Um den Übergang von der Schule in eine Ausbildung und später in den Beruf erfolgreich bewältigen zu können, stellt Jugendliche vor die Herausforderung, perspektivisch weitreichende Entscheidungen für ihre weitere Berufs-und Bildungsbiografie zu treffen. Der Berufsorientierungs- und -entscheidungsprozess wird von persönlichen, sozialen und institutionellen Faktoren beeinflusst. In Deutschland gilt die duale Ausbildung immer noch als Mindestqualifikation um den Weg in Erwerbstätigkeit zu sichern und den Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und sozialer Integration zu generieren. Es besteht hierzulande ein enger Zusammenhang zwischen sozioökonomischer Herkunft, Hintergrund der Familie, Bildungsbeteiligung und Bildungsergebnisse.
Welche Faktoren haben Einfluss auf diesen Prozess und welchen Herausforderungen haben sich Jugendliche in dieser Phase zu stellen? Welche Unterstützungsmöglichkeiten für eine erfolgreiche berufliche Integration kann die Soziale Arbeit bieten?
Auf diese Fragen gehe ich näher ein und auch wie Sozialisationsprozesse die Berufswahl bzw. Berufsorientierung beeinflussen. Auf die Perspektiven junger Erwachsener im Übergang von stationären Jugendhilfeeinrichtungen in ein eigenständiges Leben gehe ich kurz ein, da hier eine besondere Herausforderung für die Soziale Arbeit im Kontext der beruflichen Integration Jugendlicher liegt. Der Fokus liegt auf den Entwicklungsaufgaben, die von den Jugendlichen an der Schnittstelle zwischen Schule Übergang und Berufsleben bearbeitet werden sollten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Jugend als Lebensphase
2.1 Definitionen
3 Entwicklungsaufgaben (Konzepte) im Jugendalter
4 Berufsorientierungs- und -entscheidungsprozesse Jugendlicher im Übergang Schule und Beruf
4.1 Sozialisationsinstanzen Schule, Familie, Peergroup
5 Handlungsansätze für die Soziale Arbeit
5.1 Welche Jugendlichen benötigen Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung
5.2 Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit im Kontext beruflicher Integration von Jugendlichen, Definition Jugendhilfe
5.3 Schulsozialarbeit
5.4 Offene Kinder- und Jugendarbeit
5.5 Jugendberatungsstellen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Entwicklungsaufgaben Jugendlicher beim Übergang von der Schule in das Berufsleben und analysiert, wie die Soziale Arbeit diesen Prozess durch gezielte Unterstützungsmöglichkeiten und Interventionen begleiten und fördern kann.
- Bedeutung der Jugendphase als kritische Übergangsperiode
- Einfluss von Sozialisationsinstanzen auf die Berufswahl
- Herausforderungen der beruflichen Integration und Phänomene wie Mismatching
- Rolle und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit (Jugendberufshilfe, Schulsozialarbeit)
- Spezifische Unterstützungsbedarfe benachteiligter Jugendlicher und Care Leaver
Auszug aus dem Buch
4.1 Sozialisationsinstanzen Schule, Familie, Peergroup
Gerade weil der Übergang Schule-Beruf Jugendliche vor perspektivisch weitreichende Entscheidungen stellt und Zukunftschancen hinsichtlich Status, Einkommen und Lebenszufriedenheit mitbestimmen, hat der Staat beim Schulwesen die oberste Aufsicht (Artikel 7, Absatz 1, Grundgesetz). Der Berufsorientierungsprozess, der heutige Leistungsanspruch und Integrationsprozess stellt Jugendliche und ihr soziales Umfeld vor eine Herausforderung. Das individuelle Umfeld und auch der Sozialisationsprozess haben auf die Berufswahl der Jugendlichen und die Persönlichkeitsbildung eine relevante Auswirkung. Sozialisationsinstanzen haben, neben schulischer Berufsorientierung und beispielsweise den Angeboten der Schulsozialarbeit oder der Berufseinstiegsbegleitung einen nicht zu unterschätzenden Einfluss und somit auch eine hohe Verantwortung.
