Charakter und die Erscheinungsformen von Erlebnisräumen. Welche Ausprägungsmuster weisen die verschiedenen Themenorte auf?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
29 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Sozialgeographische Einbettung von Themenorten

3 Der Kommerzielle Themenort

4. Der Erlebnisraum als spezifischer Themenort
4.1 Voraussetzungen für die Entstehung von Erlebnisräumen
4.2 Charakterisierung von Erlebnisräumen
4.2.1 Klassifikation
4.2.2 Steuerungsfaktoren
4.3 Auswirkungen von Erlebnisräumen

5. Zusammenfassung und Ausblick

6 Fazit

Literatur

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Zuordnung von Erlebniswelten

Abbildung 2 Schematischer Aufbau eines „Mixed – Use – Center“

Abbildung 3 Werbeplakat Autostadt Wolfsburg

Abbildung 4 Gartenanlage Schloss Versailles

Abbildung 5 Buffalo Bill’s Wild West Show

Abbildung 6 Times Square, New York

1 Einleitung

„Die Einkaufszentren verwandeln sich in Schauplätze einer Wiederverzauberung der Welt, nach der wir uns gerade deshalb sehnen, weil jede Spur von Magie, Aura, Charisma und Zauber aus unserem aufgeklärten Alltag getilgt ist.“ (Bolz 1999: o.S.)

Berichten aus Branchenzeitschriften und Wirtschaftsmagazinen zufolge leben wir Deutschen in einer Freizeit – und Dienstleistungsgesellschaft. Die Arbeitszeit scheint nur noch die Hälfte des alltäglichen Zeitpensums eines Bundesbürgers auszumachen. Dementsprechend vielfältige Angebote breiten sich in einem übersättigten, doch permanent anwachsenden Markt der Tourismusindustrie aus. Die Verlockung ist höher denn je, aber mit ihr auch die Angst der Konsumenten einen gegenwärtigen Trend bezüglich Lifestyle-Orientierung und Freizeitkonsum zu verpassen, oder in eine Ohnmacht der Produktselektionszwänge zu fallen.

Die Vielzahl von errichteten Freizeit- und Erlebniseinrichtungen, ist groß und erfährt einen anhaltenden Aufschwung durch den jährlichen Anstieg der Besucherzahlen. Das Erlebnis stellt eine Art kategorischen Imperativ unserer Zeit dar. Nur was bedeutet das Erleben in thematisierten Erlebnisräumen überhaupt?

Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Charakter und die Erscheinungsform dieser Erlebnisräume zu betrachten. Es stellt sich im Zuge dessen die Frage, um welche Art von Themenort es sich hierbei handelt und welche Ausprägungsmuster er aufweist. Die Erfassung der Rahmenbedingungen ist jedoch nicht ausreichend, um den Kern des Phänomens von Erlebniswelten, Erlebnisräumen und Themenorten zu erfassen. Vielmehr befassen wir uns in der mehrperspektivischen Betrachtung mit einer postmodernen, eigenständigen Form des Raumes, in welchem handelnde Akteure gestaltend und sinnstiftend tätig sind und weitreichende Auswirkungen auf unser Raumverständnis und unser räumliches Interesse die Folge ist. Demnach gilt es Hintergründe zu beleuchten, und eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für eine angestrebte Deutung des Phänomens zu schaffen.

