Florian Illies (2003) beschreibt in seinem journalistischen Essay „Generation Golf. Eine Inspektion“ die Lebenswelt der zwischen 1965 und 1975 Geborenen. Illies stellt fest, dass sich die von ihm bezeichnete ‚Generation Golf‘ in einer egoistischen Grundhaltung von ihren Vorgängern der 68er-Generation mittels „Entidealisierung“ und „Entpolitisierung“ abgrenzt. Die Werte der von ihm beschriebenen Jugend sind geprägt durch Oberflächlichkeit, auf Materielles und Äußerlichkeiten fokussiert. Illies sieht darin die Abkehr vom Postmaterialismus der Vorgängergeneration, ohne eine direkte Auseinandersetzung mit dieser.
Der Soziologe Markus Klein hat die Existenz der ‚Generation Golf’ und deren Prozess der Abkehr mittels einer Längsschnittstudie empirisch untersucht und bewiesen. Mit dem Älterwerden verbindet Illies eine gewisse Orientierungslosigkeit und ein Festhalten an der Vergangenheit. Im letzten Kapitel stellt er die Vermutung an, dass diese Generation es sein wird, „die den Therapeuten auch in Deutschland zu so einem wichtigen Berufsstand macht, wie er es in Amerika bereits ist.“.
In dieser Hausarbeit soll ein Zusammenhang zwischen der Kriegsvergangenheit der Eltern und der psychischen Belastung dieser Generation herausgearbeitet werden. Der Prozess, der zu der Erkenntnis führte, dass es einen möglichen Einfluss des Trauma-Erbes der Kriegskinder gibt, wurde 2002 durch die Novelle des Schriftstellers Günther Grass ausgelöst. Er setzte mit „Im Krebsgang“ erstmals ein Zeichen für die öffentliche Thematisierung des Leids der deutschen Kriegsgeneration. Die erneute Aufarbeitung des zweiten Weltkriegs und seiner Folgen wurde daraufhin in einem Artikel des „Spiegel“ angeregt. Es wurden weitere Bücher und Artikel geschrieben, Filme zu diesem Thema produziert. Sabine Bode veröffentlichte 2004 ein Buch über „Die vergessene Generation“, in dem sie die Sicht der Generation schildert, die ihre Kindheit und Jugend während des zweiten Weltkriegs erlebt hat.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Das Trauma der Kriegskinder
- 2.1. Trauma-Ereignis
- 2.2. Trauma-Erleben
- 2.3. Trauma-Bewältigung
- 2.4. Trauma-Folgen
- 2.4.1. Die Posttraumatische Belastungsstörung
- 2.4.2. Folgen für soziale Bindungen und Emotionen
- 2.4.3. Folgen der Heimatlosigkeit
- 3. Kriegsenkel
- 3.1. Die Generation
- 3.2. Das Trauma-Erbe
- 3.2.1. Übertragung durch Erziehung und Sozialisation
- 3.2.2. Das große Schweigen
- 3.2.3. Spiegelneuronen und Resonanz
- 4. Lebenswelt
- 4.1. Das Trauma-Erbe in der Lebenswelt
- 4.2. Essentielle Folgen
- 4.2.1. Heimatlosigkeit
- 4.2.2. Bindungsschwierigkeiten
- 4.2.3. Selbstwertgefühl und Identität
- 5. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit den Auswirkungen des Trauma-Erbes der Kriegskinder auf die Lebenswelt der Kriegsenkel. Sie analysiert, wie die Traumatisierung der Kriegsgeneration an die Nachkommen weitergegeben wurde und welche Folgen dies für deren Lebenswelt hat.
- Übertragung des Kriegs-Traumas auf die Kriegsenkel
- Einfluss des Trauma-Erbes auf die psychische Gesundheit der Kriegsenkel
- Die Bedeutung von Sozialisation und Erziehung in Bezug auf die Traumatisierung
- Der Zusammenhang zwischen Trauma-Erbe und Lebenswelt der Kriegsenkel
- Bewältigungsmöglichkeiten und Chancen für die Kriegsenkelgeneration
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 legt den Fokus auf das Kriegs-Trauma der Kriegskinder und dessen Auswirkungen auf die Betroffenen. Es beleuchtet die Ursachen, das Erleben und die Folgen der traumatischen Ereignisse. Kapitel 3 beleuchtet die Generation der Kriegsenkel und erklärt, wie das Trauma-Erbe auf sie übertragen werden konnte. Kapitel 4 analysiert die Lebenswelt der Kriegsenkel und zeigt auf, welche essentiellen Folgen das Trauma-Erbe auf ihre Lebenswelt hat.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Themen Kriegstrauma, Kriegskinder, Kriegsenkel, Transgenerationale Traumatisierung, Lebenswelt, Psychische Belastung, Bindungsschwierigkeiten, Heimatlosigkeit, Selbstwertgefühl, Identität, Bewältigungsmöglichkeiten.
Häufig gestellte Fragen
Wer sind die „Kriegsenkel“?
Als Kriegsenkel werden die Nachkommen der „Kriegskinder“ bezeichnet, meist geboren zwischen 1960 und 1975, die indirekt von den traumatischen Erfahrungen ihrer Eltern im Zweiten Weltkrieg betroffen sind.
Was versteht man unter transgenerationaler Traumatisierung?
Es ist die unbewusste Übertragung von traumatischen Erlebnissen der Eltern (z.B. Flucht, Vertreibung, Bombenkrieg) auf die Kinder durch Erziehung, Sozialisation und nonverbale Signale.
Welche Folgen hat das Trauma-Erbe für die Lebenswelt der Enkel?
Typische Folgen sind diffuse Ängste, Bindungsschwierigkeiten, ein mangelndes Selbstwertgefühl und ein tiefes Gefühl von Heimatlosigkeit oder Orientierungslosigkeit.
Warum spielt das „große Schweigen“ eine so wichtige Rolle?
In vielen Familien wurde über das Leid der Kriegsgeneration nicht gesprochen. Dieses Schweigen verhinderte die Verarbeitung und führte dazu, dass die Last unbewusst an die nächste Generation weitergegeben wurde.
Wie hängen Spiegelneuronen mit der Trauma-Übertragung zusammen?
Die Arbeit erläutert, wie Resonanzphänomene und Spiegelneuronen dazu beitragen können, dass Kinder die emotionalen Zustände und unverarbeiteten Ängste ihrer Eltern körperlich und psychisch übernehmen.
- Quote paper
- Nadine Pinnow (Author), 2017, Kriegsenkel des Zweiten Weltkriegs. Die Folgen des Trauma-Erbes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/385960