Kooperatives Lernen als Schlüssel für erfolgreichen Unterricht?


Hausarbeit, 2014

11 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Grundgedanken zu kooperativem Lernen

2. Ausgewählte Voraussetzungen für erfolgreiches kooperatives Lernen nach Konrad und Traub
2.1 Bereitschaft des Lernenden
2.2 Zusammenstellung einer kompetenten Gruppe
2.3 Lernziele
2.4 Aufgabenstellung
2.5 Anreizstruktur

3. Lerneffektivität durch kooperatives Lernen anhand verschiedener Theorien
3.1 Motivationale Theorie
3.2 Kognitive Theorie

4. Darstellung von Schwierigkeiten durch ausgewählte Phänomene

5. Persönliche Erfahrungen aus dem Schulalltag

6. Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Grundgedanken zu kooperativem Lernen

In den letzten Jahren sind durch Veränderungsprozesse wie beispielsweise der Globalisierung und der sich ständig verändernden Lebenswelt neue Anforderungen und Qualifikationen an alle Beteiligten im Schulalltag entstanden. Kooperationsfähigkeit, Flexibilität und Selbständigkeit gewinnen nicht nur zunehmend an Bedeutung, sondern stellen Schlüsselkompetenzen sowohl für Lehrende als auch für Lernende dar. Durch die Einführung der Gemeinschaftsschule hat ein Wandel der Schüler- und Lehrerrolle an allen Schulformen begonnen: den Lernenden wird von Beginn an mehr Eigenverantwortung und Selbststeuerung zugeschrieben. Des Weiteren wird aktive Mitarbeit vorausgesetzt, um den Unterricht produktiv zu gestalten. Für die Lehrenden bedeutet dies, dass sich neue soziale Interaktionsformen im Schulalltag manifestieren. Ein Beispiel hierfür stellt das kooperative Lernen dar (vgl. Konrad, Traub 2012, S.14f.).

Die Basis jeglicher Lernprozesse ist die Kommunikation und die gegenseitige Anregung. Aus diesem Grundgedanken leiten Konrad und Traub (2012) folgende Definition für kooperatives Lernen ab:

„Kooperatives Lernen bezeichnet eine Interaktionsform, bei der die beteiligten Personen gemeinsam und in wechselseitigem Austausch Kenntnisse und Fertigkeiten erwerben. Im Idealfall sind alle Gruppenmitglieder gleichberechtigt am Lerngeschehen beteiligt und tragen gemeinsam Verantwortung“ (Konrad, Traub 2012, S.5).

Einige zentrale Merkmale sind charakteristisch für diese Lernform:

- Um gemeinsam erfolgreich zum Ziel zu gelangen, muss jedes Gruppenmitglied einen Beitrag leisten. Ist dies nicht der Fall, entstehen Konsequenzen für die gesamte Lerngruppe. Wird ein gemeinsames Lernziel erreicht, kann dies die Zusammengehörigkeit in der Gruppe stärken. Durch diese gegenseitige Abhängigkeit und Interaktion lernen alle Beteiligten füreinander Verantwortung zu übernehmen.
- Gegenseitige Rückmeldungen, kritische Anregungen und Reflexionen intensivieren die Zusammenarbeit. Die Schüler/-innen haben so die Möglichkeit, ihre Sichtweise auf das Thema zu erweitern und Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.
- Das eigenverantwortliche Handeln stärkt Führungskompetenzen sowie Fähigkeiten, Konflikte zu lösen und Entscheidungen zu treffen.
- Durch Analyse der bisherigen Gruppenaktivitäten lassen sich eigenständig Verbesserungsvorschläge durch Schüler/-innen und Lehrkräfte für die Zukunft erarbeiten.

(vgl. Konrad, Traub 2012, S.6f.)

