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Das Motiv des Suizids in Theodor Fontanes Roman "Cécile"

Titel: Das Motiv des Suizids in Theodor Fontanes Roman "Cécile"

Seminararbeit , 2010 , 14 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Birgit Goldbecker (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Im 19. Jahrhundert versuchten die zivilen Behörden die Tatsache zu verbergen, dass es eine deutliche Erhöhung der Suizidrate gab. Während im 18. Jahrhundert die physischen und natürlichen Erklärungen für einen Suizid, die der übernatürlichen verdrängt hatten, wurden sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wieder zugunsten von unmoralischen Erklärungen beiseitegeschoben. Theodor Fontane schrieb seinen Roman Cécile demnach in einer Zeit, in der der Suizid als widernatürliches Ereignis angesehen wurde. Als eine Art Wahnsinn betrachtet, wurde es dem Delirium oder der Geisteskrankheit zugeschrieben, dessen Tat in geistiger Umnachtung begangen wird. So äußerte sich auch die Kirche gegen den Suizid und forderte eine Wiedereinführung der Gesetze gegen ihn. Folglich verwehrte der Klerus Suizidtoten die Bestattung auf dem Friedhof, da ihr selbstverantworteter Tod als Zurückweisung der Oberherrschaft Gottes gedeutet wurde. Ähnlich standen die weltlichen Moralisten der Selbsttötung gegenüber. Er wurde als Laster der alten Gesellschaftsordnung angesehen, der es ermöglichte den Pflichten in der Gesellschaft zu entgehen.

Als Frevel gegen Gott, moralische Zerrüttung eines Geistes, der die bestehenden Werte mißachtet, Schwachsinn, mit der libertären Anarchie und dem Materialismus oder mit maßloser Frömmelei verbundene Geißel, jedenfalls als eine Krankheit des Geistes, des Bewußtseins und der Gesellschaft wird Selbstmord zusammen mit den andern großen gesellschaftlichen Verboten verdrängt.

Hinsichtlich dieser Ansichten des 19. Jahrhunderts ist es interessant zu untersuchen, in wieweit Fontane in seinem Werk Cécile das Motiv des Suizids eingesetzt hat. Wird die Verantwortung für die Selbsttötung im Roman im Einzelnen Individuum gesucht oder als Antwort auf die gesellschaftlichen Verhältnisse und Konventionen? Wird das Motiv des Suizids daher aus psychologischer oder gesellschaftskritischer Sicht aufgegriffen? Inwieweit spielt es eine Rolle, dass eine Frau die Figur des Suizidenten einnimmt? Um diese Fragen zu beantworten, führt eine Erläuterung des Suizid-Begriffs in die Thematik ein und es wird das Motiv des Suizids in der Literatur der Jahrhundertwende dargelegt. Eine kurze formale Analyse gibt einen Einblick in den Roman Cécile, woraufhin die Motivanalyse folgt. Im Schluss werden die Ergebnisse zusammengefasst und gedeutet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Suizid – Eine Begriffserklärung

3 Das Motiv des Suizids in der Literatur der Jahrhundertwende

4 Cécile

4.1 Formale Analyse

4.2 Das Motiv des Suizids

5 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Motiv des Suizids in Theodor Fontanes Roman Cécile vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Normen und moralischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts. Es soll geklärt werden, ob die Selbsttötung der Protagonistin als individuelles Versagen oder als konsequente Reaktion auf gesellschaftliche Zwänge und patriarchale Strukturen zu deuten ist.

  • Historische und moralische Einordnung des Suizidbegriffs im 19. Jahrhundert
  • Psychologische Aspekte suizidalen Verhaltens und das präsuizidale Syndrom
  • Die Entwicklung des Suizidmotivs in der Literatur der Jahrhundertwende
  • Strukturelle und motivanalytische Untersuchung von Theodor Fontanes Cécile
  • Analyse des gesellschaftlichen Drucks auf die weibliche Identitätsfindung

Auszug aus dem Buch

4.2 Das Motiv des Suizids

Das Motiv des Suizids in Cécile wird ins Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft gesetzt. Anhand des Romans zeigt Fontane: „Wer einmal drin sitzt, gleichviel mit oder ohne Schuld, kommt nicht wieder heraus.“ Verdeutlicht wird dies anhand der Frauengestalt Cécile, die zwar eher eine passive Rolle einnimmt, dennoch im Mittelpunkt der Handlung steht. Von Anbeginn erscheint Cécile als suizidverdächtige Person: So zeigen sich Merkmale, die in der medizinischen Forschung in Fontanes Zeit zu Nervenkrankheiten gezählt wurden und zum Teil auch heute noch zum präsuizidalen Syndrom: Cécile ist in einer labilen körperlichen Verfassung, sie wirkt kraftlos, matt sowie schwach und weist depressive Züge von Schwermütigkeit und Teilnahmslosigkeit auf: „Ihr Profil war von seltener Reinheit und das Fehlen jeder Spur von Farbe gab ihrem Kopfe, darin Apathie der vorherrschende Zug war, etwas Marmornes.“

