Die Herrschaft des Augustus. Der Weg zur Macht (43-27 v.Chr.)


Seminararbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,0

Maximilian Hohenstedt (Autor)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Octavius bis 44 v. Chr.

3. Die ‚graue Eminenz’: DieFamiliaresCaesars

4. Die Jugendfreunde Octavius’: Maecenas, Agrippa & Rufus

5. Die Verbündeten des M. Antonius im Vergleich

6. Fazit

7. Literaturangaben

1. Einleitung

Zum Aufstieg des Rittersprößlings Octavius zum Princeps Augustus ist viel geschrieben worden und die Erklärungen für diesen kometenhaften Aufstieg sind ebenso mannigfaltig wie vielschichtig. Persönliches Ge- schick, Glück, vor allem aber die mit dem Testament Caesars einherge- henden Gewinne an Prestige und Reichtum spielen allesamt eine gewich- tige Rolle. Die Arbeit aber wird nur einen Teilaspekt der Gründe für das Emporkommen des Octavius behandeln und zwar die Rolle, die seine Gefährten dabei spielten. Das Wort Gefährten gilt hierbei sowohl für dieFamiliaresCaesars, welche Octavius gleichsam testamentarisch über- nahm, wie die eigenen Jugendfreunde, die ihm während all der Jahre zur Seite standen. Von Gefährten außerdem ist hierbei die Rede, um diese einerseits abzuheben von den Verbündeten des Marcus Antonius und an- dererseits anzulehnen an dieHetairenAlexanders des Großen, da sie die- sen an Treue und Loyalität, Mut und Siegeswille um nichts nachstanden.

Zu diesem Behufe werden erst dieFamiliaresCaesars betrachtet werden: L. Cornelius Balbus (künftig: Balbus) und C. Oppius (Oppius), sowie deren Rolle und Beitrag zu Octavius’ Aufstieg. Danach werden die Jugendfreunde Octavius’ und ihre Funktion in den Machtkämpfen von der Ermordung Caesars bis zum Sieg bei Actium untersucht werden, wobei auf C. Maecenas (Maecenas), M. Vipsanius Agrippa (Agrippa) und Q. Salvidienus Rufus (Rufus) eingegangen werden wird. Anschließend folgt ein kurzer Vergleich mit einigen Verbündeten des Marcus Antonius, insbesondere seinem Bruder L. Antonius, L. Munatius Plancus (Plancus) und C. Asinius Pollio (Pollio). These dieser Arbeit wird es sein, zu belegen, daß es den Gefährten Octavius’ zukam, dessen Sieg in diesem caesarischen Erbfolgekrieg davonzutragen.

Zur Quellenbasis sind in Bezug auf dieFamiliaresCaesars vor allem die Schriften Ciceros, besonders dieepistulae ad familiaresundepistulae ad Atticusvon Bedeutung, zu den übrigen vor allem die Beschreibung der Bürgerkriege bei Appianos von Alexandrien und die römische Geschichte des Cassius Dio. Diese Quellen sind besonders glaubwürdig, da im Falle Ciceros die Korrespondenzad familiaresundAtticusnicht der Selbstdarstellung, dem politischen Kampf oder überhaupt einer Ver- öffentlichung dienten, somit – als persönliche Ansicht und Darstellung – keiner wie auch immer gearteten ‚Propaganda’ unterliegen dürften, also einer bewußten Verschleierung der Wahrheit im Sinne des Verfassers oder seines Auftragsgebers.[1]Bei Appianos und Dio liegt der Fall schwie- riger, da beide lange nach den Ereignissen, über 100, bzw. 200 Jahre spä- ter, ihr Werk verfaßten und somit auf frühere Autoren angewiesen waren, die nicht klar bekannt sind. Anzunehmen ist der Bezug auf die Autobio- graphie des Augustus selbst (‚de vita sua’), die Schriften des Timagenes oder Pollio, die allerdings nicht mehr vorliegen, so daß ein Abgleich un- möglich ist. Es liegt nahe, daß in manchen Fällen so ein verzerrtes Bild einzelner Personen gezeichnet wurde, da Geschichte bekanntlich von Sie- gern geschrieben wird, und jene von diesen abschrieben. Ebenso kommt es mitunter zu sicherlich fiktiven Erzählungen, wie anhand der Debatte um den Fortgang der Regierung des Augustus in Buch 52 bei Dio leicht ersichtlich wird. Dennoch sind diese beiden Quellen mithin die wichtigs- ten im Umgang mit der Geschichte des Bürgerkrieges und werden von der Forschung auch so betrachtet. Zudem ist es möglich, durch sorgfälti- gen Vergleich mit anderen Autoren eine gewisse Plausibilität zu gewähr- leisten. Zur Absicherung, bzw. für einzelne Punkte ergänzend, seien noch als weitere Quellen die Annalen des Tacitus’ genannt, SuetonsDe vita Caesarum, bis Okt. 44 (alle Jahreszahlen stets v. Chr.) Nikolaos von Damaskus’ Leben des Kaisers Augustus und einige andere mehr.

