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Heinrich von Kleist: der Schrecken im Bade, eine Idylle

Title: Heinrich von Kleist: der Schrecken im Bade, eine Idylle

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 22 Pages

Autor:in: Michaela Grimm (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Kleist, ein viel diskutierter, jedoch auch oft in Frage gestellter Autor. Er war bei seinen Zeitgenossen gleichermaßen beliebt wie verhasst. Doch wer war er, und was hat ihn bewegt, ein solches Stück wie seine einzige Idylle zu schreiben? Dies sind alles Fragen, die im Laufe dieser Arbeit geklärt werden sollen. Beginnen möchte ich mit einem kurzen Biographie- und Zeitgeschichtsausschnitt, um die damalig vorherrschende Situation darzustellen und somit vielleicht ein wenig Licht in das Dunkel von Kleists Beweggründen zu bringen. Kleist stieß auf Verständnislosigkeit bei großen Dichtern wie z. B. Goethe, da er keiner der damaligen Dichterschulen wie Klassik oder Romantik zuzuordnen war. Man begründete dies damit, das manche seiner Werke seelische Tiefen aufwühlten, die erst ein Jahrhundert später durch Sigmund Freud erforscht wurden. Sein Militärdienst erschien ihm als“ lebendiges Monument der Tyrannei“. 1801 geriet er in eine tiefe innere Krise: er sah in der Anstellung beim Staat keinen Sinn und sagte: „Ich soll tun was der Staat von mir verlangt, und doch soll ich nicht untersuchen, ob das, was er von mir verlangt, gut ist. Zu seinem unbekannten Zwecken soll ich bloßes Werkzeug sein- ich kann es nicht ( Brief an seine Braut Wilhelmine von Zenge). Hinzu, dass das Studium Kants ihn am Sinn der Wissenschaften und der Suche nach Wahrheit überhaupt verzweifeln ließ. Die zeitgenössische Philosophie schenkte der Literatur eine neue, tiefere Auffassung von der Bedeutung der Persönlichkeit, nachdem sie das Subjekt in den Mittelpunkt der Erkenntnis gerückt hatte. Sie vermittelte einen neuen Begriff sittlicher Ordnung, der auf der Einsicht in das Wesen der Sittlichkeit, frei vom Zwang vorgegebener Gebote ruhte. „ Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte“ nach Kant. So wurde der Idealismus zum neuen Eckstein des Humanismus. Er flüchtete daraufhin nach Paris. Wenig später wollte er sich seine eigene Idylle als Bauer aufbauen, was jedoch dazu führte, dass seine Verlobung aufgrund des unstandesgemäßen Lebenswandels in die Brüche ging. Seine Ziele hatten sich geändert und er beschloss nun Dichter zu werden.Geßner, Zoschke und und Wieland, seine Berner Freunde unterstützten ihn darin. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung:

Der oft kritisierte jedoch auch begeisternde Autor Kleist

Hauptteil:

I, Die Idylle „ Der Schrecken im Bade“

A, Die Entstehung

B, Der Inhalt

C, Eine typische Idylle?

II, Die Anregungen und ihre Funktionalität für Kleists Idylle

A, Ovids Diana-Aktäon-Mythos

B, Die Bibelstelle: Susanna im Bade

C, Kleists eigene Erfahrung

Schluss:

Die Bewertung der Idylle für die heutige Zeit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Heinrich von Kleists Werk „Der Schrecken im Bade“ unter besonderer Berücksichtigung seiner Gattungszugehörigkeit als Idylle und der darin verarbeiteten mythologischen sowie religiösen Bezüge. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwiefern Kleist traditionelle Motive dekonstruiert, um gesellschaftliche Normen, Erotik und individuelle psychologische Konflikte seiner Zeit zu thematisieren.

  • Analyse der Entstehungsgeschichte und inhaltlichen Struktur von Kleists einziger Idylle.
  • Untersuchung der Transformation des antiken Diana-Aktäon-Mythos im Text.
  • Einfluss der biblischen Erzählung „Susanna im Bade“ auf das Werkverständnis.
  • Reflektion über Kleists persönliche homoerotische Erfahrungen und deren literarische Verarbeitung.
  • Evaluation der Bedeutung des Werks im Kontext gesellschaftlicher Zwänge und der Moderne.

Auszug aus dem Buch

Der Inhalt

Das Gedicht ist eine idyllentypische, episch-dramatische Mischform aus 134 Blankversen, genauer die dialogische Aufteilung zwischen zwei Frauen, Magarethe und Johanna. Johanna spricht teils monologisch, teils dialogisch als Erzählerin. Der Anfang ist bereits die Täuschung der Mutter über ein erkranktes Lamm, welches es gar nicht gibt. Sie nutzt diese Täuschung, um sich an den See zum abkühlenden Bad zu begeben. Sie wird jedoch von ihrem Bräutigam, wie sie glaubt, beobachtet. Dies ist aber ihre Freundin Johanna, die als Fritz verkleidet die zweite Täuschung ausübt, da sie sich als Fritz ausgibt und dies mit seiner Kleidung und dem Imitieren seiner Stimme unterstützt. Fritz selbst ist auf Hirschjagd, da ein Hirsch das Maisfeld zertrampelt hat. Das Spiel der Verstellung und Täuschung ist der Hauptteil des kurzen Textes. Johanna als Fritz nutzt die Unsicherheit Magaretes und beschreibt sie, wie es ein Mann besser nicht machen könnte und verwendet wieder idyllische Momente wie den Traum oder das Glänzen der Schultern.

