Möglichkeiten und Grenzen vertraglicher Leistungsvergütung zwischen einer GmbH und ihren Gesellschaftern


Seminararbeit, 2017

25 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Komponenten der vertraglichen Leistungsvergütung
2.1 Gehalt
2.1.1 Gesellschafter als Arbeitnehmer in einer GmbH
2.1.2 Gesellschafter als Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH
2.1.3 Steuerliche Angemessenheit der Vergütung
2.1.4 Bestandteile der Vergütung des geschäftsführenden Gesellschafters
2.1.4.1 Festgehalt
2.1.4.2 Feste jährliche Einmalzahlungen
2.1.4.3 Tantieme
2.1.4.4 Zusagen über Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge
2.1.4.5 Überlassung eines Dienstwagens
2.1.4.6 Wohnungsüberlassungen
2.1.4.7 Ausrichtung von privaten Feiern auf Unternehmenskosten
2.1.4.8 Preisnachlässe und ähnliches
2.1.5 Tätigkeit für mehrere GmbH
2.1.6 Mehrere GGf in einer GmbH
2.1.7 Maßgeblicher Fremdvergleich
2.1.8 Betriebsinterner und externer Gehaltsvergleich
2.1.9 Regelmäßiger Gehaltscheck
2.2 Zinsen für an die GmbH gewährte Darlehen
2.2.1 Voraussetzungen und Bedingungen für das Gesellschafterdarlehen
2.2.1.1 Befreiung vom Verbot des Insichgeschäfts
2.2.1.2 Fremdüblichkeit bei Gesellschafter-Darlehen
2.2.1.3 Durchführung des Vertrags
2.2.2 Vertrag schriftlich festhalten
2.2.2.1 Protokollierung des Vertrags
2.2.3 Besteuerung der Zinserträge beim Gesellschafter
2.3 Honorare
2.4 Pacht und Mietverträge
2.4.1 Betriebsaufspaltung
2.4.2 Vermietung des Arbeitszimmers an GmbH
2.4.3 Vermietung eines PKWs an GmbH
2.4.4 Angemessenheit
2.4.5 Krisenfall
2.5 Lizenzgebühren
2.5.1 Lizenzvertrag
2.5.2 Höhe der Lizenzgebühren
2.5.3 Steuerliche Besonderheiten

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Eine GmbH wird gemäß §1 GmbHG von einem oder mehreren Gesellschafter gegründet. Hier spielt der Gesellschaftervertrag eine zentrale Rolle. Aus dem Gesellschaftervertrag ergeben sich verschiedene Ansprüche der Gesellschafter gegen die GmbH. Ein häufiger Anspruch ist die vertragliche Leistungsvergütung. Diese entsteht dadurch, dass GmbH Gesellschafter für ihre vertragliche Dienstleistungen eine in Geld entrichtete oder zu entrichtende Gegenleistung ge- stalten. Zivilrechtlich haben die Gesellschafter bei der Vertragsgestaltung auch weitgehende Gestaltungsfreiheit. Steuerlich setzten ihnen die Steuergesetze und Rechtsprechungen aber enge Grenzen, um den Gestaltungsmissbrauch bei Kapitalgesellschaften zu vermeiden.

In dieser Arbeit soll dargelegt werden, welche Möglichkeiten und Grenzen vertraglicher Leistungsvergütung zwischen einer GmbH und ihren Gesellschaftern bestehen. Zuerst wird untersucht, unter welchen Bedingungen ein Gesellschafter einer GmbH angestellt werden kann. Als nächstes werden folgende entgeltlichen Arten der Vergütung untersucht:

- Gehalt - Zinsen für an die GmbH gewährte Darlehen - Miete/ Pacht für die Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb dienen, aber nicht der GmbH gehören - Honorare - Lizenzgebühren für überlassene Patente.

