Nachhaltigkeit in der Unternehmensethik

Inwiefern die integrative Unternehmensethik im Vergleich zur karitativen Unternehmensethik ein nachhaltiges Handeln fordert


Bachelorarbeit, 2017
30 Seiten, Note: 1,3

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Unternehmensethik
2.1. Wirtschafts- und Unternehmensethik
2.2. Unternehmensverantwortung
2.3. Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln
2.4. Das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Verantwortung

3. Konzepte und Probleme der ökonomischen Unternehmensethik
3.1. Grundannahmen der Ökonomik
3.2. Die ökonomische Ethik
3.3. Die karitative Unternehmensethik als Beispiel mangelnder Nachhaltigkeit
3.4. Gewinnprinzip schließt Nachhaltigkeit aus

4. Integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik: Eine Lösung?
4.1. Die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik von Peter Ulrich
4.2. Die Relevanz von Nachhaltigkeit in der integrativen Wirtschafts- und Unternehmensethik

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Weltwirtschaft wächst seit Mitte des 20. Jahrhunderts stetig - ein immer größerer Anteil von Waren wird für den Export produziert.1 Doch die Vorteile der Globalisierung sind nicht gleich verteilt: Gerade die ärmsten Staaten der Welt konnten setidem ihren Anteil am weltweiten Brutto-Inlandsprodukt kaum erhöhen.2 Für den Wohlstand der ökonomisch entwickelten Staaten und den erhöhten Konsum wird die Arbeitskraft von Menschen aus Entwicklungsländern ausgebeutet, und die Umweltbelastung steigt. Gesellschaftliche und ökologische Probleme wie diese sind Anlass für die Wirtschafts- und Unternehmensethik, sich mit der Frage zu befassen, inwiefern Unternehmen dafür Verantwortung tragen können und sollen. Die Diskussion um Unternehmensverantwortung, die unter der englischen Bezeichnung „Corporate Social Responsibility“ (CSR) geführt wird, ist allerdings überwiegend auf die ökonomischen Interessen von Unternehmen ausgerichtet. CSR verkauft sich gut, und so wird Verantwortung Teil der Marketingstrategie.3 Einige Moralphilosophen fragen sich daraufhin, ob Handlungen unter der Maxime der Gewinnmaximierung als verantwortungsvoll bezeichnet werden können. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Nachhaltigkeit: Wie moralisch ist die Übernahme von Verantwortung, wenn diese abhängig von der ökonomischen Situation eines Unternehmens ist - und dieses sein Engagement abbricht, sobald es sich ökonomisch nicht mehr auszahlt? Dieser Frage wird im Folgenden nachgegangen. Dazu gibt Kapitel 2 einen Überblick über CSR- Konzepte und definiert den Begriff der Nachhaltigkeit im Sinne dieser Arbeit. Es wird die These herausgearbeitet, dass sich für Konzepte der Wirtschafts- und Unternehmensethik Verantwortung und Nachhaltigkeit gegenseitig bedingen. Normative Aspekte werden in der Diskussion um CSR oft in den Hintergrund gestellt, was mit ökonomischen Zwängen begründet wird. Kapitel 3 befasst sich mit dieser Problematik. Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Ökonomik werden die ökonomische Wirtschafts- und Unternehmensethik von Karl Homann und das Konzept der karitativen Unternehmensethik vorgestellt. Kapitel 3.4 wird auf diese Konzepte erneut eingehen und herausarbeiten, warum diese nicht nachhaltig sind.

Kapitel 4 greift diese Kritik nochmals auf, indem es die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik von Peter Ulrich den anderen Konzepten gegenüberstellt. Hier wird festgestellt, dass die ständige Reflexion des Gewinnprinzips und die Miteinbeziehung aller Wirtschaftsteilnehmer - also auch der Gesellschaft - unabdingbar sind, um Verantwortung nachhaltig tragen zu können. Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen, reflektiert diese und gibt einen Ausblick auf weitere Fragestellungen.

2. Verantwortung und Nachhaltigkeit in der Unternehmensethik

2.1. Wirtschafts- und Unternehmensethik

Die Wirtschafts- und Unternehmensethik ist eine wissenschaftliche Disziplin, die die moralischen Probleme beleuchtet, mit denen Unternehmen konfrontiert werden.4 Während die Wirtschaftsethik über Probleme des gesamtwirtschaftlichen Systems re- flektiert, wie beispielsweise der Vereinbarkeit einer freien Marktwirtschaft und mora- lischen Grundsätzen, betrachtet die Unternehmensethik Fragen über die Verantwor- tung einzelner Unternehmen und ihrer Mitarbeiter. Ausgangsproblem wirtschafts- und unternehmensethischer Theorien ist die Umsetzung moralischer Grundsätze unter ei- nem marktwirtschaftlichen System, in dem Unternehmen im Wettbewerb untereinan- der konkurrieren und nach Gewinnen streben.5

Es gibt verschiedenste Theorien der Wirtschafts- und Unternehmensethik, wobei sich diese Arbeit, wie die Fragestellung bereits andeutet, auf zwei Theorien beschränken wird: zunächst die ökonomische Wirtschafts- und Unternehmensethik mit der karitativen Unternehmensethik als einer ihrer Teilbereiche, und weiterhin die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik.

2.2. Unternehmensverantwortung

Diskussionen um die Verantwortung von Unternehmen kreisen häufig um den entspre- chenden englischen Begriff „Corporate Social Responsibility“ (CSR). Die Interpreta- tion von Verantwortung kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen - bei CSR handle es sich "[…] nicht um ein klares Managementkonzept, sondern um eine Leitidee […], die unternehmensspezifisch zu konkretisieren ist"6. So werde der Bereich der Verant- wortung meist je nach Ausrichtung des Unternehmens gewählt. Es wird zwischen vier verschiedenen Konzepten unterschieden, nach denen CSR in Unternehmen umgesetzt wird: CSR als Wohltätigkeit, als Gewinnmaximierung, als Stakeholderorientierung o- der als Management der Wertschöpfung. Setzt ein Unternehmen CSR als Wohltätigkeit um, so liegt seine Verantwortung darin, Gewinne in Form von Spenden an Wohltätigkeitsorganisationen abzugeben. Diese Form von CSR sei weit verbreitet und werde häufig öffentlich kommuniziert. Mit der karitativen Unternehmensethik geht Kapitel 3.3 genauer darauf ein.

Besonders Verfechter der freien Marktwirtschaft argumentieren, dass CSR in der Maximierung von Gewinnen liegt. Sie begründen dies damit, dass der Wettbewerb unter Unternehmen den Markt "effizient" macht. Effizienz führe zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und sorge für Wohlstand. Kapitel 3.2 wird mit der ökonomischen Wirtschafts- und Unternehmensethik von Karl Homann ein Konzept vorstellen, welches dieses Verständnis von CSR teilt.

CSR als Stakeholderorientierung ist ein Konzept, dessen Grundgedanke bereits in der allgemeinen Definition von CSR ausgedrückt wurde: Demnach liege die Verantwortung von Unternehmen darin, die Interessen ihrer Stakeholder zu berücksichtigen und "Win-win-Potenziale" zu schaffen.

CSR als Management der Wertschöpfung ist das einzige unter diesen Konzepten, bei dem Unternehmen Verantwortung in ihr Handeln integrieren sollen. Negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft sollten im Handeln minimiert werden. Im Genaueren liege die Verantwortung von Unternehmen darin, "[...] grundlegende Standards im Bereich Arbeit, Umwelt und Soziales über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg und damit auch in der Zulieferkette sicherzustellen"7.

Alle CSR-Konzepte fordern, dass Unternehmen nicht nur zu ihrem eigenen Vorteil wirtschaften und nicht die Interessen ihrer Stakeholder außer Acht lassen dürfen. Sta- keholder eines Unternehmens sind alle Personengruppen, die vom Handeln des Unter- nehmens betroffen sind - zum Beispiel Mitarbeiter, Kunden oder auch die gesamte Gesellschaft.8 Im Wirtschaftsmagazin „Harvard Business Manager“ wird CSR daher beschrieben als "[d]as bewusste Streben, soziale und ökologische Ziele mit dem wirt- schaftlichen Handeln in Einklang zu bringen […]“9.