2 Sozialgeographische Einbettung von Themenorten

Um den Begriff Themenorte und deren Relevanz für das sozialgeographisches Verständnis zu erklären, ist die Verwendung theoretischer Ansätze aus der Geographiegeschichte unumgänglich. Den Ausgangspunkt dafür stellt die „ Place and Space “- Theorie dar, welche einen Zusammenhang zwischen dem Raum (space), wie er als solcher existiert, und dem Begriff des Ortes (place) herstellt. Die Theorie gibt einen Erklärungsansatz für das Verständnis darüber, was Themenorte aus geographischer Sicht überhaupt sind und wie sich diese vom Begriff Raum unterscheiden. Grundlegend stellt der Raum den Ansatzpunkt jeglicher humangeographischer Betrachtungen bzw. Forschungen dar. Es wird angenommen, dass es einen bestehenden Raum gibt, welcher mit bestimmten physischen Eigenschaften ausgestattet ist (Knox & Marston 2008:1). Dieser Raumausschnitt wird zuerst als abstrakt und ohne jede Sinnhaftigkeit wahrgenommen. Der space kann durch das Vorhandensein des Menschen zum place, also einem Ort mit Bedeutung, transformiert werden, denn places entstehen durch das Zusammentreffen sozialer Beziehungen (Knox & Marston 2008:3). Orte werden also durch die subjektive Sicht der erfassenden Personen aus unterschiedlichen Motiven, sowie durch ihr Einwirken und Handeln innerhalb des spaces geformt. Dadurch erfahren diese eine individuelle Sinnzuweisung bzw. Bedeutungsaufladung (Knox & Marston 2008:5). „ Place “ ist demzufolge nach Werlen (2008:345): „Ausdruck einer Aneignung, bei der eine sinnhafte Belegung eines räumlichen Handlungskontextes durch menschliches Handeln erfolgt“. Das heißt auch, dass Orte, je nach Betrachter, keine feste und einmalige Bedeutung besitzen und daher dynamisch sind (Knox & Marston 2008:3). Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Begriffen besteht darin, dass der place nicht mehr nur wie der space rein physische Eigenschaften besitzt, sondern sich durch eine starke soziale und kulturelle Konstruktion auszeichnet (Knox & Marston 2008:1). Dabei bedingen diese beiden Begrifflichkeiten einander, denn ein place kann niemals ohne den space auftreten.

Es stellt sich nun die Frage, warum wir Menschen einige Orte als sehr wichtig empfinden und andere uns kaum im Gedächtnis bleiben. Genau diese Fragen sind bedeutsam für die Themenorte und ihre Konstrukteure, die die Relevanz des Ortes für den Menschen bzw. den Konsumenten analysieren und den Ort so gestalten müssen, dass er sich mit ihm identifizieren kann.

Es ist also abzuleiten, dass die Bedeutung einer Landschaft, eines Raumes oder Ortes erst durch alltägliche Handlungen, wie beispielsweise die des historischen Erinnerns oder einer gesellschaftlich, ökonomisch, politischen Symbolzuweisung erzeugt wird (Knox & Marston 2008:374). Genau dieses Phänomen wird in der Theorie der Themenorte problematisiert und in neueren Diskursen kritisch besprochen.

Häufig werden die thematischen Orte zu kommerziellen Zwecken errichtet. Dies kann nur in die Tat umgesetzt werden, wenn die Bedeutungsaufladung die verschiedensten Bedürfnisse des Konsumenten weckt. Hierbei ist auf Aspekte des Inhaltes bzw. des Sinnes der Thematisierung sowie auf das vielfältige Spektrum der Bedürfnismuster zu achten (Flitner & Lossau 2006:8).

Nun besteht noch die Frage, was dieses Phänomen für Geographen so besonders macht bzw. warum es überhaupt Inhalt eines geographischen Forschungsansatzes ist. Insgesamt muss man das Konzept der Themenorte in die humangeographische Sparte einordnen. Einerseits befassen sich die Themenorte mit rein wirtschaftsgeographischen Problemstellungen, da sie eng mit dem Freizeit- und Tourismusverhalten der Konsumenten gekoppelt sind: Die ökonomische Inszenierung von Orten für touristische Zwecke und die daraus resultierenden Finanzströme bleiben aus wirtschaftsgeographischer Sicht auch zukünftig außerordentlich wichtig, da dieser Sektor ein hohes Wachstumspotenzial aufweist (Knox & Marston 2008:720). Andererseits ist die Betrachtung auf soziokultureller Ebene ebenso interessant. In der Sozialgeographie bringen die Themenorte Erkenntnisse darüber, wie Menschen bestimmte Orte wahrnehmen, welche Orte sie bevorzugen und wie Unternehmen versuchen, die Wünsche der Konsumenten in der Umgestaltung der Orte umzusetzen. Allerdings ist die Bedeutungsaufladung für jeden Mensch individuell und basiert auf einem Prozess der Konstruktion von Raum. Folglich ist die persönlich Aufladung eines Ortes mit einem bestimmten Sinn, ein Prozess des alltäglichen Geographie-Machens (Flitner & Lossau 2006:20) und beinhalten einen starken Praxisbezug. Leitfragen zu diesem Themenkomplex könnten lauten: Wie kommt es zu einer subjektiven Bedeutungszuweisung an Themenorten im kulturellen Kontext und an welchen sozialen Einstellungen kann man einen persönlichen Bezug feststellen?