Als Grundlage dieser Arbeit dienen das GmbH-Gesetz (GmbHG), Einkommenssteuergesetz (EStG), das Körperschaftssteuergesetz (KStG), die Abgabenordnung (AO) sowie ergänzende Rechtsprechungen des Bundesfinanzhofs (BFH) und das Buch „Wichtige Steuererlasse und Steuerrichtlinien“ (nwb 2016). Zu einzelnen Themen wurden entsprechende Artikel aus Fach- zeitschriften und Büchern von Steuerberatern und Rechtsanwälten herangezogen..

Das Ziel der Arbeit ist, herauszufinden, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen die vertragliche Leistungsvergütungen an die Gesellschafter von der Finanzverwaltung anerkannt und welche Aspekte kritisch hinterfragt werden.

Im Rahmen dieser Seminararbeit kann nur eine komprimierte Betrachtung auf die wichtigsten Punkte erfolgen .

2 Komponenten der vertraglichen Leistungsvergütung

Nach gängiger Rechtsprechung werden allgemein die Komponenten Gehalt, Zinsen für Darle- hen, Miete, Lizenzgebühren und Arbeit auf Honorarbasis als mögliche Bestandteile der ver- traglichen Leistungsvergütung angesehen. Als erstes betrachte ich die Komponente Gehalt.

2.1 Gehalt

Angestellte Arbeitnehmer einer GmbH beziehen Gehalt. Bei Gesellschaftern muss zuvor die Frage beantwortet werden, ob alle Gesellschafter bei der GmbH angestellt sein können.

2.1.1 Gesellschafter als Arbeitnehmer in einer GmbH

In einem Beschluss des Bundesarbeitsgerichts, ob Gesellschafter gleichzeitig als Arbeitnehmer beschäftigt werden können, wurden der Praxis wertvolle Hinweise für die Vertragsgestaltung aufgezeigt1.

Zunächst hat das Bundesarbeitsgericht klargestellt, dass auch Gesellschafter in einem Arbeits- verhältnis zu der Gesellschaft stehen können, deren Gesellschafter sie sind. Hierzu kann ein Arbeitsvertrag vereinbart werden. Nach diesem Beschluss muss der Arbeitsvertrag detaillierte Regelungen in Bezug auf die Tätigkeit, das Entgelt, die wöchentliche Arbeitszeit und den Ur- laub enthalten. Weiter wird ausgeführt, dass mitarbeitende Gesellschafter einer GmbH in einem abhängigen und damit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zur GmbH ste- hen können. Allerdings stellt das BAG klar, dass ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis zur GmbH dann vorliegt, wenn die Gesellschafter keinen maßgeblichen Einfluss auf die Gesell- schaft kraft eines etwaigen Anteils am Stammkapital geltend machen können. In diesem Fall können die Gesellschafter sowohl lohnsteuerlich als auch sozialversicherungsrechtlich Arbeit- nehmer sein. 2

Die Begründung eines Arbeitsverhältnisses ist allerdings dann ausgeschlossen, wenn ein Gesellschafter als Kapitaleigner einen so großen Einfluss auf die Führung der Gesellschaft, dass er über seine Gesellschafterstellung auch die Leitungsmacht hat. In diesem Fall unterliegt er nicht dem Weisungsrecht des Geschäftsführers. Vielmehr ist der Gesellschafter über seine Gesellschafterstellung befugt, selbst Anweisungen an die Geschäftsführung zu erteilen. In erster Linie sind die Stimmrechtsverhältnissen entscheidend, ob ein solcher Einfluss besteht. Daraus folgt, dass ein Gesellschafter, dem mehr als 50 % der Stimmrechte zustehen, nicht zugleich Arbeitnehmer dieser Gesellschaft sein kann.

Ist beim Minderheitsgesellschafter §53(2) GmbHG anwendbar, besteht bei diesem Gesellschafter eine Sperrminorität. Als Folge bedeutet dies im Regelfall, dass er kein Arbeitnehmer der GmbH sein kann.3

Eine weitere Möglichkeit für das Vorliegen eines Anstellungsverhältnisses ist die Tätigkeit als Geschäftsführer.

