Die Baumwolle (lat. Gossypium) gehört zu den Malvengewächsen und wird in über 70 Ländern angebaut. Im Jahr 2008/ 2009 wurden 24, 2 Millionen Tonnen Baumwolle auf über 33 Millionen Hektar Fläche angebaut. Damit sind ca. 350 Millionen Menschen mit der Produktion von Baumwolle beschäftigt. (vgl. Diekamp und Koch 2010: 145)

Die Baumwollpflanze gehört zu einer der durstigsten Gewächsen und bringt einen hohen Wasserverbrauch mit sich. Jedes Kilo Baumwolle, hat bis zu 29 000 Liter Wasser verbraucht. An dem Beispiel eines T-Shirts würde der Wasserverbrauch folgendermaßen aussehen: Für die Produktion von einem T-Shirt werden bis zu 9000 Liter Wasser verbraucht. Der durchschnittliche Deutsche hat ca. 25 T- Shirts im Schrank. Das heißt pro Kleiderschrank wurden bis zu 225 000 Liter Wasser verbraucht. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 68)

Die Fasern der Pflanze sind nach 175 Tagen erntereif. Eine jährliche Ernte entspricht umgerechnet einer Menge von 75 Milliarden T-Shirts. Zu den größten Baumwollexporteuren gehören die USA und Afrika. Ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor und für 90 Prozent der Exporteure eine überlebenswichtige Einkommenssicherung. (vgl. Diekamp und Koch 2010: 56, 145) Auch Usbekistan gehört weltweit zu den größten Exporteuren von Baumwolle. Der Vertrieb sorgt für rund 20% Deviseneinahmen im Land. Unter anderem ist Europa einer der größten Abnehmer usbekischer Baumwolle. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 46) Laut Kirsten Brodde, werden 450 000 Kinder in Usbekistan jährlich zu Erntearbeiten gezwungen, die Jüngsten davon sind sieben Jahre alt. Im Sommer werden diese Kinder für die Pestizidenbehandlung auf dem Feld eingesetzt, was schwere gesundheitliche Schäden hervorrufen kann. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 45)

Ein Erntehelfer schafft pro Tag ca. zehn bis 50 Kilo Baumwolle zu pflücken. Falls eine Bezahlung stattfindet, sind das pro gepflücktes Kilo drei Cent Verdienst. Das heißt für 50 Kilo Baumwolle werden gerade Mal ein Euro fünfzig ausgezahlt. Für Präsident Karimov ist dies offenbar unbedenklich, da die Kinder aus Patriotismus arbeiten. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 45f.)

Auch die USA sind seit mehr als 200 Jahren Weltmarktführer im Anbau von Baumwolle. Die Baumwollproduktion wurde durch die Sklavenwirtschaft und dem technischen Fortschritt der Entkernungsmaschine stark gefördert. Der Wettbewerbsvorteil besteht darin, dass Baumwollfarmer aus Amerika mit staatlichen Subventionen unterstützt werden und mit unternehmerischer Kreativität und Anpassungsfähigkeit in der Branche überzeugen. Lubbock in Texas ist ein internationales Baumwollzentrum. Mehr als 25% der geernteten Baumwolle aus Amerika werden dort angebaut. Auf 405 Hektar können in etwa 500 000 Pfund Baumwolle produziert werden, das ist genug für die Herstellung von etwa 1,3 Millionen T- Shirts. (vgl. Pietra Rivoli 2007: 25-57)

Um ein T- Shirt herzustellen benötigt man ein Drittelpfund Baumwolle. (vgl. Pietra Rivoli 2007: 104) Schätzungen besagen, dass auf jedem Hektar Baumwolle ein Kilogramm Spritzmittel landet. Das bedeutet in einem T-Shirt stecken ca. 150g Gift. (vgl. Kirsten Brodde, 2009: 59) Des Weiteren wurde in den USA 16 Millionen Hektar genmanipulierte Baumwolle angebaut, die man BT-Baumwolle (genmanipulierte Baumwolle mit dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis) nennt. Wissenschaftler und der Weltagrarbericht von 2008 besagen, dass die Verwendung von BT-Baumwolle keine Alternative für konventionelle Baumwolle darstellt. Die genmanipulierte Baumwolle bietet keine ökonomischen Vorteile, sondern mehr Probleme als Lösungen. (vgl. Diekamp und Koch 2010: 60)

Die CO 2 -Emmisionen für die Herstellung eines Kilos herkömmlicher Baumwollfasern beträgt 3719g CO 2. Der Energieverbrauch für ein Kilo Fasern liegt bei 0,7 Litern Erdöl. (vgl. Diekamp und Koch 2010:147f.)