In der Forschung wurde erstmals von Syme und später Alföldi den Gefährten Octavius’ größere Aufmerksamkeit geschenkt, was zwar auch spätere Autoren wie Bleicken und Pasquali bestätigten, indes die Bedeu- tung dieser Männer hinter Octavius für dessen Aufstieg zur Macht weni- ger stark hervorhoben, so daß hier in der Forschung zwar kein Dissenz, aber dennoch ein Gewichtungsproblem vorherrscht. In der Arbeit soll die Bedeutung der Gefährten für Octavius’ Aufstieg zum Princeps Augustus im Sinne der älteren Autoren betont werden. Es soll auch gezeigt werden, in welchen Phasen des Bürgerkrieges wer von welcher Bedeutung gewesen ist und was sie von den Helfern M. Antonius’ unterschied.

2. Octavius bis 44 v. Chr.

Als Caius Octavius Thurinus, ein Cognomen, das wohl zurückgeht auf das Niederschlagen eines Sklavenaufstandes durch seinen leiblichen Vater, wurde der spätere Augustus geboren.[2]Sein Vater war einhomo novus: Ein Ritter, der es zum Praetor und Statthalter Makedoniens gebracht hatte, wohlhabend, aber nicht bedeutend und verstorben war, als Octavius gerade einmal 4 Jahre alt gewesen ist.[3]Danach wurde er erzo- gen von seiner Mutter und dem späteren Stiefvater L. Marcius Philippus (Philippus), einem ehemaligen Konsul aus vornehmem Hause, durch welchen er nun erstmals zur Schicht der Nobilität gehörte.[4]Zwar wurde er 48 nach dem Tod des L. Domitius Ahenobarbus in Pharsalos Pontifex und wurde 47 zumpraefectus urbi ferianum Latinarum causaernannt, einem Ehrenamt kurzer Dauer für Söhne vornehmer Häuser, doch ansonsten war sein politisches Leben aufgrund seines noch jungen Alters ereignislos.[5]Auch militärische Erfahrung besaß er keine, begleitete er aufgrund seiner Jugend und schwächlichen Natur doch weder Caesar auf seinem afrikanischen Krieg gegen König Juba und die Pompeianer, noch auf dem spanischen Feldzug, wo er nach einem Schiffbruch erst nach der Schlacht von Munda dazustieß und im Gefolge Caesars blieb.[6]Als Octavius nach den Iden des März des Jahres 44 also in Apollonia vom Tod seines Großonkels erfuhr, gerade mal 18 Jahre alt, hatte er noch keine Magistratur innegehabt, kein militärisches Kommando und keinen Namen, der ihn zu irgend etwas anderem machte, als eben zu einem Angehörigen der Nobilität wie so viele andere auch.[7]

