Daisy Bates: Ein Leben bei den Aborigines Anfang des 20. Jahrhunderts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wer war Daisy Bates?

2. Die ersten Schritte auf dem Weg zu den australischen Ureinwohnern

3. Ihr Leben: Erforschung und Unterstützung der Aborigines
3.1. Forschungsmethode
3.2. Die Zusammenarbeit mit A.R. Radcliffe-Brown
3.3. Hauptinteressen

4. Ein Mensch zwischen Welten
4.1. Englische Gesellschaft – Australische Wüste
4.2. Daisy Bates - Ein Frauleben?

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in das Leben und Werk von Daisy Bates geben, das sie den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, gewidmet hat. Sie war wohl eine der schillerndsten Figuren in der Geschichte der Ethnologie und vor allem eine der ersten Frauen, die in dieser Richtung von sich reden machte. Anfang des 20. Jahrhunderts zog sie ins Outback, um das Leben der Aborigines kennen zu lernen.

Zu Beginn werde ich kurz auf ihre Kindheit und Jugend, dann ausführlicher auf ihre ersten Jahre in Australien eingehen. Hier werden ihre beiden Ehen eine wichtige Rolle spielen, an denen man, meiner Meinung nach, viele Eigenschaften Daisy Bates‘ ableiten kann. Weiter möchte ich ihre Tätigkeit als Journalistin in London und später als Angestellte der Regierung in Perth darstellen. An dieser Stelle sollen auch ihre ersten Kontakte zu den australischen Ureinwohnern angesprochen und im Folgenden von ihren Erlebnissen in der ‚Beagle Bay Mission‘ berichtet werden.

Des Weiteren werde ich die Reise, die Daisy Bates als Angestellte des Staates durch den Westen Australiens unternahm, beschreiben und auf ihre Erfahrungen und ihre Forschung eingehen. Die Art und Weise wie sie zu ihren Informationen kam, soll in dem Kapitel 3.1. besprochen werden. Hier werde ich auch den Stand der Forschungsmethoden der Ethnologie bzw. Anthropologie am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts darstellen und somit zur Methode Bates‘ Stellung nehmen.

Darauf soll die Zusammenarbeit Daisy Bates‘ mit Radcliffe-Brown ausführlich dargestellt werden. Diese war zwar schwierig, aber sehr interessant und gibt Aufschluss darüber, welche Schwierigkeiten Daisy Bates bei der Anerkennung ihrer Arbeit hatte.

Gegen Ende werde ich versuchen, ihre Hauptinteressen herauszustellen und auf ihre Probleme mit dem Leben zwischen ihrer ursprünglichen Gesellschaft und der der Aborigines einzugehen. Dabei werde ich auch ihre Stellung als Frau diskutieren.

Abschließend möchte ich ihre Arbeit in einen größeren Zusammenhang stellen, die Wichtigkeit ihrer Arbeit erörtern und einen kurzen Kommentar geben.

1. Wer war Daisy Bates?

Daisy Bates wurde als Daisy May O‘Dwyer im Oktober 1859 im County Tipperary in Irland geboren. Ihre Mutter starb als sie noch ein kleines Kind war, ihr alkoholkranker Vater wanderte bald mit einer anderen Frau nach Amerika aus und ließ seine Tochter allein in Irland zurück. Daisy lebte von nun an in einem Waisenhaus in der Nähe von Dublin und besuchte die Armen-schule, wo sie eine Ausbildung zur Gouvernanten erhielt und sie ihr Talent zum Schreiben entdeckte.

Höchstwahrscheinlich war es genau so. Aber es ist oft nicht leicht, Dinge im Leben der Daisy Bates mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit festzustellen. Sie hatte immer den Hang, ihr Leben schillernder zu betrachten, als es wirklich war. Sie fügte der Trostlosigkeit Schmuck und Brillanz hinzu, machte sich ihr Leben schöner und für ihre Zuhörer interessanter. So erzählte sie beispielsweise oft von Zeiten, in denen sie bei ihrer reichen Großmutter lebte, in denen sie Euro-pa bereiste oder ihr wundervoller Vater ihr das Tanzen beibrachte – Zeiten die in der Realität nie existiert haben (Blackburn 1995: 37).