Margarete versucht, durch mehrmaliges Abtauchen sich den Blicken des Beobachters zu entziehen und Johanna beginnt daraufhin, sich spottend darüber zu äußern und beschreibt sie unter anderem als Ente. Margarete lässt ihrem Unmut über diese Beobachtung freien Lauf und beschimpft ihren Verlobten mit Ausdrücken wie „Abscheulicher“. Als die Situation zu eskalieren droht und Margarete Fritz androht, das sie ihn nun nicht mehr heiraten wolle, gibt sich Johanna durch die Bemerkung, sie werde in das Bett des Großknechts steigen, zu erkennen. Erleichtert aber auch enttäuscht macht Margarete gute Miene zum bösen Spiel und lässt sich am Ende von der Freundin das Mieder schnüren, um den Blicken des vielleicht nahenden Fritzes zu entgehen und ihre Drohung nicht wahrmachen zu müssen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen biographischen Abriss über Heinrich von Kleist und schildert seine innere Krise sowie das Ringen um literarische Anerkennung und Identität vor dem Hintergrund seiner Zeit.

I, Die Idylle „ Der Schrecken im Bade“: Hier werden Entstehung und Inhalt der Idylle analysiert und die Frage diskutiert, inwiefern das Werk den gattungsspezifischen Anforderungen einer Idylle entspricht oder diese bewusst unterläuft.

II, Die Anregungen und ihre Funktionalität für Kleists Idylle: Dieses Kapitel untersucht die intertextuellen Bezüge zu Ovid (Diana-Aktäon) und der Bibel (Susanna im Bade) sowie Kleists eigene biographische Bezüge zur Homoerotik und deren Einfluss auf die Motivik des Werks.

Schluss: Die abschließenden Betrachtungen würdigen Kleists innovative Sprachkunst und die zeitlose Relevanz seiner Thematisierung von Identitätsproblemen und gesellschaftlichem Zwang.

Schlüsselwörter

Heinrich von Kleist, Der Schrecken im Bade, Idylle, Diana-Aktäon-Mythos, Susanna im Bade, Blankvers, Literaturwissenschaft, Erotik, Sittlichkeit, Identität, Geschlechterdifferenz, Ovid, homoerotische Momente, Gattungskritik, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Kleists einzige Idylle „Der Schrecken im Bade“ hinsichtlich ihrer literarischen Einordnung und der darin verborgenen psychologischen und gesellschaftskritischen Untertöne.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Dekonstruktion idyllischer Topoi, das Spannungsfeld zwischen Erotik und Sittlichkeit sowie die Verarbeitung von Mythen und biblischen Stoffen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die tieferliegende Bedeutung des Werks aufzuzeigen und zu klären, warum Kleist seine Idylle bewusst mit „Schrecken“ betitelte und welche sozialen Konventionen er damit kritisiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen Quellen, mythologischen Referenzen und biographischen Kontexten in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Aufarbeitung des Gedichts, die detaillierte Untersuchung der intertextuellen Bezüge (Ovid/Bibel) und die Analyse der persönlichen Erfahrungen Kleists.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Idylle, Erotik, Sittlichkeit, Identitätsproblematik und die literarische Dekonstruktion gesellschaftlicher Normen.

Welche Rolle spielt der Diana-Aktäon-Mythos im Werk?

Der Mythos dient als Spiegel der Handlung: Die Beobachtung der Badenden wird als Katastrophenszenario inszeniert, wobei die Verwandlung Aktäons als abschreckendes Symbol für die verbotene Neugier und deren Konsequenzen fungiert.

Warum wird die biblische Susanna im Bade herangezogen?

Die Parallele zu Susanna verdeutlicht durch ihre andersartige Situation den Kontrast zur Idylle von Kleist und unterstreicht die Thematisierung von Ehebruch und Sittlichkeit im Kontext religiöser Moralvorstellungen.

Wie interpretiert die Autorin das homoerotische Element?

Das homoerotische Moment wird als Ausdruck von Kleists eigener Identitätssuche und als Mittel gewertet, die Geschlechterdifferenz innerhalb des starren moralischen Rahmens der Zeit spielerisch zu durchbrechen.

Excerpt out of 22 pages  - scroll top

Details

Title
Heinrich von Kleist: der Schrecken im Bade, eine Idylle
College
University of Regensburg  (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literatur)
Course
HS
Author
Michaela Grimm (Author)
Publication Year
2004
Pages
22
Catalog Number
V38527
ISBN (eBook)
9783638375542
Language
German
Tags
Heinrich Kleist Schrecken Bade Idylle
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michaela Grimm (Author), 2004, Heinrich von Kleist: der Schrecken im Bade, eine Idylle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38527
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