3.3.2 Die Arbeitsbedingungen

In der Fabrik wird die Baumwolle dann in einem zirkularen Prozess zu Garn gesponnen. Das Garn wird zu Stoff verarbeitet, in Stücke zugeschnitten und zu einem Kleidungsstück vernäht. (vgl. Pietra Rivoli 2007: 103) Die dazu vorgesehenen Arbeitskräfte, sind häufig Kinder, die von ihren Eltern verkauft und von Schleppern in Züge verfrachtet werden, um tagtäglich winzige Perlen und Pailletten auf Kleidungsstücke zu nähen. Dies geschieht in sogenannten „Sweatshops“, „eine abwertende Bezeichnung für Fabriken in Entwicklungsländern, in denen unter miserablen Arbeitsbedingungen produziert wird“, so Diekamp und Koch. (2010: 155) Hinzu kommen oft, neben Kinderarbeit, Niedriglöhne, Gewalt und keine Sicherheitsstandards. Unterstützt wird das, wenn auch indirekt, unter anderem von den Firmen Heine, Otto und Esprit, die nach Aussagen des Magazins Stern im Jahr 2007 zehntausendfache Kleidungsstücke, die von Kindern unter erbärmlichen Bedingungen produziert wurden sind verkauften. (vgl. Kirsten Brodde 2009: 46f.)

Obwohl das Unternehmen Inditex einen Verhaltenskodex verfolgt, wurde Zara in Brasilien bereits mehr als fünfzigmal wegen Arbeitsrechtsverletzungen zur Kasse gebeten.“ (von NTV 2011, zit. nach Werner- Lobo und Weiss 2016: 304) Diese werden in folgenden Beispielen des Kapitels jedoch wiederlegt. Im Dezember 2011 berichtete die Süddeutsche Zeitung, dass brasilianischer Zulieferer der Inditex Gruppe bolivianische Arbeiterinnen für die Herstellung und sklavenartigen Bedingungen ausgebeutet hat. Die Arbeiter mussten unter katastrophalen und gesundheitsschädlichen Umständen arbeiten und wohnen. Die engen und unhygienischen Unterkünfte der Mitarbeiter befanden sich direkt oberhalb der Fabrik. Das Unternehmen wurde daraufhin auf 1,4 Milliarden Euro Strafe verurteilt. Verschiedene Razzien berichten außerdem über die Produktion in illegalen Werkstätten. Die Arbeitszeit beträgt dort ca. 15- 16 Stunden pro Tag. Zudem finden starke Kontrollen, zur Überprüfung der Einhaltung der Arbeitszeit, am Ausgang statt. (vgl. Werner- Lobo und Weiss 2016: 304f.)

Die Textilfabrik Rana-Plaza in Bangladesch, welche im Jahr 2012 eingestürzt ist, produzierte auch für Zara. Das Unternehmen zahlte nur einen Bruchteil der nötigen Entschädigungen für die Überlebenden. Yasmin Akter, eine Überlebende berichtet, dass sie 16000 Taka (ca. 160 Euro) Entschädigung erhalten hat. Dieses Geld reichte geradeso für die Behandlung ihrer verletzten Hand aus. In der Fabrik verdiente sie rund 48 Euro im Monat, das sind rund 12 Cent die Stunde. Viele weitere Firmen, die auch in dieser Werkstatt produzieren ließen, verweigerten jegliche Entschädigungszahlungen, da man sich um die ärztliche Betreuung der Verletzten gekümmert habe. (vgl. Werner- Lobo und Weiss 2016: 304f.) Laut den Angaben in der unten abgebildeten Tabelle fehlt den meisten Arbeitern 50 Prozent des Gehaltes um ihre Existenz sichern zu können.

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Produktlebenszyklus eines Kleidungstückes. Fast Fashion versus Slow Fashion
Hochschule
ecosign/Akademie für Gestaltung
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
28
Katalognummer
V385036
ISBN (eBook)
9783668599857
ISBN (Buch)
9783668599864
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fast Fashion, Slow Fashion, Mode, Design, Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen, Zara, Green Fashion, Baumwolle, Preiszusammensetzung
Arbeit zitieren
Carina Frings (Autor), 2017, Produktlebenszyklus eines Kleidungstückes. Fast Fashion versus Slow Fashion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385036

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