Betrachtet man den angedachten Beitrag des Faches Sport zur Bildung und Erziehung in der Grundschule im Berliner Rahmenlehrplan, so lässt sich zweifelsohne feststellen, dass Ziele bezüglich des Erwerbs von sprachlichen Kompetenzen, wenn überhaupt, nur peripher angesprochen und verfolgt werden. Beschränkt wird sich hierbei lediglich auf bekannt vage Äußerungen wie "Sachkompetenz entwickeln die Schülerinnen und Schüler, indem sie grundlegende Bewegungsformen benennen" oder "Bewegungsbeschreibungen umsetzen".
Zum Erreichen dieser Standards ist die Verwendung von Fachsprache obligatorisch. Inwiefern und unter welchen Voraussetzungen dies gelingen kann, ist Thema dieser Arbeit. Detaillierter ausgeführt, geht es um Möglichkeiten zur Unterstützung von SuS beim systematischen Aufbau eines Fachwortschatzes in den kognitiven Phasen des Sportunterrichtes. Ein handlungsleitendes Interesse lässt sich durch den geringen Umfang an bisher publizierten, praktisch umsetzbaren Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf Sprachförderung im Sportunterricht und die Tatsache, dass ich als Lehrkraft mittelfristig weiterführend in diesem Unterrichtsfach tätig sein werde, ableiten.
Zunächst wird auf die Dokumentation und Reflexion der Unterrichtserfahrungen eingegangen. Anschließend werden daraus folgende Merkmale und Chancen der Sprachförderung des Sporttreibens und Bewegens im Allgemeinen und dem Sportunterricht im Speziellen in Verbindung zum Sprachenlernen thematisiert. Weiterführend kommt es zu den damit verbundenen Risiken. Abschließend wird im Fazit zusätzlich zu der empirischen Basis erneut eine persönliche Meinung punktuell Raum finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lerngruppenanalyse
2.1 Allgemeine Lerngruppenanalyse
2.2 Institutionelle Voraussetzungen
3. Untersuchungspraxis im Schulbetrieb
3.1 Anlehnung an die Methodenwerkzeuge nach Leisen
3.2 Unterrichtsphasierung und Lehr-/Lernarrangement
4. Evaluation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten zur sprachsensiblen Gestaltung des Sportunterrichts, um Schülerinnen und Schüler beim systematischen Aufbau eines fachspezifischen Wortschatzes zu unterstützen. Der Fokus liegt dabei auf der praktischen Erprobung und Reflexion verschiedener Unterrichtsphasen und Methoden, insbesondere unter Nutzung der Methodenwerkzeuge nach Leisen.
- Systematischer Aufbau von Fachwortschatz im Sportunterricht
- Integration sprachförderlicher Elemente in kognitive Unterrichtsphasen
- Reflexion persönlicher Unterrichtserfahrungen in den Sportarten Volleyball und Fußball
- Anwendung der Methodenwerkzeuge nach Leisen (z.B. Lernplakat)
- Analyse von Quantität und Qualität sprachlicher Schülerbeiträge
Auszug aus dem Buch
3. Untersuchungspraxis im Schulbetrieb
Sportunterricht ist mit Hinblick auf die sprachlichen Anforderungen, also die Bildungssprache, durch einen speziellen Fachwortschatz charakterisiert. So prägt den sprachliche Kontext vor allem das häufige Auftreten von Komposita (z.B. Handlungsschnelligkeit, Deckungsschatten, Flankengeber, Netzspieler), fachspezifische Verben (z.B. tunneln, baggern, flanken) sowie das vermehrte Auftreten von Imperativen (z.B. Spiel!, Pass!) und Modalverben (Universität Hamburg, 2013a). Ich konzentrierte mich im Untersuchungszeitraum vor allem auf die themenfeld-entsprechenden Komposita und, sofern für den sportlichen Kontext relevant, auf die Imperative der fachspezifischen Verben.
Als Lehrkraft musste ich für mich persönlich zunächst das Bewusstsein dahingehend schaffen und schärfen, dass ich als Sprachvorbild fungieren und entsprechend mein Lehrerhandeln darauf ausrichte. Meine Anweisungen waren entsprechend meist klar und deutlich artikuliert. Ich suchte während meiner Ausführungen mit jedem Schüler mindestens einmal Augenkontakt, um mit Mimik und Gestik die Aufmerksamkeit entsprechend einzufordern und abzuprüfen. Inhaltlich nutzte ich entsprechend häufig die zu erlernenden Fachbegriffe und wiederholte unmittelbar mittels Feedbackmethode, in einem etwas leiseren Ton als der sprechende Schüler, falsche Äußerungen richtig.
