Mit dieser Arbeit möchte ich zunächst einmal einen Überblick über das indonesische Umsiedlungsprogramm transmigrasi geben. Es gibt zu diesem Thema jede Menge Literatur, doch ist es sehr schwierig aus den zahllosen Schriften einen roten Faden herauszuarbeiten. Auch sind die Daten und Meinungen der Autoren in vielen Fällen unterschiedlich und nicht selten sind sie über grundlegende Dinge uneinig. Ich habe hierfür den zeitlichen Aufbau gewählt, da dieser sehr schön die langsame Entwicklung des Umsiedlungsprogramms von den ersten Siedlern zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zum straff organisierten Mammutprojekt, die sich wandelnden Methoden und Vorstellungen zeigt. Des Weiteren werde ich auf die verschiedenen Formen und die sich mit der Zeit verändernden Ziele der Transmigration eingehen (Das Wort Transmigration ist zusammengesetzt aus trans, lat.: hinüber, von einem Ort zum anderen; und Migration, lat: Wanderung, Bewegung von Individuen oder Gruppen im geographische n od. sozialen Raum, die mit einem Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist). In dieser Arbeit soll auch stets der Erfolg des Programms diskutiert werden, außerdem inwieweit sich das theoretische Konzept in die Realität umsetzen ließ und welche Probleme sich dabei ergaben. Besonders im vierten Kapitel über die Schwierigkeiten der Umsiedler und Ein- heimischen soll erörtert werden inwiefern das transmigrasi-Programm ein Segen oder ein Fluch für die Bevölkerung darstellt. An dieser Stelle werde ich auch kurz auf die momentane Situation Indonesiens eingehen. Anzumerken ist noch, dass es kaum neue Literatur zum Thema gibt und ich deshalb für aktuellere Themenbereiche vor allem mit Zeitungen und dem Internet gearbeitet habe, was sich allerdings nur bedingt als nützlich erwiesen hat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Geschichte des Umsiedlungsprogramms
1.1. Von der holländischen Kolonialzeit bis zum ersten Weltkrieg
1.2. Das transmigrasi-Programm: Frischer Name, frischer Wind?
2. Formen der Transmigration
2.1. Öffentliche Transmigration (transmigrasi umum)
2.2. Spontane Transmigration (transmigrasi swakarsa)
2.3. Lokale Transmigration (transmigrasi lokal)
3. Ziele der Transmigration
3.1. Abbau des Bevölkerungsdrucks
3.2. Stabile Nahrungsmittelversorgung und Erschließung der Außeninseln
3.3. Nationale Einheit und Sicherheit
4. Die Probleme der Einheimischen und Siedler
4.1. Die Schwierigkeiten der umgesiedelten Bauern
4.2. Interkulturelle Konflikte: Ergebnis der Rücksichtslosigkeit auf die Urbevölkerung
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das indonesische Umsiedlungsprogramm "Transmigrasi" in seiner historischen Entwicklung sowie hinsichtlich seiner sozioökonomischen Auswirkungen, um zu erörtern, ob es sich dabei um ein Instrument der Entwicklung oder der Unterdrückung handelt.
- Historische Genese des Umsiedlungsprogramms seit der Kolonialzeit
- Klassifizierung der verschiedenen Transmigrationsformen
- Analyse der staatlichen Zielsetzungen und deren tatsächlicher Umsetzung
- Problematiken der Siedlerintegration und sozioökonomische Hürden
- Auswirkungen auf indigene Bevölkerungen und interkulturelle Konflikte
Auszug aus dem Buch
4.2. Interkulturelle Konflikte: Ergebnis der Rücksichtslosigkeit auf die Urbevölkerung
Der blutige Konflikt auf Borneo ist das Resultat des Transmigrationsprogramms: Die Dayak versuchen sich ihren Lebensraum zurückzuerobern, der ihnen von den Siedlern, vielmehr aber von der indonesischen Regierung, weggenommen wurde.
