Kriterien phantastischer Literatur in E. T. A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann"


Hausarbeit, 2012

15 Seiten, Note: 1,3

Dina Loos (Autor)


Leseprobe

Inhalt
1. Einleitung
2
2. Definition ,,phantastische Literatur" nach Tzvetan Todorov
3
3. Maximalistische Definition ,,phantastische Literatur"
4
4. Minimalistische Definition ,,phantastische Literatur"
6
5. Merkmale der ,,phantastischen Literatur" in Abgrenzung zum Märchen
7
6. Merkmale der ,,phantastischen Literatur" in Abgrenzung zu Grusel- und
Schauergeschichten
8
7. E.T.A Hoffmanns und die ,,phantastische Literatur"
9
8. Das Phantastische in E.T.A. Hoffmanns Erzählung ,,Der Sandmann"
9
9. Fazit
12
10. Literaturverzeichnis
13

2
1. Einleitung
Das Genre der phantastischen Literatur ist komplex und umfasst vielfältige
und wandlungsfähige Textkorpora
.
Aufgrund dieser Tatsache ist eine literatur-
theoretische Auseinandersetzung mit diesem Thema umso interessanter. Bis
heute gibt es keine wissenschaftlich allgemeingültige Definition von ,,phantas-
tischer Literatur". Diese Arbeit versucht, den Begriff der ,,phantastischen Lite-
ratur" genauer zu definieren und Merkmale von dieser, am Beispiel von E.T.A.
Hoffmanns Werk ,,Der Sandmann", herauszuarbeiten. Für diese Arbeit wurde
die Erzählung ,,Der Sandmann" gewählt, da sie den Auftakt des zweiteiligen
Zyklus von E.T.A Hoffmann bildet und dessen Titel zur Untersuchung des
Phantastik-begriffs geradezu herausfordert: ,,Fantasie und Nachtstücke. Fanta-
siestücke in Callots Manier."
1
Im ersten Teil werden Definitionsansätze von ,,phantastischer Literatur" im
engeren und weiteren Sinne vorgestellt und diskutiert. Danach wird der Be-
griff der ,,phantastischen Literatur" exemplarisch, zu den Begriffen der affinen
Genres des Märchens und der Horror- und Schauergeschichten, abgegrenzt,
um die jeweiligen Unterschiede zu verdeutlichen.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit E.T.A Hoffmann und seinem
Werk ,,Der Sandmann". In diesem Teil werden die, zuvor herausgearbeiteten,
phantastische Elemente an konkreten Beispielen aufgezeigt.
In einem abschließenden Fazit wird geklärt, ob der Begriff der ,,phantastischen
Literatur" im Laufe dieser Arbeit eindeutig definiert werden konnte und ob
sich der Begriff der Phantastik überhaupt einem eindeutigem Genre zuordnen
lässt.
1
Hoffmann, E.T.A.: München 1960

3
2. Definition ,,phantastische Literatur" nach Tzvetan Todorov
Einen vielbeachteten Versuch, ,,phantastische Literatur" zu deuten, hat Tzvetan
Todorov in seiner ,,Einführung in die phantastische Literatur" unternommen.
2
In seiner Arbeit führt er das ,,Riß-Modell", welches zuvor von Caillois aufge-
stellt wurde, weiter. In diesem handelt phantastische Literatur vom Einbruch
des Fremden in eine Welt, die nur vermeintlich vertraut ist, von der Erfahrung
der Präsenz des Unbegreiflichen und darum Verstörenden. Todorov versucht
mit der Methodik des strukturalistischen Ansatzes, die ,,phantastische Litera-
tur" zu deuten. Er bezieht sich in seiner Abhandlung zwar nicht explizit auf die
Erzählung ,,Der Sandmann", jedoch analysiert er die Herangehensweise E.T.A.
Hoffmanns an das Wunderbare, die Phantastik. Laut Todorov liegt das Phan-
tastische im Moment der Ungewissheit und darin, ob ein Ereignis eine Sinnes-
täuschung (ein Produkt der Phantasie) oder ein ,,integrierender Bestandteil der
Realität" ist.
3
,,In einer Welt, die durchaus die unsere ist, die, die wir kennen, eine Welt ohne
Teufel, Sylphiden oder Vampire, geschieht ein Ereignis, das sich aus den Geset-
zen eben dieser vertrauten Welt nicht erklären läßt. (...) Das Fantastische ist
die Unschlüssigkeit, die ein Mensch empfindet, der nur die natürlichen Gesetze
kennt und sich einem Ereignis gegenübersieht, das den Anschein des Überna-
türlichen hat."
4
Nach Todorov verlässt man das Phantastische, sobald man sich fur eine der
beiden Lösungen entscheidet, da man sich damit auf ein benachbartes Genre
(s.o.) begibt.
,,Der, der das Ereignis wahrnimmt, muß sich für eine der zwei möglichen Lö-
sungen entscheiden: entweder handelt es sich um eine Sinnestäuschung, ein
2
Todorov, Tzvetan (1992): Einführung in die phantastische Literatur, Fischer Verlag,
Frankfurt am Main
3
Vgl. Ebd. S. 26
4
Vgl. Ebd. S. 25f.

