Die Bewertung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) nimmt in der Praxis eine große Rolle bei der Unternehmensbewertung ein. Nach einer Studie des IfM Bonn werden in den Jahren 2014 bis 2018 jedes Jahr rund 27.000 Unternehmen aufgrund der Unternehmensnachfolge übertragen. Daneben erfolgen bei KMU häufig Bewertungen aufgrund von familien-, erb- und gesellschaftsrechtlichen Auseinandersetzungen. Aufgrund dieser verschiedenen Anlässe wird ein Unternehmenswert als Entscheidungskriterium ermittelt.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Besonderheiten bei der Bewertung von KMU aufzuzeigen. Zunächst wird im zweiten Kapitel ein kurzer Überblick über die Grundlagen der Unternehmensbewertung gegeben. Es wird auf die verschiedenen Anlässe und den darauf aufbauenden Zweck der Unternehmensbewertung eingegangen. Außerdem werden die wesentlichen Bewertungsverfahren kurz dargestellt. Die Definition der kleinen und mittleren Unternehmen wird im dritten Kapitel abgehandelt. Hier werden die quantitativen und qualitativen Merkmale von KMU herausgearbeitet und die Abgrenzung zu Großunternehmen erläutert. Das vierte Kapitel befasst sich mit dem Schwerpunkt dieser Arbeit. Es wird auf die Problemstellungen, die der Unternehmensbewertung von KMU innenwohnen, eingegangen. Betrachtet werden hierbei insbesondere die Ermittlung der künftigen finanziellen Überschüsse sowie die Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes im Kontext der objektivierten Unternehmensbewertung.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG
2.1 BEWERTUNGSANLÄSSE UND -ZWECKE
2.2 BEWERTUNGSVERFAHREN
3 DEFINITION VON KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN
3.1 QUANTITATIVE MERKMALE
3.2 QUALITATIVE MERKMALE
4 BESONDERHEITEN KLEINER UND MITTLERER UNTERNEHMEN BEI DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG
4.1 PROGNOSE DER KÜNFTIGEN FINANZIELLEN ÜBERSCHÜSSE
4.1.1 Eingeschränkte Informationen / Datengrundlage
4.1.2 Abgrenzung des Bewertungsobjekts
4.1.3 Kalkulatorischer Unternehmerlohn
4.1.4 Bestimmung der dauerhaft übertragbaren Ertragskraft
4.2 KAPITALISIERUNG DER KÜNFTIGEN FINANZIELLEN ÜBERSCHÜSSE
4.3 ANWENDBARKEIT BEI KMU
4.3.1 Ermittlung des Betafaktors
4.3.2 Fehlende Diversifikation und mangelnde Fungibilität
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Identifikation und Analyse der spezifischen Herausforderungen bei der Unternehmensbewertung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Das zentrale Ziel ist es, aufzuzeigen, warum standardisierte Bewertungsmethoden für Großunternehmen bei KMU oft nicht ohne Anpassungen anwendbar sind, insbesondere bei der Prognose finanzieller Überschüsse und der Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung
- Definition und Abgrenzung von KMU
- Problemstellungen bei der Prognose finanzieller Überschüsse (z.B. Unternehmerlohn, Personenbezug)
- Herausforderungen bei der Kapitalisierung (z.B. Betafaktor, Diversifikation)
Auszug aus dem Buch
4.1.3 Kalkulatorischer Unternehmerlohn
Bei der Planung der künftigen finanziellen Überschüsse ist ein kalkulatorischer Unternehmerlohn zu berücksichtigen, da die Alternativanlage bei der Unternehmensbewertung keinen Arbeitseinsatz erfordert. Das Kalkül geht vielmehr bei der im Nenner angegebenen Alternativanlage von der Stellung des Eigentümers als reinen Kapitalgeber aus. Um eine Vergleichbarkeit zwischen Unternehmestransaktion und einer alternativen Kapitalanlage ohne Arbeitseinsatz herzustellen, ist der Zähler um einen Unternehmerlohn zu vermindern.
Charakteristisch für KMU ist die Tätigkeit des Eigentümers als Geschäftsführer. Aufgrund der Personenabhängigkeit ist der Unternehmerlohn auf seine Angemessenheit zu überprüfen. Bei dem Ansatz eines kalkulatorischen Unternehmerlohns ist zwischen Einzelunternehmen bzw. Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften zu unterscheiden.
Bei Einzelunternehmen bzw. Personengesellschaften ist der Unternehmerlohn Bestandteil des Gewinns. Folglich müssen die künftigen finanziellen Überschüsse um einen kalkulatorischen Unternehmerlohn vermindert werden. Im Mittelpunkt steht hier der Opportunitätsgedanke. Anzusetzen ist die entgangene Vergütung aus einem Anstellungsverhältnis. Neben dem Gehalt sind die mit dem Anstellungsverhältnis verbundenen Sozialleistungen und ggf. die private Nutzung von Betriebsvermögen (z.B. Privatnutzung eines Firmenwagens) bei einem kalkulatorischen Unternehmerlohn zu berücksichtigen. Für nahestehende Personen (Familienangehörige) ist ebenfalls eine marktübliche Vergütung anzusetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Relevanz der KMU-Bewertung und Darlegung des Aufbaus sowie der Zielsetzung der Hausarbeit.
2 GRUNDLAGEN DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG: Überblick über Bewertungsanlässe, -zwecke und die allgemeinen Bewertungsverfahren in der Unternehmensbewertung.
3 DEFINITION VON KLEINEN UND MITTLEREN UNTERNEHMEN: Erläuterung der quantitativen und qualitativen Merkmale, die zur Einordnung und Abgrenzung von KMU gegenüber Großunternehmen dienen.
4 BESONDERHEITEN KLEINER UND MITTLERER UNTERNEHMEN BEI DER UNTERNEHMENSBEWERTUNG: Detaillierte Analyse der Herausforderungen bei der Prognose künftiger Überschüsse und der Kapitalisierung unter Berücksichtigung der Besonderheiten von KMU.
5 FAZIT: Zusammenfassende Betrachtung der Notwendigkeit einer kritischen Prüfung und Anpassung von Bewertungsansätzen bei KMU gegenüber Großunternehmen.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, KMU, Kleine und mittlere Unternehmen, Ertragswertverfahren, Kapitalisierungszinssatz, Kalkulatorischer Unternehmerlohn, Personenbezug, Betafaktor, CAPM, Diversifikation, Fungibilität, Prognose, Finanzielle Überschüsse, Objektivierter Unternehmenswert, Unternehmensnachfolge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Besonderheiten von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auf den Prozess und die Ergebnisse der Unternehmensbewertung auswirken.
Welche Themenfelder sind zentral?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von KMU, die Prognose künftiger finanzieller Überschüsse unter Berücksichtigung des starken Personenbezugs sowie die Herausforderungen bei der Wahl und Anwendung des Kapitalisierungszinssatzes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Problemstellungen aufzuzeigen, die bei der Anwendung klassischer Bewertungsmethoden auf KMU auftreten, und Lösungsansätze zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur, Standards wie dem IDW S 1 und einschlägigen Studien zur Bewertungspraxis von KMU.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Bereinigung der Vergangenheitsdaten, die Abgrenzung des Bewertungsobjekts, die Notwendigkeit eines kalkulatorischen Unternehmerlohns und die Modifikation der Risikoermittlung bei fehlender Diversifikation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unternehmensbewertung, KMU, Ertragswertverfahren, kalkulatorischer Unternehmerlohn, Betafaktor und Diversifikation.
Warum spielt der kalkulatorische Unternehmerlohn bei KMU eine so große Rolle?
Da der Eigentümer in einem KMU oft als Geschäftsführer tätig ist, muss für eine Vergleichbarkeit mit einer reinen Kapitalanlage ein kalkulatorischer Lohn vom Ertrag abgezogen werden, um den Wert des Unternehmens als Kapitalanlage korrekt zu ermitteln.
Warum ist das klassische CAPM bei KMU oft problematisch?
Das CAPM basiert auf der Annahme eines diversifizierten Investors, während Inhaber von KMU oft ihr gesamtes Vermögen in das Unternehmen binden, was eine Modifikation oder kritische Würdigung der Risikokosten erforderlich macht.
- Citar trabajo
- M.A. Hendrik Niehüser (Autor), 2016, Die Berücksichtigung von Besonderheiten kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) bei der Unternehmensbewertung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385747