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Politische Theorie und Legitimation monarchischen Handelns. Karl V. und die Türkenkriege

Title: Politische Theorie und Legitimation monarchischen Handelns. Karl V. und die Türkenkriege

Bachelor Thesis , 2017 , 42 Pages , Grade: 1,9

Autor:in: Johannes Konrad (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Die Renaissance wird oft wahrgenommen als eine Zeitspanne des Aufbruchs im Zeichen der Emanzipation des Individuums. Die anthropozentrische Philosophie des Humanismus und der Anfang moderner Staatlichkeit im Sinne der Volkssouveränität, gelten dabei als Ecksteine der frühen Moderne. Diese Fortschrittsnarrative dominieren v.a. die populärwissenschaftliche Deutung. Ihnen steht in der historischen Forschung eine Interpretationsgeschichte gegenüber, welche die Renaissance als Krisenepoche betrachtet.

Die Grundlage für diese Krise sieht Jacob Burckhardt in der Erosion des Kaisertums und Papsttums, seit dem 14. Jahrhundert. Während die Kaiser zu keiner eigenständigen Italienpolitik mehr fähig waren, hatte das Papsttum durch seine Verwicklung in die verschiedenen politischen Konflikte an Glaubwürdigkeit verloren. Der Verfall dieser Instanzen führte nach Burckhard zu einem Legitimitätsverlust der dynastischen Feudalherrschaften. In dieses Vakuum traten nun die klassischen Renaissancefürsten als neuer Fürstentypus, zu denen er auch Karl V. zählt. Da dieser seine Herrschaft aber betont traditionell verstand, war der Charakter derselben stets umstritten. Gerade in der deutschen Historiographie, wie Arno Strohmeyer trefflich darstellt, oszillierte das Bild Karls V. zwischen Anachronismus und Modernismus. So ordnete Peter Rassow Karls Kaiseridee ganz dem Mittelalter zu, und grenzt sie von den entstehenden Nationalstaaten ab. Dagegen sieht Karl Brandi den dynastischen Gedanken des Kaisers als dominant an. In Kombination mit der universalen Kaiseridee habe dieser den Grundstein für den späteren Absolutismus gelegt, sodass er hier bereits ein Konzept von Staatsräson ausmacht. Johannes Burckhardt identifizierte unter Karl V. ebenso einen Staatsbildungsprozess, nur eben nicht auf nationaler Ebene. Zum ideengeschichtlichen Hintergrund der Herrschaftsidee Karls V. sind die Forschungen von Franz Bosbach und Hans-Joachim König wegweisend.

Von diesen Studien ausgehend lässt sich mit Rückblick auf Karl Brandi, die Universalmonarchie Karls V. als eine „alternative Staatsräson“ auf methanationaler Ebene verstehen. Als die Staatsräson eines gescheiterten Staatsbildungsprojektes. Nimmt man diese Prämisse an, so stellt sich die Frage ob hier auch Züge der Staatsräson zu tragen kommen, wie sie Friedrich Meinecke auf nationaler Ebene, beginnend mit Machiavelli, beschreibt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Politische Theorie des Humanismus

1. Erasmus von Rotterdam

1.1. Harmonie und Krieg

1.2. Respublica Christiana

1.3. Monarchisches Handeln

1.4. Gerechter Krieg und Türkenkrieg

2. Niccolò Machiavelli

2.1. Virtù und Fortuna

2.2. Der Monarch im Gemeinwesen

2.3. Monarchisches Handeln

III. Erasmus und Machiavelli als Autoren der Staatsräson

IV. Die Türkenkriege als Betätigungsfeld der Universalmonarchie

1. Verteidigung des Orbis Christianus

2. Behauptung auf dem europäischen Schauplatz

3. Verteidigung des Glaubens

V. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen humanistischer politischer Theorie und der faktischen Machtausübung von Kaiser Karl V. im Kontext der Türkenkriege. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit das Regierungshandeln Karls V. als Ausdruck einer "alternativen Staatsräson" interpretiert werden kann, die sich zwischen den gegensätzlichen Modellen von Erasmus von Rotterdam und Niccolò Machiavelli bewegt.

  • Vergleich der politischen Theorien von Erasmus von Rotterdam und Niccolò Machiavelli.
  • Analyse der Staatsräson als Brücke zwischen ethischer Verantwortung und politischer Notwendigkeit.
  • Untersuchung der Rolle Karls V. als universaler christlicher Herrscher während der Türkenkriege.
  • Evaluierung von Kontinuitäten und Brüchen zwischen kaiserlicher Propaganda und realer Machtpolitik.

Auszug aus dem Buch

1.1. Harmonie und Krieg

Ausgangspunkt für Erasmus Denken ist ein Gesetz der Harmonie, das den gesamten Kosmos durchziehe. Es sorge dafür, dass unterschiedliche oder einander widerstrebende Elemente in Einklang zueinander stehen. Der beste Zustand liege in der Harmonie [concentus] aller verschiedenen Einzelnen, was für den Körper ebenso gelte wie für den Staat. Da Erasmus hier nicht das zu erwartende Nomen, concordia verwendet, liegt es nahe, dass mit concentus (Zusammensingen, Einklang, Gesang) ausgedrückt werden soll, dass die Harmonie eine herzustellende ist, die sich in der Praxis realisieren muss. Das harmonische Zusammenspiel bestimmt jedoch nicht nur die belebte und die unbelebte Natur, sondern auch die destruktiven Kräfte. So herrsche auch unter Raubtieren, ja sogar unter bösen Geistern, ein Abkommen über den Zusammenhalt in der eigenen Art. Nur die Menschheit bekriege sich untereinander und dies trotz ihrer Vernunftbegabung und Fähigkeit zur Erfahrung. Erasmus Menschenbild, ist dennoch überaus positiv, da es im Individuum einen „sanften und liebenswürdigen Charakter“ ausmacht, „der zu gegenseitigem Wohlwollen neige.“ In krassem Missverhältnis dazu steht nach seiner Beobachtung jedoch die kriegerische Realität:

»Welche Rachegöttin (…), hat (…) den unersättlichen Wahn zu kämpfen in das menschliche Herz gepflanzt? (…) Schließlich bringen sie durch Überfälle, Morde, und Zerstörungen alles in Unordnung, im profanen wie im sakralen Bereich. Keine Verträge sind je so heilig, daß sie die, die sich in gegenseitiger Vernichtung austoben wollen, hindern könnten.«

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die historiographische Debatte um die Herrschaft Karls V. und die Vorstellung der Staatsräson als theoretischer Rahmen.

II. Politische Theorie des Humanismus: Detaillierte Darstellung der gegensätzlichen politischen Konzepte von Erasmus von Rotterdam und Niccolò Machiavelli hinsichtlich Macht, Ethik und Gemeinwohl.

III. Erasmus und Machiavelli als Autoren der Staatsräson: Synthese beider Ansätze im Kontext der zeitgenössischen Theoriebildung zur Staatsräson nach Friedrich Meinecke.

IV. Die Türkenkriege als Betätigungsfeld der Universalmonarchie: Empirische Untersuchung der kaiserlichen Politik im Kontext der Türkenkriege unter Berücksichtigung von Propaganda und politischem Kalkül.

V. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass Karls V. Politik kaum direkt durch die behandelten Humanisten beeinflusst wurde, sondern primär traditionellen imperialen und defensiven Motiven folgte.

Schlüsselwörter

Karl V., Erasmus von Rotterdam, Niccolò Machiavelli, Staatsräson, Türkenkriege, Universalmonarchie, Christianitas, Politische Theorie, Machtpolitik, Humanismus, Legitimation, Kriegsbegründung, Respublica Christiana, Souveränität, Geschichtsphilosophie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie Kaiser Karl V. seine Politik gegenüber den Osmanen legitimierte und ob sein Handeln als eine Umsetzung theoretischer Konzepte des zeitgenössischen Humanismus verstanden werden kann.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die politische Theorie der Renaissance, das Konzept der Staatsräson sowie die außenpolitische Praxis des Heiligen Römischen Reiches im 16. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, ob die Handlungsmaximen Karls V. von Machiavellis machtorientiertem Realismus oder Erasmus' christlich-pazifistischem Idealismus geprägt waren oder ob sie eher eigenständigen traditionellen Mustern folgten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Vorgehensweise, bei der politische Schriften der Humanisten mit der zeitgenössischen Korrespondenz und den offiziellen Dokumenten Karls V. in Beziehung gesetzt werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlegung (Erasmus/Machiavelli), deren Einordnung in die Staatsräson-Debatte und die konkrete Fallanalyse des kaiserlichen Engagements in den Türkenkriegen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Neben Karl V. sind dies Begriffe wie "Universalmonarchie", "Staatsräson", "Christianitas" sowie die Gegenüberstellung von Machtstreben und ethischer Normierung.

Wie bewertet der Autor Karls V. Verhältnis zu Machiavelli?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Karl V. gerade nicht den expansiven Dynamismus Machiavellis verfolgte, sondern seine Aktionen defensiv begründete, was gegen eine direkte Beeinflussung durch den Florentiner spricht.

Welche Bedeutung kommt der "Respublica Christiana" bei?

Sie dient als ideeller Bezugspunkt und rechtliche Basis für Karls V. Selbstverständnis als Schutzherr des Christentums, auch wenn dieser Anspruch zunehmend in Konflikt mit nationalen Interessen geriet.

Warum spielt die Kreuzzugsrhetorik eine wichtige Rolle?

Sie diente Karl V. zur ideologischen Profilierung innerhalb Europas, war aber oft mehr ein Propagandamittel als ein Ausdruck einer tatsächlichen expansiven Kreuzzugspolitik.

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Details

Title
Politische Theorie und Legitimation monarchischen Handelns. Karl V. und die Türkenkriege
College
University of Heidelberg  (Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften)
Grade
1,9
Author
Johannes Konrad (Author)
Publication Year
2017
Pages
42
Catalog Number
V385534
ISBN (eBook)
9783668603820
ISBN (Book)
9783668603837
Language
German
Tags
Karl V Universalmonarchie Türkenkriege Staatsräson Machiavelli Erasmus Renaissance Süleyman Franz I Spanien Heiliges römisches Reich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johannes Konrad (Author), 2017, Politische Theorie und Legitimation monarchischen Handelns. Karl V. und die Türkenkriege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385534
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