Durchführung und Auswertung des FLVT 5-6. Diagnostik, Förderung und Beratung einer Testperson (Schüler)


Term Paper, 2015
19 Pages, Grade: 2,3
Claudia Schulze (Author)

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

1. Personenbeschreibung

2. Hypothesenbildung/Ableitung eines Diagnoseanlasses

3. Hypothetische Auswahl/ Begründung von diagnostischen Methoden

4. Testdurchführung/Interpretation der Ergebnisse

5. Hypothetische Förderempfehlung

6. Reflexion

7. Anhang

Gesprächsleitfaden mit Schülerantworten

Beobachtungsprotokoll bei Testdurchführung

8. Literaturverzeichnis

1. Personenbeschreibung

Es folgt eine kurze Beschreibung des Untersuchungskindes, wobei näher auf soziale, emotionale, motivationale Variablen sowie schulbezogene Angaben eingegangen wird. Alle Informationen stammen vom Erstgespräch, welches am 19.12.2015 ab 15.00 Uhr im Kinderzimmer des Untersuchungskindes stattfand, und den im Rahmen des Gesprächs entstandenem Beobachtungen und Gesprächen. Das Untersuchungskind ist 10 Jahre alt, männlich und besucht momentan die 5. Klasse eines naturwissenschaftlich orientierten städtischen Gymnasiums. Die Testperson wohnt mit seinen Eltern in einem Haus im Vorort der Stadt, in der sich der Schulstandort befindet. Er hat eine ältere Schwester, die mit Ihrem Mann und einem Kind in Berlin wohnt. Der Vater der Testperson arbeitet vornehmlich daheim als Grafikdesigner, gestaltet u.a. auch Webseiten und Werbungen. Die Mutter ist Ärztin in einer nahegelegenen Großstadt. Das Untersuchungskind verbringt seine freie Zeit gern mit technischen Medien, vor allem an Laptop oder Handy. Er besitzt bereits über viel Erfahrung im Umgang mit Technik, wie sich aus dem Gespräch davor und danach erwies. Die Testperson erzählte mir, er besuche in der Schule die AG Programmieren. Des weiteren spiele er Klavier und Volleyball, sei bei den Pfadfindern und im Schwimmverein. In seiner Freizeit und vor dem zu Bettgehen (gegen 20-22.30 Uhr) lese er gern Wissensbücher, die sich rund um die Technik drehen. Freunde habe er 3, die mit ihm zusammen auf die gleiche Grundschule gingen. Manchmal würden sie sich zum plaudern treffen. Wenn gerade Pause ist, würde auch die Klasse manchmal etwas zusammen unternehmen, jedoch gäbe es ein paar Mitschüler, die Ihn ärgern würden, vor allem Einer, der Ihm den Hefter wegnehmen würde. In der Schule meinte er, sei es schön, besonders schön, wenn er gute Noten bekäme. Er ginge gern in die Schule, um seinen Klassenlehrer zu sehen. Er wäre im Großen und Ganzen schon zufrieden mit seinen