Vergleich der Schöpfungsberichte und Jenseitsvorstellungen im Christentum, Judentum und im Islam

Woher kommen wir? Wohin gehen wir?


Facharbeit (Schule), 2016
14 Seiten, Note: 11
Martin de Germareskauuensis (Autor)

Leseprobe

Facharbeit im Fach Katholische Religionslehre
Thema:
Was kommt nach dem Tod? Jenseitsvorstellungen in den monotheistischen Weltreligionen und Vergleich der
Schöpfungsberichte
Dabei entspricht der Aufbau des Schöpfungsberichtes genau der Schilderung vom Bau
der Stiftshütte in Ex 25 ­ 40. Schöpfung und Tempel, Sabbat und Kult sind also
aufeinander bezogen. Der zweite, üblicherweise dem Jahwisten zugeordnete Bericht in
Gen 2+3 ist eher bäuerlich geprägt und stellt den Menschen in den Mittelpunkt des
biblischen Schöpfungsgeschehen und nicht so sehr das ganze Universum. Ohne
Adamah (=Erdboden) kann der Adam (=Mensch) nicht leben; genauso wenig als Isch
(=Mann) ohne Ischah (=Frau). Gleichzeitig weiß die sogenannte Sündenfallerzählung
in Gen 3, dass trotz der Güte des Werkes Gottes das Böse in der Welt ist und sich die
Menschen davor zu hüten haben.
Fazit:
Die beiden Schöpfungsberichte lassen erkennen, dass es sich hierbei nicht um Fakten
sondern lediglich um Annäherungen an Erklärungen, die vom Wissen der jeweiligen
Zeit abhängen handelt. Einen weiteren Ansatzpunkt für das Verständnis der biblischen
Schöpfungserzählung liefert die Theologie Die alttestamentliche Literatur beschäftigt
sich vor allem in der Exilszeit mit dem Problem der Schöpfung. Durch den Untergang
des Tempels war der Bezug auf heilsgeschichtliche Ereignisse, beispielsweise den
Exodus oder die Davidsdynastie, in Frage gestellt worden. Der eigene Gott schien den
Göttern der Feinde unterlegen zu sein. Der Rückgriff auf JHWH als Schöpfer diente
dann der Vergewisserung, dass er auch in der Geschichte mächtig ist und die Welt
weiterhin beschützen kann.
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Wenden wir uns nun der Schöpfungserzählung im Christentum zu. Da, wie ja allgemein
hin bekannt ist, das Christentum den Bericht von der Erschaffung der Welt und der
Menschheit übernommen hat, möchte ich gerne nachfolgend einige theologische
Aussagen zur biblischen Schöpfungserzählung, die allesamt dem Katechismus der
Katholischen Kirche entnommen wurden, aufführen und im Lichte der Lehre der Kirche
die Antwort des Christentums auf das ,,Woher" näher erläutern.
So lesen wir im Katechismus, dass die Schöpfung die Grundlage aller göttlichen
Heilspläne ist und die allmächtige und weise Liebe Gottes sichtbar werden lässt. Sie ist
ein erster Schritt hin zum Bund Gottes mit Israel. In ihr nimmt die Heilsgeschichte ihren
Anfang, die in Christus ihren Höhepunkt erreicht. Darüber hinaus gibt die Schöpfung
erste Antwort auf die Grundfragen des Menschen nach dem ,,Woher" und ,,Wohin".
Daher ist es wichtig zu bekräftigen: ,,Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (vgl. Gen
1, 1).
2
1
http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-at/schoepfung/
2KKK 279-289
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Facharbeit im Fach Katholische Religionslehre
Thema:
Was kommt nach dem Tod? Jenseitsvorstellungen in den monotheistischen Weltreligionen und Vergleich der
Schöpfungsberichte
Des Weiteren wirft die Frage nach dem Ursprung des Menschen also die Frage nach
dem ,,Woher" und nach seinem Ziel eine weitere Frage auf: ,,Wozu ist die Welt
erschaffen worden? Dem Katechismus zufolge wurde die Welt erschaffen, um Gott die
Ehre zu geben, der so seine Güte, Wahrheit und Schönheit zeigen und mitteilen wollte.
Das eigentliche Ziel der Schöpfung gipfelt darin, dass Gott in Christus ,,alles in allem"
(1 Kor 15, 28) sein wird, ihm zur Ehre und uns zum Heile.
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Weiter heißt es im Katechismus, dass Gott die Welt aus freiem Willen mit Weisheit und
Liebe geschaffen hat. Also ist die Welt keine Notwendigkeit oder purer Zufall sondern
vielmehr von Gott ,,aus dem Nichts" (ex nihilo) (2 Makk 7, 28) ins Sein gerufen worden
und von ihm gut und geordnet erschaffen worden.
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Die biblische Erzählung von der Erschaffung der Welt und des Menschen in sechs
