Funktionsweise, Chancen und Risiken von Social Media in politschen Wahlkämpfen


Essay, 2017
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chancen: Partizipation durch Social Media

3. Grund zur Sorge: Filter bubbles, Social bots und Fake News

4. Fazit

1. Einleitung

ͣIch habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“ - So lautet der Titel eines Artikels auf dem der Webseite des Schweizer Nachrichtenmediums Das Magazin, der im Dezember 2016 im deutschsprachigen Raum vielfach über Social Media geteilt und diskutiert wurde.

In dem Artikel beschreiben die Autoren, wie eine Firma namens Cambridge Analytica mithil- fe von Micro-Targeting Donald Trump zum Sieg bei der US-Wahl verholfen haben soll. Unter Anwendung einer Methode aus der Psychologie, die anhand von ͣGefällt mir“-Angaben auf Facebook Psychogramme erstellt, soll die Firma Millionen US-Amerikaner analysiert haben.

Mit den genauen Kenntnissen über die einzelnen Nutzergruppen auf Facebook versuchte das Trump-Team dann etwa, potenzielle Clinton-Wähler von ihrer Wahlabsicht abzuhalten. So kaufte das Team Anzeigen bei Facebook, die beispielsweise nur den Bewohnern von Miamis Stadtteil Little Haiti gezeigt wurden und über das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben auf Haiti informierten (Grasegger & Krogerus, 2016). Einen besonders spannenden Dreh bekommt die Geschichte, als erwähnt wird, dass die Daten-Analysten auch schon für die erfolgreiche ͣLeave“-Kampagne der Brexit-Befürworter im Vereinigten Königreich tätig waren.

Obwohl die Autoren nach vielfacher Kritik an ihrer vereinfachten Darstellung selbst zugaben, dass nicht die beschriebene Weiterentwicklung des Micro-Targetings allein Trump zum Wahlsieg verholfen hat (Beuth 2016), so zeigten die vielen Reaktionen auf den Artikel doch, welchen Einfluss auch Wähler den Social Media mittlerweile zutrauen.

Das politische Jahr 2016 erweckt zudem den Eindruck, dass Social Media den populistischen Politikern derzeit mehr nützen als den Politikern etablierter Parteien. Zumindest aber, verhindern Social Media den Erfolg populistischer Politiker nicht. Die aus deutscher Perspektive wohl wichtigsten Entwicklungen sind die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, das Referendums-Votum der Briten für den Austritt aus der EU und die Wahlerfolge der AfD auf Landesebene. Alle genannten rechtspopulistisch agierenden Akteure sind dafür bekannt, auch in den Social Media eine deutlich größere - und vor allem aktivere - Anhängerschaft zu vereinen als die etablierten Parteien. Anschaulich machte dies etwa eine Analyse der Instagram-Posts während des Brexit-Referendums (Polonski, 2016).

Vor diesem Hintergrund soll dieser Essay die Frage beantworten, welche Rollen Social Media in politischen Wahlkämpfen spielen können und welche Chancen und Risiken sie für diese demokratischen Prozesse mit sich bringen. Den Funktions- und Wirkungsweisen des MicroBlogging-Dienstes Twitter und des sozialen Netzwerks Facebook sollen in diesem Aufsatz besondere Beachtung geschenkt werden, da beide sehr hohe Nutzerzahlen aufweisen und zu ihnen bereits vielfältige Untersuchungen über ihre Bedeutung in politischen Wahlkämpfen vorliegen (vgl. u.a. Gross & Johnson, 2016 und Schulz, 2015).

2. Chancen: Partizipation durch Social Media

Zweifelsohne nehmen Social Media innerhalb der politischen Wahlkampf-Kommunikation eine immer wichtigere Position ein. Sie eröffnen vielfältige neue Möglichkeiten zur Interaktion zwischen Bürgern, Politik und auch Journalisten - etwa durch ͣGefällt mir“-Angaben (Likes), dem Teilen von Postings (Shares oder Retweets) oder den Erwähnungen von Nutzern (Mentions) auf Facebook und Twitter.

Diese neuen Möglichkeiten der direkten Interaktion zwischen Politikern und Bürgern waren der Anlass für eine Vielzahl von Studien, die die Partizipationseffekte von Social Media im Hinblick auf die positive Entwicklung einer demokratischen Gesellschaft untersucht haben.