Gleichzeitig ist CSR für viele Unternehmen Teil ihrer Marketingstrategie - und Verantwortung damit eine Investition, die sich ökonomisch auszahlt: „Mögliche Vorteile von Verantwortungsübernahme sind etwa die Verbesserung von Kundenbeziehungen, die Stärkung von Miterarbeitercommitment, die Steigerung von Energie- und Ressourceneffizienz oder die Erschließung neuer Marktsegmente"10. Aufgrund der steigenden Relevanz von CSR wird Verantwortung zum Wettbewerbsfaktor. So würden Unternehmen, die Verantwortung zeigten, von Ratingagenturen besser bewertet und von ihren Anspruchsnehmern in Form höherer Gewinne belohnt.11

Einigen Wirtschafts- und Unternehmensethikern gibt diese Denkweise Anlass für Dis- kussion: Kann CSR eine Norm sein, wenn damit in erster Linie ökonomische Interes- sen umgesetzt werden? Dahinter steht - wie bereits angesprochen - die grundlegende Frage nach der moralischen Legitimität der freien Marktwirtschaft, die sich die Wirt- schaftsethik stellt. Van Aaken und Schreck (2015) weisen in ihrem einleitenden Arti- kel des Sammelwerks „Theorien der Wirtschafts- und Unternehmensethik“ darauf hin, dass Unternehmensverantwortung bislang überwiegend unter der Maxime des Ge- winnprinzips betrachtet werde. So sei die Studie "Corporate Social Responsibility in Management Research: Focus, Nature, Salience and Sources of Influence" von Lockett et al. aus dem Jahr 2006 zu dem Ergebnis gekommen, dass 95 Prozent aller Zeitschrif- tenaufsätze das Thema Unternehmensverantwortung bzw. CSR hauptsächlich empi- risch angegangen wären: "In dieser Forschung geht es beispielsweise häufig um die Frage, ob bestimmte moralisch relevante Sachverhalte wie karitative Spenden sich für das Unternehmen ö konomisch positiv (zum Beispiel auf dessen Gewinn oder Aktien- kurs) auswirken können [...]."12 Die Autoren kritisieren, dass normative Aspekte dabei in den Hintergrund rücken - viele unternehmensethische Theorien würden von der Beobachtung dessen, wie sich Unternehmen verhalten, darauf schließen, worin die Verantwortung der Unternehmen liegen solle. Doch der Schluss von "sein" auf "sol- len" sei nicht gerechtfertigt, so die Autoren. Es könne nicht heißen, dass Unternehmen nur dann verantwortlich handeln sollten, wenn ihr Handeln ihren Gewinn steigere.13

Friske et al. weisen in einer allgemeinen Darstellung der Unternehmensethik darauf hin, dass ethische Überlegungen im Handeln eines Unternehmens zwar für die Unter- nehmensethik wichtiger sei als die Erzielung von Gewinnen, doch gleichzeitig habe das Gewinnstreben seine Rechtfertigung: "Das gewinnorientierte Wirtschaften ist ein ethisch zu verteidigender Wert, da es in einer dezentralisierten Wettbewerbswirtschaft zur effizienten Bedarfsdeckung beiträgt."14 Aufgabe der Unternehmensethik sei es, Wege zu finden, das Gewinnprinzip "situationsgerecht" und "verantwortlich" anzu- wenden.15

Dieser Konflikt - die Aufgabe eines Unternehmens, Gewinn zu erwirtschaften, und der Anspruch, dass das Unternehmen mit seinen Handlungen gleichzeitig Verantwor- tung übernehmen soll - stellt das in 2.1 angesprochene Ausgangsproblem für die Wirt- schafts- und Unternehmensethik dar.16 Diese Arbeit stellt sich vor allem die Frage, ob Unternehmen einen nachhaltigen Beitrag zur Gesellschaft (beispielsweise für die Wahrung der Menschenrechte, den Schutz der Umwelt etc.) leisten können, solange sie dabei vordergründig ihre eigenen ökonomischen Interessen verfolgen. Was Nach- haltigkeit für die Wirtschafts- und Unternehmensethik bedeutet und wie Verantwor- tung und Nachhaltigkeit zusammenhängen, soll in den folgenden beiden Kapiteln er- läutert werden.

2.3. Nachhaltigkeit im unternehmerischen Handeln

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ leitet sich von „Nachhalten“ ab, was so viel bedeutet wie „andauern, wirken, anhalten“. Der Wort-Definition nach beinhaltet Nachhaltigkeit da- mit vor allem den Aspekt der Zeit - oder auch „[…] die Fortdauer oder Konstanz von Zuständen, Prozessen und Wirkungen“17. Ursprünglich soll der Begriff in der Forst- wirtschaft im 17. Jahrhunderts verwendet worden sein: So habe der Freiberger Oberberghauptmann Carl von Carlowitz angeordnet, den Wald nur so weit abzuholzen, dass er sich wieder von selbst regenerieren konnte. Im Kontext der Nachhaltigkeit solle ein regeneratives, natürliches System wie der Wald dauerhaft erhalten bleiben. "Damit", so Iris Pufé, "war der Grundstein zum Verständnis von Nachhaltigkeit als ressourcenökonomisches Prinzip gelegt."18

Im unternehmensethischen Kontext geht es nach Schneider und Schmidpeter darum, ökonomische, ökologische und soziale Ziele zu vereinbaren. Die Umsetzung dieser Mehrfachzielsetzung, mit Blick auf die Zukunft gerichtet, mache nachhaltige Unter- nehmensführung aus.19 Der Anspruch an Unternehmen, ökonomische, ökologische und soziale Ziele zu vereinbaren, wurde als erstes 1994 von dem Unternehmensberater John Elkington mit dem „Triple-Bottom-Line“-Ansatz formuliert. Dies lässt sich als eine Erweiterung des Begriffs "Bottom Line" sehen, der den Schlussstrich unter einer Gewinn-und-Verlust-Rechnung bezeichnet: Zusätzlich zum Profit soll unter der Triple-Bottom-Line auch der Beitrag eines Unternehmens zu Umwelt und Gesellschaft miteinbezogen werden. Damit zählt nicht nur der reine Profit in die Erfolgsbilanz eines Unternehmens mit hinein, sondern auch die gesellschaftliche und ökologische Verant- wortung, die es übernimmt.20

Eine der ersten Definitionen von Nachhaltigkeit findet sich im Brundtland-Bericht von 1987. „Nachhaltigkeit“ wird hier als „dauerhafte Entwicklung“ bezeichnet - eine „[…] Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, daß (sic!) künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können"21. In eine ähnliche Richtung geht Pufé, für die eine nachhaltige Unternehmensethik bedeu- tet, Schädigungen schon beim wirtschaftlichen Handeln zu vermeiden - anstatt sie im Nachhinein kompensieren zu wollen. Das grundlegende Prinzip nachhaltigen Wirt- schaftens sei daher eine „präventive Langzeitorientierung“22. Demnach sollten Unter- nehmen bereits in ihrem Handeln die Belange von Umwelt und Gesellschaft berück- sichtigen. Nur über die Integration ökologischer und sozialer Ziele in die Unternehmenstätigkeit könne Nachhaltigkeit realisiert werden: „Der nachhaltigen Entwicklung ist nicht geholfen, wenn die Mittel für Investitionen auf eine Weise gewonnen wurden, die dem Gedanken der Nachhaltigkeit widersprechen.“23

2.4. Das Zusammenspiel von Nachhaltigkeit und Verantwortung

Diese Arbeit basiert auf der These, dass die Aspekte „Verantwortung“ und „Nachhal- tigkeit“ in wirtschafts- und unternehmensethischen Konzepten vereinbar sein müssen. Die konkrete Arbeitsthese lautet: Ein Unternehmen kann nur Verantwortung tragen, indem es nachhaltig handelt - und umgekehrt muss ein Unternehmen, um nachhaltig zu handeln, Verantwortung tragen. Die Wirtschafts- und Unternehmensethik muss da- mit gleichermaßen Anforderungen an ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Wirtschaften stellen. Dieses Kapitel wird die Arbeitsthese argumentativ begründen.

Ausgangspunkt ist die in Kapitel 2.2 vorgestellte Definition von CSR, dass ein verant- wortliches Unternehmen die Interessen seiner Stakeholder im Handeln berücksichti- gen muss. Nach Schneider und Schmidpeter hätten Stakeholder von Unternehmen die Erwartung, dass Letztere eine nachhaltige Entwicklung unterstützen. Das bedeute nach der Definition aus dem Brundtland-Bericht von 1987, auf die sich die Autoren in die- sem Kontext beziehen, dass das Handeln von Unternehmen der gegenwärtigen Gesell- schaft nutzen soll, ohne zukünftigen Gesellschaften zu schaden. Indem sie die Verant- wortung von Unternehmen darin sehen, die Interessen ihrer Stakeholder zu berück- sichtigen, fordern Schneider und Schmidpeter von Unternehmen damit gleichzeitig, eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.24 Auch mit Blick auf den Triple-Bot- tom-Line-Ansatz wird eine Verbindung zwischen unternehmerischer Verantwortung und Nachhaltigkeit deutlich. Wie in Kapitel 2.3 beschrieben, formuliert dieser Ansatz die Anforderung an Unternehmen, mit ihrem wirtschaftlichen Handeln gleichzeitig ei- nen Beitrag zu Umwelt und Gesellschaft zu leisten. Dies findet sich auch in der Grund- idee von CSR-Konzepten wieder, wie sie beispielsweise die Europäische Kommission formuliert: „Indem sie ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, können Unter- nehmen aller Größen in Zusammenarbeit mit ihren Stakeholdern dazu beitragen, dass wirtschaftliche, soziale und ökologische Zielsetzungen miteinander in Einklang gebracht werden.“25

Die inhaltlichen Überschneidungen in den Definitionen von CSR und Nachhaltigkeit werden im Verlauf der Arbeit noch klarer, doch bereits an dieser Stelle soll die These aufgestellt werden: Keine Verantwortung ohne Nachhaltigkeit, keine Nachhaltigkeit ohne Verantwortung. Da die Wirtschafts- und Unternehmensethik die Übernahme von Verantwortung fordert, setzt sie damit gleichzeitig voraus, dass Unternehmen nach- haltig handeln. Nachhaltigkeit als eine notwendige Bedingung für Konzepte der Wirt- schafts- und Unternehmensethik soll nun Ausgangspunkt sein für die folgenden Über- legungen in dieser Arbeit.

3. Konzepte und Probleme der ökonomischen Unternehmens-ethik

3.1. Grundannahmen der Ökonomik

Die Wirtschafts- und Unternehmensethik stellt, so ist aus Kapitel 2 hervorgegangen, normative Ansprüche an das marktwirtschaftliche System und das ökonomische Handeln von Unternehmen. Dieses Kapitel soll daher eine kurze Einführung in die Grundannahmen der Ökonomik geben, die für die darauffolgenden Diskussionen von Interesse sind.

Die moderne Ökonomik hat sich im 19. Jahrhundert als eigenständige Wissenschaft herausgebildet. Sie basiert auf dem Modell des sogenannten „homo oeconomicus“ - und damit auf der Annahme, dass der Mensch uneingeschränkt rational handeln kann und dabei nach der Maximierung des eigenen Nutzens (beim Konsumenten) bzw. des Gewinns (beim Produzenten) strebt.26 Ökonomen und Ethiker, die das Modell des homo oeconomicus verwenden, seien sich dem ökonomischen Wirtschafts- und Unternehmensethiker Andreas Suchanek zufolge bewusst, dass es nicht den Menschen in allen seinen Eigenarten beschreibt. Es diene lediglich dazu, analysieren zu können, wie Menschen auf bestimmte Anreize reagieren und wann sie Investitionen vornehmen. Dafür müsse angenommen werden, dass der Mensch auf Basis eines Systems - und nicht rein zufällig - reagiert.27 Der homo oeconomicus geht außerdem davon aus, dass soziale Prozesse am einzelnen Individuum erklärt werden können. Damit stehe das Modell im Zusammenhang mit dem methodologischen Individualismus des klassischen Liberalismus.28

Der klassische Liberalismus wurde von Adam Smith begründet. Kern dessen ist die Theorie der "unsichtbaren Hand“, nach der der Markt darüber koordiniert werde, dass das Eigeninteresse des Menschen zum Wohlstand der Gesellschaft beiträgt.29 Die Marktwirtschaft ist ein Wirtschaftssystem, welches auf dem Mechanismus von Angebot und Nachfrage beruht, über den Anbieter und Nachfrager auf Märkten Güter austauschen. Die wirtschaftlichen Handlungen werden dabei eigenständig, also ohne eine Vorgabe vom Staat, getroffen. Allein der Wettbewerb unter den eigeninteressierten Marktteilnehmern koordiniert den Handel.30 Dem Wettbewerb liegt die Annahme zugrunde, dass Unternehmen mit dem Ziel handeln, ihren Gewinn zu maximieren. Das sogenannte „Gewinnprinzip“ ist, wie bereits angesprochen wurde, für die Wirtschafts- und Unternehmensethik ein Grundproblem. Die meisten Konzepte basieren allerdings auf dem Gewinnprinzip. Welchen Einfluss das auf das Verständnis von Verantwortung und der Relevanz von Nachhaltigkeit in der Wirtschafts- und Unternehmensethik haben kann, wird in den Kapiteln 3.2 bis 3.4 erörtert.

3.2. Die ökonomische Ethik

Die folgenden zwei Kapitel werden wirtschafts- und unternehmensethische Konzepte vorstellen, die die Grundannahmen der Ökonomik, insbesondere das Gewinnprinzip, nicht hinterfragen. Kapitel 3.4 stellt anschließend die Probleme heraus, die diese Konzepte hinsichtlich des Nachhaltigkeitsanspruchs haben.

Karl Homann ist einer der bekanntesten Vertreter der ökonomischen Wirtschafts- und Unternehmensethik. Das marktwirtschaftliche System wird nicht hinterfragt, Homann sieht hier vielmehr den Ort der Moral: "Die Marktwirtschaft als ganze hat eine ethische Begründung, [...] eine moralische, sittliche Qualität."31 Dies begründet er damit, dass der Mensch durch Wettbewerb und Gewinnstreben dazu gezwungen ist, Innovationen hervorzubringen, Kapital zu bilden und das Wirtschaftswachstum zu fördern. Ohne sich diesem System anzupassen, setze der Mensch sich der Gefahr wirtschaftlichen Ruins aus. Dieser Mechanismus habe in den "funktionierenden Marktwirtschaften des Westens"32 zur Steigerung des Wohlstands geführt. Homann geht paradigmatisch da- von aus, dass dieser Wohlstand individuelle Freiheit ermöglicht und moralisch er- wünscht ist.33 Diese These ist bei Betrachtung der Tatsache, dass der zunehmende Wohlstand der westlichen Welt gleichzeitig auch zu größeren globalen Ungleichheiten führt, natürlich stark anzuzweifeln. An dieser Stelle wird sie aber wegen Platzmangel und einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt der Arbeit nicht weiter diskutiert. Der Punkt, der für diese Arbeit von größerer Relevanz ist, ist, dass das in 3.1 vorgestellte Gewinnprinzip nicht hinterfragt, sondern gar als Voraussetzung für Moral gesehen wird. Moral soll in die Marktwirtschaft integriert werden und kann sich damit nur in diesem ökonomischen Rahmen bewegen. So geht es Homann in seiner Ethik um die Frage, „[…] welche moralischen Normen und Ideale unter den Bedingungen der mo- dernen Wirtschaft und Gesellschaft (von den Unternehmen) zur Geltung gebracht wer- den können“34.