Ich versuchte in jeder Situation entsprechend zur Visualisierung von Fachbegriffen oder Sachverhalten stehend die Konzentration auf den Medienträger zu lenken, welcher meist eine mobile Tafel war. In den einzelnen Arbeitsphasen begab ich mich meist kniend in akzeptabler Distanz auf die Ebene der Schüler, um bei Fragen oder Problemen entsprechend vertrauensvoll und nicht von oben herab helfen oder intervenieren zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Bedeutung von Sprachbildung im Sportunterricht und Ableitung der zentralen Forschungsfrage zur systematischen Unterstützung beim Aufbau eines Fachwortschatzes.
2. Lerngruppenanalyse: Charakterisierung der zwei untersuchten Lerngruppen hinsichtlich Leistungsstand, Motivation und institutioneller Rahmenbedingungen in der Sporthalle.
3. Untersuchungspraxis im Schulbetrieb: Beschreibung der methodischen Umsetzung, der Nutzung des Lernplakats nach Leisen und der Strukturierung des Unterrichts in kognitive Phasen.
4. Evaluation: Auswertung der Beobachtungen zur sprachlichen Entwicklung der Schüler sowie Reflexion der aufgetretenen Schwierigkeiten und Erfolge bei der Umsetzung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Potenziale von Sportunterricht für die Sprachförderung und Ausblick auf notwendige Lehrerkompetenzen für einen erfolgreichen sprachsensiblen Sportunterricht.
Schlüsselwörter
Sprachbildung, Sprachförderung, Sportunterricht, Fachwortschatz, Methodenwerkzeuge nach Leisen, Lernplakat, kognitive Phasen, Unterrichtsphasierung, Schüleraktivierung, Bildungssprache, Fachsprache, Volleyball, Fußball, Unterrichtsreflexion, Lehrerhandeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Modulabschlussprüfung grundlegend?
Die Arbeit dokumentiert und reflektiert Möglichkeiten, wie Sportlehrkräfte ihre Schülerinnen und Schüler beim systematischen Aufbau eines sportartspezifischen Fachwortschatzes in verschiedenen Unterrichtsphasen unterstützen können.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Neben theoretischen Grundlagen zur Sprachbildung im Fach Sport stehen die praktische Unterrichtsgestaltung, die Arbeit mit dem Lernplakat nach Leisen sowie die Analyse von Schülerleistungen im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erforschung praktisch umsetzbarer Handlungsmöglichkeiten für eine gezielte Sprachförderung, um die Qualität und Quantität der fachsprachlichen Äußerungen der Lernenden zu steigern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer praxisorientierten Dokumentation und Reflexion von Unterrichtserfahrungen in zwei Lerngruppen der Sekundarstufe I und II über einen Zeitraum von drei Wochen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Lerngruppenanalyse, die detaillierte Beschreibung der Untersuchungspraxis unter Einbeziehung des Lernplakats sowie eine anschließende Evaluation der gewonnenen Erkenntnisse.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Sprachbildung, Fachwortschatz, Sportunterricht, Methodenwerkzeuge nach Leisen und kognitive Unterrichtsphasen.
Wie wurde das Lernplakat nach Leisen konkret in der Sporthalle integriert?
Aufgrund der Dynamik des Sportunterrichts wurde eine abgewandelte Form auf einer mobilen Tafel genutzt, die als zentraler Medienträger für Visualisierungen und zur Sicherung von Fachbegriffen diente.
Welche Rolle spielen die kognitiven Phasen im Sportunterricht laut des Autors?
Kognitive Phasen werden als notwendige Zeitfenster identifiziert, in denen Schüler fachsprachlich artikulieren, reflektieren und Bewegungsmerkmale mit der korrekten Fachterminologie verknüpfen können.
Welche Herausforderungen nennt der Autor bei der Umsetzung?
Herausforderungen sind unter anderem der Lärmpegel in der Sporthalle, die notwendige Balance zwischen hoher Bewegungszeit und kognitiven Denkaufgaben sowie die Motivation der Schüler zur aktiven Teilnahme an Gruppenarbeitsphasen.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich des systematischen Wortschatzaufbaus?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass durch eine bewusste Phasierung des Unterrichts und eine klare Lehrerrolle als Sprachvorbild ein messbarer Zuwachs an fachsprachlicher Kompetenz bei den Schülern erreicht werden kann.
- Arbeit zitieren
- Max Köhler (Autor:in), 2017, Möglichkeiten zur Unterstützung von SchülerInnen beim systematischen Aufbau eines Fachwortschatzes in den kognitiven Phasen des Sportunterrichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385546