Lehrern, besonders mit seinem Klassenlehrer, da er viel Humor hätte. Zu seinen Lieblingsfächern gehöre TC, Englisch und Biologie, Sport möge er nicht so gern. Seine derzeitigen Noten wären ähnlich der Noten aus der Grundschulzeit. Gute Noten seien ihm sehr wichtig, das spiegelt sich auch in seiner Notenübersicht wider. Das Zeugnis, welches er mir nachträglich zeigte, bescheinigt, dass er in Mathe, Deutsch, Biologie, Geographie und Musik eine 1 bekommen hat. In Ordnung, TC und Sport steht eine 3 und in den restlichen Fächern im Halbjahr hat er mit „gut“ abgeschlossen. Seine Noten würde er zu 90 % der Fälle richtig einschätzen, wenn er falsch liegt, habe er sich oft besser eingeschätzt. Bei einer schlechten Note wäre die Testperson in Sport nicht so enttäuscht, wie es in anderen Fächern der Fall wäre. In seiner Klasse würde er sich selbst von den Leistungen her auf Platz 5 einschätzen. Mit dem Unterrichtstempo käme er gut zurecht, wenn er zu langsam wäre, würde er seine Banknachbarin fragen. Als störend empfände er, wenn jemand laut im Unterricht reden würde. Seine Aufmerksamkeit und Mitarbeit schätzt die Testperson als mittelmäßig ein, er versuche schon gut zu zuhören und mit zumachen. Seine Hausaufgaben erledige er direkt, wenn er von der Schule kommt. Er ließe aber nebenbei Youtube laufen und surft ab und zu im Internet, weswegen die Hausaufgaben oft länger dauern würden. Auf eine Arbeit bereite sich das Untersuchungskind vor, indem der Hefter durchgeblickt und auswendig gelernt werden würde. Für Mathe lernen wäre angenehmer, da es nur um das Verstehen der Aufgaben ginge. Als Ansporn beim Lernen sehe er den Termin einer bevorstehenden Arbeit. Normalerweise würde die Testperson einen Tag vor der nächst anstehenden Arbeit anfangen zu lernen. Besonders wichtig sei Ihm in Vorbereitung auf eine Arbeit, alles gelernt zu haben. Sachen zum Auswendiglernen, könne er sich gut durch abschreiben merken. Um Fragen zu Unterrichtsthemen oder den Hausaufgaben zu stellen, sind die Schüler in einem Gruppenchat miteinander vernetzt. Das Untersuchungskind arbeite lieber in Einzelarbeit, da er da seine Ruhe hätte, oder in Gruppenarbeit, weil man da quatschen könne. Bei Partnerarbeit käme es darauf an, mit wem er zusammen arbeiten müsste. Während des Gesprächs ist es der Testperson schwer gefallen, ruhig zu sitzen und war des öfteren durch sein Handy abgelenkt. Bei vielen Fragen hat er viel Zeit zum Nachdenken gebraucht, wirkte manchmal abwesend. Die Aufmerksamkeit war oft auf Anderes gelenkt. Generell wirkte er unkonzentriert.

2. Hypothesenbildung/Ableitung eines Diagnoseanlasses

In dem Erstgespräch ist mir aufgefallen, dass sich die Testperson nur schwer konzentrieren konnte und seine Aufmerksamkeit eher bei anderen Dingen lag. Dies äußerte sich im ständigen Position Wechseln, des öfteren Blicke auf sein Handydisplay sowie da mehrfach hintereinander Ein und Ausschalten. Manchmal hat er mit anderen Themen geantwortet, die gar nichts mit der Frage zu tun hatten, manchmal wirkte er abwesend. Er beschreibt sich selbst im Interview als mittelmäßig aufmerksam und mitarbeitend und hat erzählt, dass ihn im Unterricht das Reden der Mitschüler ablenken und stören würde. Wenn das Untersuchungskind Hausaufgaben macht oder für eine bevorstehende Arbeit lernt, ist er nebenbei auch mit dem Handy und Youtube beschäftigt, wodurch die Konzentration für das Lernen oder das Hausaufgaben Erledigen schwindet. Momentan sind seine Noten gut, aber mit steigenden Jahrgangsstufe werden Lernprozesse und Unterrichtsinhalte immer komplexer, wofür eine feste Konzentrationsgrundlage von Nöten ist. Im Folgenden möchte ich weiter auf die Fragestellung eingehen: Wie ist die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit der Testperson einzuschätzen? Nach dem INVO-Modell von Hasselhorn und Gold (2006) sind Aufmerksamkeitskontrolle und das Arbeitsgedächtnis wichtige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen. Das heuristische Modell beschreibt eine Verzahnung fünf bedeutender Merkmalsbereiche individueller Voraussetzungen, die jeweils erfolgreiches Lernen stark beeinflussen. Wie sich die Aufmerksamkeit zunächst auf die Informationsaufnahme und -verarbeitung auswirkt, formulierte Broadbent (1958), gestützt auf zahlreichen Experimenten, in der sogenannten Filtertheorie der Aufmerksamkeit. Er ging von begrenzten Kapazitäten der Informationsverarbeitung des Menschen aus, dessen Informationsfluss die Aufmerksamkeit von den sensorischen Registern hin zum Arbeitsgedächtnis reguliert. Die gezielte oder unwillkürliche Zuwendung der Aufmerksamkeit wirkt dabei wie ein Filter, der dafür zuständig ist, dass nur einige wenige Informationen im kognitiven System weitergeleitet werden. Die Filtertheorie besagt, dass die Auswahl der weiterverarbeitenden Informationen sehr früh im Informationsverarbeitungsprozess stattfindet. Definiert man erfolgreiches Lernen als gut Informationsverarbeitung, ist es wichtig, dass irrelevante Informationen aussortiert werden und man sich auf die wesentliche Informationen fokussiert. Diese Funktion der Aufmerksamkeitszuwendung können unterschiedlich gut ausgeprägt sein. Wenn dem Lerner zu viele Informationen zukommen, die die Kapazität seines Arbeitsgedächtnis übersteigen, besteht die Gefahr der Überforderung. Die eigentlich wichtige Information geht verloren (Günther, 2013). Ein weiterer Grund für eine Konzentrationsschwäche könnte das später Zubettgehen sein. Ein Schüler im Alter von 10 Jahren schläft durchschnittlich 10 h. Der Schlafbedarf variiert von Kind zu Kind, ist aber nicht zu unterschätzen. Oft wird im Bett bis in die Nacht gelesen oder auf dem Handy gespielt. Am nächsten Morgen sind die Schüler dann unausgeruht und haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren. Die Testperson beschriebt selbst, dass das Handy beim Erledigen der Hausaufgaben oder Lernen präsent ist. Eine amerikanische Studie bestätigt, ständige Unterbrechungen durch klingelnde, vibrierende und leuchtende Push-Mitteilungen von WhatsApp, Facebook und Co. können die Konzentrationsfähigkeit stark einschränken. Erik Altman und seine Kollegen von der Michigan State University (2014) haben dafür 300 Probanden und Probandinnen einfache Aufgaben am Computer lösen lassen. Die Hälfte von ihnen war aufgefordert parallel immer wieder zwei Buchstaben in ihr Smartphone einzutippen. Das kostete kaum Zeit, trotzdem machten sie am Ende doppelt so viele Fehler als die Kollegen, die ohne Handy-Ablenkung arbeiteten. Die Aufmerksamkeit und Konzentrationsleistung sind dabei sehr nah bei einander liegende Begriffe und es wird wie folgt formuliert: „Hohe Konzentration besteht demnach im erfolgreichen Zusammenwirken jener Aufmerksamkeitskomponenten, die unter Einsatz willentlicher Anstrengung eine andauernde Selektion, Koordination und Kontrolle von Handlungsschemata leisten“ (Goldammer & Moosbrugger, 2006, S. 31). Im Erstgespräch hat die Testperson beim Nachdenken über gestellte Fragen im Nachhinein leicht abwesend gewirkt, da manchmal auf die Frage unpassende Antworten gegeben wurden oder das Nachdenken nach längerer Zeit abgebrochen wurde.

Becker beschreibt Abwesenheit und Störung als Ausdruck von Unaufmerksamkeit. Manche Kinder seien im Unterricht anwesend aber zu gleich abwesend. Das müsste aber bei meiner Testperson erst genauer Untersucht werden. Aus meinen Beobachtungen und im Gespräch aufgenommenen Information lässt sich folgende Untersuchungshypothese ableiten: Die Testperson besitzt im sozialen Vergleich eine unterdurchschnittliche Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung.