Die Verantwortung für den Aufbau dieser moralischen Normen tragen nach Homann staatlichen Institutionen. Sie sollen innerhalb einer Rahmenordnung Spielregeln auf- stellen, die die Marktteilnehmer zu moralischem Verhalten anleiten. Sollten die Folgen des Wettbewerbs nicht moralisch akzeptabel sein, so müsse die Rahmenordnung re- formiert werden - nicht aber die Marktwirtschaft selbst.35 Die grundlegende Annahme der Wirtschaftsethik nach Homann ist damit eine Trennung von Ökonomik und Moral. Die moralische Legitimation unternehmerischen Handelns liegt allein im Einhalten der Rahmenordnung. Auch ein rein wirtschaftliches Handeln von Unternehmen kann da- mit moralisch sein - solange es der Rahmenordnung nicht widerspricht. Langfristige Gewinnmaximierung sei nach Homann sogar eine moralische Pflicht, weil Unterneh- men damit den Interessen ihrer Stakeholder am besten dienen können.36

3.3. Die karitative Unternehmensethik als Beispiel mangelnder Nachhaltig-keit

Die karitative Unternehmensethik ist ein Konzept, das nach Peter Ulrich auf einem "ökonomistische[n] Unternehmensverständnis“37 beruht: Unternehmen dürften sich demnach in ihrem Handeln komplett auf die Maximierung des Gewinns konzentrieren - ohne dabei ethische Grundsätze in ihrem unternehmerischen Handeln zu beachten. Die höchste Norm sei die Maximierung des Gewinns. Diese Norm begründe die kari- tative Unternehmensethik damit, dass die Gewinne schließlich für den guten Zweck verwendet werden - und je mehr Gewinn ein Unternehmen erziele, desto mehr könne es spenden. Es handle sich also um eine nachträgliche ethische Rechtfertigung - "[…] einer karitativen (Almosen-)Ethik "post festum", d.h. nach erfolgreich bewältigter Wettbewerbsschlacht […]"38.

Dabei sei die Art und Weise, wie das Unternehmen zu Gewinn komme, irrelevant - die karitative Ethik verlasse sich auf die unsichtbare Hand Smiths39, die den Markt leiten soll. Markt und Moral werden hier nicht zusammengedacht, sondern voneinan- der getrennt. Dass die karitative Unternehmensethik eine strikte Trennung vornimmt zwischen Markt und Moral, lässt sich auch daran erkennen, dass die Verwendung der Gewinne in Form von Spenden nicht in die Managementstrategie integriert werden muss. So müsse die Art der Spende nicht unbedingt durch ihre strategische Nützlich- keit begründet sein.40 Damit werde die Unternehmensethik auf eine „Spendenethik“41 reduziert.

Mit Blick auf die Definitionen aus Kapitel 2 stellt sich nun die Frage: Setzt die karita- tive Unternehmensethik Verantwortung und Nachhaltigkeit um? Verantwortung be- deutet nach der karitativen Unternehmensethik, dass Unternehmen außerhalb ihres ei- genen Handlungsbereiches in moralische Handlungen investieren. Das entspricht dem Wohltätigkeitskonzept von CSR, wie es bereits in Kapitel 2.2 erwähnt wurde. Unter- nehmen müssen sich demnach nicht für ihr eigenes Handeln verantworten, sodass sie Verantwortung abgeben können an externe Organisationen. Verantwortung bekommt damit den Charakter eines moralischen Ausgleichs: Die eigenen, möglicherweise un- moralischen Handlungen, können durch Investitionen in moralische Handlungen an- derer kompensiert werden. Für Unternehmen bieten Spenden eine einfach zu realisie- rende Form der Verantwortung, mit der sich gleichzeitig gut werben lässt. So wird CSR eher im Rahmen einer Marketing-Strategie umgesetzt als dass sie fester Bestand- teil der Unternehmensphilosophie ist.

3.4. Gewinnprinzip schließt Nachhaltigkeit aus

Die hier vorgestellte ökonomische Ethik und die karitative Unternehmensethik haben gemeinsam, dass sie die Effizienz der Marktwirtschaft als moralisch betrachten. Der Markt ist nach Homann schon moralisch, weil dessen Effizienz für Wohlstand in der Gesellschaft sorge - und für die karitative Unternehmensethik bedeutet das effiziente Wirtschaften eines Unternehmens eine hohe Gewinnerzielung, die wohltätigen Orga- nisationen zu Gute kommen soll. Beide Konzepte interessieren sich nicht für die Um- stände, unter denen Gewinn erzielt wird; zwar sieht Homann staatliche Institutionen in der Pflicht, das Handeln wirtschaftlicher Akteure mittels einer Rahmenordnung zu koordinieren. Doch diese muss sich in das wirtschaftliche System einfügen, was be- deutet: Moralisch kann nur sein, was die Interessen der Marktteilnehmer nicht ein- schränkt bzw. was mit den Bedingungen der Ökonomik nicht in Konflikt steht. Unter der Voraussetzung, dass Ökonomik und Moral getrennt werden, ist aber eine nachhal- tige Übernahme von Verantwortung, wie sie in 2.3 beschrieben wurde, kaum möglich.

Dies soll deutlich gemacht werden an dem fiktiven Beispiel eines Unternehmens A, dessen unternehmensethisches Konzept karitativ ist: So spendet A an eine wohltätige Organisation B, die Kinder in Entwicklungsländern den Zugang zu Bildung ermög- licht, gleichzeitig lässt A aber Kinderarbeit in der eigenen Produktion zu. Auf ihren Produkten wirbt A mit dessen Wohltätigkeit und erhöht damit den Gewinn. Das Bild eines Verantwortung tragenden Unternehmens wird nach außen kommuniziert, wäh- rend es aber gleichzeitig durch die eigene Produktion die Akzeptanz von Kinderarbeit in Entwicklungsländern fördert. Zwar kann B durch die Spenden von A ihre Arbeit ausweiten und potentiell mehr Kindern Bildung ermöglichen. Doch die Arbeit von B ist abhängig von Spenden, auf die es sich nicht verlassen kann: Als nach einiger Zeit für A die gewinnsteigernde Wirkung der Wohltätigkeit nachlässt, kann es weniger an B spenden. Nach erfolglosen Versuchen, ihre Wohltätigkeit noch besser zu vermark- ten, wird es für A zunehmend wirtschaftlich uninteressant, Spenden an B zu geben - es bricht die Unterstützung ab.

Dass A keine Unternehmensethik in dem in Kapitel 2 definierten Sinne umsetzt, ist offensichtlich: Kurzfristige Spenden können nicht den Schaden ausgleichen, den eine langfristige Fortsetzung menschenrechtsverletzender Produktion auf die Gesellschaft hat. Dies unterstreicht Pufé mit einer Definition von Nachhaltigkeit, die häufiger im Wirtschaftskontext verwendet werde: „Nachhaltigkeit bedeutet, nicht Gewinne zu er- wirtschaften, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern Gewinne be- reits umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaften.“42 Für eine nachhaltige Ent- wicklung müsse ein Unternehmen sich langfristig dafür einsetzen, dass dessen Hand- lungen Schäden vermindern - anstatt sie im Nachhinein kompensieren zu wollen.43

Auch Suchanek lehnt Wohltätigkeit als Form von Verantwortung ab: Es gebe schließlich auch "unverantwortliche Wohltätigkeit"44. Die Wohltätigkeit des Unternehmens aus dem obigen Beispiel kann als unverantwortlich beschrieben werden, da es sich um eine scheinheilige, nur dem Gewinn dienende Wohltätigkeit handelt. Pufé weist darauf hin, dass von einem solchen „greenwashing“45 Unternehmen langfristig Schaden nehmen können, wenn sie damit auffliegen. Nachhaltig sei dies nicht - weder für das Unternehmen, noch für dessen Stakeholder.

Während die karitative Unternehmensethik ökonomische ganz klar von moralischen Ansprüchen trennt, versucht die ökonomische Ethik von Homann noch, mit einer Rah- menordnung moralische Ansprüche an die Marktwirtschaft zu stellen. Doch auch diese Rahmenordnung soll nichts daran ändern können, dass Unternehmen im Wettbewerb zueinander stehen und in erster Linie nach Gewinnen streben. Die ökonomischen Zwänge setzen Bedingungen für moralische Ansprüche. Das bedeutet, dass selbst, wenn z.B. in der Rahmenordnung festgelegt sein sollte, dass Unternehmen in ihrer Produktion keine Kinderarbeit zulassen dürfen, dieser moralische Anspruch wegfallen kann. Das wäre, so wie ich Homann verstehe, gerechtfertigt, wenn ein Unternehmen sich ohne Kinderarbeit nicht im Wettbewerb behaupten und keine Gewinne erzielen kann. Doch das kann nicht im Sinne der Nachhaltigkeit sein, wie in 2.3 definiert. Schließlich haben nicht nur Kunden, sondern auch Mitarbeiter des Unternehmens - und hier insbesondere die Kinder, die ausgebeutet werden - Interessen, denen das Un- ternehmen im Rahmen nachhaltigen Wirtschaftens nachkommen sollte. Grundsätzlich sind Maßnahmen für die Umsetzung von Nachhaltigkeit also dadurch gefährdet, dass sie nicht mit einem vorrangig gewinnorientierten Wirtschaften vereinbar sind.

4. Integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik: Eine Lösung?

4.1. Die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik von Peter Ulrich

Die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik von Peter Ulrich steht den bisher vorgestellten Konzepten entgegen und baut auf anderen Grundannahmen auf. So hin- terfragt das Konzept die Notwendigkeit für Unternehmen, sich an das marktwirtschaft- liche System anzupassen und das Gewinnstreben als oberste Norm anzusehen. Die ethische Aufgabe von Unternehmen könne, so Ulrich, nicht alleine in der Gewinnma- ximierung liegen, sondern diese müssten Gewinne so erwirtschaften, dass die Folgen für die Gesellschaft moralisch vertretbar seien.46 Damit widerspricht er Karl Homanns ökonomischem Konzept und der in 3.3 vorgestelltem karitativen Unternehmensethik. Die integrative Unternehmensethik hinterfragt die ethischen Voraussetzungen einer Unternehmensethik, die Gewinnmaximierung für eine Norm hält, und fragt stattdessen „[…] nach den grundlegenden Legitimitätsvoraussetzungen und Wertorientierungen lebensdienlicher unternehmerischer Wertschöpfung"47.

Um die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik zu verstehen, müssen grund- legende Begriffe geklärt werden. Für Ulrich sollte sich eine moralische Wirtschafts- weise anhand der Lebensdienlichkeit orientieren. Damit stünden die Menschen mit ih- ren Bedürfnissen im Mittelpunkt des Wirtschaftens. In der modernen Marktwirtschaft begegne der Mensch allerdings einer "Sachzwanglogik"48, die dieser Lebensdienlich- keit entgegenstehe. Ulrich kritisiert damit vor allem die zunehmende Lücke zwischen Arm und Reich, eine ungleiche Verteilung von lebensnotwendigen Gütern, und ein umweltbelastendes Wirtschaftswachstum. Reichtum, Überversorgung und Konsum stehen Armut, Hunger und Umweltschäden gegenüber. Beim integrativen Wirtschaf- ten werde Effizienz daher nicht in der Menge oder dem monetären Wert der produ- zierten Güter gemessen. Die Produktion richte sich stattdessen nach dem Bedarf der Gesellschaft bzw. an den Voraussetzungen für Lebensdienlichkeit. Eine Überproduk- tion und Kapitalanhäufung, die zu Lasten anderer geht, ist nicht im Sinne integrativen Wirtschaftens. Nach dem Motto "genug ist genug" werde nur für die Bedarfsdeckung und damit für "die Voraussetzungen des guten Lebens" gewirtschaftet.49

Daraus leitet Ulrich seine Vorstellung von Legitimit ä t ab, mit der er die ethische Ver- antwortung von Akteuren anspricht: Eine legitime Handlung dürfe keine moralischen Rechte der von der Handlung Betroffenen verletzen.50 Im Gegensatz zu anderen, auf der Ökonomik basierenden Konzepten, gehe die integrative Wirtschafts- und Unter- nehmensethik nicht von dem Markt-, sondern von dem Moralprinzip aus. Diese beiden Prinzipien formulieren nach Ulrich vollkommen unterschiedliche Bedingungen für eine rationale Handlung: Das Marktprinzip basiere auf der Vorstellung vom Menschen als eigeninteressierter homo oeconomicus51 - und die Legitimation liegt in der Effizi- enz bzw. Wirtschaftlichkeit einer Handlung. Diese Form der Legitimation erkennt Ul- rich (2015, S. 222) nicht an:

„ Ein ethisch gehaltvoller Legitimationsbegriff meint [ … ] etwas ganz anderes als die je private Vorteilsmaximierung bei gegebener Ausgangslage: Grundlegende Legitimit ä ts bedingung allen Handelns ist in einer modernen Gesellschaft die unbedingte wechselseitige Anerkennung der Individuen als in ihrer menschlichen W ü rde und in ihren gleichen Pers ö nlichkeits- und B ü rgerrechten unantastbare Personen. “

Mit dem hiermit beschriebenen Moralprinzip legt Ulrich die ethische Grundlage seiner Ethik. Das Moralprinzip orientiere sich nicht an einer bestimmten Moraltradition und solle universell gültig sein. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass alle Menschen in der Lage sind, sich in den "allgemeinen Anderen" hineinzuversetzen - einer unbe- stimmten und unbekannten Person, die die Gleichheit im Sinne des "Mensch-Seins" und die gleichzeitige Individualität aller Menschen verkörpere.52 Diese Person habe moralische Ansprüche oder Rechte, die universell gültig seien - "[...] Ansprüche, die jede Person, die sich als Mitglied der universellen moralischen Gemeinschaft versteht, vernünftigerweise [...] gegenüber jedermann vertreten kann"53. Beispielsweise ist das grundlegende Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit ein Anspruch, auf das sich das Moralprinzip beziehen kann.

Das Moralprinzip sei logisch begründbar - mit Bezug auf diese universellen Ansprü- che könne sich jeder Mensch herleiten, was ethisches Handeln bedeute. Die so ver- standene Ethik begründe sich in der Reflexion der moralischen Implikationen, die sich aus der Anerkennung anderer Menschen im Sinne des Moralprinzips ergeben.54

Da die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik mit dem Moralprinzip keine konkreten Vorgaben macht, welches Verhalten moralisch ist und welches nicht, muss sich jeder Akteur seiner Vernunft bedienen. Die integrative Wirtschaftsethik verstehe sich daher auch als eine Vernunftethik des Wirtschaftens. Die Vernunftethik basiere auf der Annahme Immanuel Kants, der Mensch als vernünftiges Wesen sei autonom im Denken. Das bedeutet, dass der Mensch unabhängig auf Basis selbstgewählter Grundsätze moralische Urteile fällen kann. Dies befähige ihn dazu, bestehende Ver- hältnisse auf ihre ethisch-vernünftige Begründbarkeit hin kritisch zu hinterfragen. Die integrative Wirtschaftsethik benötigt eben diese Kritikfähigkeit, um ökonomische Grundlagen reflektieren zu können.55 Sie basiere daher nicht auf bestimmten Vorga- ben, sondern ziele "[…] auf die Renovation des normativen Fundaments, auf dem das ökonomische Denkgebäude steht [...]"56. Damit muss, so erklärt Suchanek das Kon- zept von Ulrich, das Gewinnprinzip grundsätzlich ethisch in Frage gestellt werden. Moralische Ansprüche, die sich aus der Reflexion ergeben, hätten immer Vorrang vor dem Gewinnprinzip.57

Ulrich sieht die wichtigste Aufgabe für Unternehmen darin, dass sie ihr Handeln unter die Bedingung der Legitimität stellen. Das Gewinnstreben solle der Legitimität unter- geordnet werden. Dieser Grundsatz müsse in der Geschäftsstrategie fest verankert sein - und das Gewinnstreben auf eine normative Basis stellen, die dieses legitim mache.58 Damit strebt Ulrich (2015a, S. 226) an, den Legitimitäts- und den Effizienzaspekt miteinander zu vereinbaren:

"Die ethische Integration der ö konomischen Rationalit ä t [...] bedeutet nichts anderes, als dass die Frage nach dem instrumentell rationalen Umgang mit der Knappheit von Res sourcen und G ü tern (Effizienz) in die Frage nach dem ethisch rationalen Umgang mit den sozialen Konflikten zwischen allen Involvierten (Legitimit ä t) eingebunden wird. “ Hierüber wird deutlich, dass Ulrich die Trennung von Ethik und Ökonomik aufheben möchte. Ökonomik solle in die Ethik integriert werden, indem ökonomische Prinzipien reflektiert werden.59

Dafür bedarf es allerdings einer Gesellschaftsordnung, in der Bürger die Marktwirtschaft aktiv mitgestalten. Ohne politisch aktive Bürger könne das Konzept nicht umgesetzt werden.60 Ulrich spricht dabei von sogenannten „Wirtschaftsbürgern“61 - Bürger, die in ihrem Handeln das Interesse der Gesellschaft und das eigene Gewinnstreben miteinander vereinbaren. Das langfristige Ziel der integrativen Wirtschaftsethik ist nach Ulrich, die Rechte der Bürger zu stärken. Sie sollten sich im Markt behaupten können - und nicht mehr abhängig vom Sozialstaat und den Maßnahmen zur Kompensation sozioökonomischer Ungleichheit sein müssen: "Das Ziel ist es dann, das Wachstum des Sozialstaats ursächlich zu minimieren: weniger kompensatorische Sozialpolitik, mehr emanzipatorische Gesellschaftspolitik!"62

4.2. Die Relevanz von Nachhaltigkeit in der integrativen Wirtschafts- und Unternehmensethik

Kapitel 3 dieser Arbeit konnte an wirtschafts- und unternehmensethischen Konzepten, insbesondere anhand der karitativen Unternehmensethik, die Problematik der unhin- terfragten Annahme marktwirtschaftlicher Mechanismen wie dem Gewinnprinzip auf- zeigen. Die integrative Ethik dagegen verlangt, wie in 4.1 erläutert, die ständige Re- flexion des Gewinnprinzips. In diesem Kapitel sollen die Ansprüche der integrativen Wirtschafts- und Unternehmensethik an ein nachhaltiges Handeln herausgestellt wer- den.

Ein bedeutender Unterschied zu anderen Konzepten ist, dass Ulrich mit seinem Mo- ralprinzip den Individuen viel moralisches Urteilsvermögen zutraut. Das macht eine institutionelle Rahmenordnung wie bei Homann63 überflüssig. Ulrich sieht die Politik beim Thema Unternehmensethik nicht in der Verantwortung. Unternehmen seien au- tonome Akteure, die selbst die Legitimation ihrer Handlungen einschätzen können. So erklärt Homann, Ulrich empfehle „[…] auch genuin ordnungspolitische Probleme „vor Ort“, d.h. in der Unternehmung zu lösen, anstatt sie als politische Probleme aufzufas- sen“64.

Dieser Ansatz ist meiner Ansicht nach ein großer Vorteil an der integrativen Wirt- schafts- und Unternehmensethik. Denn immer mehr Unternehmen agieren heutzutage global65 - und sind abhängig von anderen Unternehmen, die in einem ganz anderen politischen System agieren. Geht man nun wie Homann davon aus, dass Unternehmen von politischen Institutionen Spielregeln benötigen, anhand derer sich ihre Moral ori- entiert, so müssten auch diese Institutionen global agieren. Auf Basis der Argumenta- tion, Unternehmen würden nur dann moralisch handeln, wenn sie dafür Anreize haben - darunter fällt auch, dass sie moralisches Handeln bzw. die Übernahme von Verant- wortung von anderen Unternehmen erwarten können - dann müssen sich alle Unter- nehmen an die Spielregeln halten. Was aber, wenn die globale Institution, die diese Regeln vorgibt, nicht jeden einzelnen Akteur erreichen kann? Die ökonomische Wirt- schaftsethik von Homann macht Moral abhängig von diesem System aus Gesetzen, Anreizen und Verordnungen. Ulrich bietet dagegen ein Konzept, das den einzelnen Akteuren viel Verantwortung zuschreibt. Bedingung dafür ist, dass sie über die Bedin- gungen der modernen Marktwirtschaft reflektieren und z.B. das Gewinnprinzip nicht unhinterfragt übernehmen. Die Legitimation unternehmerischen Handelns liegt für Ul- rich nicht in der Einhaltung eines von außerhalb der Akteure vorgegebenen Regel- werks wie bei Homann, sondern in dem Handeln nach einer durch die eigene Vernunft zugänglich gemachten Moral. Das ermöglicht es meiner Ansicht nach erst, langfristig und auf globaler Ebene moralisches Wirtschaften umzusetzen. In dieser Hinsicht lässt sich sagen, dass mit Umsetzung einer integrativen Ethik auch der in dieser Arbeit dis- kutierte Nachhaltigkeitsaspekt berücksichtigt wird.

Diese These lässt sich auch mit der Aussage von Pufé stützen, nachhaltige Unterneh- men müssten die Interessen ihrer Stakeholder in ihr Handeln mit einbeziehen. Sie ver- steht dies als Weg zu mehr Demokratie - über die Erarbeitung einer langfristigen Stra- tegie der Nachhaltigkeit zusammen mit allen Wirtschaftsteilnehmern.66 Die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik wird diesem Anspruch gerecht. Indem sie von einem Wirtschaftsbürger ausgeht, zielt sie darauf, auch die Interessen der Gesellschaft umzusetzen - und nicht allein die der Politik und Unternehmen. Der Vereinbarung von ökologischen, sozialen und ökonomischen Zielsetzungen, die Nachhaltigkeit aus- macht67, kommt die integrative Ethik damit näher als die anderen in dieser Arbeit vor- gestellten Konzepte. Hier zeigt sich eine Parallele zu Schneider und Schmidpeter, die die Verantwortung von Unternehmen darin sehen, Nachhaltigkeit umzusetzen, indem mit allen am Unternehmen Beteiligten ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess an- gestoßen werde.68

Die karitative Unternehmensethik dagegen spricht Veränderungen innerhalb des Un- ternehmens oder der Produktion gar nicht an - für sie liegt jegliche Verantwortung außerhalb des Geschäfts, nämlich nach erfolgter Gewinnerzielung. Moral scheint für sie einen Geldwert zu haben, denn je mehr Gewinne das Unternehmen erzielt, desto mehr kann es an wohltätige Organisationen abgeben, was im Kern der einzigen mora- lischen Pflicht des Unternehmens entspricht. Dabei tragen doch Gesellschaft und Um- welt die entscheidenden Folgen der Art der Gewinnerzielung: Werden z.B. in der Landwirtschaft großflächig Pestizide eingesetzt, aufgrund derer Anwohner der bewirt- schafteten Flächen an Krebs erkranken, Kinder mit Behinderungen auf die Welt kom- men und Bienen sterben, dann sind dies langfristige und schwerwiegende Schäden, die Umwelt und Gesellschaft tragen müssen.

