Die Geschlechtertheorie von Judith Butler am Beispiel des elisabethanischen Zeitalters


Hausarbeit, 2017
12 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Judith Butler: Sex und Gender
2.1 Judith Butler: Gender als Performance

3. Thomas Platter der Jüngere
3.1 Frauenbild in der englischen Renaissance

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich Judith Butlers Konzept der Gender- Performativität näher untersuchen. Was ist Gender? Und in wie fern „performen“ wir es? Die amerikanische Feministische Philosophin sorgte 1990 mit der Veröffentlichung ihres Buchs Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity für großen Wirbel. Die deutsche Auflage erschien ein Jahr später unter dem Titel: Das Unbehagen der Geschlechter. Ich werde mich in meiner Arbeit auf ihre These begrenzen, dass Gender eine Lebenslange Performance des Menschen sei. Ich verwende diesen Theoretischen Ansatz Butlers, um im zweiten Teil meiner Arbeit eine historisch wertvolle Quelle aus dem Jahre 1599 zu analysieren. Bei dieser Quelle handelt es sich unter anderem um eine zeitgenössische Überlieferung einer Beschreibung der Londoner Gesellschaft. Ich habe diese historischen Quelle gewählt, weil gerade die historische Entwicklung in der Gendertheorie von Judith Butler nicht berücksichtigt wird. Ich werde mich konkret auf die Beschreibung des Frauenbilds konzentrieren. Welche Position hatte die Frau in der Londoner Gesellschaft im Jahr 1599? Thomas Platter der Jüngere verleiht uns durch ein Reisetagebuch einen sehr wertvollen Einblick in das faszinierende Zeitalter des elisabethanischen Theaters. Er beschreibt nicht nur seine Theaterbesuche, sondern auch das Frauenbild sehr detailreich.

2. Judith Butler: Sex und Gender

Judith Butler ist eine US-amerikanische Philosophin, Philologin und Feministin. Sie wurde 1956 in Cleveland geboren.[1] Ihr bekanntestes Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“ veröffentlichte sie bereits im Jahre 1990. Ihr Buch wurde zu einem der wichtigsten Werke in der Gendertheorie. Auf den folgenden Seiten wird ihre These „Gender als Performance“ aus ihrem Buch näher erläutert.

In wie fern sieht Judith Butler Gender nun als eine Art der Performance an?

Um diese Frage zu beantworten, müssen zunächst die kritischen Terme Gender und Performance definiert werden. Im Allgemeinen herrscht im Feminismus eine Zweiteilung zwischen „sex“, dem biologischen Geschlecht und „gender“, welches ein von der Außenwelt konstruiertes Geschlechterkonstrukt, also die Geschlechtsidentität einer Person ist. Für Butler stehen sex und gender in keinerlei kausalem Zusammenhang. Die Verbindung zwischen dem biologischen Geschlecht und der Geschlechtsidentität ist historisch kontingent und zugleich veränderbar, abhängig vom sozialen Umfeld und des Zeitalters. Judith Butler geht also davon aus, dass der Zusammenhang zwischen sex und gender anti-naturalistisch ist.[2] Geschlechtsidentität ist für sie eine binär organisierte Matrix als Zwangsrahmen, welches die patriarchale und binäre Struktur der Macht in einer sozialen Gesellschaft sicherstellt. Dieser Zwangsrahmen weißt den Körpern und Subjekten ein jeweiliges Geschlecht zu. Ihrer Meinung nach wird an dieser Stelle die Macht konstituiert und sichtbar. Die Geschlechterkategorien beschreibt sie somit als Ergebnis einer Ökonomie der Sexualität, die darüber hinaus ein künstliches und binäres Verhältnis zwischen den Geschlechtern erzwingt. Schlussfolgernd aus diesem Regime der Heterosexualität kritisiert sie die Tatsache, dass von diesem Dogma abweichende Identitäten von vornherein gesellschaftlich abgelehnt und ausgeschlossen werden.[3]

Durch die Zweiteilung der Menschheit in Mann und Frau wird man also gezwungen, sich in einer dieser Kategorien einzuordnen. Werden sex und gender jedoch voneinander getrennt, sagt Butler, eröffnen sich damit viel mehr Möglichkeiten ein biologisches Geschlecht zu interpretieren. Die Interpretation wäre also nicht nur auf „Mann oder Frau“ beschränkt. Denn nur, weil es zwei festgelegte Geschlechter Mann und Frau gibt, heißt das nicht, dass es nur zwei Geschlechtsidentitäten geben muss. Als Beispiel könnte man hier die Geschlechtsidentitäten Intersexualität oder Transgender nennen.[4]

Butler sagt zudem, dass auch das biologische Geschlecht nur ein Konstrukt sei und eigentlich gar nicht existiere:

„Doch der ‚Leib‘ ist selbst eine Konstruktion – wie die unzähligen ‚Leiber‘, die das Feld der geschlechtlich bestimmten Subjekte bilden. Man kann nämlich den Körpern keine Existenz zusprechen, die der Markierung ihres Geschlechts hervorginge.“[5]

Ein Mensch wird also nicht als Mann bzw. als eine Frau bezeichnet, weil man einen männlichen oder einen weiblichen Körper hat, sondern genau umgekehrt. Weil man als Mann bzw. als Frau bezeichnet wird, hat man einen männlichen bzw. weiblichen Körper. Das anatomische Geschlecht geht aus dem Kulturellen Gender hervor. Es wird demnach ebenfalls diskursiv erzeugt und konstruiert. Auf dieser revolutionären Annahme stützt sie ihre komplette Genderforschung. Die Infragestellung der Existenz des Biologischen Geschlechts ist für viele schwer nachvollziehbar und sorgte dadurch für viele kontroversen. Doch Butler betont genau dies und für sie ist dieser Unterschied sehr wichtig. Sie will darauf aufmerksam machen, dass auch der Körper nicht naturalistisch sei, sondern dass auch er, erst durch die Sprache diskursiv geformt wird. Für sie ist der Körper keine natürliche Gegebenheit.

2.1 Judith Butler: Gender als Performance

Da wir wissen, dass sex und gender ein anti-naturalistisches Konstrukt ist, können wir den Begriff der Performativität einführen. Aufgrund des Konstruktes der Geschlechteridentitäten glaubt Butler nämlich, dass unsere Geschlechtsidentität performativ sei. Es ist aber nicht eine Performance in Sinne einer vorgespielten Rolle wie es zum Beispiel ein Schauspieler tut, welcher von einem Drehbuch abliest und sich für seine Rolle verkleidet. Mit dem Begriff Performativität ist etwas Anderes gemeint.

Performanz ist ein intentionaler Sprechakt, mit dem man äußere Handlungen vollzieht.

„Reale Konsequenzen symbolischer Handlungen nennt man performativ[6].“ Als Beispiel hierfür, könnte man die Eheschließung mit den Worten „hiermit traue ich sie zu Mann und Frau“, oder die Namensgebung „hiermit taufe ich dich auf den Namen ...“ nennen. Wichtig hierbei ist, dass diese Handlung erst durch ein autonomes und intentional handelndes Subjekt hervorgebracht wird. Diese performativen Akte funktionieren auch nur dann, wenn sie sich auf bestehende Konventionen innerhalb der jeweiligen Kultur beziehen. Sprachakte wie diese, stellen etwas in dem Moment her, in dem sie es bezeichnen.

Ähnlich verhält es sich mit der Geschlechterkonstruktion. Performative Akte stellen eine Geschlechtsidentität her. Wir produzieren Geschlechteridentität durch performative Akte. Als Beispiel kann man die Festlegung des Geschlechts eines Babys im Geburtssaal nennen. Die Aussage „Es ist ein Mädchen!“ entsteht nicht aufgrund des biologischen Geschlechts, also dem ‚sex‘ des Babys. Das Baby wird hierdurch kategorisiert. Durch diesen performativen Sprechakt wird in diesem Moment äußere Wirklichkeit erzeugt. Der Körper des Mädchens wird als eine vordiskursive Gegebenheit verstanden. Aufgrund des biologischen Geschlechts wird das Baby als Mädchen eingeordnet. Wichtig dabei ist auch, dass die Geschlechterzuschreibung nicht von einem selbst entspringt.[7] Das Subjekt Baby handelt hier nicht intentional oder Autonom, sondern ihm wird durch den Akt der Äußerung eine Identität zugeschrieben.

Das Baby wird sich im Laufe seines Lebens höchst wahrscheinlich feminin verhalten, weil es ihm durch ständige Wiederholung beigebracht und erzwungen worden ist.

„Akte, Gesten, artikulierte und inszenierte Begehren schaffen die Illusion eines inneren Organisationskerns der Geschlechtsidentität (organizing gender core), eine Illusion, die diskursiv aufrechterhalten wird, um die Sexualität innerhalb des obligatorischen Rahmens der reproduktiven Heterosexualität zu regulieren.“[8]

Als Ausgangspunkt der Performativität des Geschlechts bezieht sich Butler auf ein Modell von Foucault in seinem Werk „Überwachen und Strafen“.[9] Sie nutzt diese Theorie und wendet es auf ihre eigene Theorie der Geschlechterkonstruktion an. Laut diesem Modell entstehen Körper durch die Produktion der Seele. Die Formung des Körpers folgt den Gesetzen und normativen Erwartungen der Gesellschaft. Die Gesellschaft redet permanent auf die Seele eines Menschen ein. Durch diese Seele erst entsteht ein Körper. Durch die permanente, unaufhörliche Wiederholung der Geschlechtsidentitäten, der Geschlechterrollen wird diese Vorstellung internalisiert.

Diese ständige Wiederholung von Geschlechtszuschreibungen hat dann einen naturalisierenden Effekt. Es wird also ganz natürlich, dass ein Baby mit rosafarbenem Strampelanzug ein Mädchen ist. Doch hätte sich das Baby auf ganz natürliche weiße nicht unbedingt das rosafarbene ausgesucht. Judith Butler will damit zeigen, dass Geschlecht ein Konstrukt ist welches nur aufrechterhalten werden kann, wenn es ständig bis ans Ende eines Lebens wiederholt wird. Diese ständige Wiederholung der Anrufung als Mädchen/Frau vertieft Identität immer wieder aufs Neue. Judith Butler ist der Meinung, dass dadurch die Seele zum Gefängnis des Körpers wird.[10]

[...]


[1] Vgl. http://www.zeit.de/2012/37/Judith-Butler-Portraet

[2] Vgl. Butler 1991, S. 22

[3] Vgl. Butler 1991, S.181- 182

[4] Vgl. Butler 1991, S. 167

[5] Butler 1991, S. 26

[6] Winkler, Hartmut: Basiswissen Medien. Frankfurt a. M.: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 2008. S. 65

[7] Vgl. Butler 1991, S.166

[8] Butler 1991, S.200

[9] Foucault, Michael: Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses, Stuhrkamp 197

[10] Vgl. Butler 1991, S. 198- 199

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Geschlechtertheorie von Judith Butler am Beispiel des elisabethanischen Zeitalters
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V385764
ISBN (eBook)
9783668600256
ISBN (Buch)
9783668600263
Dateigröße
1126 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judith Butler, Frauenbild, elisabethanisch, Geschlertertheorie, Gender, Sex, Theater, Thomas Platter, performativ, Medien, Manipilation, Emanzipation, Geschlecht, Natur, Mensch, performance, Renaissance, Londonreise, Endland
Arbeit zitieren
Lena Hochadel (Autor), 2017, Die Geschlechtertheorie von Judith Butler am Beispiel des elisabethanischen Zeitalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385764

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