3. Hypothetische Auswahl/ Begründung von diagnostischen Methoden

Um die aufgestellte Hypothese zu überprüfen, würde ich zunächst auf die Methode der diagnostischen Beobachtung zurückgreifen und eine zweite Lehrkraft bitten, verdeckt und nicht teilnehmend die Testperson zu beobachten und dessen Verhalten zu protokollieren (Hesse, Latzko, 2011). Dann würde ich, wenn die Zweitmeinung den Verdacht bestätigt, das Frankfurter Aufmerksamkeits-Inventar 2 (FAIR-2; Moosbrugger & Öhlschlägel, 2011) verwenden, einen Test zur Messung von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit. Mit diesem Verfahren sollen individuelle Unterschiede in der gerichteten Aufmerksamkeit abgebildet werden, die als Fähigkeit zur genauen und schnellen Unterscheidung visuell ähnlicher Zeichen unter Ausblendung aufgaben-irrelevanter Informationen definiert werden (Kipman, Fitz, 2014). Bei dem Konzentrationstest handelt es sich um einen Paper-and-Pencil-Test mit Testformen A und B und ist für die Altersgruppe 9-85 Jahre zugelassen. Für beide Testformen liegen Prozentrang- und Staninewerte für die Gesamtstichprobe, sowie altersspeziefische Normwerte vor. Die Normierungsstichprobe umfasst n=1990 Pobandinnen und Probanden. Der Test ist eine aktualisierte Version des FAIR. Aufmerksamkeitsleistungen stellen die Basis als Voraussetzung für die Bewältigung einer Vielzahl kognitiver und intellektueller Anforderungen des Alltagslebens dar.

Das Ziel der Aufmerksamkeitsdiagnostik besteht darin, interindividuelle Unterschiede in dem Ausmaß abzubilden, in dem es Personen gelingt, ihre Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum auf bestimmte Reize oder Tätigkeiten willentlich auszurichten (Moosbrugger, Öhlschlägel, 2011). Bei dem Testverfahren werden die Komponenten Wachheit, Daueraufmerksamkeit, fokussierte Aufmerksamkeit sowie geteilte Aufmerksamkeit beansprucht. Der Test umfasst insgesamt 640 Items. Jedes einzelne setzt sich zusammen aus einem Kreis, in dem verschiedene Figuren abgebildet sind, welche sich durch Form, Anzahl der Punkte innerhalb der Form und Anordnung der Punkte (wobei die letztgenannte Merkmalsdimension für die Aufgaben keine Rolle spielt). Zwei Arten von Items sind als Zielitems definiert (z.B. Quadrat im Kreis mit zwei Punkten und Kreis im Kreis mit 3 Punkten). Die Aufgabe der Testperson besteht darin, innerhalb 3 Minuten pro Testseite möglichst viele Zielitems zu markieren, indem der Stift ohne abzusetzen unterhalb der Items entlang geführt wird und die Zielitems durch einen Zacken der Linie in das Iteminnere hinein gekennzeichnet werden. Daraus werden dann über Kennwerte Aufmerksamkeitsquantität, -genauigkeit und -kontinuität errechnet (Kipman, Fitz, 2014). Ich habe den Test ausgewählt, da er für das Alter meiner Testperson einsetzbar ist und die Dimensionen Leistung, Qualität und Kontinuität der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit überprüft. Der Test besitzt eine genügend große Normierungsstichprobe und die Gütekriterien Objektivität sowie Validität, als auch Reliabilität sind ausreichend gegeben. Die Anwendungsdauer hält sich auf 10 min begrenzt und benötigt keine Weiteren Materialien, außer einen Stift. Die Auswertungsdauer beträgt in etwa 5-10 Minuten. Damit ist der Test aus meiner Sicht gut praktikabel, um herauszufinden, ob bei meiner Testperson ein Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblem vorhanden ist.

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Details

Title
Durchführung und Auswertung des FLVT 5-6. Diagnostik, Förderung und Beratung einer Testperson (Schüler)
College
University of Leipzig
Grade
2,3
Author
Year
2015
Pages
19
Catalog Number
V385834
ISBN (eBook)
9783668605695
ISBN (Book)
9783668605701
File size
562 KB
Language
German
Tags
FLVT 5-6, Diagnostik, Gesprächsleitfaden
Quote paper
Claudia Schulze (Author), 2015, Durchführung und Auswertung des FLVT 5-6. Diagnostik, Förderung und Beratung einer Testperson (Schüler), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385834

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