Christian Krachts Debütroman Faserland war nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1995 ein umstrittenes und missverstandenes Werk der Literatur. Nach seiner Erscheinung wiesen die Rezensionen des Feuilletons einen hauptsächlich negativen und ablehnenden Tenor auf. Damals konnte allerdings noch niemand erahnen, dass sich dieser Roman, wenn auch unfreiwillig, zu dem Wegbereiter einer neuen literarischen Strömung, der Neuen deutschen Popliteratur, entwickeln würde. Aus diesem Grund eignet sich dieser Roman als Musterstück zur Untersuchung der Motivik von Popliteratur und deren Funktion(en). Auch wenn die umgangssprachliche Darlegung der Handlung zunächst banal und befremdlich erscheint, sucht der Roman durch die Fülle an intertextuellen und intermedialen Verweisen und Motiven, die der Rezipient zu dechiffrieren hat, seinesgleichen. Diese Arbeit beschäftigt sich insbesondere, wie bereits der Titel erahnen lässt, mit der Motivik dieses Romans.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Popliteratur
2.1 Terminologien
2.2 Epochale Einordnung
2.2.1 Intertextualität und Intermedialität
2.2.2 Identität
2.2.3 Gesellschaftskritik
2.2.4 Marken und Labels
2.2.5 Sexualität und Geschlechterrollen
2.2.6 Dandyismus
2.2.7 Ironie
3. Christian Kracht als deutschsprachiger Popliterat
4. Zusammenfassung des Romans Faserland
5. Zur Motivik der Popliteratur am Beispiel Faserlands
5.1 Definition Motivik / Motiv
5.2 Leitmotive Faserlands
5.2.1 Die Barbourjacke und ihre Funktionen
5.2.2 Die Funktionen der Drogen
5.2.3 Die Funktionen der Musik
5.2.4 Zur Reisemotivik
5.2.5 Marken und Labels in Faserland
5.3. Nebenmotive Faserlands
5.3.1 Nationalsozialismus
5.3.2 Augen- und Farbenmotivik
5.3.3 Erinnerungen
5.3.4 Zähne
5.3.5 Schwarzer Hund
5.3.6 Isabella Rossellini
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die spezifische Motivik der Neuen deutschen Popliteratur anhand des Romans Faserland von Christian Kracht zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, welche Funktionen diese Motive für die Handlung und die Charakterisierung des Protagonisten einnehmen.
- Definition und epochale Einordnung der Popliteratur
- Analyse der zentralen Leitmotive in Faserland (Barbourjacke, Drogen, Musik, Reisen)
- Untersuchung von Nebenmotiven und deren symbolischer Bedeutung
- Erforschung der intermedialen Verweise und deren interpretatorische Korrelation
- Gesellschaftskritische Deutung des Konsumverhaltens des Protagonisten
Auszug aus dem Buch
Die Barbourjacke und ihre Funktionen
Kein Kleidungsstück findet so oft Erwähnung in Faserland wie die Wachsjacke der britischen Firma Barbour, daher wird die Bedeutung bzw. die Funktion der Jacke für den Roman genauer untersucht. Bereits auf der ersten Seite des Buches lässt sich das Wort Barbour drei Mal finden und im Verlauf des Romans wird die Jacke 30-mal erwähnt.
Die Schutzfunktion wird direkt auf der ersten Seite des Romans erwähnt. Der Protagonist trägt die Jacke, die er genauer beschreibt, indem er das Innenfutter erwähnt, weil ihm „[…] kalt ist und Westwind weht […]“. Bereits hier hat die Barbourjacke eine Schutzfunktion inne. Im weiteren Verlauf des ersten Kapitels schwelgt der Erzähler in Kindheitserinnerungen, die ihn fast zum Weinen bringen, was jedoch durch die Jacke verhindert wird und somit seine emotionale Integrität, zumindest nach außen, wahrt.