So gehen Thimm, Einspänner und Dang-Anh davon aus, dass Social Media die politische Par- tizipation fördern, weil die Einstiegsschwelle - ein Social-Media-Account - sehr niedrig ist und Social Media einen Verstärkereffekt erzeugen. Dieser entsteht durch positives Feedback wie ͣGefällt mir“- ngaben, die wiederum ͣden Wunsch nach mehr Online-Engagement und kollaborativer politischer Interaktion im Netz“ hervorrufen. us dem Wunsch nach Resonanz entstehe so auch der Wunsch nach mehr Partizipation. Von diesem können Thimm et al. zufolge sowohl Bürger als auch Politiker profitieren, indem sie ihre eigenen Themen auf die Agenda setzen und gemeinsam ͣpolitisch relevante Erfolge erzielen“ (2012, S. 296-297).

Darüber hinaus werden Social Media und ihre Nutzung durch junge Menschen gerade in der Politikwissenschaft als neue große Chance für Parteien begriffen, deren Mitgliederzahlen zurückgehen und deren klassischer Straßenwahlkampf überwiegend von älteren Parteimit- gliedern umgesetzt wird. Junge Menschen ohne Parteibuch, die sich in Social Media für Par- teiinhalte stark machen, sind für Römmele und Einwiller etwa ͣideale Botschafter für die Erweiterung der eigenen politischen Basis“ (2012, S. 112). Die Autorinnen sehen sogar die Möglichkeit, dass in Socia Media aktive Bürger künftig den Wahlkampf einer Partei steuern könnten und dieser künftig nicht mehr von der Parteispitze ausgehen muss (S. 105).

Aber auch Bürger ohne klare Parteipräferenz haben durch Social Media direktere Möglich- keiten an politischen Diskussionen teilzunehmen. Während traditionelle TV-Debatten im Fernsehen nur mit einem Moderator und einigen wenigen Diskutierenden stattfinden, findet auf Twitter mittlerweile eine Meta-Diskussion statt - ͣthe debate about the debate“ (Kals- nes, Krumsvik, & Storsul, 2014, S. 313). Dies zeigte zuletzt eine Studie über die Rolle von Twitter während der TV-Wahlkampf-Debatten in Norwegen 2011. Die Autoren der Studie kommen zu dem Ergebnis, dass die Meta-Diskussion für eine kritische Prüfung der Diskussi- onsthemen sorgt. Vor diesem Hintergrund könnten Social Media auch eine ͣcritical public sphere“ - also eine kritische Sphäre der Öffentlichkeit - herstellen (vgl. ebenda).

Dass es zu solchen Meta-Debatten außerhalb traditioneller Medien kommen kann, setzt vo- raus, dass es in Social Media keinen ‚Gatekeeper͚ im Sinne eines Themen selektierenden Journalisten gibt. Von diesem Effekt profitieren freilich auch Politiker. Denn diese können sich unabhängig von ihrer Bekanntheit, Popularität und ihren finanziellen Mitteln nun ganz direkt und zur gleichen Zeit an eine Vielzahl potenzieller Wähler wenden. Das zeigte eine Analyse der Twitter-Interaktionen der republikanischen Präsidentschaftskandidaten im US- Wahlkampf 2016 mit dem bezeichnenden Titel ͣTwitter Taunts and Tirades: Negative Cam- paigning in the ge of Trump“. Die utoren dieser Studie verstehen Twitter als ͣcross-over medium“, das Social Media und traditionelle Medien verbindet. So fördere die Begrenzung auf 140 Zeichen pro Tweet, dass einzelne Meinungen und Statements auf einem ‚überfüllten Marktplatz der Nachrichten͚ noch wahrgenommen werden. Dieser Wettkampf um ufmerk- samkeit und die starke Verknappung politischer Aussagen könne aber auch dazu führen, dass Tweets ein Höchstmaß an Empörung auslösen (Gross & Johnson, 2016, S. 749).

Ganz außer Frage scheint jedenfalls, dass Social Media ein wesentlicher Bestandteil moder- ner Wahlkämpfe sind und auch über deren Ausgang mitentscheiden können. Als womöglich erstes und besonders prominentes Beispiel für erfolgreiche Online-Kommunikation im Wahl- kampf wird oft Barack Obamas Kampagne bei der US-Wahl 2008 angeführt. Sowohl 2008 als auch 2012 nutzte Obama vielfältige partizipative Möglichkeiten von Social Media, um mit Bürgern in einen direkten Dialog zu treten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Funktionsweise, Chancen und Risiken von Social Media in politschen Wahlkämpfen
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
11
Katalognummer
V385680
ISBN (eBook)
9783668610705
ISBN (Buch)
9783668610712
Dateigröße
770 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktionsweise, chancen, risiken, social, media, wahlkämpfen
Arbeit zitieren
Leonard Kehnscherper (Autor), 2017, Funktionsweise, Chancen und Risiken von Social Media in politschen Wahlkämpfen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385680

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Funktionsweise, Chancen und Risiken von Social Media in politschen Wahlkämpfen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden