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Drei Ebenen des Wartens in Sylvain Estibals "Das Schwein von Gaza"

Titel: Drei Ebenen des Wartens in Sylvain Estibals "Das Schwein von Gaza"

Hausarbeit , 2017 , 17 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Arbeit untersucht den Film "Das Schwein von Gaza" sowohl filmisch als auch erzählerisch auf die Frage hin, wie unterschiedliche Elemente des Wartens wiedergegeben werden. Dabei wird die Handlung selbst wiedergegeben und bewertet; darüber hinaus soll an beispielhaften Sequenzen gezeigt werden, auf welche Weise filmästhetische Mittel diese Handlungen unterstützen oder ergänzen.

In einschlägiger Literatur zum Thema wird das Warten immer wieder als Situation des alltäglichen Lebens charakterisiert, der gern aus dem Weg gegangen werden will, die jedoch unvermeidbar ist. Mit dem Vorgang wird häufig das Vergeuden von Lebenszeit, aber auch eine existenzielle Notwendigkeit verbunden. Drücker merkt an, dass das Warten gewöhnlich auf ein Ziel ausgerichtet ist, für dessen Erreichen wir Lebenszeit einsetzen und eben für diese Investition entlohnt werden; Warten wird auf diese Weise als Phase des Übergangs charakterisiert. Pikulik erweitert dieses Konzept, indem er feststellt, dass das Warten nicht zwingend zielgerichtet sein muss, wenn beispielsweise gar keine Ziele existieren, die erfüllt werden könnten. Dieses Defizit an Sinnhaftigkeit und das damit einhergehende ununterbrochene Verharren in einer leeren Situation, schließe sowohl den Mangel an Zukunft wie auch das Fehlen gegenwärtigen Lebens ein; Langweile sei einerseits ein Zustand, der gleichzeitig aus unbestimmtem Warten resultiere und diesen initiiere.

Der Film "Das Schwein von Gaza" befasst sich nicht dezidiert mit dem Warten, im offiziellen Presseheft des Werkes kommt der Begriff nicht einmal vor. Dennoch eignet sich er für eine Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex, da unterschiedliche Konzeptes des Wartens thematisiert werden: Schlagworte wie Passivität und Aktivität, Einsamkeit und Gemeinsamkeit, Resignation und Hoffnung, Langeweile und Anspannung, Enttäuschung und Erwartung sind relevant für die Einschätzung des Filmes und sind eng mit unterschiedlichen Prozessen des Wartens verknüpft. Jafaar ist als Fischer von Berufs wegen zum Warten verpflichtet, weshalb dies in seinem Leben eine grundständige Existenzfrage bedeutet, die aufgrund der widrigen Umstände, in denen er lebt, noch einmal verschärft wird. Es soll gezeigt werden, dass er als Hauptfigur in seinem Handeln und Nicht-Handeln diverse Facetten der zuvor genannten Wortpaare abdeckt, jedoch auch weitere Figuren des Films von diesen geprägt sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Film – Kurzzusammenfassung

3 Hoffnung und Langeweile – das Warten im Film

4 Repression – Warten (Lassen) als Machtdemonstration

5 Religiöser Fanatismus – das Warten auf Erlösung

5.1 Das Konzept des Selbstmordattentats

5.2 Der Märtyrer im Film – Warten auf den Knall

6 Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Wartens im Film Das Schwein von Gaza. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche Formen des Wartens – von der passiven Resignation über Machtdemonstrationen bis hin zur religiös motivierten Erwartung – filmisch und erzählerisch inszeniert werden und welche Bedeutung das Auftauchen des Schweins als Katalysator für die Wandlung der Hauptfigur Jafaar einnimmt.

  • Filmische Inszenierung von Wartezuständen und Passivität.
  • Machtstrukturen und Repression im Kontext des Nahostkonflikts.
  • Religiöser Fanatismus und das Konzept des Märtyrertums.
  • Wandlungsprozesse der Protagonisten durch externe Ereignisse.
  • Symbolik und Allegorie im zeitgenössischen Spielfilm.

Auszug aus dem Buch

3 Hoffnung und Langeweile – das Warten im Film

Von Beginn an wird Jafaar als unglücklicher Tollpatsch eingeführt, der einerseits allein und unbeholfen auf seinem Boot unterwegs ist, dabei andererseits aber keinen großen Fang macht. Dass Einsamkeit und eine gewisse gesellschaftliche Ausgrenzung sein Leben bestimmen, zeigt schon die Totale in den Anfangsminuten des Filmes (00:01:54), in der er mit seinem Boot zurück an Land fährt. Umso bemerkenswerter ist, dass er trotz offenkundig nicht vorhandener Konkurrenz im von ihm gewählten Fanggrund nur eine karge Ausbeute mit nach Hause nehmen bzw. auf dem Markt anbieten kann. Hier befindet er sich zwar inmitten der anderen Fischer, die ihre Ware anbieten, diese reden jedoch nicht mit ihm, sondern über ihn; auch hier ist er ein Außenseiter.

Die Anfangsminuten des Films sind von langen Schnitten und dem Verweilen der Kamera in diversen Szenen geprägt, obwohl diese erzählerisch zum Teil bereits beendet sind (beispielsweise die Situation am Pier in 00:03:43). Nahaufnahmen sind weniger häufig zu sehen, stattdessen werden diverse Situationen durch weiter entfernte Aufnahmen erzählt. Dies dient vor allem der Charakterisierung der Protagonisten sowie ihrer Lebenssituation; die Leere, die dadurch auf Story- wie auch Filmebene erzeugt wird, spiegelt exakt die Umstände eben jener wider und stimmt den Zuschauer bereits nach fünf Minuten des Films auf diese ein. Elemente des Wartens werden hier funktional besetzt: Hoffnung und Ungewissheit stehen Trostlosigkeit und Routine sicht- wie auch spürbar gegenüber, Einsamkeit findet auch in Gesellschaft statt und insgesamt geschieht in den ersten Minuten faktisch nichts.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die anthropologische Bedeutung des Wartens ein und stellt die Relevanz dieser Thematik für die Analyse des Films Das Schwein von Gaza heraus.

2 Der Film – Kurzzusammenfassung: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über die Handlung der Komödie, insbesondere die prekäre Situation des Fischers Jafaar und die Rolle des Schweins als zentrales Element.

3 Hoffnung und Langeweile – das Warten im Film: Hier wird untersucht, wie die filmische Ästhetik – etwa durch lange Schnitte – die Leere und Passivität im Alltag der Protagonisten visualisiert.

4 Repression – Warten (Lassen) als Machtdemonstration: Dieses Kapitel analysiert das Warten als Instrument politischer und militärischer Machtausübung zwischen Siedlern, Soldaten und der Bevölkerung Gazas.

5 Religiöser Fanatismus – das Warten auf Erlösung: Hier werden die Hintergründe des Märtyrertums und die islamistische Instrumentalisierung von Religion beleuchtet.

5.1 Das Konzept des Selbstmordattentats: Eine theoretische Betrachtung des Selbstmordattentats als Methode im Kontext des Befreiungskampfes und der religiösen Erwartungshaltung.

5.2 Der Märtyrer im Film – Warten auf den Knall: Dieses Kapitel setzt das theoretische Konzept in Bezug zum Film und diskutiert Jafaars Rolle im Kontext der Radikalisierung.

6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie das Schwein als Katalysator Jafaar aus seiner Lethargie zwingt und das Warten von einem repressiven Zustand in einen Prozess der aktiven Lebensgestaltung überführt.

Schlüsselwörter

Warten, Das Schwein von Gaza, Nahostkonflikt, Filmästhetik, Machtdemonstration, Repression, Selbstmordattentat, Märtyrertum, Passivität, Hoffnung, Jafaar, Religion, Fanatismus, Identitätsfindung, gesellschaftliche Ausgrenzung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Film Das Schwein von Gaza unter dem theoretischen Aspekt des Wartens und untersucht, wie verschiedene Formen der Erwartung und Untätigkeit das Leben der Protagonisten prägen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen Machtverhältnisse im Nahostkonflikt, die filmische Darstellung von Leere und Alltag sowie die kritische Auseinandersetzung mit religiös motiviertem Fanatismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Warten im Film als sowohl repressives als auch transformatives Element fungiert, das die Charaktere zur Auseinandersetzung mit ihrer Situation zwingt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine film- und kulturanalysebasiertes Verfahren angewandt, das erzählerische Sequenzen mit filmästhetischen Mitteln verknüpft und theoretische Literatur zum Thema Warten einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet die Inszenierung von Langeweile und Hoffnung, die politische Dimension von Machtausübung durch „Warten-Lassen“ sowie die theoretischen Hintergründe von Märtyrertum und Selbstmordattentaten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Warten, Repression, Machtdemonstration, filmische Ästhetik, religiöser Fanatismus und Transformation.

Inwiefern spielt das „Schwein“ eine zentrale Rolle?

Das Schwein fungiert als Katalysator; es zerstört Jafaars alte Existenzgrundlage und zwingt ihn durch die daraus resultierende Not zur aktiven Veränderung und Grenzüberschreitung.

Warum wird im Film das Ende nicht als vollständige Lösung geliefert?

Das offene Ende verdeutlicht, dass der politische Konflikt durch individuelle Handlungen nicht einfach gelöst werden kann, lässt den Zuschauern jedoch einen Funken Hoffnung auf Besserung.

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Details

Titel
Drei Ebenen des Wartens in Sylvain Estibals "Das Schwein von Gaza"
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2017
Seiten
17
Katalognummer
V385540
ISBN (eBook)
9783668613942
ISBN (Buch)
9783668613959
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Das Schwein von Gaza warten Filmanalyse Selbstmordattentat relgiöser Fanatismus Märtyrer Macht Langeweile Hoffnung Gazakonflikt Israel Palästina Grenze
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2017, Drei Ebenen des Wartens in Sylvain Estibals "Das Schwein von Gaza", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385540
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Leseprobe aus  17  Seiten
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