4
Produkt der Einbildungskraft, und die Gesetze der Welt bleiben, was sie sind,
oder das Ereignis hat wirklich stattgefunden, ist integrierender Bestandteil
der Realität. Dann aber wird diese Realität von Gesetzen beherrscht, die uns
unbekannt sind. Entweder der Teufel ist eine Täuschung, ein imaginäres We-
sen, oder aber er existiert wirklich, genau wie die anderen Lebewesen - nur
daß man ihm selten begegnet. (...)Das Fantastische liegt im Moment dieser
Ungewißheit; sobald man sich für die eine oder die andere Antwort entschei-
det, verläßt man das Fantastische und tritt in ein benachbartes Genre ein, in
das des Unheimlichen oder das des Wunderbaren."
5
Diese Nachbargenres werden von ihm in zwei Gruppen unterteilt: in das Un-
heimliche und das Wunderbare. Todorovs These der beiden Möglichkeiten
wird von mehreren Autoren und Philosophen unterstützt. Sie alle berufen sich
auf die unterscheidenden Merkmale Todorovs, auf die ,,doppelte Wirklichkeit".
6
Geht man von dieser These aus so bleibt festzustellen, dass im ,,Sandmann" für
das ,,Wunderbare" kein Platz ist
7
, da der Erzählprozess mit einem Ausblick auf
die Wiederherstellung des Realen endet, worauf später noch genauer einge-
gangen wird.
3. Maximalistische Definition ,,phantastische Literatur"
Wie bereits in der Einleitung erwähnt, gibt es zwei große Ansätze, um den Be-
griff der ,,phantastischen Literatur" zu definieren. Uwe Durst hat den Definiti-
onsansatz von Todorov ausgebaut und ihn in ,,Maximalistische Ansätze" und
,,Minimalistische Ansätze" eingeteilt. Innerhalb dieser Ansätze bildet sich, nach
5
Vgl. ebd. S. 25 f.
6
Miller, Norbert: Das Phantastische- Innenansicht, Außenansicht. Nachtstücke und Mär-
chen bei E.T.A. Hoffmann; in: Phaicon 3 -Almanach der Panthastischen Literatur, Frank-
furt 1978, Seite 32-57
7
vgl. dazu auch: Freud, Winfried: Literarische Phantastik; in: Die Literarische Phantastik
von Tieck bis Storm, Stuttgart 1990, Seite 85

5
Durst, das Definitionsspektrum, in dessen sich die unterschiedlichen Definiti-
onsversuche bewegen.
Bei den Maximalistischen Definitionsansätzen werden alle erzählenden Texte
zusammengefasst, in denen die Naturgesetze verletzt werden. Des Weiteren
nimmt Durst, bei diesem Ansatz, die Einteilung in ahistorische und historische
phantastische Literatur vor. Bei der ahistorischen Einteilung werden die Gren-
zen der unterschiedlichen Gattungen mitunter so weit gezogen, dass jede Form
von fiktionaler Literatur automatisch zur Phantastischen Literatur zu zählen
wäre. Vertreter dieses Definitionsansatzes sind unter anderem Charles Nodier
(1830), H.P. Lovecraft (1927) und Harald Fricke (1981). In der historischen
Einteilung wird dagegen eine etwas genauere Definition phantastischer Litera-
tur vorgenommen. Dabei werden Texte nur dann als phantastisch verstanden,
wenn das Übernatürliche in die aktuelle Wirklichkeit einbricht. Vertreter die-
ses Definitionsansatzes sind unter anderem Louis Vax (1974), Roger Caillois
(1965) und Andzej Zgorzelski (1975). Durst kommt zu dem Entschluss, dass
der Maximalistische Definitionsansatz als wissenschaftlicher Definitionsbegriff
unbrauchbar ist.
Die Theoriegeschichte des Phantastischen erweist sich (soweit es die
maximalistische Schule betrifft) als ein trüber Sumpf terminologischer Unge-
nauigkeiten und überkommener theoretischer Vorstellungen. {} Der ahistori-
sche Maximalismus ist als wissenschaftliche Bestimmung der phantastischen
Literatur indiskutabel, da er zwangsläufig zu inoperablen Begrifflichkeiten
führt. Gegen den historischen Maximalismus ist einzuwenden, daß auch er
sehr unterschiedliche Texte zu einem Genre zusammenfasst und innerhalb die-
ser Gruppe auf jede weitere Differenzierung verzichtet.")
8
.
8
Durst, Uwe(2010): Theorien der phantastischen Literatur. Münster. Lit Verlag Dr. W
Hopf Berlin 2010. S.39
Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kriterien phantastischer Literatur in E. T. A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann"
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Germanistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V385496
ISBN (eBook)
9783668614963
ISBN (Buch)
9783668614970
Dateigröße
541 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Phantastik, E.T.A. Hoffmann
Arbeit zitieren
Dina Loos (Autor), 2012, Kriterien phantastischer Literatur in E. T. A. Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385496

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