3 Der Kommerzielle Themenort

Themenorte lassen sich je nach ihrer Ausrichtung als funktional-, politisch- und kommerziell typisieren (Flitner 2006:8). In Betrachtung ihrer Entstehung muss man von einer Konstruiertheit ausgehen, die somit impliziert, dass wir uns mit kulturellen Raumgestaltungsprozessen auseinandersetzen. Es sind drei Ebenen zu berücksichtigen, die den Grundriss für die Etablierung eines Themenortes bilden: Produkt, Kontext und mediale Repräsentation.

Die Kommerziellen Themenorte sind die wohl anschaulichsten Beispiele für thematisierte Orte und sollen als Betrachtungsgegenstand in den folgenden Ausführungen herangezogen werden. Dazu gehören alle Standorte, welche gezielt in Szene gesetzt wurden und welche, wie die Bezeichnung suggeriert, durch ihre strenge Profitorientierung gekennzeichnet sind. Die Produzenten der Themenorte versuchen gezielt einen Raum thematisch aufzuladen und ein möglichst großes Spektrum an Besuchern unter der Berücksichtigung verschiedenster Bedürfnisse zu mobilisieren und zu befriedigen, um primär einen großen finanziellen Nutzen zu erhalten (Flitner & Lossau 2006:8). Auf der anderen Seite erfolgt auch eine Exklusion einiger Personengruppen aufgrund hoher Eintrittspreise und Regeln der Hausordnung. Alle, die die auferlegten Zugangs- oder Nutzungsbedingungen nicht erfüllen können, werden ab- bzw. ausgewiesen (Lossau & Flitner 2006:8). Die gesamte Strategie basiert auf einer konsequenten Erlebnisorientierung und der permanenten Kundenbezogenheit, die es möglich macht, sich auf schnell variable Bedürfnisse der Konsumenten einzustellen (Steinecke 2000:44). Neben der Konsumentenorientierung sind Multioptionalität und ein standardisiertes Angebotsspektrum, aus dem die Besucher frei wählen und nach Belieben kombinieren können, ein weiteres Hauptmerkmal der kommerziellen Themenorte (Steinecke 2000:42).

4. Der Erlebnisraum als spezifischer Themenort

Im Zusammenhang der literarischen Auseinandersetzung mit Themenorten treten fortwährend die Begriff des Erlebnisses, Erlebnisräume und Erlebnisorientierung auf. Folgende Definition findet sich bei Weinberg & Diehl (2000:189) hierzu:

„Unter einem Erlebnis versteht man den subjektiv wahrgenommenen, durch das Produkt und die marketingpolitischen Maßnahmen vermittelten Beitrag zur Lebensqualität der Konsumenten. Der Gesamteindruck der vermittelten Erlebnisse ergibt die Erlebniswelt.“

4.1 Voraussetzungen für die Entstehung von Erlebnisräumen

Die grundlegende Determinante, welche die Basis und den Nährboden für die Errichtung spezifischer Erlebnisräume darstellt, findet sich nach Opaschowski (1995:6) in dem gesellschaftlichen Konsumwandel vom Versorgungs- zum Erlebniskonsum der westlichen Gesellschaften. Die in diesem Kontext stattgefundene Verminderung der Wochenarbeitszeit von 50 auf 38,5 Stunden und die damit verbundene Freizeitvermehrung (Opaschowski 1995:16) führt wie durch Steinecke (2009:29) beschrieben zu einer Umordnung des gesellschaftlichen Wertesystems von Grundsätzen wie Leistung, Ordnung, Pflichtgefühl zu einem Fokussieren der persönlichen Entfaltung und des persönlichen Vergnügens. Weiterführend ist dieser Wertewandel begleitend durch gravierende soziale und ökonomische Umstrukturierungen gekennzeichnet. Dies schlägt sich in einem allgemeinen höheren Einkommensniveau der Bevölkerung, sowie der durch den Sektorenwandel bedingten Tertiärisierung der Wirtschaft nieder. Der von Hennings (2000:56) beschriebene hedonistische Produktanspruch seitens der Nachfrager (Abwechslung, Unterhaltung, Genuss, Verwirklichung emotionaler Bedürfnisse etc.) steht exemplarisch für das Ergebnis des Wertewandels.

Um einem solchen Anspruchsdenken gerecht zu werden, ist in der Vielzahl heutiger Produkte ein gewisser „Mehrnutzen“, sowie Erlebnischarakter integriert.

Der Wertewandel führte dementsprechend in Betrachtung der gesellschaftlichen Entwicklung Deutschlands von einer überlebensgesellschaft (Ende der 1940’er- der 1950’er- bis Ende der 1960’er Jahre) hin zu einer postmodernen „Erlebnis – Gesellschaft“ (seit Mitte der 1980’er Jahre) (Steinecke 2009:30).

So tragen die gesteigerten Konsummöglichkeiten und der Erlebnischarakter vieler Produkte nach Opaschowski (1998:14) zu Steigerung der Lebensqualität bei und erzeugen davon ausgehend das Bedürfnis, das Leben zu genießen, Eindrücke zu sammeln, sich verwöhnen und animieren zu lassen.

Wenn sich also in der heutigen Erlebnisgesellschaft ein deutlicher Bedürfnistrend zum Hedonismus, Individualismus und Erlebnishunger abzeichnet, wie durch Becker et al. (2007:127) aufgezeigt, muss dieser zwangsläufig auch auf marktökonomische Erschließung in differenzierten Freizeitbereichen stoßen. Ersichtlich wird dies beispielsweise im Freizeitbereich Sport durch Trendsportarten wie Trekking, Rafting, Mountainiering, Boungee Jumping, welche allesamt sportliche Aktivitäten mit besonderem Erlebnispotenzial darstellen, die sich durch einen Zusatznutzen materieller Art (Gimmicks, Specials) oder emotionaler Art auszeichnen (Staunen, Grenzerfahrung, Status). Die Grundessenz für diesen Abenteuer- und Extremtourismus bildet allerdings immer die marketingtechnische Regulation und Steuerung dieser Prozesse (vgl. Becker et al. 2007: 80).

Um auf das im Punkt 4 angeführte Zitat von Weinberg & Diehl zurückzukommen, kann sich eine solche erzeugte Erlebniswelt des Sporttourismus auf alle Bereiche unserer Freizeitkultur übertragen. An dieser Stelle zeigt Opaschowski (1995:279) eindrucksvoll, dass im Grunde genommen kein Bereich unserer alltäglichen Freizeitwelt von den Dienstleistungsstrukturen der industrialisierten Erlebnisorientierung verschont bleibt, welche zunehmend Individualisierungs- und Lifestyle- Typisierungsangebote zwischen Tanz-Schule, Heimwerker –Club , Verzehr –Kino und Fitness-Center etabliert. Die Erlebniswelten lassen sich zudem noch in einzelne Erlebnissektoren untergliedern, welche sich wiederum in höhergestellten Sozialbereichen wiederfinden. So existiert beispielsweise eine Erlebniswelt Reisen, welche sich in den Tourismusbereich einordnen lässt. (Opaschowski 1995:146).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zuordnung von Erlebniswelten in OPASCHOWSKI (1995:156)

In der Betrachtung der dargestellten Ergebnisse ist ersichtlich, dass Einerseits zentrale Triebkräfte existieren, welche die Existenz und Gestaltung von Erlebniswelten ermöglichen. Hierbei kristallisiert sich ein hedonistisches- und erlebnisorientiertes Konsumverhalten der Nachfrager heraus, welches einer vielschichtigen, übersättigten, individualisierten, sowie auf Mehrnutzen und Erlebnischarakter ausgerichtete Produkt- und Angebotspalette seitens der Produzenten gegenübersteht.

Andererseits stellt sich die Frage, ob im Hintergrund geografischer Betrachtungen eine räumliche Einteilung und Inklusion der dargestellten Vielfalt und Verbreitungserscheinung von konstruierten Erlebniswelten möglich ist.

Deshalb gelten die Begrifflichkeiten der Erlebniswelt und des Erlebnisraumes voneinander zu trennen.

Bezüglich der Erlebniswelt findet sich ein möglicher Ansatzpunkt im Weltbegriff durch Bermes (2004:54).

Welt stellt nach ihm einen resultierenden Gesamtkomplex, eine sich ergebene Einheit, aus allen in spezifischen Kontexten stehenden einwirkenden Faktoren, dar. Ausgehend von dieser These bildet also das Konglomerat, oder der Gesamteindruck aller Erlebnisse eine Erlebniswelt (Weinberg & Diehl 2000: 189), welche sich wiederum nach dem Verständnis von Opaschowski (1995:146) im Kontext der Freizeitforschung in verschiedene Subtypen untergliedern lässt (bspw. Erlebniswelt Reisen, Erlebniswelt Kultur, Erlebniswelt Ausgehen, Erlebniswelt Sport, Erlebniswelt Medien, Erlebniswelt Baden etc.).

Soweit soll diese Ausführung zur grundlegenden Auffassung von Erlebniswelten in der Literatur genügen. Jedoch bleibt noch zu klären, wie sich diese Erlebniswelten nun in räumlichen Bezügen wiederspiegeln.

Diese werden durch Einbettung in räumliche Interaktions-und Handlungsprozesse von zusammentreffenden Akteuren zum Ausdruck gebracht. Gestützt wird diese These durch Lossau et al. (2014:253), welche die Herausformung von Orten des Erlebniskonsums, wiederum mit dem Zusammentreffen von erlebnisorientiertem Angebot und Nachfrage begründet.

Damit lässt sich gleichzeitig stellungnehmend zur im Punkt 2 erläuterten Theorie des „Place and Space“ eine Sinnbeladung von bestehenden sinnfreien, abstrakten Räumen (Space) zum Erlebnisraum abstrahieren.

So wird der Raum durch die Integration von Erlebniswelten über das Angebotsspektrum zuerst mit zahlreichen Erlebnismöglichkeiten beladen. Anschließend erfährt dieser eine individuelle Aneignung, Selektion, Mitgestaltung der Erlebniswelten, durch die sich im Raum bewegenden, interagierenden und aneignenden Nachfrager (vgl. Hasse 1994:18).

Den Erlebnisraum müssen wir also, beruhend auf dieser Argumentation, als Place im Sinne des Erlebens verstehen, welcher ein Bindeglied zwischen zweckbestimmter Raumkonstruktion, sowie dem immateriellen, imaginierten und angeeigneten Raum darstellt (vgl. Hasse 1994:19).

Die große Anzahl und der weltweite anhaltende Boom von Freizeit- und Tourismuseinrichtungen beweisen die Existenz solcher auffindbaren Standorte des Erlebens. Hierbei treten Multifunktionskonsumkomplexe neben klassischen Vergnügungsstandorten aus dem Hause Disney oder Mack (Europa -Park Rust) als klassische und allbekannte Erlebnisräume auf, wie durch Becker et al. (2007:125) veranschaulicht. Allerdings ist in einer Zeit der Virtualisierung nicht von der Hand zu weisen, dass sich das Erleben zunehmend auch auf den virtuellen, also nicht haptischen Raum erstreckt (Becker et al. 2007:81) und somit gerade unter dem Gesichtspunkt zunehmender Reflexion und Erweiterung des Raumverständnisses innerhalb der Humangeographie eine wichtige Rolle spielt.

Die Analyse und Erforschung der Erlebnisräume, sowie deren Bedeutung für Raumwahrnehmung und Raumverständnis und deren Auswirkungen auf weiterführende Raumgestaltungsprozesse nimmt in den folgenden Abschnitten zentrale Stellung ein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Charakter und die Erscheinungsformen von Erlebnisräumen. Welche Ausprägungsmuster weisen die verschiedenen Themenorte auf?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Humangeographie 1
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
29
Katalognummer
V386160
ISBN (eBook)
9783668603325
ISBN (Buch)
9783668603332
Dateigröße
1303 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erlebnisraum, Themenort, Themenpark, räumliche Inszinierung, Erlebnisorte
Arbeit zitieren
Erik Schittko (Autor), 2015, Charakter und die Erscheinungsformen von Erlebnisräumen. Welche Ausprägungsmuster weisen die verschiedenen Themenorte auf?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386160

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