Die Einteilung der Klasse in Gruppen genügt jedoch nicht, denn kooperatives Lernen setzt Struktur in Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung voraus. Die Schüler/-innen sind dazu angehalten, in jeglicher Form am Unterricht teilzuhaben, damit „soziales und kognitives Lernen sowie Persönlichkeits- und Wissenszuwachs“ in gleichem Maße erreicht werden können (Berntzen, Westermann 2010, S.24). Um diese soeben dargestellten Ziele zu erreichen, ist die Methodenwahl ausschlaggebend. Aus diesem Grund werden im Folgenden zwei Beispiele erläutert:

- Die Jigsaw-Methode (auch: Gruppenpuzzle):

Es werden Kleingruppen gebildet, in denen jede/r Schüler/in eine Teilaufgabe (Puzzleteil) erhält und dadurch zum Experten innerhalb der Gruppe wird. Über die anderen Teilaufgaben der Gruppe besitzt die Schülerin/der Schüler keine Kenntnisse. Die jeweiligen Experten derselben Teilaufgabe bilden nun eine Expertengruppe, in der sie besprechen, wie sie ihren Gruppenmitgliedern den Lerninhalt bestmöglich vermitteln können. Zuletzt kommen die Schüler/-innen wieder in ihren Stammgruppen zusammen, um ihr Wissen an die Gruppenmitglieder weiterzugeben, damit sich aus den einzelnen Puzzleteilen ein komplettes „Bild“ ergibt (Schnebel 2003, S. 143).

- Die Gallery-Tour:

In handlungsorientiertem Unterricht gestalten die Schüler/-innen in Gruppenarbeit ein Handlungsprodukt wie zum Beispiel ein Plakat. Im Anschluss an die Arbeitsphase werden diese im Klassenzimmer aufgehängt, damit die anderen Schüler/-innen Einblick in die Ergebnisse aller Gruppen erhalten. Nach einem ersten Rundgang durch das Klassenzimmer präsentiert jede Gruppe ihr Handlungsprodukt (Berntzen, Westermann 2010, S. 24).

Sollten die Gruppenaktivitäten in angemessener Form organisiert sein, können laut diverser Studien eine Vielzahl positiver Effekte auftreten. Diese betreffen

„verschiedene affektive, kognitive, motivationale und soziale Verhaltensdimensionen“ (Webb/Palincsar 1996, Dann/Diegritz/Rosenbusch 1999 in: Berntzen, Westermann 2010, S.23).

2. Ausgewählte Voraussetzungen für erfolgreiches kooperatives Lernen nach Konrad und Traub

Kooperatives Lernen führt nicht zwangsläufig zum Erfolg, da mehrere in Wechselwirkung auftretende Bedingungen erfüllt werden müssen. Im Folgenden werden wesentliche dieser Faktoren näher beschrieben.

2.1 Bereitschaft des Lernenden

Grundvoraussetzung für einen effektiven Lernprozess in der Schule ist das individuelle Interesse am Thema. Dies ist auch für das kooperative Lernen entscheidend, denn nur wenn motivationale Aspekte gegeben sind, steht weniger die Belohnung im Vordergrund als der Erfolg der Gruppe. Auch die Lehrkraft spielt eine bedeutende Rolle wenn es um die Aktivierung der Bereitschaft der Klasse geht. Entscheidend ist, dass die Lehrperson die Klasse über die Intention des kooperativen Lernens informiert. Dadurch bekommen die Schüler/-innen Verantwortung übertragen und werden sich ihrer Position innerhalb der Gruppe bewusst. Somit wird deutlich, dass jedes Gruppenmitglied einen wichtigen Teil zum Gesamterfolg beisteuert. Infolgedessen entsteht nach Robert Slavin (1993) im Optimalfall eine Stärkung des Gemeinschaftsgefühls sowie gegenseitige Wertschätzung (vgl. Konrad, Traub 2012, S. 51f).

2.2 Zusammenstellung einer kompetenten Gruppe

Die Gruppenzusammensetzung ist von großer Bedeutung und muss von der Lehrperson gründlich durchdacht sein. Durch die vorhandene Heterogenität in der Klasse treffen verschiedene Individuen aufeinander, was sich sowohl positiv als auch negativ auf die Zusammenarbeit auswirken kann. Unterschiede zwischen den Schüler/-innen sind sowohl im Vorwissen als auch im kognitiven Bereich zu finden. Es muss darauf geachtet werden, dass kein sogenannter „Schereneffekt“, wie ihn Renkl (1996) bezeichnet, entsteht: die Stärkeren übernehmen den Großteil der Aufgaben und vergrößern ihr Wissen, wohingegen die Schwächeren kaum Wissenszuwachs verzeichnen können

(vgl. Konrad, Traub 2012, S.55f.) Hier spielen soziale Fähigkeiten eine wesentliche Rolle, die Konrad und Traub (2012) wie folgt beschreiben:

„Wenn die Lernenden ihre Rolle im kooperativen Geschehen erkennen und dies zu einer angemessenen Aufgaben- bzw. Rollenverteilung führt, können sie besser kooperativ Lernen“ (Konrad, Traub 2012, S.54).

