In seiner 1893 erschienen Dissertation „Über die Teilung der sozialen Arbeit“, stellt E. Durkheim fest, dass die Arbeitsteilung neue Quellen des gesellschaftlichen Zusammenhalts produziert.
Nach E. Durkheim errichtet die Arbeitsteilung eine Sozial- und Moralordnung, indem sie Individuen aneinander bindet, die sonst unabhängig voneinander sind. Statt sich getrennt zu entwickeln, sind sie nun solidarisch, da sie ihre produktiven Anstrengungen vereinigen. In der nachfolgenden Arbeit wird versucht darzustellen, wie sich E. Durkheim diesen kausalen Zusammenhang vorstellt und worauf diese Solidarität beruht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Grundlagen der Soziologie bei E. Durkheim
3. E. Durkheims differenzierte Gesellschaftsanalyse
3.1 Segmentäre Gesellschaften
3.2 Arbeitsteilige Gesellschaften
3.2.1 Die anomische Arbeitsteilung
4. Die Arbeitsteilung im Vergleich bei K. Marx und E. Durkheim
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die soziologische Theorie Emile Durkheims zur Arbeitsteilung und analysiert, wie diese den sozialen Zusammenhalt sowie die Moralordnung moderner Gesellschaften beeinflusst. Ein zentrales Augenmerk liegt dabei auf der Forschungsfrage, wie das Individuum in einer zunehmend spezialisierten Gesellschaft trotz steigender Autonomie einen solidarischen Zusammenhalt wahren kann, wobei auch ein kritischer Vergleich zu den Entfremdungstheorien von Karl Marx gezogen wird.
- Grundlagen der soziologischen Methodik nach Emile Durkheim
- Differenzierung zwischen mechanischer und organischer Solidarität
- Analyse pathologischer Formen der Arbeitsteilung (Anomie)
- Kontrastierung von Durkheims Solidaritätsmodell mit Marx' Entfremdungskonzept
- Bedeutung der Moralordnung im Kontext industrieller Arbeitsprozesse
Auszug aus dem Buch
3. E. Durkheims differenzierte Gesellschaftsanalyse
In E. Durkheims Dissertation „Über die Teilung der sozialen Arbeit“ von 1893, werden folgende Fragestellungen aufgeworfen: „ Wie geht es zu, daß das Individuum, während es immer autonomer wird, immer mehr von der Gesellschaft abhängt? Wie kann es zu gleicher Zeit persönlicher und solidarischer sein?“15 Wie also definiert sich individuelle Autonomie und gesellschaftlicher Zwang und in welcher Abhängigkeit stehen sie zueinander.
Die Antworten darauf glaubt er in der Arbeitsteilung zu finden. Laut E. Durkheim errichtet die Arbeitsteilung, eine Sozial- und Moralordnung, in dem sie Individuen - durch aufeinander folgende Arbeitsabläufe aneinander bindet - die sonst unabhängig voneinander agieren. Statt sich getrennt zu entwickeln, sind sie nun solidarischer, durch die Vereinigung ihrer Anstrengungen.16 Diese Solidarität drückt sich nicht nur im Arbeitsprozess aus, sondern umfasst weite Teile des sozialen gesellschaftlichen Lebens. Infolgedessen produziert Arbeitsteilung eine neue Quelle des gesellschaftlichen Zusammenhalts und geht über ihre ökonomische Nützlichkeit hinaus, die im allgemeinen als das Ziel der Arbeitsteilung angesehen wird. 17
„In diesem Fall sind die ökonomischen Dienste, die sie18 leisten kann, gering, verglichen mit der moralischen Wirkung, die sie hervorruft, und ihre wahre Funktion besteht darin, zwischen zwei oder mehreren Personen ein Gefühl der Solidarität herzustellen.“19 Das erhaltende Moment einer Gesellschaft ist hier die Solidarität ihrer Mitglieder untereinander. Nach der Auffassung von E. Durkheim leitet sich das soziale Leben in den Gesellschaften aus dem „kollektiven Sein“20 ab.21
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein, die den Zusammenhang zwischen Arbeitsteilung, sozialem Zusammenhalt und Moral bei Emile Durkheim beleuchtet.
2. Die Grundlagen der Soziologie bei E. Durkheim: Das Kapitel erläutert den historischen Kontext sowie die methodologische Vorgehensweise Durkheims und definiert den Begriff des sozialen Tatbestandes.
3. E. Durkheims differenzierte Gesellschaftsanalyse: Hier wird der Übergang von segmentären zu arbeitsteiligen Gesellschaften untersucht, wobei insbesondere die mechanische und organische Solidarität analysiert werden.
3.1 Segmentäre Gesellschaften: Dieser Abschnitt beschreibt archaische Gesellschaftstypen, die durch ein starkes Kollektivbewusstsein und mechanische Solidarität geprägt sind.
3.2 Arbeitsteilige Gesellschaften: Das Kapitel erläutert, wie soziale Differenzierung und Spezialisierung in modernen Gesellschaften zur Ausbildung organischer Solidarität führen.
3.2.1 Die anomische Arbeitsteilung: Dieser Punkt befasst sich mit pathologischen Ausprägungen der Arbeitsteilung, die durch schnellen sozialen Wandel und fehlende Regelwerke entstehen.
4. Die Arbeitsteilung im Vergleich bei K. Marx und E. Durkheim: Dieser Vergleich stellt Durkheims Fokus auf soziale Integration den Marxschen Analysen von Zwang und Entfremdung gegenüber.
5. Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die Aktualität der Durkheimschen Theorie für heutige Arbeitsverhältnisse.
6. Literaturangaben: Dieses Verzeichnis listet sämtliche verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke auf, die der Hausarbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Arbeitsteilung, Emile Durkheim, soziale Solidarität, mechanische Solidarität, organische Solidarität, Anomie, Kollektivbewusstsein, soziale Tatbestände, Entfremdung, Karl Marx, Industriegesellschaft, Moralordnung, Spezialisierung, Soziologie, Sozialintegration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Dissertation von Emile Durkheim über die Teilung der sozialen Arbeit und untersucht, wie diese den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft begründet.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung der soziologischen Methodik Durkheims, die Differenzierung von Gesellschaftsformen durch Solidarität sowie ein kritischer Vergleich mit marxistischen Theorien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den kausalen Zusammenhang zwischen Arbeitsteilung und Solidarität darzustellen und zu klären, wie soziale Moral trotz zunehmender Individualisierung aufrechterhalten werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse soziologischer Schriften, die Durkheims positivistischen Ansatz zur Untersuchung sozialer Tatbestände anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die soziologischen Grundlagen Durkheims, seine differenzierte Gesellschaftsanalyse inklusive der anomischen Arbeitsteilung sowie einen Vergleich der Sichtweisen von Durkheim und Marx.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeitsteilung, mechanische sowie organische Solidarität, Anomie, soziale Tatbestände und Entfremdung.
Wie unterscheidet sich die mechanische von der organischen Solidarität?
Während die mechanische Solidarität auf der Ähnlichkeit aller Mitglieder und einem starken Kollektivbewusstsein basiert, gründet die organische Solidarität auf funktionaler Spezialisierung und gegenseitiger Abhängigkeit.
Was versteht Durkheim unter anomischer Arbeitsteilung?
Anomische Arbeitsteilung beschreibt einen pathologischen Zustand, der durch zu schnellen sozialen Wandel entsteht, bei dem bestehende Normen nicht mehr greifen und soziale Konflikte zunehmen.
- Quote paper
- Wolfram Pauls (Author), 2002, Zu Emile Durkheims Dissertation "Über die Teilung der sozialen Arbeit", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38599