Die Templer - Entstehung und Verbreitung eines neuen Ideals


Seminararbeit, 2005
14 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Entstehung eines neuen Ideals
2.1. Das neue Ideal
2.2. Eine Antwort auf Fragen der Zeit

3. Propaganda für eine neue Sache
3.1. Bernhard von Clairvaux
3.2. Adressaten der Werbeschrift
3.3. Propaganda, Kommunikation, Öffentliche Meinung

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.2. Sekundärliteratur

1. Einleitung

Im Jahr 1095 rief der damalige Papst Urban II. auf dem Konzil von Clermont zur Befreiung Jerusalems von den Ungläubigen auf. Der Aufruf hatte eine so grosse Wirkung in ganz Europa, dass im sog. Ersten Kreuzzug Jerusalem 1099 durch die Christen erobert werden konnte. In der Folge entstanden im Orient Kreuzfahrerstaaten die sich von muslimischen Mächten umzingelt sahen.

Im Königreich Jerusalem gründete 1120 eine Gruppe frommer Ritter, unter der Führung von Hugo de Payens eine neue Art von geistlichem Orden: den Tempelritterorden.[1] Den Name erhielt der Orden aufgrund des ihm überlassenen Domizils in Jerusalem, der al-Aqsa-Moschee, die auf den Grundmauern des Salomonischen Tempels errichtet worden war. Unter dem Eindruck einer verheerenden Niederlage im Fürstentum Antiochia (1119), sah sich Hugo de Payens zur Gründung des Templer-Ordens, der sich dem Schutz der Pilger und der Königreiche im Heiligen Land verschrieb, veranlasst.

Dieser neue Orden erhob sich in kurzer Zeit zu einer der mächtigsten ‚internationalen’ Institutionen im Orient und Okzident und diente als Vorbild für eine Grosszahl anderer geistlicher Ritterorden. Versehen mit einer Vielzahl päpstlicher Privilegien und einer ungeheuren Unterstützung im Abendland, gelangte er sehr schnell zu Reichtum und politischer Macht.

Die im Konzil von Troyes (1129) festgelegten ‚Templerregeln’ und die in der päpstlichen Bulle Omne datum optimum (1139) gewährten Privilegien stellten sicherlich die notwendigen Voraussetzungen für den Erfolg der Templer dar. Entscheidend muss jedoch auch eine geeignete ‚Propaganda’ gewesen sein, die ein Ideal erzeugte, dem schliesslich so Viele folgen sollten.[2]

Als Propaganda kann man den Text De laude novae militae von Bernhard von Clairvaux betrachten. Im Folgenden möchte ich diesen Text betrachten, um ihn auf seinen Einfluss bei der Entstehung und Verbreitung des Templerordens zu untersuchen. Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, ist es unerlässlich, sich nach den Gründen für das Erscheinen und nach der durch die Schrift erzielten Wirkung zu fragen.

Im ersten Teil versuche ich anhand des Inhalts der Werbeschrift das Bild der neuen Ritterschaft aufzuzeigen. Anhand dieses Idealbildes werde ich Gründe für die Überzeugungskraft der Lobrede analysieren, d.h. ich versuche zu klären inwiefern das neue Ideal eine Antwort auf gesellschaftliche Entwicklungen war.

Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit Fragen über den Verfasser und den möglichen Adressaten der Werbeschrift, um darauf basierend die Möglichkeiten von Propaganda im Mittelalter zu prüfen. Ziel ist es zu beweisen, dass der Text eine propagandistische Wirkung gehabt hat.

2. Entstehung eines neuen Ideals

2.1. Das neue Ideal

Um das im De laude novae militae beschriebene Idealbild zu erfassen, ist es ausreichend die ersten vier Kapitel zu betrachten. Die darauf folgenden Kapitel haben einen stark religiösen Charakter und befassen sich vor allem mit dem Thema der Erlösung, wobei Bernhard den ‚Leser’ dabei auf eine Art geistige Pilgerfahrt zu den einzelnen heiligen Stätten Christi in Jerusalem mitnimmt.