Die Lehrperson muss sich bewusst machen, ob es ihr in der jeweiligen Gruppenarbeit mehr auf die Entwicklung sozialer Fähigkeiten und Fertigkeiten oder auf die schnelle Erarbeitung positiver Ergebnisse ankommt (vgl. Konrad, Traub 2012, S.57).

2.3 Lernziele

Kooperatives Lernen erfordert viel Zeit und muss daher gut durchdacht und zielgerichtet sein. Es „ist nur dann die ideale Lernform, wenn über den Wissenserwerb hinaus auch soziale Kompetenzen [und kognitive Fähigkeiten] erreicht werden“ (Konrad, Traub 2012, S.58). Die Lernform ist besonders geeignet, wenn es darum geht, die mündliche Mitarbeit der Schüler/-innen anzuregen, da sie in Kleingruppen meist weniger Hemmungen haben sich zu äußern als vor der gesamten Klasse. Auch zur Wiederholung bereits erworbener Sachverhalte ist das kooperative Lernen angemessen, da die Gruppenmitglieder vom gegenseitigen Wissensaustausch profitieren können (vgl. Konrad, Traub 2012, S.57f.).

2.4 Aufgabenstellung

Ein weiteres Grundgerüst kooperativer Lernformen ist die Aufgabenstellung. Diese muss so formuliert sein, dass jedes Gruppenmitglied unabhängig seines Leistungsstandes in der Lage ist, an der Gruppenarbeit aktiv teilnehmen zu können. Nach Eilenberg et al. (1998) kann man drei konkrete Anforderungen an die Aufgabe stellen:

- Die Aufgabe sollte keine Möglichkeit zum Alleingang bieten, sondern nur in Zusammenarbeit zu bewältigen sein.
- Damit der Ehrgeiz der Gruppenmitglieder geweckt wird, sollte die Aufgabe die Interessen der Schüler/-innen miteinbeziehen.
- Die Teilaufgaben sollten voneinander abhängig sein, damit alle Beteiligten der Gruppe zu einem gegenseitigen Austausch verpflichtet sind.

(vgl. Konrad, Traub 2012, S.59)

2.5 Anreizstruktur

Die Schüler/-innen sind in klassischen Unterrichtssituationen stets bemüht sich bei der Lehrkraft von ihrer besten Seite zu zeigen, um eine gute Benotung zu erzielen. Aufgrund dessen besteht die Gefahr, dass stärkere Schüler/-innen oftmals kein Interesse daran haben, ihren schwächeren Mitschüler/-innen unter die Arme zu greifen. Kooperative Arbeitsformen können dem durch gewisse Anreizstrukturen vorbeugen. Darunter versteht man vor allem den aus der Gruppenarbeit hervorgehenden Lernerfolg (nach Renkl, Mandl 1995 in Konrad, Traub 2012, S.63). Dafür ist es wichtig, dass bei der Evaluation nicht nur die individuelle Leistung, sondern der gesamte Prozess der Zusammenarbeit bewertet wird.

3. Lerneffektivität durch kooperatives Lernen anhand verschiedener Theorien

3.1 Motivationale Theorie

„ Motivationale Theorien gehen davon aus, dass kooperatives Lernen effektiv ist, weil die Unterrichtsform die Lernmotivation steigert“ (Schnebel 2003, S.118).

Schüler/-innen arbeiten besonders motiviert, wenn eine gemeinsame Zielperspektive innerhalb der Gruppe vorhanden ist. Somit ist der Erfolg jedes Einzelnen abhängig vom Gesamterfolg der Gruppe. Als ein methodisches Beispiel nennt Slavin (1996) die Gruppenrallye, in welcher die Leistungsbewertung der Gruppe auf der Grundlage des individuellen Fortschritts jedes Einzelnen basiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kooperatives Lernen als Schlüssel für erfolgreichen Unterricht?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
11
Katalognummer
V385942
ISBN (eBook)
9783668609051
ISBN (Buch)
9783668609068
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heterogenität, kooperatives Lernen, Gemeinschaftsschule
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Kooperatives Lernen als Schlüssel für erfolgreichen Unterricht?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385942

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