Dort sollte er alsmagister equitumCaesar auf dem geplanten Feldzug gegen die Parther folgen.[8]Seine Studienfreunde Agrippa und Rufus waren mit ihm gereist und Maecenas stieß später in Kampanien hinzu, wo auch Balbus zum ersten Mal auf den jungen Octavius treffen sollte.[9]

3. Die ‚graue Eminenz’: Die Familiares Caesars

Lucius Cornelius Balbus entstammte einer angesehenen und reichen Familie aus Gades.[10]Sein Reichtum ist auch aus seiner testamentarischen Verfügung ersichtlich, denn er hinterließ nach seinem Tod jedem römischen Bürger 25 Denare, was 1/3 des Legats Caesars ausmachte.[11]Schon früh trat er in Kontakt zu C. Iulius Caesar (Caesar), vermutlich 68, als dieser seine Quästur in Hispania Ulterior bekleidete und längere Zeit in Gades verbrachte.[12]Balbus wurde seinPraefectus Fabrumund genoß seitdem sein uneingeschränktes Vertrauen.[13]Er war in Rom vor allem Fi- nanzbeauftragter Caesars.[14]Aber er bemühte sich auch um das Zustande- kommen des Dreimännerbündnisses von Caesar, Pompeius und Crassus und knüpfte hierbei bereits den Kontakt zu Cicero, der dieses Bündnis ebenso wünschte.[15]Dabei entwickelte sich ein gutes (Arbeits)verhältnis zu Cicero, wie dessen Briefe an Caesar in Gallien zeigen.[16]Wie aus der Privatkorrespondenz Ciceros hervorgeht, versucht Balbus bereits damals, Cicero auf die Seite Caesars zu ziehen.[17]Zudem zeigt sich sein Einfluß (sowie der des anderenFamiliaresCaesars, Oppius) darin, daß er und Oppius Caesars Stellvertreter in Rom waren in dessen Abwesenheit (und ohne ein offizielles Amt zu bekleiden oder denCursus Honorumdurch- laufen zu haben).[18]Tacitus empörte sich in seinen Annalen, es seien ein- fache römische Ritter ohne Amt und Stellung, in Rom aber wie Regen- ten.[19]Cicero beklagte die schier königliche Macht des Balbus.[20]Dabei bauten Balbus und Oppius auch ihren für politische Zwecke so nützlich- en, ja unerläßlichen Nachrichtendienst (im Sinne der geheimen Nachrich- tenübermittlung, keines Geheimdienstes im modernen Sinne) auf.[21]Nach der Schlacht von Pharsalos stand zudem Cicero in Balbus’ und Oppius’ Schuld, da die ihm bei der Begnadigung halfen.[22]Im Jahre 45 rühmte sich Cicero eines ausgezeichneten Verhältnisses zu ihnen.[23]Hinter Balbus steht Oppius in den Quellen etwas zurück, Syme nennt ihn hinter Balbus, obgleich er einer vermögenden Familie römischer ‚Bankiers’ ent- stammte, gar farblos.[24]Doch aufgrund dessen Stellung, die der des Bal- bus nicht nachgestellt war und des Vertrauens, das er somit bei Caesar besaß, kann man auch bei Oppius von einer eminent wichtigen Person in der römischen Politik, vor allem hinter den Kulissen sprechen.[25]Diese beiden geheimen Eminenzen Caesars waren nun qua Testament Octavius zugefallen, doch auch persönlich schienen sie über den Tod Caesars hin- weg an sein Haus und seinen Willen gebunden zu sein, zumal Balbus nicht gut mit Antonius stand.[26]Afföldi schreibt diesen die Umkehr Octa- vius’ von passiver Abwartehaltung hin zu aktivem Propagandafeldzug zu.[27]Allerdings traf Balbus (es ist anzunehmen, daß Oppius zur Sondie- rung der Lage in Rom verblieb) erst am Morgen des 19. April bei Octa- vius in Neapel ein.[28]Erst in Lupiae aber hatte Octavius von seiner testa- mentarischen Adoption erfahren.[29]

[...]