Die Dayak leben im Innern der Insel und betreiben Wanderfeldbau, d.h. sie brennen ein Stück Land ab, das gerade so groß ist, um darauf genügend Mais, Reis usw. anzubauen. Ist die Fruchtbarkeit des Bodens erschöpft ziehen sie weiter. Diese Art der Landnutzung setzt viel Platz für eine Gruppe voraus, damit sich der Boden erholen kann. Nun siedeln aber Maduresen auf ihrem lebensnotwendigen Gebiet, während die Dayak enteignet wurden. Auch der Urwald wurde immer weiter niedergebrannt, um Platz für Umsiedler zu schaffen. Hinzu kommt, dass die Maduresen strenggläubige Muslime sind und die meist christlichen Dayak verachten. Der Konflikt lässt sich also sowohl auf wirtschaftliche, ökologische als auch auf religiöse Unterschiede zurückführen.
Wie man sieht, sind die Probleme zwischen den Einheimischen und den Siedlern gravierend. Die Auseinandersetzungen auf Borneo sind erschreckenderweise stellvertretend für die meisten Siedlungsgebiete, denn in fast allen gibt es Spannungen zwischen Einheimischen und Hinzugezogenen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Geschichte des Umsiedlungsprogramms: Dieses Kapitel zeichnet die Entwicklung des Programms von der holländischen Kolonialzeit bis hin zum staatlich organisierten Großprojekt unter Suharto nach.
2. Formen der Transmigration: Hier werden die verschiedenen methodischen Ansätze, wie öffentliche, spontane und lokale Transmigration, in ihrer Umsetzung und staatlichen Unterstützung differenziert.
3. Ziele der Transmigration: Die Untersuchung befasst sich mit den sich wandelnden politischen Motiven, angefangen beim Bevölkerungsabbau über wirtschaftliche Erschließung bis hin zur nationalen Einheit.
4. Die Probleme der Einheimischen und Siedler: Dieses Kapitel analysiert die täglichen Schwierigkeiten der Siedler sowie die tiefgreifenden sozialen und kulturellen Konflikte, die durch die Verdrängung der Urbevölkerung entstanden sind.
5. Schluss: Der abschließende Teil bewertet das Programm kritisch und hinterfragt die Einhaltung von Menschenrechten im Kontext der indonesischen Einheitsideologie.
Schlüsselwörter
Transmigrasi, Indonesien, Umsiedlung, Migration, Javanisierung, Außeninseln, Landrechte, Wanderfeldbau, interkulturelle Konflikte, indigene Bevölkerung, nationale Einheit, Kolonialgeschichte, Bevölkerungsdruck, Siedlungspolitik, Regenwald.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen umfassenden Überblick über das indonesische Umsiedlungsprogramm "Transmigrasi" und beleuchtet dessen historische Entwicklung sowie die daraus resultierenden sozialen und politischen Konsequenzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Umsiedlung, die verschiedenen Organisationsformen des Programms, die staatlichen Ziele sowie die gravierenden Probleme für Siedler und indigene Völker.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, inwiefern das Transmigrationsprogramm seine theoretischen Ziele in der Realität erreichen konnte und welche humanitären sowie ökologischen Kosten dabei entstanden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin wählt einen zeitlichen Aufbau, um die Entwicklung der Methoden und Vorstellungen aufzuzeigen, gestützt auf eine Literaturanalyse sowie aktuelle Zeitungsberichte und Internetquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung, die Beschreibung der Transmigrationsformen, eine kritische Hinterfragung der staatlichen Ziele und eine Analyse der Konflikte zwischen Siedlern und Einheimischen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transmigrasi, Landrechte, nationale Einheit, indonesische Siedlungspolitik und ethnische Konflikte geprägt.
Welche Rolle spielt die "Javanisierung" im Kontext des Programms?
Die Autorin beschreibt die Javanisierung als gezielte Strategie der Regierung, um durch die Ansiedlung javanischer Bevölkerungsgruppen eine kulturelle und politische Dominanz zu etablieren und damit die nationale Einheit zu erzwingen.
Welche Bedeutung haben die Landrechte bei den Konflikten mit der Urbevölkerung?
Das indonesische Agrargesetz erkennt nur bearbeitetes Land an, was den Lebensraum indigener Völker, die traditionell Wanderfeldbau betreiben, de facto enteignet und ihre ursprüngliche soziale Struktur zerstört.
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- Catrin Nähr (Autor), 2001, Transmigrasi: Das indonesische Umsiedlungsprogramm, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38572