Tagen will uns den Wert von Gottes Schöpfung und ihre Hinordnung auf das Lob
Gottes und den Dienst am Menschen aufzeigen. Gott ruft alle seine Geschöpfe ins
Sein und weist ihnen einen Platz in der Welt zu.
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Gott, so heißt es in der Bibel, hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen. Der
Mensch ist fähig seinen Schöpfer in Freiheit zu erkennen und zu lieben. Kein anderes
Geschöpf hat Gott um seiner selbst willen gewollt und berufen in Liebe und Erkenntnis
Anteil zu erhalten an seinem göttlichen Leben. Aus dieser Gottesebenbildlichkeit des
Menschen folgt, dass der Mensch mit einer Würde ausgestattet ist und nicht
irgendetwas sondern eine konkrete Person ist, die in Gemeinschaft mit Gott und
anderen Menschen treten kann.
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Gott hat alles für den Menschen erschaffen. Der Mensch soll Gott erkennen, ihm
dienen und ihn lieben. Das eigentliche Ziel des Menschen aber ist es einst mit Gott im
Himmel zu leben. Der wahre Grund für die Erschaffung des Menschen lässt sich
allerdings nur dann richtig erfassen, wenn man es im Lichte des Geheimnisses der
Fleischwerdung des Wortes Gottes betrachtet, da er dazu vorherbestimmt ist, das Bild
Jesu Christi treu wiederzugeben, der das vollkommene ,,Ebenbild des unsichtbaren
Gottes" (vgl. Kol 1, 15) ist. Vor dem Sündenfall erhielt der Mensch eine besondere
Teilhabe am Leben Gottes in Heiligkeit und Gerechtigkeit. Es hätte weder Leid noch
3KKK 293-294
4KKK 317-318
5KKK 337-341
6355-357
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Facharbeit im Fach Katholische Religionslehre
Thema:
Was kommt nach dem Tod? Jenseitsvorstellungen in den monotheistischen Weltreligionen und Vergleich der
Schöpfungsberichte
Tod gegeben und es herrschte vollkommene Harmonie im Menschen, zwischen ihm
und Gott, zwischen Mann und Frau und der ganzen von Gott geschaffenen Welt.
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Durch die Erbsünde, in der alle Menschen seitdem geboren werden, verlor der Mensch
diesen Zustand vollkommener Heiligkeit und Gerechtigkeit. Da alle Menschen einen
gemeinsamen Ursprung haben überträgt sich diese Sünde auf die Nachkommen
Adams durch Fortpflanzung und ist somit keine persönliche Tat sondern ein seit der
Geburt andauernder Zustand.
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Infolge der Erbsünde ist der Mensch der Unwissenheit, dem Leiden und dem Tod
unterworfen und neigt zur Sünde. Diese Neigung wird auch als Konkupiszenz
bezeichnet.
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Bevor wir die Geschichte von der Erschaffung der Welt aus der Sicht des Islam
betrachten, muss unbedingt darauf hingewiesen werden, dass es, im Gegensatz zur
alttestamentlichen Schilderung der Schöpfungsgeschichte, keine chronologische und
zusammenhängende Darstellung des islamischen Schöpfungsmythos gibt. So ordnet
der Islam, der Entstehung der Welt und des Weltalls einen Zeitrahmen von sechs
Tagen zu, nachdem sich Allah auf den Thron setzt. Diese Aussage findet sich
beispielsweise in Sure 7,54 wieder (weitere Koranstellen mit gleichem Inhalt: siehe
Fußnote). In Sure 50,38 wird betont, dass Allah, die Welt und den Himmel in sechs
Tagen gemacht hat ohne sich ausruhen zu müssen. Dies soll vermutlich denn
islamischen Schöpfungsbericht gegen den biblischen Schöpfungsbericht abgrenzen.
Dort heißt es ja im zweiten Kapitel des Buches Genesis in Vers zwei, dass Gott,
nachdem er am siebten Tag sein Werk vollendet hatte, sich ausruhte. Weiter heißt es
im Koran in Sure: 41,9 ­ 10, dass die Erde in zwei Tagen erschaffen wurde, die
Versorgungsgüter der Menschen aber in vier Tagen. In Sure 41,11 ­ 12 erfahren wir
von der Erschaffung des Himmels, der noch aus Rauch bestand und seiner Einteilung
in sieben Himmel. Über die Erschaffung der Menschheit lesen wir in Sure 23,12, dass
der Mensch aus Lehmderivaten erschaffen wurde. Im darauffolgenden Vers wird der
Mensch als Samentropfen bezeichnet, der in einem festen Aufenthaltsort geschaffen
wurde. Vers 14 schildert wie Allah aus diesem Samentropfen erst ein Anhängsel, dann
einen Klumpen und Knochen, die er mit Fleisch bekleidete schuf.
7KKK 374-379