2.1.2 Gesellschafter als Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH

Gemäß §6 (1) und (3) GmbHG kann jeder Gesellschafter als Geschäftsführer der GmbH tätig sein. Für den Abschluss des Dienstvertrages mit dem GmbH-Geschäftsführer und somit auch für die Festsetzung der Vergütung ist grundsätzlich die Gesellschafterversammlung zuständig. Wichtig aus steuerlicher Sicht ist aber, dass die Vergütungen von der Finanzverwaltung als angemessen anerkannt werden. Die Frage der Angemessenheit ist in der Praxis ein stetiger Streitpunkt zwischen Finanzamt und Unternehmen, die ich daher als nächstes betrachte.

2.1.3 Steuerliche Angemessenheit der Vergütung

Die Oberfinanzdirektion Karlsruhe hat mit Schreiben vom 3.4.20094 eine Tabelle zur Prüfung der Angemessenheit der Gesamtausstattung von Gesellschafter-Geschäftsführern bekannt gegeben, siehe Tabelle 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

TABELLE 1: ANGEMESSENHEIT DER GESCHÄFTSFÜHRERBEZÜGE

Seit 2010 ist für Gehaltssteigerungen eine Erhöhung um 3% möglich.5

Beurteilungskriterien für die Angemessenheit nach BMF-Schreiben sind:

a) Art und Umfang der Tätigkeit

Art und Umfang der Tätigkeit werden vorrangig durch die Größe des Unternehmens bestimmt. Je größer ein Unternehmen ist, desto höher kann das angemessene Gehalt des Geschäftsführers liegen, da mit der Größe eines Unternehmens auch Arbeitseinsatz, Anforderung und Verantwortung steigen. Die Unternehmensgröße ist vorrangig anhand der Umsatzhöhe und der Beschäftigtenzahl zu bestimmen.

b) Ertragsaussichten der Gesellschaft

Neben der Unternehmensgröße stellt die Ertragssituation das entscheidende Kriterium für die Angemessenheitsprüfung dar. Maßgebend ist nach Auffassung der Finanzverwaltung das Ver- hältnis der Gesamtausstattung des Geschäftsführergehalts zum Gesamtgewinn der Gesellschaft und zur verbleibenden Kapitalverzinsung. Ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsführer würde bei der Festlegung der Gesamtbezüge des Geschäftsführers sicherstellen, dass der Ge- sellschaft auch nach Zahlung der Bezüge mindestens eine angemessene Kapitalverzinsung bleibt. 6

2.1.4 Bestandteile der Vergütung des geschäftsführenden Gesellschafters

GGf sind lohnsteuerlich Arbeitnehmer. Seine Bezüge unterliegen daher die lohnsteuerlichen Grundsätzen. Für die Beurteilung, ob Leistungen der Gesellschaft an ihren Gesellschafter-Ge- schäftsführer angemessen sind, werden dessen Gesamtbezüge überprüft. Zu den Gesamtbezügen zählen laut BMF-Schreiben vom 14.10.2002:

2.1.4.1 Festgehalt

Mit dem Festgehalt sind Überstunden und Mehrarbeit des Geschäftsführers abgegolten, denn Geschäftsführer werden nicht nach Stunden, sondern für ihren gesamten Arbeitseinsatz bezahlt, der regelmäßig über dem normaler Angestellter liegt. Für Überstundenzuschläge ist laut BFH eine Anerkennung als Arbeitslohn möglich, wenn es überzeugende betriebliche Gründe für ein solches „Extra“ gibt und vergleichbare GmbH-Mitarbeiter auch solche Zahlungen erhalten.7 In diesem Fall ist nicht von einer vGA auszugehen.

2.1.4.2 Feste jährliche Einmalzahlungen

Das BFH stellte fest, dass feste jährliche Einmalzahlungen in der Form von Urlaubs- und Weih- nachtsgeld mit einer Geschäftsführertätigkeit vereinbar sind und nicht als im Gesellschaftsver- hältnis begründet gelten. Auch Abgeltungszahlungen für nicht in Anspruch genommenen Ur- laub stellen keine verdeckte Gewinnausschüttung dar, wenn die Nichtinanspruchnahme betrieb- liche Gründe hatte. 8

2.1.4.3 Tantieme

Bei variablen Gehaltsbestandteilen spielen Tantieme eine wichtige Rolle. Tantieme als vertrag- lich vereinbarte, variable Zusatzleistungen, die an Geschäftsführer oder leitende Angestellte als Erfolgsbeteiligung gezahlt werden, orientieren sich i. d. R. am Gewinn oder Umsatz, können aber auch vom Erreichen bestimmter Unternehmensziele oder von einer persönlichen Beurtei- lung abhängen. Tantieme sind weder gesellschafts- noch steuerrechtlich gesetzlich geregelt. Vielmehr ergeben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für Tantiemen aus zahlreichen Ent- scheidungen des BFH und der FG. Die Finanzverwaltung hat ihre Auffassung zu Tantiemen insbesondere in R 39 KStR 2004 sowie im BMF-Schreiben vom 1.2.2002 niedergelegt. Wirt- schaftlich betrachtet stellen Tantiemen für die GmbH Personalaufwand dar. Entsprechend min- dern sie als Betriebsausgaben das körperschaftsteuerpflichtige Einkommen und den Gewerbe- ertrag. Wenn es sich um Einmalzahlungen handelt, unterliegen Tantiemen als Gehaltsbestand- teil der Lohnsteuer und sind als sonstiger Bezug nach R 39b.2 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 LStR 2011 zu versteuern. Dabei kann auch eine Tarifermäßigung nach § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG i. V. mit § 39b Abs. 3 Satz 9 EStG in Betracht kommen; allerdings stellt eine bereits verdiente Tantieme keine Entschädigung dar. Die Lohnsteuer ist in dem Zeitpunkt einzubehalten und abzuführen, in dem die Tantieme dem Geschäftsführer zufließt, nicht schon zum Zeitpunkt der Fälligkeit. Eine Ausnahme besteht jedoch für beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer: Sobald die Gesellschafterversammlung den Jahresabschluss festgestellt hat und die Tantieme damit fällig geworden ist, ist der Lohnsteuerabzug vorzunehmen. Dies gilt unabhängig vom Zeitpunkt der

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

tatsächlichen Auszahlung, denn es wird unterstellt, dass ein beherrschender Gesellschafter-Ge- schäftsführer bei Fälligkeit jederzeit über die Tantieme verfügen kann. Dagegen fließt die Tantieme dem Geschäftsführer dann nicht zu, wenn die GmbH die Leistung verweigern kann, etwa bei Vorliegen einer Rangrücktrittsvereinbarung oder bei einem sonst drohenden Verstoß gegen das Kapitalerhaltungsgebot.9

Weiterhin sind auf Tantiemen entsprechende Beiträge zur Sozialversicherung einzubehalten, sofern Versicherungspflicht besteht. Folglich bleiben Tantieme Zahlungen an beherrschende Gesellschafter-Geschäftsführer im Regelfall sozialversicherungsfrei.

Tantiemen Zahlungen sollen mit dem Ziel überprüft werden, festzustellen, ob sie angemessen sind oder ob eine verdeckte Gewinnausschüttung vorliegt.

Nach der Rechtsprechung des BFH werden Tantiemen an beherrschende Gesellschafter-Ge- schäftsführer nur anerkannt, wenn sie

- im Voraus abgeschlossen werden, - klar und eindeutig vereinbart werden, - die Bemessungsgrundlage eindeutig formuliert wird, - tatsächlich durchgeführt werden, - der Höhe nach angemessen sind und - kein zu hoher Gewinnanteil abgesaugt wird - Vereinbarung der Tantieme im Voraus

Bezüglich der Höhe der Tantieme Zahlungen ist zu beachten, dass sie auf 1/3 der Gehaltsbezüge des Gesellschafter-Geschäftsführer begrenzt werden müssen und insgesamt sollten sie nicht mehr als 50% des Gewinns der GmbH betragen.10

Wird die Tantieme Regelung im laufenden Jahr getroffen, erfolgt nach der Rechtsprechung eine zeitanteilige Kürzung.11

Die Ausnahmen zur Tantiemen Regelung werden in der Arbeit nicht berücksichtigt.

