Mit dieser Arbeit möchte ich einen Einblick in das Leben und Werk von Daisy Bates geben, das sie den australischen Ureinwohnern, den Aborigines, gewidmet hat. Sie war wohl eine der schillerndsten Figuren in der Geschichte der Ethnologie und vor allem eine der ersten Frauen, die in dieser Richtung von sich reden machte. Anfang des 20. Jahrhunderts zog sie ins Outback, um das Leben der Aborigines kennen zu lernen. Zu Beginn werde ich kurz auf ihre Kindheit und Jugend, dann ausführlicher auf ihre ersten Jahre in Australien eingehen. Hier werden ihre beiden Ehen eine wichtige Rolle spielen, an denen man, meiner Meinung nach, viele Eigenschaften Daisy Bates‘ ableiten kann. Weiter möchte ich ihre Tätigkeit als Journalistin in London und später als Angestellte der Regierung in Perth darstellen. An dieser Stelle sollen auch ihre ersten Kontakte zu den australischen Ureinwohnern angesprochen und im Folgenden von ihren Erlebnissen in der ‚Beagle Bay Mission‘ berichtet werden. Des Weiteren werde ich die Reise, die Daisy Bates als Angestellte des Staates durch den Westen Australiens unternahm, beschreiben und auf ihre Erfahrungen und ihre Forschung eingehen. Die Art und Weise wie sie zu ihren Informationen kam, soll in dem Kapitel 3.1. besprochen werden. Hier werde ich auch den Stand der Forschungsmethoden der Ethnologie bzw. Anthropologie am Ende des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts darstellen und somit zur Methode Bates‘ Stellung nehmen. Darauf soll die Zusammenarbeit Daisy Bates‘ mit Radcliffe-Brown ausführlich dargestellt werden. Diese war zwar schwierig, aber sehr interessant und gibt Aufschluss darüber, welche Schwierigkeiten Daisy Bates bei der Anerkennung ihrer Arbeit hatte. Gegen Ende werde ich versuchen, ihre Hauptinteressen herauszustellen und auf ihre Probleme mit dem Leben zwischen ihrer ursprünglichen Gesellschaft und der der Aborigines einzugehen. Dabei werde ich auch ihre Stellung als Frau diskutieren. Abschließend möchte ich ihre Arbeit in einen größeren Zusammenhang stellen, die Wichtigkeit ihrer Arbeit erörtern und einen kurzen Kommentar geben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Wer war Daisy Bates?
2. Die ersten Schritte auf dem Weg zu den australischen Ureinwohnern
3. Ihr Leben: Erforschung und Unterstützung der Aborigines
3.1. Forschungsmethode
3.2. Die Zusammenarbeit mit A.R. Radcliffe-Brown
3.3. Hauptinteressen
4. Ein Mensch zwischen Welten
4.1. Englische Gesellschaft – Australische Wüste
4.2. Daisy Bates - Ein Frauleben?
5. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Daisy Bates als einer der ersten Frauen in der ethnologischen Forschung und beleuchtet ihre intensive, lebenslange Auseinandersetzung mit der Kultur der australischen Aborigines Anfang des 20. Jahrhunderts.
- Biografische Einordnung von Daisy Bates und ihre Motivation zur Feldforschung.
- Analyse der ethnologischen Arbeitsmethoden von Bates im Kontext ihrer Zeit.
- Untersuchung der komplexen und schwierigen Zusammenarbeit mit A.R. Radcliffe-Brown.
- Reflexion über die Rolle der Frau in der damaligen männerdominierten Wissenschaftslandschaft.
- Diskussion der Identitätsproblematik zwischen der westlichen Gesellschaft und der Kultur der Aborigines.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Zusammenarbeit mit A.R. Radcliffe-Brown
Wie schon erwähnt, erhielt Daisy Bates 1910 das Angebot, an einer Expedition der Cambridge University teilzunehmen, die von Alfred Reginald Radcliffe-Brown geleitet wurde. Dieser hatte bereits auf den Andamanen-Inseln (Indien) gearbeitet und war somit einer der ersten Anthropologen, die eine Feldforschung durchgeführt hatten (Müller, K.E.: 1998: 36). Man muss hier allerdings anmerken, dass er auf jeden Fall mehr Theoretiker als Feldforscher war. Auch seine Forschung in Australien sollte mehr eine Sammlung von Informationen anhand von Interviews werden, als eine Beobachtung des alltäglichen Lebens der Aborigines (White 1985: 31).
