Mit der Abdankung des Kaisers und der Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht am 9. November 1918 war das Ende der Monarchie in Deutschland besiegelt. Eine neue Staatsform sollte her, die Demokratie. Mit dem Entwurf der künftigen Verfassungsordnung wurde der bis dato wenig bekannte Jurist und Landtagsabgeordnete der DDP, Hugo Preuß, beauftragt.
Als linksliberaler Publizist und Jude gehörte Preuß eher zu den Außenseitern des Reiches, umso verwunderlicher ist daher seine Ernennung zum Staatssekretär des Inneren am 15. November. Hier schuf er innerhalb von nur drei Wochen einen ersten Entwurf der Reichsverfassung. Doch in Hinblick auf das Scheitern der Weimarer Republik durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 erscheint auch Hugo Preuß als "Vater" der Reichsverfassung in einem schlechten Licht. So bleiben vor allem scheinbare konzeptionelle Mängel der Reichsverfassung, wie das instabile Verhältniswahlrecht oder die starke Stellung des Reichspräsidenten, in Erinnerung.
In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich daher mit der Frage, ob man Hugo Preuß als Wegbereiter einer modernen parlamentarischen Demokratie bezeichnen kann. Wie sehr plädierte er in seinem Entwurf für ein parlamentarisches System? Wie sollte dieses aussehen? Um dies zu beantworten, werde ich zunächst auf Preuß' grundlegendes methodisches Staatsdenken eingehen, welches vor allem von der Genossenschaftslehre Otto von Gierkes beeinflusst wurde. Dies ist wichtig, um Preuß' Staatstheorie zu verstehen, vor allem bei seiner Haltung zum Souveränitätsbegriff und der Partizipation des Volkes am Staat.
Den Schwerpunkt meiner Untersuchung lege ich dabei auf die oberen Reichsorgane. Insbesondere auf das Verhältnis zwischen Staatsoberhaupt, Regierungschef und Parlament, welches entscheidend für das Verständnis seiner Parlamentarismustheorie ist. Ein Hauptaugenmerk werde ich hierbei auf Preuß' ersten Verfassungsentwurf aus der "Denkschrift zum Entwurf des allgemeinen Teils der Reichsverfassung vom 3. Januar 1919" legen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Preuß' methodische Staatslehre
- 3. Vom Obrigkeitsstaat zum deutschen Volksstaat
- 4. Der deutsche Parlamentarismus
- 4.1 Obersten Reichsorgane
- 4.1.1 Das Politische System
- 4.1.2 Das Wahlrecht
- 4.2 Verhältnis zwischen den obersten Reichsorganen
- 4.2.1 Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative
- 4.2.2 Stellung des Reichspräsidenten
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob Hugo Preuß als Wegbereiter einer modernen parlamentarischen Demokratie bezeichnet werden kann. Die Arbeit analysiert Preuß' staatsrechtliche Positionen und untersucht, inwieweit er in seinem Entwurf für ein parlamentarisches System plädierte.
- Preuß' methodisches Staatsdenken
- Die Transformation vom Obrigkeitsstaat zum Volksstaat
- Der deutsche Parlamentarismus und die Rolle der obersten Reichsorgane
- Das Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative
- Die Bedeutung des Reichspräsidenten
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung
Die Einleitung stellt den historischen Kontext der Entstehung der Weimarer Republik und die Rolle Hugo Preuß' dar. Die Arbeit zielt darauf ab, Preuß' Einfluss auf die Entwicklung der Weimarer Reichsverfassung zu beleuchten und zu analysieren, ob er als Wegbereiter einer modernen parlamentarischen Demokratie bezeichnet werden kann. - Kapitel 2: Preuß' methodische Staatslehre
Dieses Kapitel analysiert Preuß' staatsrechtliches Denken, das stark von der Genossenschaftslehre Otto von Gierkes beeinflusst wurde. Es wird untersucht, wie Preuß den Staat als natürliche Organisation des Volkes konzipierte und wie er sich vom Souveränitätsbegriff distanzierte. - Kapitel 3: Vom Obrigkeitsstaat zum deutschen Volksstaat
Hier werden Preuß' Konzepte des „Obrigkeitsstaates“ und des „Volksstaates“ im Detail beleuchtet. Die Arbeit untersucht, wie Preuß den Obrigkeitsstaat durch den Volksstaat ersetzen wollte und welche Bedeutung er der Partizipation des Volkes am Staat beimaß. - Kapitel 4: Der deutsche Parlamentarismus
Das Kapitel widmet sich Preuß' Ideen zu einem deutschen Parlamentarismus. Es analysiert die Rolle der obersten Reichsorgane, insbesondere das Verhältnis zwischen Staatsoberhaupt, Regierungschef und Parlament. Der Fokus liegt dabei auf Preuß' erstem Verfassungsentwurf von 1919.
Schlüsselwörter
Die Arbeit thematisiert zentrale Konzepte wie Genossenschaftslehre, Obrigkeitsstaat, Volksstaat, Parlamentarismus, Reichsverfassung, Staatsoberhaupt, Regierungschef, Parlament, Exekutive, Legislative, Reichspräsident, Hugo Preuß, Weimarer Republik, politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Hugo Preuß?
Hugo Preuß war ein linksliberaler Jurist und Politiker (DDP), der als Hauptautor des Entwurfs der Weimarer Reichsverfassung gilt und 1918 zum Staatssekretär des Inneren ernannt wurde.
Was ist die "Genossenschaftslehre" im Denken von Preuß?
Beeinflusst von Otto von Gierke, sah Preuß den Staat als eine organische Genossenschaft des Volkes anstatt als eine von oben verordnete Herrschaftsgewalt (Obrigkeitsstaat).
Wie wollte Preuß den "Obrigkeitsstaat" überwinden?
Durch die Transformation in einen "Volksstaat", in dem die Souveränität beim Volk liegt und die Bürger aktiv am politischen Prozess partizipieren können.
Welche Rolle sah Preuß für den Reichspräsidenten vor?
Die Arbeit untersucht Preuß' Entwurf, in dem der Reichspräsident als Gegengewicht zum Parlament fungieren sollte, was später oft als konzeptioneller Mangel kritisiert wurde.
Warum wird Preuß oft kritisch im Kontext des Scheiterns von Weimar gesehen?
Kritiker werfen der Verfassung strukturelle Schwächen vor, wie das Verhältniswahlrecht oder die Machtbefugnisse des Präsidenten, die den Aufstieg der Nationalsozialisten begünstigt haben könnten.
Wie schnell entstand der erste Verfassungsentwurf?
Hugo Preuß schuf den ersten Entwurf der Reichsverfassung innerhalb von nur drei Wochen nach seiner Ernennung im November 1918.
- Citation du texte
- Peter Gerhardt (Auteur), 2012, Die Entstehung der Weimarer Reichsverfassung. Hugo Preuß als Wegbereiter einer modernen parlamentarischen Demokratie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385779