Der Nürnberger Anstand und die zweite Phase der Reformation 1526-1532


Hausarbeit, 1999
18 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Vorgeschichte
2.1. Reformatorische Bewegungen vor 1526
2.2. Die Reichstage 1526 - 1529
2.3. Der Reichstag zu Augsburg 1530

3. Der Nürnberger Anstand 1532
3.1. Vorbedingungen
3.2. Verabschiedung

4. Beurteilung der Bedeutung des Nürnberger Anstands für die Reformationsgeschichte

5. Literaturverzeichnis
5.1. Quellen
5.1.1. Gedruckte Quellen
5.2. Literatur
5.21. Zitierte Literatur
5.2.2. Durchgesehene, nicht zitierte Literatur

1. Einleitung

Die deutsche Reformationsgeschichte – im allgemeinen sind zu diesem Thema zwei Daten präsent : Martin Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg 1517 als Beginn des Prozesses der Glaubensspaltung und der Augsburger Religionsfriede von 1555 als Endpunkt, der im Deutschen Reich zwei christliche Religionen zuließ.

Dabei wird oft der zweiten Phase der Reformation, die sich zwischen den oben genannten Ereignissen von 1526 bis 1532 abspielte, wenig Beachtung geschenkt.

Dabei brachte diese Zeitspanne wichtige Ereignisse und folgenschwere Entscheidungen und Weichenstellungen hervor. Sie ist in vielerlei Hinsicht der Wegbereiter für nachfolgende Geschehnisse wie etwa Augsburg 1555. Ihren Endpunkt markiert der Nürnberger Anstand, auch Nürnberger Religionsfrieden genannt.

Diese Hausarbeit soll den Nürnberger Anstand mit all seinen Facetten, vor allem seine Bedeutung für die Reformationsgeschichte, beleuchten. Dazu ist es aber unerläßlich, seine Vorgeschichte genauer unter die Lupe zu nehmen, ohne deren Erläuterung der Nürnberger Anstand nicht richtig in die Geschichte eingeordnet werden kann.

Bei der Darstellung der zweiten Phase der Reformation kann in dieser Hausarbeit aus Platzgründen nicht auf alle Aspekte und Faktoren näher eingegangen werden.

Untersucht wird primär die politische Entwicklung auf Reichtagsebene, die für den Nürnberger Anstand am bedeutendsten ist. Ausschlaggebend ist dabei der Gesichtspunkt, inwiefern die reformatorische Bewegung Fortschritte erzielt oder Rückschritte hinnehmen muß.

Im Anschluß an diese Betrachtung wird ein Überblick über verschiedene Beurteilungen der Bedeutung des Nürnberger Anstands für die Reichs- und Reformationsgeschichte gegeben. Dabei kommen Historiker zu Wort, auf deren Forschungsergebnisse sich auch diese Hausarbeit stützt.

2. Vorgeschichte

2.1 Reformatorische Bewegungen vor 1526

1526 trat die deutsche Reformationsgeschichte in eine neue Phase ein.

Die Lehren Martin Luthers erfreuten sich immer größerer Beliebtheit und wurden durch den Einsatz der Buchdruckkunst auch über weite Entfernungen im deutschen Teil des Römischen Reiches verbreitet. Vor allem in den Reichsstädten, die direkt dem Kaiser unterstanden und nicht von einem fürstlichen Landesherren regiert wurden, entschloß sich Anfang der 20er Jahre die städtische Führungsschicht, der auch vermögende Kaufleute angehörten, ihre Bewohner mit den neuen Lehren, von denen sie sich auch eigene Vorteile (z.B. liberale Einstellung zum Handel), zu konfrontieren. Eigens wurden dazu hochrangige Prädikanten angeheuert, die von nun an im Sinne Luthers das Stadtvolk aufklären sollten.

Martin Luther, der seit 1521 als „Junker Jörg“ auf der Wartburg im Schutze des Kurfürsten zu Sachen, Friedrich dem Weisen, weilte und sein Lehrling Philipp Melanchton untermauerten zusehends die Grundfesten der neuen Lehre und schufen mit ihren literarischen Werken die Grundlagen für einen evangelischen Gottesdienst (Luther : 1526 Deutsche Messe, 1529 Katechismen, Trau- und Taufbüchlein. Melanchton : Handreichungen für Gemeindepfarrer.).

Die Kirchenordnung Kursachens wurde zum Musterbeispiel für alle protestantischen Stände. Sie sah vor, daß der Landesherr zugleich Kirchenoberster und für das ganze Kirchenwesen hauptverantwortlich war. Der Landesherr ernannte die Pfarrer, beaufsichtigte das kirchliche Vermögen, die Lehre, Liturgie und Schulbildung und führte Kirchen- und Schulvisitationen durch. Um dem Reformprogramm Wirkung zu verleihen, brauchte es Exekutivorgane. So wurden die Klöster aufgelöst und stattdessen Fürsten- und Lateinschulen aufgemacht, in denen der theologische Nachwuchs herangezogen wurde. Bereits 1527 öffnete die erste evangelische Universität in Marburg (Hessen) ihre Tore.

Der Fürstenstaat, der sich der Reformation anschloß, erhielt also neue Aufgaben, die er zu bewältigen hatte, eignete sich aber auch im Zuge der Säkularisierung viele neue Güter an , die ihm dies ermöglichten.

Allgemein lassen sich in den 20er Jahren folgende Entwicklungen im Reich feststellen :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Manche Fürsten entdeckten die Reformation als politisches Instrument und schlossen sich ihr an.
- Die Reformationsbewegung gewann neben der theologischen Diskussion den politischen Aspekt hinzu.
- Das Schicksal der Reformation verknüpfte sich zusehends mit dem der ihr angehörigen Reichsstände.
- Die reformatorischen Fürsten nahmen immer mehr die Führungsrolle innerhalb der Bewegung ein und konnten ihre Durchführung nach ihrem gusto gestalten.