[1]Siehe hierzu auch J. Pasquali, Marcus Antonius – Todfeind Ciceros und Rivale des Octavianus, Bochum, Freiburg 2009, 9 und 10.

[2]Suet. Aug. 7,1; vgl. K. Fitzler, O. Seeck, s.v. Iulius (Augustus), RE X1, 1917, 275.

[3]Suet. Aug. 2, 2. 3.; Cic. Phil. 3, 6, 15.

[4]Nic. Dam. vit. Caes. 3.; vgl. hierzu J. Bleicken, Augustus. Eine Biographie, Berlin 1998², 48.

[5]Vell. II 59, 3; Cic. Phil. V 17, 16. 19, 53; Nic. Dam. vit. Caes. 5.

[6]Suet. Aug. 8,1; vgl. K. Fitzler, O. Seeck, s.v. Iulius (Augustus), RE X1, 1917, 278.

[7]Bleicken, Augustus, 67-68.

[8]Dio 43, 51, 7. 45, 3, 1; Appian. Bell. civ. 3, 9; vgl. Bleicken, Augustus, 43-44.

[9]K. Fitzler, O. Seeck, s.v. Iulius (Augustus), RE X1, 1917, 278-279; vgl. Bleicken, Augustus, 44. 46.

[10]Cic. Balb. 6, vgl. F. Münzer, s.v. Cornelius (69) Balbus, RE IV 1, 1900, 1260.

[11]Dio 43 32,2.

[12]Suet. Caes. 7.

[13]Cic. Balb. 63f.. Suet. Caes. 81. Vgl. A. Afföldi, Oktavians Aufstieg zur Macht, 45.

[14]Cic. ad Att. 52,1.

[15]Cic. ad Att. II 3, 3, vgl. F. Münzer, s.v. Cornelius (69) Balbus, RE IV 1, 1900, 1262. Zum Charakter des Dreimännerbundes als ‘Nicht-Triumvirat’ s. H. Strasburger, s.v. Triumviri, RE VII A I, 1939, 519.

[16]Cic. ad fam. VII 5,2. 6,1. 7,1. 8,2. 9,1. 16,3. 18,3.

[17]Cic. ad Att. VIII 9,4. 15a. 15,3.

[18]Cic. ad Att. IX 76, 2. 7c.

[19]Tac. Ann. XII 60.

[20]Cic. ad Att. 12,1. ad fam. IX 19,1.

[21]Gell. XVII 9,1. Vgl. W. Riepl, Das Nachrichtenwesen des Altertums, 251.

[22]Cic. ad Att. X 16,3. 7,5. 8,1f..

[23]Cic. ad fam. VII 24,1. ad Att. XII 13,2. XIII 49,2.

[24]R. Syme, Die Römische Revolution, 78.

[25]F. Münzer, s.v. Oppius, RE XVIII 1, 1939, 729.

[26]Cic. ad Att. XII 19,2. XIV 20,4. 21,2. Suet. Caes. 52,2. Vgl. F. Münzer, s.v. Cornelius (69) Balbus, RE IV 1, 1900, 1266.

[27]A. Alföldi, Oktavians Aufstieg zur Macht, 30.

[28]Cic. ad Att. XIV 10,3. 6,1. vgl. 5,3.

[29]Nic. Dam. vit. Caes. 17. Appian. bell. civ. III 10,11.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Herrschaft des Augustus. Der Weg zur Macht (43-27 v.Chr.)
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Das politische System der frühen römischen Kaiserzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V385675
ISBN (eBook)
9783668605602
ISBN (Buch)
9783668605619
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rom, Römisches Reich, Augustus, Kaiser, Octavian, Octavius, Aufstieg, Bürgerkrieg, Macht, Caesar, Senat, Ritter
Arbeit zitieren
Maximilian Hohenstedt (Autor), 2014, Die Herrschaft des Augustus. Der Weg zur Macht (43-27 v.Chr.), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385675

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