2.1.4.4 Zusagen über Leistungen der betrieblichen Altersvorsorge

Nach einem Artikel von Sebastian Schieder der IHK Stuttgart ist steuerrechtlich eine Pensionszusage einer GmbH zugunsten eines Gesellschafter-Geschäftsführers nur dann als Betriebsausgabe anerkannt, wenn sie rechtsverbindlich, im Voraus und ernsthaft erteilt wurde, erdienbar, angemessen und finanzierbar ist und Wartezeiten eingehalten wurden.12

Wichtig hierbei ist, dass die Versorgungszusage der Gesellschaft an den Gesellschafter-Ge- schäftsführer schriftlich erfolgen, klar im Voraus getroffen und zivilrechtlich wirksam sein (rechtsverbindliche Zusage) sowie tatsächlich durchgeführt werden (Ernsthaftigkeit) muss.

Bei einer neu gegründeten Gesellschaft muss zudem vor Erteilung einer Pensionszusage eine gewisse Wartezeit eingehalten werden, bis die wirtschaftliche Entwicklung der Gesellschaft

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

verlässlich abgeschätzt werden kann. Die Rechtsprechung hält eine Wartezeit von fünf Jahren für ausreichend.13 Außerdem bedarf es der Einhaltung einer Wartezeit, in der der Geschäftsfüh- rer seine Eignung unter Beweis stellt. Dabei muss der Anspruchsberechtigte zum Zusage Zeit- punkt mindestens 28 Jahre alt sein. Zudem muss die Pensionszusage so rechtzeitig erteilt wer- den, dass sie durch den Gesellschafter-Geschäftsführer in der voraussichtlich verbleibenden Dienstzeit noch erdient werden kann (Erdienbarkeit). Dies wird nach ständiger Rechtsprechung als ausgeschlossen angesehen, wenn der Gesellschafter-Geschäftsführer zum Zeitpunkt der Pensionszusage bereits das 60. Lebensjahr vollendet hat oder wenn zwischen dem Zusagezeit- punkt und dem vorgesehenen Eintritt in den Ruhestand nur noch eine kurze Zeitspanne liegt, in der der Versorgungsanspruch vom Begünstigten nicht mehr erdient werden kann. Bei beherr- schenden Gesellschafter-Geschäftsführern wird daher zusätzlich vorausgesetzt, dass zwischen dem Zeitpunkt der Pensionszusage und dem vorgesehenen Eintritt in den Ruhestand noch ein Zeitraum von mindestens zehn Jahren liegt. Bei nicht beherrschenden Gesellschafter-Ge- schäftsführern ist es alternativ ausreichend, wenn zum vorgesehenen Zeitpunkt des Eintritts in den Ruhestand eine mindestens 12-jährige Betriebszugehörigkeit vorliegt und die Zusage für mindestens drei Jahre bestanden hat.14

Laut einem Merkblatt der IHK Bonn ist vor allem wichtig, dass die Pensionszusage im Verhältnis zu den Aktivbezügen angemessen ist. Eine Überversorgung, die als verdeckte Gewinnausschüttung qualifiziert wird, wird regelmäßig angenommen, wenn die Versorgungsanwartschaft zusammen mit der Rentenanwartschaft aus der gesetzlichen Rentenversicherung 75 Prozent der am Bilanzstichtag bezogenen Aktivbezüge übersteigt.15