Daisy Bates stürzte sich zunächst voller Energie in dieses Projekt und da die finanziellen Mittel für die Forschung nur für ein halbes Jahr ausreichen würden, setzte sie alle Hebel in Bewegung, um mehr Geld aufzutreiben. Schließlich sollte es für zwei Jahre reichen (Bates 1938: 93, Blackburn 1995: 85).
Radcliffe-Brown, Watson, ein Biologe und Fotograf, Ohlsen, ein Koch, und Bates machten sich also auf den Weg zu einem Reservat an der Westküste, in der Nähe von Broome. Radcliffe-Brown hoffte, dort viele Mitglieder verschiedener Stammesgruppen zu treffen, die er interviewen könnte. Nachdem sie ihre Zelte aufgeschlagen hatten und Bates einige alte Freunde wiedergetroffen hatte, stellte sie Radcliffe-Brown und Watson als ihre Söhne vor, der Einfachheit halber, wie sie schreibt: „After some vain endeavours at explanation, I found it easier to introduce them as my two sons!“ (Bates 1938: 95).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Forschungsgegenstandes Daisy Bates und Skizzierung des methodischen Vorgehens sowie der zentralen Fragestellung der Arbeit.
1. Wer war Daisy Bates?: Biografische Darstellung des Lebens von Daisy Bates von ihrer Geburt in Irland bis zu ihren ersten Jahren in Australien.
2. Die ersten Schritte auf dem Weg zu den australischen Ureinwohnern: Betrachtung ihrer Rückkehr nach Australien und ihrer ersten Begegnungen mit der Kultur der Aborigines, unter anderem bei der Beagle Bay Mission.
3. Ihr Leben: Erforschung und Unterstützung der Aborigines: Dokumentation ihrer Anstellung bei der Regierung, ihrer Forschungstätigkeit in Reservaten und ihres Engagements für die Ureinwohner.
4. Ein Mensch zwischen Welten: Diskussion der Identität von Bates als Außenseiterin und Vermittlerin sowie ihre Rolle als Frau in einer Männerwelt.
5. Schluss: Bewertung der wissenschaftlichen Relevanz ihrer Arbeit und Einordnung ihrer Person in den historischen Kontext der Ethnologie.
Schlüsselwörter
Daisy Bates, Aborigines, Feldforschung, Ethnologie, Radcliffe-Brown, Beagle Bay Mission, Sozialorganisation, Geschlechterrolle, Kulturwandel, Anthropologie, Identität, Ooldea, Teilnehmende Beobachtung, Kolonialgeschichte, Stammeskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser ethnologischen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Leben und Wirken von Daisy Bates, einer Pionierin der Feldforschung bei den australischen Aborigines Anfang des 20. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind ihre biografische Entwicklung, ihre ethnographischen Methoden, ihre schwierige Kooperation mit namhaften Forschern ihrer Zeit sowie ihre soziale Vermittlerrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Bedeutung ihrer Arbeit für die Ethnologie zu bewerten und die Herausforderungen einer Frau in der damaligen Wissenschaftslandschaft aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer biographischen und forschungsgeschichtlichen Analyse von Primär- und Sekundärquellen zur Person Daisy Bates.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung ihrer frühen Jahre, ihre Forschungsreisen, die Zusammenarbeit mit Radcliffe-Brown und ihre Identitätskonflikte zwischen den Kulturen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Daisy Bates, Feldforschung, Aborigines, Ethnologie und Geschlechterrollen.
Warum war die Zusammenarbeit mit Radcliffe-Brown so schwierig?
Die Zusammenarbeit scheiterte an den unterschiedlichen Auffassungen von Feldforschung sowie an den ausgeprägten Persönlichkeiten, wobei Radcliffe-Brown als Theoretiker Bates als bloße Laienforscherin betrachtete.
Wie positionierte sich Daisy Bates gegenüber den Aborigines?
Sie nahm eine komplexe Doppelrolle ein: Sie fühlte sich als ihre Beschützerin und "Großmutter" (Kabbarli), agierte aber gleichzeitig aus einer übernatürlichen, "göttlichen" Perspektive heraus, um Zugang zu geschlossenen Zirkeln zu erhalten.
Wird im Fazit die Bedeutung ihrer Arbeit für die Ethnologie bestätigt?
Ja, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass sie trotz fehlender akademischer Anerkennung zu ihrer Zeit wertvolle Pionierarbeit leistete, insbesondere durch ihre "teilnehmende Beobachtung" und ihre linguistischen Aufzeichnungen.
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- Catrin Nähr (Author), 2001, Daisy Bates: Ein Leben bei den Aborigines Anfang des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38543