8KKK 404, 419
9KKK 405-409
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Facharbeit im Fach Katholische Religionslehre
Thema:
Was kommt nach dem Tod? Jenseitsvorstellungen in den monotheistischen Weltreligionen und Vergleich der
Schöpfungsberichte
Nachdem ich mich nun mit Frage des ,,Woher" aus der Sicht der drei monotheistischen
Weltreligionen beschäftigt habe, möchte ich nun näher auf die einzelnen
Jenseitsvorstellungen von Juden, Christen und Muslimen eingehen.
Im Judentum wir der Tod vor allem als eine Art von Beziehungslosigkeit und somit als
Trennung von Gott betrachtet. So wird nicht nur der Tod des Körpers an sich, sondern
bereits alle schlimmen Ereignisse im Leben in Beziehung wie beispielsweise Krankheit
oder auch Gefangenschaft als eine Erscheinung des Todes gesehen. Der Tod selbst
ist eine natürliche Folge des Lebens im Weltgefüge. Manche Juden sehen den Tod
auch als eine Folge von Sünde, wie ja der biblischen Erzählung vom Sündenfall zu
entnehmen ist. Ijob 19, 25 ­ 27 ist ein wunderbarer Beleg für den Jenseitsglauben im
Alten Testament:
,,Doch ich, ich weiß: mein Erlöser lebt, als Letzter erhebt er sich über
dem Staub. Ohne meine Haut, die so zerfetzte, und ohne mein Fleisch werde ich Gott
schauen. Ihn selber werde ich dann für mich schauen; meine Augen werden ihn
sehen, nicht mehr fremd. / Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust."
Wie wir
Christen, so glaubt auch das Judentum an die Auferstehung der Toten. Beim Tod eines
Menschen nimmt, dem jüdischen Glauben zufolge, der Todesengel die Seele aus dem
Körper und geht damit fort. Allerdings sucht man in den grundlegenden Schriften des
Judentums wie der Thora oder dem Talmud vergeblich nach einer einheitlichen
Konzeption der Existenz nach dem Tod bzw. der Vorstellung von Himmel und Hölle.
Der Himmel wird primär als Wohnstatt Gottes betrachtet. Im späteren Judentum
entstand auch die Vorstellung, dass die Gerechten im Himmel leben werden, dieser Ort
aber nicht zwingend mit dem Wohnort Gottes übereinstimmen muss. Darüber hinaus
gibt es im Judentum noch die Vorstellung von Scheol. Scheol bezeichnet laut Bibel den
Ort aller Toten (Gen 37,35 oder auch Jes 38,10) bzw. die Unterwelt.
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Über diesen Ort gibt es zwei Lehrmeinungen; die eine aus einer früheren Zeit des Alten
Testaments, die andere aus dem zweiten Jahrhundert. Betrachten wir zunächst die
frühere Lehrmeinung über den Scheol. In Psalm 88,6 heißt es:
,,Ich bin zu den Toten
hinweggerafft wie Erschlagene, die im Grabe ruhen; an sie denkst du nicht mehr, denn
sie sind deiner Hand entzogen."
Der Psalmist fleht Gott an, sein Leben zu verschonen,
denn nach seiner Vorstellung, sind die Toten kraftlose Wesen, um die sich Gott nicht
mehr kümmert. Weiter untermauert der Psalmist diese Vorstellung, wenn er in Vers 13
den Scheol als Land des Vergessens bezeichnet.
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Ab dem zweiten Jahrhundert wurde vermehrt die Vorstellung verbreitet, dass der
Scheol auch ein Ort der Strafe ist. Manche Verfasser ersetzen das Wort Scheol auch
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http://www.religion-online.info/judentum/themen/tod-info.html
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h p://catholic-church.org/ao/ps/reiser2.html
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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Schöpfungsberichte und Jenseitsvorstellungen im Christentum, Judentum und im Islam
Untertitel
Woher kommen wir? Wohin gehen wir?
Note
11
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V385660
ISBN (eBook)
9783668621220
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Katholische Religion, Jenseitsvorstellungen, Schöfpungsberichte, Schöfpungsvorstellungen, Schöpfung, Jenseits, Leben nach dem Tod, Christentum, Judentum, Islam, Katholische Theologie, Glaube, Religion, Himmel, Hölle, Fegfeuer, Paradies
Arbeit zitieren
Martin de Germareskauuensis (Autor), 2016, Vergleich der Schöpfungsberichte und Jenseitsvorstellungen im Christentum, Judentum und im Islam, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385660

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