Diese Schäden lassen sich nicht einfach mit Geldspenden kompensieren. Es muss an der Vorgehensweise selbst etwas geändert werden, denn Pestizide einzusetzen, die den Betroffenen schaden, ist nicht im Sinne der Lebensdienlichkeit, in dessen Umsetzung für Ulrich die Verantwortung von Unternehmen liegt69: Wirtschaftliches Handeln solle sich an dem Bedarf der Gesellschaft orientieren - die Wirtschaft habe die Verantwor- tung, Voraussetzungen für ein gutes Leben zu schaffen. Und wer ist wohl besser in der Lage, dieses gute Leben zu definieren, als die Individuen dieser Gesellschaft? Nach- haltiges Wirtschaften kann nur in Zusammenarbeit mit allen an der Wirtschaft direkt oder indirekt Beteiligten funktionieren. Dafür muss es möglich sein, das Wirtschaftssystem in Frage stellen zu können und dessen Rahmenbedingungen nicht als Grundlage von Normen zu sehen. Die Unterordnung des Gewinnprinzips und dessen ständige Reflexion, die Ulrich fordert, zwingen Unternehmen dazu, mit ihren Handlungen zunächst die Belange der Gesellschaft zu berücksichtigen, bevor sie sich mit deren Wirtschaftlichkeit auseinandersetzen.

5. Zusammenfassung und Fazit

Die Arbeit hat sich mit einem der Kernprobleme der Wirtschafts- und Unternehmen- sethik befasst - wie moralische Grundsätze im wettbewerbsorientierten System der Marktwirtschaft umgesetzt werden können. Besonderer Fokus lag dabei auf der nach- haltigen Übernahme von Verantwortung. In Kapitel 2 wurden grundlegende Anforde- rungen an wirtschafts- und unternehmensethische Konzepte benannt. Unter Unterneh- mensverantwortung (CSR) wird verstanden, dass Unternehmen neben wirtschaftlichen auch ökologische und soziale Ziele in ihrem Handeln vereinbaren. Die Interessen der Stakeholder sollen respektiert werden. Problem dabei ist, dass Unternehmensverant- wortung oft zu Zwecken des Marketings - also zur Gewinnmaximierung - umgesetzt wird, was die Ethik zweifelhaft werden lässt. Nachhaltigkeit, verstanden als langfris- tige Umsetzung von Mehrfachzielsetzungen, wurde daher in Kapitel 2.4 mit CSR ver- bunden und die These aufgestellt, dass Konzepte der Wirtschafts- und Unternehmen- sethik Unternehmensverantwortung nachhaltig denken müssen.

Auf Basis dieser These wurden drei Konzepte der Wirtschafts- und Unternehmen- sethik untersucht. Kapitel 3 widmete sich der ökonomischen Wirtschafts- und Unter- nehmensethik von Homann und der karitativen Unternehmensethik. Beide Konzepte setzen das Gewinnstreben von Unternehmen nicht nur als Ist-, sondern auch als Soll- Zustand voraus: Aufgabe von Unternehmen ist es demnach in erster Linie, Gewinne zu erzielen. Die karitative Unternehmensethik begründet dies damit, dass Gewinne wohltätigen Zwecken zu Gute kommen würden - und je mehr Gewinn erzielt wird, desto mehr kann gespendet werden. Homann sieht den Wettbewerb unter Unterneh- men als Bedingung für Effizienz, die zu Wohlstand führe. Die Marktwirtschaft sei deshalb von moralischer Qualität - Unternehmen müssten sich nur an eine vom Staat erstellte Rahmenordnung halten. In Kapitel 3.4 wurde herausgearbeitet, dass weder die ökonomische Wirtschafts- und Unternehmensethik noch die karitative Unternehmen- sethik ein nachhaltiges Konzept von Verantwortung umsetzen, sondern das als Wohl- tätigkeit bzw. Gewinnmaximierung verstandene. Die Fokussierung auf die Verwen- dung der Gewinne als Spenden blendet die Art der Gewinnerzielung vollkommen aus. Von einer langfristigen Übernahme von Verantwortung kann nicht die Rede sein, denn Nachhaltigkeit bedeutet, Gewinne schon umwelt- und sozialverträglich zu erwirtschaf- ten. Die These von Homann, die Effizienz des Wettbewerbs sei moralisch und Unter- nehmen müssten sich nur an die Rahmenordnung politischer Institutionen halten, birgt das Problem, dass von der Politik bestimmt wird, was moralisch geboten ist. Unter- nehmen werden nicht als zu moralischem Urteilen fähige Akteure angesehen, sondern ihr moralisches Verhalten abhängig gemacht von einer Rahmenordnung, die die Poli- tik für sie erstellen solle. Einer globalen Lösung, die von allen Marktteilnehmern aus- geht, steht dies im Wege.

Kapitel 4 konnte mit der integrativen Wirtschafts- und Unternehmensethik von Ulrich Wege aufzeigen, wie Unternehmensverantwortung nachhaltig gestaltet werden kann. Ulrich sieht das Gewinnprinzip kritisch und fordert eine ständige Reflexion dessen. Moral solle sich nicht in die Marktwirtschaft integrieren müssen, sondern umgekehrt sollten die Bedingungen der Marktwirtschaft unter moralischen Gesichtspunkten kri- tisch betrachtet werden. Dazu sieht er nicht die Politik in der Pflicht, sondern alle Wirt- schaftsteilnehmer - und spricht jedem die Fähigkeit zum moralischen Urteilen zu. Un- ternehmen handeln Ulrich zufolge nur dann moralisch, wenn sie es im Sinne der Le- bensdienlichkeit tun, nämlich, wenn grundlegende Bedürfnisse und Rechte des Men- schen dabei respektiert werden. Eine Wirtschaftsweise, wie sie die karitative Unter- nehmensethik befürwortet, ist demnach nicht unbedingt moralisch, da die Art und Weise der Gewinnerzielung auch entgegen der Lebensdienlichkeit umgesetzt werden kann. Die integrative Unternehmensethik spricht sich für die Integration moralischer Grundsätze in das Management aus. Zusammen mit dem Anspruch, dass alle Wirt- schaftsteilnehmer diese moralischen Grundsätze gestalten sollen, setzt sie die Bedin- gung der Nachhaltigkeit um, wirtschaftliche, soziale und ökologische Zielsetzungen im unternehmerischen Handeln zu vereinbaren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist folglich, dass die integrative Wirtschafts- und Unternehmensethik die Bedingungen eines ver- antwortungsvollen und nachhaltigen Wirtschaftens berücksichtigt.

Insgesamt hätte die Arbeit einen stärkeren Fokus auf das Problem des Gewinnprinzips legen können. Dieses Problem sollte sich, wie bereits im Titel anklingt, auf die karita- tive Unternehmensethik beziehen. Mit dem kompensativen Ansatz sollte anschaulich gemacht werden, dass eine langfristige Verbesserung von Ungleichheiten nicht durch kurzfristige Geldmittel erreicht werden kann. Ziel war es zu zeigen, dass nachhaltige Lösungen mit einer Veränderung des marktwirtschaftlichen Systems einhergehen müssen. Leider fand sich aber zur karitativen Unternehmensethik nicht ausreichend Literatur, um das Grundproblem - die Moralisierung des Gewinnprinzips - zu de- monstrieren. Daher wurde das Konzept von Homann herangezogen. Dies öffnete allerdings ein neues Problem, das in der Diskussion nicht ignoriert werden konnte: Die Abhängigkeit der Moral von politischen Institutionen. Das bot der Arbeit einerseits die Möglichkeit, Ulrich und Homann gegenüberzustellen, andererseits führte es die Diskussion weg vom Ausgangsproblem des Gewinnprinzips.

Außerdem fiel die Argumentation in Kapitel 2.4 dafür, dass Verantwortung und Nachhaltigkeit einander bedingen, recht dünn aus. Erst im Verlauf der Arbeit mit der Diskussion des Gewinnprinzips konnte deutlich gemacht werden, warum Verantwortung nicht auf kurzfristigen Investitionen basiert, sondern in der langfristigen Veränderung der marktwirtschaftlichen Bedingungen gesehen werden muss.