Der vorausgehende Bauernkrieg war ein signifikantes Beispiel gewesen. Der eigentliche Reformator Martin Luther hatte sich gegen die Bauern auf die Seite der Fürstenschaft geschlagen. So war nach der Niederlage der Aufständischen keine wirksame politische Kraft im Reich mehr vorhanden, die für eine Reformation „von unten“, also in allen Gesellschaftsschichten, hätte eintreten können.

Die Glaubensfrage war Fürstensache geworden. Dies wird vor allem bei einer Betrachtung der Reichstage gewahr, die das politische Forum der Reichsstände bildeten. Kein Reichstag der 20er Jahre behandelte nicht die Thematik der Glaubensspaltung. Das Erbe von Worms 1521 war die immerwiederkehrende Diskussionsgrundlage zwischen den konkurrierenden Reichsständen.

Schon 1524 erlangten die reformatorischen Stände auf dem Reichstag zu Nürnberg einen Teilerfolg. Kaiser Karl V. weilte im Krieg mit Frankreich und überließ die deutsche Glaubensfrage dem päpstlichen Legaten Campeggio, der den Ständen nur das Versprechen abnehmen konnte, das Wormser Edikt „so viel als möglich“[1] zu beachten. Diese Formel ermöglichte es, die reformatorischen Bestrebungen weiter voran zu treiben und nicht, wie im Wormser Edikt eigentlich gefordert, sofort einzustellen.

Neben den Ereignissen auf den Reichstagen verschärfte sich der Konflikt zwischen altgläubigen und reformatorischen Ständen auch außerhalb der dazugedachten politischen Plattformen. Als Reaktion auf Nürnberg 1524 gründete sich der Dessauer Bund 1525, bestehend aus katholischen Fürstentümern wie Mainz, Brandenburg oder Braunschweig. Ein Jahr später antworteten Hessen und Kursachsen mit der Gründung des Torgauer Bundes.

Zusehends wurde die Glaubensfrage auch eine Koalitionsfrage, die es vor allem den Landesherren ermöglichte, neue Verbindungen einzugehen und neue politische Macht zu erobern. Fördernd wirkte sich auf diesen Umstand auch die Abwesenheit des Kaisers aus. Karl V., die erste Kraft im Reich, kämpfte an mehreren Fronten gegen Franz von Frankreich, den Papst und einige italienische Städte. So übersah er zu leicht die Vorgänge in Deutschland, die sein Reich zusätzlich destabilisierten und den Fürsten immer mehr an Machtgewinn brachten.

2.2. Die Reichstage 1526 – 1529

In den Jahren 1526 und 1529 fanden in Speyer zwei Reichstage statt, die in ihren Ergebnisse und Auswirkungen für die Reformation nicht hätten unterschiedlicher sein können.

Der erste Speyrer Reichstag verabschiedete eine Kompromißformel, die noch über die von 1524 hinaus ging und den reformatorischen Ständen die unausgesprochene Möglichkeit gab, evangelische Kirchenordnungen einzuführen[2]: Jedem Reichsstand wurde zugestanden, sich so zu verhalten, „wie ein ieder solichs gegen got und irer Mat. hofft und getraut zu verantworten“[3].

Noch glaubte der Kaiser daran, die strittigen Stände mit einem nationalkirchlichen katholischen Reformprogramm wiedervereinen zu können und die Glaubensfrage bis zur Einberufung eines Konzils hinausschieben zu können. Auf dieses Konzil warteten auch die Stände hoffnungsvoll und drängten den Kaiser, sich dafür beim Papst stark zu machen. Doch noch war Karl V. im Krieg gegen den Vatikan. 1527 plünderten sogar kaiserliche, darunter auch evangelische Söldner, die Ewige Stadt beim sogenannten „sacco di roma“, bevor es 1529 zum „Damenfrieden“ zwischen Karl und dem Papst kam. Aus diesen Gründen und weil Papst Clemens VII schon früh fürchtete, den status quo seiner weltlichen Macht durch eine Amtsenthebung aufgrund seiner unehelichen Geburt und durch ein reformiertes Kirchentum zu verlieren, kam in den nächsten Jahren (bis zum Konzil von Trient 1545!) keine Einberufung eines Konzils zustande.

[...]


[1] Rabe, Horst : Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500-1600.München 1989.(Neue Deutsche Geschichte 4). S.317.

[2] Lutz, Heinrich : Das Ringen um deutsche Einheit und kirchliche Erneuerung. Von Maximilian I. bis zum Westfälischen Frieden 1490 – 1648. Frankfurt am Main 1983.(Propyläen Geschichte Deutschlands 4). S. 248.

[3] Geschichte in Quellen. Band 3 : Renaissance, Glaubenskämpfe, Absolutismus. Bearbeitet von Fritz Dickmann. München 1966. S.157.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Nürnberger Anstand und die zweite Phase der Reformation 1526-1532
Hochschule
Universität Stuttgart  (Historisches Institut, Abt. Landesgeschichte)
Veranstaltung
Die Reformation in Südwestdeutschland
Note
1,5
Autor
Jahr
1999
Seiten
18
Katalognummer
V38615
ISBN (eBook)
9783638376211
ISBN (Buch)
9783638749619
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nürnberger, Anstand, Phase, Reformation, Südwestdeutschland
Arbeit zitieren
Hendrik Hiss (Autor), 1999, Der Nürnberger Anstand und die zweite Phase der Reformation 1526-1532, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38615

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