2.1.4.5 Überlassung eines Dienstwagens

Die Bereitstellung eines Dienstwagens und dessen Überlassung auch zur privaten Nutzung durch einen Gesellschafter-Geschäftsführer stellt für diesen grundsätzlich einen Vorteil dar, der bei der GmbH als Lohnbestandteil angesehen werden kann. Gemäß §6(4) EstG gelten die lohn- steuerlichen Grundsätze bei Kfz Überlassung für Privatfahrten von Arbeitnehmern. Wichtig ist, dass der BFH entschieden hat, dass auch die private Kfz-Nutzung eines Firmenfahrzeugs durch einen Gesellschafter-Geschäftsführer oder eine ihm nahe stehende Person bei der Kapitalge- sellschaft in Höhe der Vorteilsgewährung als verdeckte Gewinnausschüttung anzusehen sei, wenn sie nicht vertraglich ausdrücklich geregelt ist.16 Folglich sollte auch im Hinblick auf eine private Kfz-Nutzung stets auf eine ausdrückliche vertragliche Regelung geachtet werden. Nicht ausreichend ist es insoweit, wenn im Dienstvertrag lediglich eine Nutzung für dienstliche Fahr- ten und für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte vorgesehen ist und eine Privatnutzung mangels ausdrücklichem Verbot offengehalten ist. Auch wenn über ein ordnungsgemäß geführ- tes Fahrtenbuch auf einen Ausschluss der Privatnutzung geschlossen werden kann, soll nach dem BFH eine verdeckte Gewinnausschüttung schon deshalb vorliegen, weil es an einer vor- herigen, klaren und eindeutigen Abmachung über die Privatnutzung des Pkw gefehlt habe.17

[...]


1 BAG, Beschluss v. 17.09.2014, 10 AZB 43/149

2 BAG, Beschluss v 09.01.1990, 3 AZR 617/88 -; ErfK/Preis § 611 BGB Rn. 140

3 BAG, Beschluss v 6.05.1998, 5 AZR 612/97 - zu I 2 a der Gründe

4 OFD Karlsruhe, Verfügung v. 03.04.2009, S 274.2/84 - St 221

5 OFD Karlsruhe, Verfügung v. 17.04.2001, DStR 2001, 792

6 BMF, Schreiben vom 14.10.2002, Az. IV A 2 - S 2742 - 62/02

7 BFH, Urteil v. 14.07.2004, Az. I R 111/03

8 BFH, Urteil v. 28.01.1994, Az. I R 50/03

9 Finance Office Professional, Tantieme: Instrument zur Erfolgsbeteiligung des GmbH-Ge- schäftsführers, 2015

10 BMF, Schreiben v. 01.02.2002, BStBl I S. 219

11 BFH, Urteil v. 17.12.1997, Az. I R 70/97, GmbH-Stpr 1998, S. 233

12 IHK-Stuttgart, Recht und Steuer, Sebastian Schieder, Wieviel darf ein Gesellschafter-Ge- schäftsführer verdienen?

13 BFH, Urteil v. 24.4.2002, Az. I R 18/01

14 BFH, Urteil v. 15.3.2000, Az. I R 40/99

15 IHK Bonn/Rhein-Sieg, Merkblatt, Recht und Steuer, Wie viel darf ein Gesellschafter-Ge- schäftsführer verdienen?

16 BFH, Urteil v. 23.2.2005, Az. I R 70/04

17 IHK Nordschwarzwald, Merkblatt, Ass. jur. Oliver Essig, Wie viel darf ein GesellschafterGeschäftsführer verdienen?

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen vertraglicher Leistungsvergütung zwischen einer GmbH und ihren Gesellschaftern
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
25
Katalognummer
V385848
ISBN (eBook)
9783668600836
ISBN (Buch)
9783668600843
Dateigröße
785 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Steuerrecht, Gesellschafter-Geschäftsführer, Leistungsvergütung, Steuerplanung, Steuergestaltung
Arbeit zitieren
Elizaveta Nazarova (Autor), 2017, Möglichkeiten und Grenzen vertraglicher Leistungsvergütung zwischen einer GmbH und ihren Gesellschaftern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385848

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Möglichkeiten und Grenzen vertraglicher Leistungsvergütung zwischen einer GmbH und ihren Gesellschaftern



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden