Der Zweite Weltkrieg ist wohl als das global einschneidendste Ereignis des abgelaufenen Jahrhunderts zu betrachten. Unzählige Tragödien und Schicksale sind durch ihn heraufbeschworen worden. Noch heute, fast 60 Jahre nach Ende, ist diese Thematik noch präsent und beschäftigt Historiker wie Weltöffentlichkeit. Dieses Referat betrachtet eine Tragödie, die im Zweiten Weltkrieg und in den Annalen des 20. Jahrhunderts ihres gleichen sucht. Ein Drama, das den Leidensweg von ca. 2 Millionen osteuropäischer Menschen erzählt, die im zweiten Weltkrieg an der Seite der deutschen Wehrmacht gegen Stalinismus und kommunistische Zwangsherrschaft kämpften. 1945 gerieten sie in die Hände der westlichen Siegermächte und wurden von den Alliierten an die sowjetischen Behörden ausgeliefert. Dies bedeutete für viele unter ihnen den sicheren Tod oder Repressalien wie Zwangsarbeit in den GULAGs und oder Ächtung in der Bevölkerung sowie politische Verfolgung.
Inhaltsverzeichnis
1. General Wlassow (Vlassov)
1.1. Der Werdegang zum Befehlshaber der ROA
1.2. Des Generals Schicksal
2. Die Wlassow-Armee
2.1. Propagandamissbrauch einer Armee
2.2. Die Motive der Soldaten
2.3. Einsatz an der Front
3. Die Abkommen
3.1. Jalta: Rechtliche Grundlagen der Rechtlosigkeit
3.2. Das Abkommen von Halle
4. Die Vorbereitung der Rückführungen
4.1. Die Befehle zur Durchführung der Maßnahmen
4.2. Das Wirken der sowjetischen Repatriierungsorgane
5. Die Rückführungen der Kollaborateure
5.1. Der Vorhof zum GULAG
5.2. Im Archipel GULAG
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den tragischen Leidensweg der russischen Befreiungsarmee (ROA) unter General Wlassow, deren Soldaten im Zweiten Weltkrieg an der Seite der deutschen Wehrmacht kämpften, nach Kriegsende jedoch von den Alliierten in die Sowjetunion repatriiert wurden, was für viele in Tod oder GULAG-Haft endete.
- Historischer Werdegang von General Wlassow und der ROA
- Politische Instrumentalisierung und Propagandamissbrauch der Armee
- Rechtliche Grundlagen der erzwungenen Repatriierung (Jalta/Halle)
- Strukturen und Methoden der sowjetischen Repatriierungsorgane
- Das Schicksal der Rückgeführten in den sowjetischen Arbeitslagern
Auszug aus dem Buch
5.1. Der Vorhof zum GULAG
Nach dem Zusammenbruch Deutschlands gerieten die Wlassow-Soldaten auf verschiedenen Wegen in Gefangenschaft.
Ein Großteil der Wlassow-Soldaten geriet in die Hände der Alliierten. Während die rund 20.000 Mann der Nordgruppe der ROA (1. Division) sich in ihrer Mehrheit bereits in sowjetischer Hand befanden, waren Teile der 25.000 Mann zählenden Südgruppe (2. Division, Wachbataillon, Reservebrigade und andere Einheiten) von den Amerikanern in Landau konzentriert worden. Die Soldaten selbst fühlten sich als Kriegsgefangene oder, da eine Bewachung in den ersten Wochen fast völlig fehlte und die Offiziere sogar im Besitz ihrer Handfeuerwaffen blieben, als Militärinternierte der amerikanischen Armee. Später erfolgte eine etappenweise Entwaffnung. Die im ganzen großzügige Behandlung durch die Gewahrsamsmacht, dazu wohlwollende Erklärungen amerikanischer Offiziere, alle Soldaten der ROA würden demobilisiert und in den zivilen Status überführt werden, ließen anfangs eine zuversichtliche Stimmung aufkommen und gaben der Hoffnung Auftrieb, die Idee der Befreiungsarmee auch unter den veränderten Bedingungen aufrecht erhalten zu können. Später wurden die Wlassow-Kontingente zu Kriegsgefangenen erklärt.
Mehrere Monate nachdem die Entscheidung über die Repatriierung der Russen gefallen war, lebten sie in den Lagern der Engländer, Amerikaner und Franzosen in der GULAG-Vorhölle unter Bedingungen weiter, die ihnen über alle bisher erfahrenen Maße ideal vorkommen musste. Das verhältmäßig freie und bequeme Leben, dass sie nun auf dem von Krieg und Tyrannei unberührten oder befreiten Land führten, muss ihnen rückblickend wie eine Traumexistenz vorgekommen sein. Ihr späteres Schicksal traf sie daher um so härter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. General Wlassow (Vlassov): Dieses Kapitel beleuchtet die Biografie von Andrei Andrejewitsch Wlassow, seinen Aufstieg in der Roten Armee sowie seine Gefangennahme und die anschließende Gründung der russischen Befreiungsarmee.
2. Die Wlassow-Armee: Hier werden die Rolle als Propagandainstrument, die Ideale und Motive der Soldaten sowie ihr begrenzter und verlustreicher militärischer Einsatz gegen Kriegsende beschrieben.
3. Die Abkommen: Dieser Abschnitt analysiert die politischen Beschlüsse von Jalta und Halle, die den rechtlichen Rahmen für die erzwungene Auslieferung sowjetischer Bürger an die UdSSR bildeten.
4. Die Vorbereitung der Rückführungen: Es wird die administrative Vorbereitung der Sowjetunion erläutert, die durch spezielle Behörden und Repatriierungsorgane die Rückkehr der Soldaten und Zivilisten forcierte.
5. Die Rückführungen der Kollaborateure: Das letzte Kapitel dokumentiert die unmenschlichen Zustände bei der Überstellung, den Widerstand der Betroffenen und den anschließenden Leidensweg in den sowjetischen Arbeitslagern.
Schlüsselwörter
General Wlassow, ROA, Russische Befreiungsarmee, Zweiter Weltkrieg, Repatriierung, Jalta-Abkommen, GULAG, Kollaboration, Sowjetische Kriegsgefangene, Stalin, Zwangsarbeit, Ostlegionen, Anti-Sowjetismus, Repatriierungsorgane, Kollaborateure
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Schicksal der sogenannten Wlassow-Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite der Wehrmacht gegen die Sowjetunion kämpften und nach Kriegsende an die UdSSR ausgeliefert wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Gründung der ROA, die diplomatischen Abkommen über die Auslieferung von Kriegsgefangenen, die Repatriierungsmethoden der Sowjetunion sowie das Schicksal der Betroffenen in GULAG-Lagern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Leidensweg dieser spezifischen Gruppe von Menschen zu dokumentieren, die zwischen den Fronten von Stalinismus und nationalsozialistischer Ideologie zerrieben wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, gestützt durch historische Fachliteratur, zeitgenössische Berichte und Augenzeugenschilderungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung der ROA, die politische Instrumentalisierung durch das NS-Regime, die rechtlichen Hintergründe der Auslieferung sowie die konkrete Durchführung der Repatriierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind General Wlassow, ROA, Repatriierung, GULAG und Kollaboration.
Warum war das Schicksal der Wlassow-Soldaten so besonders schwer?
Sie galten in der Sowjetunion als Verräter und Feinde des Staates, weshalb sie nach ihrer Rückführung besonders drakonischen Strafen, Zwangsarbeit und politischen Repressalien ausgesetzt waren.
Welche Rolle spielte das Abkommen von Jalta?
Das Abkommen von Jalta legte den rechtlichen Grundstein für die zwangsweise Rückführung aller sowjetischen Bürger, was für die ehemaligen ROA-Kämpfer das Todesurteil oder lebenslange Haft bedeutete.
Wie reagierten die Betroffenen auf die drohende Auslieferung?
Viele Soldaten leisteten erbitterten Widerstand, begingen aus Verzweiflung Selbstmord oder versuchten durch Flucht der Repatriierung zu entgehen.
- Quote paper
- Gerhard William (Author), 2004, Die Repatriierung der Wlassow-Soldaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38616