Schule als Sozialisationsinstanz hat nach T. Parsons zwei wichtige Aufgaben: die Jugendlichen sollen leistungsorientiertes Rollenverhalten zur Integration in die Gesamtgesellschaft verinnerlichen, die durch die beurteilenden Schulstrukturen vermittelt werden. Die gezielte Beeinflussung der Persönlichkeitsentwicklung und durch die Auslese- und Selektionsfunktion der Schule, erwerben die Schüler/innen diverse Schulabschlüsse, die ausschlaggebend sind auf die berufliche Integration und Karriere (vgl. Hurrelmann, 2006, S.198-199). Die Qualifikationsanforderungen seitens der Betriebe haben sich erhöht und schulische Zertifikate (Zeugnisse) gelten für Personalverantwortliche immer noch als Signale für die Auswahl geeigneter Auszubildender. Laut Shell Studie 2010 hat ein Viertel der Schüler/innen aufgrund nicht ausreichender Schulnoten den Wunschberuf nicht realisiert. Dies trifft überwiegend auf Hauptschulabsolvent/innen zu (vgl. Shell Studie, 2010, S.111).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen des Übergangs von der Schule in den Beruf und definiert den Fokus auf die Entwicklungsaufgaben sowie die Rolle der Sozialen Arbeit in diesem Kontext.
2 Jugend als Lebensphase: Dieses Kapitel definiert die Jugendphase als eigenständigen Lebensabschnitt und klärt zentrale Begriffe wie Entwicklungsaufgabe, Jugend und Sozialisation.
3 Entwicklungsaufgaben (Konzepte) im Jugendalter: Hier werden theoretische Konzepte zu Entwicklungsaufgaben vorgestellt, darunter das Modell von Havighurst sowie die vier zentralen Aufgabenbereiche nach Hurrelmann.
4 Berufsorientierungs- und -entscheidungsprozesse Jugendlicher im Übergang Schule und Beruf: Das Kapitel analysiert die beeinflussenden Faktoren bei der Berufswahl und die zentrale Rolle von Sozialisationsinstanzen wie Schule, Familie und Peergroup.
5 Handlungsansätze für die Soziale Arbeit: Hier werden Unterstützungsbedarfe identifiziert und konkrete Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit wie Schulsozialarbeit und Jugendberufshilfe detailliert erläutert.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Sozialisationsinstanzen zusammen und betont die Notwendigkeit frühzeitiger Unterstützung durch die Soziale Arbeit zur Vermeidung von Armutsrisiken.
Schlüsselwörter
Jugend, Entwicklungsaufgaben, Berufsorientierung, Soziale Arbeit, Übergang Schule-Beruf, Sozialisation, Berufswahl, Bildungsbenachteiligung, Schulsozialarbeit, Jugendberufshilfe, Identitätsentwicklung, Care Leaver, Integration, Adoleszenz, Qualifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Herausforderungen von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in das Erwerbsleben und untersucht, welche Rolle dabei Entwicklungsaufgaben spielen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die Definition der Jugendphase, der Berufsorientierungsprozess, der Einfluss von Sozialisationsinstanzen und die Interventionsmöglichkeiten der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Jugendliche in der Phase der Berufswahl unterstützt werden können, um eine erfolgreiche berufliche Integration zu erreichen und Bildungsbenachteiligungen abzubauen.
Welche methodische Herangehensweise wird verfolgt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf fachwissenschaftlicher Literatur, Studien (z.B. Shell Studie) und entwicklungspsychologischen Konzepten (Havighurst, Hurrelmann) basiert.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse von Sozialisationsinstanzen, die verschiedenen Phasen der Berufsorientierung sowie spezifische Handlungsfelder wie Schulsozialarbeit und offene Jugendarbeit.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Entwicklungsaufgaben, Übergangssystem, Soziale Arbeit, berufliche Integration und Sozialisation.
Was unterscheidet "erfolgreiche" von "gescheiterten" Jugendlichen laut der Arbeit?
Die Arbeit differenziert nach Kategorien wie "Orientierungslose", "Dequalifizierte" und "Problembelastete", die sich durch unterschiedliche Kenntnisstände über den Arbeitsmarkt und verschiedenartige Unterstützungsbedarfe auszeichnen.
Warum stellt der Übergang für "Care Leaver" eine besondere Herausforderung dar?
Care Leaver verfügen oft über kein gesichertes familiäres Netzwerk und müssen nach dem Ende der Hilfen zur Erziehung gemäß SGB VIII sehr früh eigenständig agieren, was ihre berufliche Karriere risikoreicher macht.
- Arbeit zitieren
- Ines Hansen (Autor:in), 2017, Entwicklungsaufgaben Jugendlicher im Übergang Schule-Beruf und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385363