Die Barbourjacke trägt stets zum Schutz vor äußerlichen Makeln bei. Am Strand auf Sylt werden die Haare des Protagonisten durch den Wind durcheinandergewirbelt, aber in der Barbourjacke befindet sich Haargel, um diesen Makel unmittelbar beheben zu können.
Der Protagonist bewahrt seine Kreditkarte in der Jacke auf. Jene schützt ihn vor Stagnation und Deprivation auf seiner Reise, da sie gewährleistet, jederzeit eine Reisemöglichkeit, Unterkunft oder andere lebensnotwendige Güter zu beschaffen. Als der Erzähler enttäuscht und schockiert aus Nigels Wohnung flieht und anfängt „zu heulen“, schützt ihn die Kreditkarte durch den Erwerb des Flugtickets nach Frankfurt davor, sich mit der Situation auseinandersetzen zu müssen und dadurch mental zu stagnieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Rezeptionsgeschichte des Romans ein und formuliert das Forschungsinteresse an der Motivik und deren Funktionen in der Popliteratur.
2. Definition Popliteratur: In diesem Kapitel wird der Begriff der Popliteratur definiert und eine epochengeschichtliche Einordnung vorgenommen.
3. Christian Kracht als deutschsprachiger Popliterat: Das Kapitel beleuchtet die Person Christian Kracht, seine mediale Inszenierung und die autobiographischen Bezüge zu seinem Werk.
4. Zusammenfassung des Romans Faserland: Hier wird der Inhalt des Romans, inklusive Prolog und linearer Handlungsdarstellung der acht Kapitel, kompakt zusammengefasst.
5. Zur Motivik der Popliteratur am Beispiel Faserlands: Der Hauptteil analysiert detailliert die Leit- und Nebenmotive, unterteilt in Definitionen sowie Funktionen wie Schutz, Konsum, Musik und Identitätszerfaserung.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Motivanalyse zusammen und ordnet den Roman in den Kontext der zeitgenössischen Popliteratur ein.
Schlüsselwörter
Popliteratur, Faserland, Christian Kracht, Motivik, Identität, Konsumkritik, Intermedialität, Barbourjacke, Dandyismus, Nationalsozialismus, Reisemotivik, Identitätszerfaserung, Literaturwissenschaft, Postmoderne, Symbolik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Verwendung und Bedeutung von Motiven in Christian Krachts Debütroman "Faserland" und wie diese Motive zur Definition der Neuen deutschen Popliteratur beitragen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Kategorisierung von Leit- und Nebenmotiven sowie deren Funktion in Bezug auf die Handlungsstruktur und die Charakterisierung des Protagonisten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die explizite Herausarbeitung, Untersuchung und Interpretation der Funktionen popliterarischer Motive, insbesondere unter Einbeziehung intermedialer und intertextueller Verweise.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autor setzt eine literaturwissenschaftliche Analyse ein, die durch eine fundierte Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur gestützt wird, um Motive zu klassifizieren und ihre Funktionen im Roman zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil des Dokuments behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Leitmotiven wie der Barbourjacke, Drogen, Musik und Reisen sowie der Analyse von Nebenmotiven wie dem Nationalsozialismus und der Augen- und Farbenmotivik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Popliteratur, Faserland, Identität, Konsumkritik und Intermedialität geprägt.
Inwiefern spielt der Nationalsozialismus als Nebenmotiv eine Rolle?
Das Thema dient primär der Charakterisierung des Protagonisten, indem seine undifferenzierte Urteilsbildung und sein Mangel an Selbstreflexion durch zynische oder ironische Bezüge zum Nationalsozialismus offengelegt werden.
Warum wird das Ende des Romans mit einer Fährmann-Symbolik verglichen?
Die Reise endet abrupt auf einem See, was in Analogie zur griechischen Mythologie als Übergang in die Unterwelt und somit als endgültige Identitätszerfaserung bzw. Tod des Protagonisten gedeutet wird.
- Arbeit zitieren
- BA Ed. Mario Büker (Autor:in), 2015, Zur Motivik der Popliteratur. Am Beispiel von Christian Krachts Faserland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385576