Im ersten Kapitel stellt Bernhard die neue Ritterschaft vor, wenn er schreibt:

„Überall in den Ländern und in jener Gegend, die Christus in Menschengestalt und als aufstrahlendes Licht aus der Höhe besucht hat, hört man seit kurzem, es sei eine neue Schar von Rittern aufgetreten.“[3]

Mit der ‚Gegend’ ist natürlich das Gebiet des heiligen Landes gemeint, wo der erste Kreuzzug hinführte. Bernhard fährt weiter dass die Ritter die dortigen Herrscher vertrieben und die Ungläubigen geschlagen hätten.

Es sei aber ein der Welt noch nicht bekanntes Rittertum, da es den Kampf gegen die Ungläubigen auf zwei Ebenen führe, mit dem Schwert und mit dem Glauben. Damit spricht er die bis dahin nicht gekannte Verbindung von Rittertum um Mönchstum an. Bernhard legt dar, dass man diesen Menschen höchste Bewunderung zu teil werden lassen müsse, was er durch sehr schöne Beschreibungen unterstreicht:

„... er umgibt seinen Leib mit dem Panzer aus Eisen, seine Seele aber mit dem des Glaubens. Da er nun durch beiderlei Waffen geschützt ist, fürchtet er weder Teufel noch Menschen.“[4]

Eine sehr wichtige Aussage im ersten Kapitel ist auch eine Anspielung auf den Märtyrer-Tod. So ist es ehrenvoll aus dem Kampf als Sieger zurückzukehren, doch es sei noch besser im Kampf zu sterben:

„Freue dich, starker Kämpfer, wenn du im Herrn lebst und siegst! Aber noch mehr frohlocke und rühme dich, wenn du stirbst und dich mit dem Herrn vereinst.“[5]

Implizit weist diese Stelle (neben anderen) auf die zu erwartende Erlösung bzw. das Himmelreich hin, wenn man sich der Sache der Templer anschliesst.

Bernhard schlägt im ersten Kapitel jedoch auch ermahnende Töne an, was schon aus dem Titel des Kapitels hervor geht: Mahnrede an die Tempelritter. Dabei weißt er auf die latente Gefahr hin die dem Kriegshandwerk eigen ist. Der Tempelritter dürfe nur für eine Sache kämpfen die gerecht ist, also in Christus Namen. Er müsse immer seine inner Gesinnung prüfen und dürfe sich nicht von Zorn oder Hochmut beherrschen lassen, da ihm sonst keine Erlösung zu Teil werde.

Dadurch gelingt Bernhard der Übergang zum zweiten Kapitel: Das weltliche Rittertum. Dieses erliege jener Gefahr und sein Töten sei nicht gerechtfertigt, wodurch der Ritter eine Todsünde begehe. Das weltliche Rittertum bringe nur Tod und Verderben. Zudem prangert er die Eitelkeiten der Ritter an, welche sich in ihrer Bekleidung und ihrem Verhalten zeigen. Verachtenswert befindet Bernhard zudem ihren Antrieb in den Krieg zu ziehen, welcher ihrem Seelenheil schade:

„Nur die unvernünftige Leidenschaft des Zorns oder die Gier nach eitlem Ruhm oder die Begierde nach irdischem Besitz erregen und wecken unter euch Kämpfe und Streitigkeiten. Bei solchen Anlässen gewährt weder das Töten noch das Sterben Sicherheit.“[6]

Von diesen Abgründen wendet sich Bernhard im 3. Kapitel wieder dem neuen Rittertum zu. Er betont nochmals, dass nur der Tempelritter mit gutem Gewissen töten könne, da er sich im Dienst Gottes befinde und er sei schliesslich nur ein ‚Mörder der Bosheit’, ein ‚Christi Rächer’ oder ein ‚Verteidiger der Christenheit’[7] Er ermahnt jedoch nochmals, indem er die Templer dazu anhält, nicht in jedem Fall die Ungläubigen zu töten:

„Allerdings dürfte man die Heiden nicht töten, wenn man sie auf einem andern Weg von den masslosen Feindseligkeiten und von der Unterdrückung der Gläubigen abhalten könnte.“[8]

Schliesslich diskutiert Bernhard eine sehr essentielle Frage, die bisher übergangen wurde: Wieso es den Christen bzw. den Templer überhaupt erlaubt sein soll zu töten? Neben einer Reihe von biblischen Rechtfertigungen schreibt er unter anderem Folgendes:[9]

„...warum hat dann der Vorläufer Christi den Soldaten auferlegt, sie sollen mit ihrem Sold zufrieden sein, anstatt ihnen den Kriegsdienst ganz und gar zu verbieten?“[10]

Wenn es den Christen also erlaubt ist Krieg zu führen, dann sollten es jene übernehmen, welche die heilige Stadt verteidigen würden. Und dies ist bekanntlich eine der Aufgaben der Tempelritter.