Weiterhin zeigt sich ein getrübtes Verhältnis des Ehepaars St. Arnaud zur Gesellschaft, vor allem zum Militär und zum Adel, die ihnen nur höflichkeitshalber Aufmerksamkeit widmen. Dies spiegelt sich auch in Céciles Vorliebe zum Alleinsein wieder, die das Verhalten der Gesellschaft ihr gegenüber als Grund ihres Missbehagens sieht und sich so auch ihre körperliche Verfassung verschlechtert. Dennoch sieht sie kein Leben außerhalb der Gesellschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Wahrnehmung des Suizids im 19. Jahrhundert als moralisches Laster und führt in die Fragestellung ein, wie Fontane das Motiv in Cécile gesellschaftskritisch verarbeitet.

2 Der Suizid – Eine Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert suizidales Verhalten medizinisch und psychologisch, stellt das „präsuizidale Syndrom“ vor und diskutiert soziologische Ansätze wie die von Émile Durkheim zur Einordnung von Selbsttötungsgründen.

3 Das Motiv des Suizids in der Literatur der Jahrhundertwende: Es wird die literaturgeschichtliche Entwicklung des Suizidmotivs von der Antike bis zur Jahrhundertwende dargestellt und der Einfluss philosophischer Debatten auf die literarische Darstellung aufgezeigt.

4 Cécile: Der Roman wird formal als Gesellschaftsroman eingeordnet und das zentrale Suizidmotiv in Bezug auf die gesellschaftlichen Bedingungen der Protagonistin detailliert untersucht.

4.1 Formale Analyse: Hier wird der Aufbau des Werks, das neutrale Erzählverhalten und die Funktion der Briefe zur Enthüllung der Vergangenheit von Cécile analysiert.

4.2 Das Motiv des Suizids: Dieses Kapitel verknüpft Céciles Schicksal mit dem gesellschaftlichen Druck und der fehlenden individuellen Entfaltungsmöglichkeit, was in der Selbsttötung als fatalistischem Ausweg gipfelt.

5 Schluss: Die Arbeit resümiert, dass Cécile an den gesellschaftlichen Konventionen scheitert und ihr Suizid als logische Folge einer verweigerten Identitätsentwicklung unter männlicher Dominanz zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Theodor Fontane, Cécile, Suizid, Jahrhundertwende, Literaturanalyse, Gesellschaftskritik, präsuizidales Syndrom, Frauenbild, fatalistischer Suizid, Romananalyse, Individuum, Gesellschaftsnormen, Identitätsfindung, 19. Jahrhundert, Motivgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Seminararbeit analysiert die Darstellung und die Funktion des Suizids als zentrales Motiv in Theodor Fontanes Roman Cécile im Kontext der gesellschaftlichen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der literaturgeschichtlichen Entwicklung des Suizidmotivs, der psychologischen Dimension von Selbsttötung sowie der soziologischen Analyse gesellschaftlicher Konventionen und deren Auswirkungen auf die weibliche Hauptfigur.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu untersuchen, ob die Selbsttötung der Protagonistin Cécile als rein individuelles Handeln oder als direkte Konsequenz eines repressiven gesellschaftlichen Systems zu verstehen ist.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin kombiniert eine formale Analyse der Romanstruktur mit motivanalytischen Ansätzen und zieht medizinisch-psychologische sowie soziologische Theorien zum Suizid zur Interpretation heran.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst eine Begriffsdefinition des Suizids, die Einbettung des Motivs in die Literatur der Jahrhundertwende sowie eine detaillierte formale und inhaltliche Untersuchung von Fontanes Cécile.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Wichtige Begriffe sind Suizidmotiv, Theodor Fontane, Cécile, gesellschaftliche Konventionen, präsuizidales Syndrom, fatalistischer Suizid und Literatur der Jahrhundertwende.

Inwieweit spielt die Epoche für das Verständnis des Romans eine Rolle?

Die Jahrhundertwende war geprägt von einem Spannungsfeld zwischen traditionellen bürgerlichen Werten und einem aufkommenden individuellen Freiheitsdrang, was Céciles ausweglose Situation maßgeblich bestimmt.

Wie deutet die Arbeit das Ende von Cécile?

Die Arbeit interpretiert den Suizid als eine selbstbestimmte Entscheidung Céciles, die ihr die Flucht aus einem von gesellschaftlicher Verachtung und innerer Leere geprägten Leben ermöglicht.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Motiv des Suizids in Theodor Fontanes Roman "Cécile"
Note
1,3
Autor
Birgit Goldbecker (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V386031
ISBN (eBook)
9783668617773
ISBN (Buch)
9783668617780
Sprache
Deutsch
Schlagworte
motiv suizids theodor fontanes roman cécile
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Birgit Goldbecker (Autor:in), 2010, Das Motiv des Suizids in Theodor Fontanes Roman "Cécile", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386031
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  14  Seiten
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