Genau so wenig gab es wohl die drohende Tuberkulose, wegen der sie, nach eigenen Angaben, 1884 oder auch erst 1885 erster Klasse auf einem Schiff nach Australien kam. Vielmehr hatte sie Irland verlassen, nachdem sich im Hause der Familie, bei der sie angestellt war, ein Skandal ereignet und sich der Sohn des Hauses das Leben genommen hatte (Blackburn 1995: 39). Zudem hat sich herausgestellt, dass Daisy O‘Dwyer bereits im Januar 1883 in Townsville ankam, tatsächlich mit dem Schiff, nicht aber erster Klasse, sondern als free migrant[1]. Sie hatte weder Geld noch Kontakte oder ein Ziel vor Augen und schlug sich anfangs irgendwie durch. Bald fand sie einflussreiche Freunde und Bekannte, die gern eine elegante, belesene und charmante junge Frau in ihrer Mitte aufnahmen. Man empfand sie aber nicht überall als angenehm und so hatte sie bei so Manchem den Ruf einer koketten und männersüchtigen Intrigantin, die nur auf ihren Vorteil aus war (Blackburn 1995: 44f.).

Zunächst arbeitete Daisy O‘Dwyer als Gouvernante auf einer Farm in North Queensland. Dort lernte sie Edwin Murrant kennen, der 1883 von England nach Australien migriert war und nun als Viehtreiber arbeitete. Im März 1884 heirateten sie. Doch das Glück währte nicht lange: Murrant wurde angeklagt, einige Schweine sowie einen Sattel gestohlen zu haben und verlor seine Arbeit. Er wurde zu einer Woche Gefängnis verurteilt und kurz nach seiner Freilassung trennte sich das Paar. Später wurde Edwin Murrant als ‚Breaker Morant‘ bekannt, ein Lieutnant, der während des Buren-Krieges Gefangene getötet haben soll. 1902 wurde er vor ein Kriegs-gericht gestellt und kurz darauf hingerichtet (White 1985: 3).

Daisy Bates hielt diese erste Heirat stets geheim: Es gab keinerlei Papiere darüber und auch in ihren Biographien[2] gab es keinen Hinweis. Auch ihrem zweiten Mann, John Bates, dem sie bereits elf Monate nach ihrer ersten Heirat das Jawort gab, hatte sie offensichtlich nichts davon erzählt. Ans Tageslicht kam die ganze Sache nur durch die identischen Unterschriften Daisy Bates‘ auf den beiden Heiratsurkunden (White 1985: 4.).

Ihre zweite Ehe hielt zwar länger, doch besonders gut lief sie nicht. John Bates, ebenfalls Vieh-treiber, kam ihr bald unkultiviert und unsympathisch vor und das Paar verbrachte so wenig Zeit wie möglich zusammen. 1887 brachte Daisy Bates ihren einzigen Sohn Arnold zur Welt, dem sie wohl nie die nötige Zuneigung geben konnte. Es heißt, sie habe sich ihm gegenüber sehr kalt verhalten und nachdem sie einige Zeit mit ihm durch Australien gereist war, ließ sie ihn 1894 bei der Familie Bates zurück, um sich auf eine Reise nach England zu machen (White 1985: 4f, Blackburn 1995: 53).

2. Die ersten Schritte auf dem Weg zu den australischen Ureinwohnern

Während ihres Aufenthalts in London hat Daisy Bates wahrscheinlich für den bekannten Journa-listen W.T. Stead, Herausgeber des Review of the Reviews und Borderland, gearbeitet und wich-tige Erfahrungen für ihre spätere Arbeit gesammelt.

1899 kehrt sie nach Australien zurück. Mit welcher Motivation sie das tat, ist allerdings nicht ganz geklärt. Wegen ihres Sohnes? Wegen ihres Mannes? Wegen eines Auftrags der Times ? Weil das Leben in England nicht so war, wie sie sich es erhofft hatte?

In ihrem Buch The Passing of the Aborigines schreibt sie: „ It was in 1899 that circumstances made possible my return to Australia.“ und lässt somit ihre Gründe für die Rückkehr offen. Weiter schreibt sie: „Just before I left London a letter had been published in The Times contai-ning strong allegations of cruelty to Western Australian aborigines by the white settlers of the North-West, I called upon The Times, stated that I was going to Western Australia and offered to make full investigation of the charges and to write them the results. The offer was accepted.“ (Bates 1938: 1). Liest man diese Zeilen, glaubt man, es hätte tatsächlich eine Vereinbarung Bates‘ mit The Times gegeben. Blackburn ist aber anderer Ansicht: „ Es gibt keinen Artikel den sie für die Times schreiben müsste; niemand ist besonders interessiert an ihrer Meinung über irgend etwas oder daran, welche Art von Leben sie zu führen gedenkt.“ (Blackburn 1995: 66). Und hat es eine solche Vereinbarung wirklich nie gegeben, so hat Daisy Bates es zumindest geschafft, ihrer Rückkehr nach Australien äußerlich an Wichtigkeit zu verleihen. Man könnte ebenfalls sagen, dass der angebliche Artikel für die Times der erste Schritt in Richtung Abori-gines war. Denn schon kurz nach ihrer Ankunft in Perth unternahm sie ihre erste kleine Expe-dition: Zusammen mit ihrem Ehemann John bereiste sie einen Teil Nordwestaustraliens, an-geblich um sich nach einem neuen Wohnsitz umzusehen, vielleicht auch einfach nur, weil John eine Viehherde von da nach dort bringen musste (Blackburn 1995: 67, White 1985: 5). Während dieser Unternehmung traf sie zum ersten Mal mit Aborigines zusammen und war fasziniert von deren Kultur.

Kurz darauf kehrte sie nach Perth zurück, um als Journalistin zu arbeiten. Und schon bald unter-nahm sie auch ihre nächste Reise: Mit Dean Martelli, einem katholischen Priester, dem sie auf der Rückreise nach Australien begegnet war, und dem Bischof Matthew Gibney ging es zur ‚Beagle Bay Mission‘.

Es ist sehr schwierig herauszufinden, in welcher zeitlichen Abfolge alle diese Ereignisse statt-fanden, denn man findet verschiedene Varianten. White beispielsweise geht davon aus, dass Bates zuerst die ‚Beagle Bay Mission‘ besuchte, später mit ihrem Mann durch den Nordwesten reiste, sich darauf von ihm trennte und schließlich in Perth als Journalistin arbeitete (White 1985: 5). Blackburn schreibt von der Reise mit ihrem Mann gleich nach ihrer Rückkehr nach Australien und datiert die Expedition zur ‚Beagle Bay Mission‘ auf einen Zeitpunkt danach (Blackburn 1995: 69). Auch wann sie endgültig mit ihrem Mann gebrochen hat, ist unklar.

Doch zurück zu Daisy Bates‘ Aufenthalt in der ‚Beagle Bay Mission‘: Drei bis vier Monate sammelte sie dort Informationen über die Aborigines und lernte das Leben in der Wüste kennen. Sie selbst betrachtete diese Zeit als „the sheerest hard work under the most trying conditions“ (Bates 1938: 9) und half überall dort wo gerade Not am Mann war. Möglicherweise grub sie gerade ein Gemüsebeet um, als die Aborigine-Frauen ihr erzählen, dass sie einige ihrer Kinder getötet und aufgegessen hatten (Bates 1938: 11). Wirklich schockiert war sie darüber wohl nicht, vielmehr war diese Begebenheit ein Grund, warum Daisy Bates die Menschen dieses Volkes als Kinder betrachtete – Unwissende. Beim Lesen ihres Buches The Passing of the Aborigines hat man an mehr als einer Stelle das Gefühl, sie schlüge die Hände über dem Kopf zusammen beim Anblick des sie umgebenden Chaos. Doch sicherlich war auch sie selbst oft Objekt des Staunens. An einer Stelle beschreibt sie ihre Morgentoilette, bei der sie ungefähr dreißig nackte Frauen anstarrten und kicherten (Bates 1938: 18, Blackburn 1995: 70). Diesen Aborigine-Frauen kamen vielleicht die hohen Stiefel mit den unzähligen Ösen der weißen Frau genauso unglaublich vor, wie Daisy Bates manchmal die Kultur dieses Volkes.

[...]


[1] D.h. sie musste sich um ihre Verpflegung selbst kümmern und gehörte zu den Menschen, die mit Nichts in Australien ankamen (Blackburn 1995: 44).

[2] Salter, E.: Daisy Bates. The Great White Queen of the Never Never, Sydney 1971. Hill, E.: Kabbarli. A personnel memoir of Daisy Bates, Sydney 1973.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Daisy Bates: Ein Leben bei den Aborigines Anfang des 20. Jahrhunderts
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V38543
ISBN (eBook)
9783638375672
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Daisy, Bates, Leben, Aborigines, Anfang, Jahrhunderts
Arbeit zitieren
Catrin Nähr (Autor), 2001, Daisy Bates: Ein Leben bei den Aborigines Anfang des 20. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38543

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