Das 4. Kapitel behandelt die Lebensweise der Tempelritter. Sehr ausführlich wird sowohl der Alltag als auch das Verhalten im Krieg beschrieben. Der Tempelritter muss sich durch extremen Gehorsam und eiserne Zucht auszeichnen. Er soll keinen eigenen Willen haben, sondern stets dem Meister gehorchen. Er soll weder Überfluss an Nahrung noch an Kleidern haben. Er soll stets fleissig sein und nicht ‚müssig’ dasitzen oder umherwandern, d.h. er muss immer den gemeinsamen Nutzen des Ordens im Sinn haben. Sie dürfen kein Ansehen erwarten und müssen zuvorkommend sein. Wie ausführlich die Beschreibungen sind, erkennt man an folgendem Beispiel:

„Sie verabscheuen Schach- und Würfelspiel, sie lehnen die Jagd ab [...] Schauspieler, Zauberer, Märchenerzähler, unsaubere Lieder und Schaustellenungen von Possen verachten und verabscheuen sie [...] Sie scheren sich die Haare [...] Niemals gekämmt, selten gebadet, erscheinen sie vielmehr borstig, weil sie die Haarpflege vernachlässigen... “[11]

Die Beschreibung des Alltagslebens kann man vor allem als Abgrenzung vom weltlichen Rittertum sehen, die auch rein äusserlich erfolgen sollte.

Zum Schluss liefert Bernhard sehr detaillierte Beschreibungen vom Kampfverhalten der Tempelritter. Dabei betont Bernhard vor allem ihren aussergewöhnlicher Mut, den sie an den Tag legen sollen:

„... das viele Male ein einziger Tausende verfolgte und zwei Zehntausende in die Flucht schlugen.“[12]

Zusammenfassend hatte die Schrift also drei Funktionen. Erstens sollten die genauen Beschreibungen der Lebensweise der Templer die Effizienz dieses neuartigen geistlichen Ritterordens steigern, indem man die Templer auf eine gemeinsame Sache einschwor. Zweitens sollte die Predigt Beweggründe für den Eintritt in den Templerorden liefern, indem das weltliche Rittertum angeprangert und zugleich das Tempelrittertum als höchst verehrungswürdig dargestellt wurde. Es lockte das allgemeine Seelenheil bzw. die Erlösung. Drittens war es seine Aufgabe den Templern selber eine Rechtfertigung zu geben, die das neue Rittertum einerseits als neuen ‚Stand’ legitimieren und andererseits die Anwendung von Gewalt gegenüber Ungläubigen erlauben sollte.

Inwiefern vor allem die zweite Funktion erreicht werden konnte, hängt stark mit der durch die Schrift eingetretenen Wirkung zusammen, wobei man Bernhards Predigt als Antwort auf Fragen der Zeit begreifen muss.

[...]


[1] Alain Demurger, Die Ritter des Herrn, München 2003, S.42, Anm.: Über das genaue Gründungsdatum herrscht immer noch Uneinigkeit.

[2] Begriff ‚Propaganda’: vgl. Abschnitt 3.3

[3] G. Winkler, Bernhard von Clairvaux, Sämtliche Werke 1, Innsbruck 1990-1992, S.271

[4] ebd., S.271

[5] ebd., S.273

[6] ebd., S.275

[7] ebd., S.277

[8] ebd., S.277

[9] ebd., S.260

[10] ebd., S.279

[11] ebd., S.283

[12] ebd., S.285

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Templer - Entstehung und Verbreitung eines neuen Ideals
Hochschule
Universität Luzern
Veranstaltung
Proseminar Mittelalter
Note
1-
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V38530
ISBN (eBook)
9783638375566
ISBN (Buch)
9783638928779
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dichter Text - einzeiliger Zeilenabstand
Schlagworte
Templer, Entstehung, Verbreitung, Ideals, Proseminar, Mittelalter
Arbeit zitieren
B.A. Philosophie David Egli (Autor), 2005, Die Templer - Entstehung und Verbreitung eines neuen Ideals, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38530

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