Praktische Beispiele bieten sich bei diesem aktuellen Thema an und waren zu Beginn des Arbeitsprozesses auch angedacht. Dies hätte allerdings dazu geführt, dass der ma- ximal erlaubte Umfang einer solchen Arbeit gesprengt worden wäre. Mit Praxisbei- spielen hätte sich zum einen die Relevanz der Problematik stärker darstellen und zum anderen eine praktische Umsetzung der integrativen Wirtschafts- und Unternehmen- sethik diskutieren lassen. Denn Letztere setzt mündige Bürger voraus, die die Wirt- schaft aktiv mitgestalten wollen. Außerdem geht Ulrich davon aus, dass Menschen in der Lage sind, ihre eigenen Interessen zu Gunsten des Gemeinwohls in den Hinter- grund zu stellen.70 Bleibt aber das Interesse der Konsumenten, billige Ware im Über- fluss zu bekommen, langfristig größer als das an einer Marktwirtschaft, die jeden Teil- nehmer in seinen Bedürfnissen berücksichtigt, so wird sich die Umsetzung der integ- rativen Wirtschafts- und Unternehmensethik schwierig gestalten.

Auch die ökonomische Wirtschafts- und Unternehmensethik von Homann bietet Diskussionspotenzial. Einerseits ist er ein Verfechter eines sich selbst regulierenden Marktsystems nach Adam Smith, andererseits hält er es für nötig, das Verhalten wirtschaftlicher Akteure mittels einer Rahmenordnung zu kontrollieren. Was ist dann für Homann die „sittliche Qualität“71 des Marktes, wenn er schließlich doch für staatliche Regulierungen plädiert? Im Rahmen weiterer wissenschaftlicher Arbeiten können diese und weitere Fragen geklärt werden.

6. Literaturverzeichnis

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1 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.) (2016b): Entwicklung des grenzüberschreitenden Warenhandels.

2 vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.) (2016a): Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf.

3 vgl. Springer Gabler Verlag (Hg.), 2017b.

4 vgl. van Aaken, Dominik; Schreck, Philipp (2015): Wirtschafts- und Unternehmensethik: Ein Überblick über die Forschungslandschaft. In: Dominik van Aaken und Philipp Schreck (Hg.): Theorien der Wirtschafts- und Unternehmensethik. Berlin: Suhrkamp, S. 7.

5 vgl. Springer Gabler Verlag 2017c; 2017d.

6 Springer Gabler Verlag 2017b.

7 ebd.

8 vgl. Springer Gabler Verlag 2017a.

9 Leitl, Michael (2005): Was ist …: Corporate Social Responsibility? In: Harvard Business Manager (02/2005).

10 Springer Gabler Verlag 2017b.

11 Vgl. Leitl 2005.

12 Van Aaken und Schreck 2015, S. 10.

13 Vgl. ebd.

14 Friske, Cindy; Bartsch, Elmar; Schmeisser, Wilhelm (2005): Einführung in die Unternehmensethik. Erste theoretische, normative und praktische Aspekte; Lehrbuch für Studium und Praxis. 1. Aufl. München, Mering: Hampp (Schriften zum internationalen Management, 12), S. 33.

15 Friske et al. 2005, S. 35.

16 Siehe 2.1.

17 Schneider, Andreas; Schmidpeter, René (Hg.) (2015): Corporate Social Responsibility. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg, S. 46.

18 Pufé, Iris (2014): Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Nachhaltigkeit. Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 64 (31-32), S. 16.

19 Vgl. Schneider und Schmidpeter 2015, S. 46.

20 Vgl. Kuhn, Lothar 2008: Was ist …: Triple Bottom Line? In: Harvard Business Manager (01/2008).

21 Hauff, Volker (Hg.) 1987: Unsere gemeinsame Zukunft. Greven: Eggenkamp, S. 46.

22 Pufé 2014, S. 20.

23 Pufé 2014, S. 16.

24 Vgl. Schneider und Schmidpeter 2015, S. 43.

25 Kommission der Europäischen Gemeinschaften (Hg.) (2006): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat und den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss - Umsetzung der Partnerschaft für Wachstum und Beschäftigung: Europa soll auf dem Gebiet der sozialen Verantwortung der Unternehmen führend werden, S. 3.

26 Vgl. Piekenbrock, Dirk; Hennig, Alexander (2013): Einführung in die Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomie. 2., aktualisierte und erw. Aufl. Berlin: Springer Gabler, S. 23.

27 Vgl. Suchanek, Andreas (2007): Ökonomische Ethik. 2. Aufl. Tübingen: Mohr Siebeck, S. 178-181.

28 Vgl. Piekenbrock und Hennig 2013, S. 23.

29 Vgl. Piekenbrock und Hennig 2013, S. 59.

30 Vgl. Piekenbrock und Hennig 2013, S. 38.

31 Homann, Karl; Blome-Drees, Franz (1992): Wirtschafts- und Unternehmensethik. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, S. 50.

32 Homann und Blome-Drees 1992, S. 26.

33 Vgl. Homann und Blome-Drees 1992, S. 49.

34 Homann und Blome-Drees 1992, S. 37.

35 Vgl. Homann und Blome-Drees 1992, S. 36.

36 Vgl. ebd.

37 Ulrich, Peter (1998): Integrative Wirtschaftsethik. Grundlagen einer lebensdienlichen Ökonomie. 2., durchges. Aufl. Bern: Haupt, S. 422.

38 Ebd.

39 Siehe 3.1.

40 Vgl. Ulrich, Peter (1995): Unternehmensethik und "Gewinnprinzip". Versuch einer Klärung eines unerledigten wirtschaftsethischen Grundproblems. St. Gallen: Inst. für Wirtschaftsethik, S. 27.

41 Ulrich, Peter (2015b): Unternehmensethik - integrativ gedacht. Was ethische Orientierung für die gute Unternehmensführung bedeutet. In: Dominik van Aaken und Philipp Schreck (Hg.): Theorien der Wirtschafts- und Unternehmensethik. Berlin: Suhrkamp, S. 245.

42 Pufé 2014, S. 16.

43 Vgl. Pufé 2014, S. 20.

44 Suchanek 2007, S. 134.

45 Pufé 2014, S. 21.

46 Vgl. Ulrich 2015b, S. 239.

47 Ulrich 1998, S. 395.

48 Ulrich 1998, S. 11.

49 Vgl. Ulrich 1998, S. 225-226.

50 Vgl. Ulrich 1998, S. 235.

51 Siehe 3.1.

52 Vgl. Ulrich 1998, S. 48.

53 Ebd.

54 Vgl. Ulrich 1998, S. 49.

55 Vgl. Ulrich 1998, S. 13-14.

56 Ulrich, Peter (2015a): Auf der Suche nach der ganzen ökonomischen Vernunft. Der Ansatz der integrativen Wirtschaftsethik. In: Dominik van Aaken und Philipp Schreck (Hg.): Theorien der Wirtschaftsund Unternehmensethik. Berlin: Suhrkamp, S.217.

57 Vgl. Suchanek 2007, S. 133.

58 Vgl. Ulrich 1998, S. 428.

59 Vgl. Ulrich 1998, S. 13.

60 Vgl. Ulrich 2015a, S. 232.

61 Ulrich 2015a, S. 232.

62 Ulrich 2015a, S. 231.

63 Siehe 3.2.

64 Homann und Blome-Drees 1992, S. 182.

65 Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.) (2010): Anzahl Transnationaler Unternehmen.

66 Vgl. Pufé 2014, S. 19.

67 Siehe 2.3.

68 Vgl. Schneider und Schmidpeter 2015, S. 45.

69 Siehe 4.1.

70 Vgl. Ulrich 1995, S. 35.

71 Siehe Kapitel 3.2.

30 von 30 Seiten

Details

Titel
Nachhaltigkeit in der Unternehmensethik
Untertitel
Inwiefern die integrative Unternehmensethik im Vergleich zur karitativen Unternehmensethik ein nachhaltiges Handeln fordert
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
30
Katalognummer
V385603
ISBN (Buch)
9783668612471
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unternehmensethik, Spenden, karitative Ethik, karitative Unternehmensethik, integrative Ethik, integrative Unternehmensethik, Peter Ulrich, Nachhaltigkeit, Verantwortung
Arbeit zitieren
Kim Mensing (Autor), 2017, Nachhaltigkeit in der Unternehmensethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385603

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