Der neue Lehrer. Wie sich die Lehrerrolle und ihre Aufgaben im offenen Unterricht verändert haben


Akademische Arbeit, 2016

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Hinführung

1. Neue Unterrichtskultur
1.1 Was ist eigentlich offen an offenem Unterricht?

2. Veränderte Lehrerrolle
2.1 Das Lehrerbild im Wandel der Zeit

3. Die „neuen" Aufgaben eines Lehrers
3.1 Durch Anleitung zur Freiheit

4. Leistungsbewertung

5. Fazit
5.1 Offener Unterricht ohne Niveau?

Literaturverzeichnis

Hinführung

ln diesem Essay werde ich mich mit dem Thema „Offener Unterricht-Offene Schule" beschäftigen. Dazu werde ich speziell auf die Bereiche der veränderten Lehrerroller, die neuen Aufgaben und die Leistungsbewertung eingehen. Ich finde dieses Thema relevant, da das Schulsystem geändert werden soll hin zu offenerem Unterricht, es jedoch keine spezielle Ausbildung für Lehrer gibt. Wenn die Unterrichtsstruktur geändert werden soll, bedeutet dies auch eine große Veränderung für alle Beteiligten an einer Schule. Der Unterricht kann nicht geändert werden, wenn die Lehrkräfte nicht wissen, wie offener Unterricht gestaltet wird. Aus diesem Grund sollten die Veränderungen deutlich gemacht werden, und die Lehrer sollten eine spezielle Fortbildung in diesem Bereich erhalten, um offenen Unterricht qualitativ durchführen zu können.

1. Neue Unterrichtskultur

Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, z.B. den veränderten Qualifikationsnotwendigkeiten im Beruf, den sogenannten Schlüsselkompetenzen, ist auch eine Veränderung unseres Schulsystems notwendig. Solche Kompetenzen können in der Schule nicht mit einer Methodik vermittelt werden, die sich auf Wissensvermittlung beschränkt. Entscheidend ist die Vermittlung von Lernstrategien, Arbeitsmethoden und Techniken. Dabei ist eine stärkere Lebensweltorientierung und Persönlichkeits­entwicklung zu beachten.1 Kernelemente der neuen Unterrichtskultur sollten sein: Selbständiges, selbstorganisiertes und selbstverantwortendes Lernen der Schüler, der Aufbau von arbeits- und lernmethodischer Kompetenzen, offene Unterrichtsformen, handlungsorientierte Unterrichtselemente, situiertes Lernen (d.h. lebensnahes und kooperatives Lernen), Berücksichtigung der neueren Kognitions- und Lernpsychologie bei der Entwicklung didaktischer Konzepte, stärkere Beachtung der empirischen Unterrichtsforschung, Einführung von Bildungsstandards einschließlich deren Überprüfung in einer elaborierten Evaluationspraxis. Unte en z. B. Freiarbeit, Wochenplanarbeit oder projektorientierter Unterricht sein.2 Dies bedeutet nun auch einige drastische Veränderungen für den Lehrer: Weg vom Lehren im frontalen Gleichschritt, hin zur Gestaltung von Lernarrangements, weg von fachspezifischen, hin zu fachübergreifenden Unterricht, weg von der Lehrerrolle als Moderator, hin zum Begleiter und Unterstützer.

Kritiker haben jedoch Bedenken, dass es zu einer Idealisierung der Motivation und Neugier der Lernfreunde und des Interesses von Kindern kommt. Lernen Kinder von sich aus, soviel wie notwendig ist, den späteren Anforderungen der Welt gerecht zu werden? Zudem weiß man, dass es keine Unterrichtsmethode gibt, die für alle und alles geeignet ist. Ist also eine neue Methode „so viel besser"? Hat eine neue Methode nicht auch ihre Nachteile und man wird wieder versuchen diese zu verbessern?3

1.1 Was ist eigentlich offen an offenem Unterricht?

Offener Unterricht bedeutet, das freie Wählen von Aufgaben, die selbstständige Durchführung und die Entscheidung für bestimmte Arbeitsformen durch die Schüler. Lehrer müssen darauf achten, dass Schüler den Freiheitsspielraum nicht für etwas nutzen, was sie wollen, aber nicht sollen, und so ihren Freiraum missbrauchen. Denn Schüler sollen das wollen, was sie sollen. Öffnung kann deshalb immer nur eine Teilöffnung sein. Offener Unterricht ist demnach auf keinen Fall planungsfrei, sondern zieht die Planung durch die Lehrkraft und der Schüler mit ein.4

Dies, finde ich, ist ein wichtiger Punkt, der beachtet werden muss. Die Schüler sollen zwar selber entscheiden, welche Aufgaben sie bearbeiten wollen, jedoch muss auch eine Niveausteigerung stattfinden. Auch im offenen Unterricht wird der Bildungsplan bestimmte Themen voraussetzen, die erlernt werden müssen. Der Lehrer soll deshalb als Begleiter agieren und die Schüler in die richtige Richtung lenken ihre Probleme zu lösen. Schon alleine durch die strukturierte und vorbereitet Lernumgebung werden die Schüler z. B. in der Freiarbeit gelenkt. Die Ansprüche der Gesellschaft sind heutzutage sehr hoch, und deswegen muss man sich wieder die Frage stellen, können Kinder aus eigener Motivation und Neugier, soviel, wie nötig ist, den Anforderung der Gesellschaft Stand zu halten, lernen? Aus diesem Grund ist es richtig, dass die Öffnung des Unterrichts immer nur eine Teilöffnung sein kann, und es den Schülern so scheint, als würden sie selber bestimmen was sie lernen wollen. Denn schon alleine ihnen die Möglichkeit zu bieten etwas in eine bestimmte Richtung zu lernen, ist gesteuertes Lernen. Deswegen bedeutet für mich offener Unterricht nicht, Wahlloses lernen.

2. Veränderte Lehrerrolle

ln der neuen veränderten Lehrerrolle stehen Traditionelles instruieren, anleiten, führen, unterweisen, gleichberechtigt neben zurückhaltendem Beraten, Helfen, Ermutigen und Unterstützen. Man weiß, dass Lernen immer ein aktiver Prozess ist, sonst ist es kein Lernen. Lehrer können so viel lehren wie sie wollen, was die Schüler wirklich lernen, passiert in ihren Köpfen. Das heißt, Schüler müssen selbst zur Erkenntnis kommen (Konstruktivismus). Lernen kann demnach als Prozess und Ergebnis der aktiven Auseinandersetzung des erkennenden und handelnden Subjekts mit seiner äußeren Welt verstanden werden. Schüler sollen ihr Lernen selber steuern und regulieren, damit es zur selbstständigen Auseinandersetzung mit den Problemen kommt, dazu sind die richtigen Lernmethoden von großer Bedeutung.

Nach H. Gudjons bedeutet selbst organisiertes Lernen, das Lernende sich selbstständig Lernziele setzen, sie wählen dem Inhalt und dem Ziel angemessene Strategien und Techniken aus und setzen sie auch ein. Sie erhalten ihre Motivation aufrecht und bewerten die Zielerreichung während und nach dem Abschluss des Lernprozesses. Und sie korrigieren - wenn notwendig - die Lernstrategie. Für den Lehrer heißt es dann, die Lernumgebung zu planen, bereitzustellen, zu gestalten und die Lernenden zu begleiten, zu beraten und zu unterstützen. Es kommt also auf die Integration von Anleitung des Lehrers und der Selbstständigkeit an.5 Wissen soll in sozialen Lernformen angeeignet werden, damit der Bezug zur Alltagswelt hergestellt wird. Außerdem wirkt das Wissen bedeutungsvoll für die Schüler.6

Meiner Meinung nach ist es für Schüler von großer Bedeutung, das sie mit dem gelernten Wissen etwas in Verbindung setzen. Aus diesem Grund sollte das Material immer realitätsnah gestaltet sein und Probleme aufwerfen, die die Schüler mit ihrem Alltag verbinden. So können Schüler gelernte Strategien und Methoden auf Probleme in ihrem Alltag anwenden. Zudem bekommen sie auch das Gefühl, mit ihrem gelernten Wissen etwas bewirken zu können.

2.1 Das Lehrerbild im Wandel der Zeit

Lehrer müssen heute laut einer Studie (Terhart u.a. 1994) mit schwierigen Schülern, Unterrichtsstörungen, Zeitstress, nörgelnden Eltern, keiner Würdigung ihrer Anstrengung für guten Unterricht, schleichende Resignation, Ärger über Bürokratie und Schulverwaltung kämpfen. Aus diesem Grund hat man versucht eine neue Struktur des Unterrichts zu schaffen. Diese Entwicklungen der Neuzeit sind Ansätze zum offenen Unterricht, Beispiele sind Projektarbeit, Freiarbeit, Wochenplan oder Stationenlernen. Diese neuen Methoden ziehen jedoch auch einen Wandel der Lehrkraft nach sich. Bevor sich der Lehrer nun auf die Lernberatung beschränken kann, müssen die Schüler zuvor lernen, selbstständig zu arbeiten. Ihnen muss beigebracht werden, wie sie ihre Zeit selbst nutzen und mit welchen Methoden sie Dinge erlernen können. Das heißt Selbststeuerung und Fremdsteuerung sind keine Gegensätze, sondern integrierbar. In einer Studie des Münchner Schulpädagogen Ditton (2002), kam es zu dem überraschenden Ergebnis, dass Schüler primär auf Unterrichtsqualität, auf die diagnostische Kompetenz der Lehrkraft, das Verhältnis zwischen Lehrkraft und Schülern sowie auf Klarheit, Interessantheit und Motivierungsqualität des Unterrichts achten. Die Auffassung das Lehrer, die am wenigsten verlangen, die auf Führung verzichten und sich nach den Schülerwünschen ausrichten, am beliebtesten seien, stimmt also nicht. Denn etwas Neues zu lernen und zu verstehen und dieses Wissen anzuwenden, kann wirklich Spaß machen.

T. Bohl (2015), hat Aspekte der neuen und veränderten Lehrerrolle aufgestellt. Für ihn heißt es anbieten statt vorschreiben, auch wenn die Schüler Kompetenzen erst lernen müssen. Individuelle Lerngelegenheiten bereitstellen, statt alles im frontalunterrichtlichen Gleichschritt selbst zu leiten. Diagnose und Beratung verbinden, statt die Schüler mit ihren Schwächen allein zu lassen und sich auf Ermahnungen zu beschränken. Begleiten der individuellen und kooperativen Lernprozesse, statt die Schüler libertinistisch ihrer Freiheit zu überlassen. Rückmelden von Wahrnehmungen statt Tadel, Sanktionen, Strafen und vernichtender Kritik und besprechen und ermutigen, statt Lösungen vorzugeben und Vorschriften zu machen.

Zudem müssen Lehrer lernen im offenen Unterricht Handlungsspielräume zu zulassen und spontane Schüleraktivitäten zu fördern. Die Schüler sollen aktiv an der Planung des Unterrichts teilnehmen. Sie sollen systematisch darauf vorbereitet werden selbstständigerzu arbeiten und lernen Unterrichtsmethoden begründet und zielorientiert anzuwenden.7

Das heißt also, Lehrer sowie Schüler müssen auf die neuen Unterrichtsmethoden vorbereitet werden. Beide Seiten müssen Kompetenzen entwickeln die Theorie des offenen Unterrichts zu verwirklichen. Lehrer müssen sich bewusst sein, dass sie die Schüler langsam an das neue System ran führen müssen und auch selber wissen wie offener Unterricht durchzuführen ist.

3. Die „neuen“ Aufgaben eines Lehrers

Thorsten Bohl (2006), erklärt in seinem Buch „Prüfen und bewerten im offenen Unterricht", die acht Aufgaben des Lehrerberufs. Die Hauptaufgabe eines Lehrers ist natürlich das Unterrichten, dafür sind sowohl fachwissenschaftliche und fachdidaktische sowie pädagogisch-psychologische Kompetenzen von Bedeutung. Im offenen Unterricht fällt das eigentliche Unterrichten mehr in den Hintergrund, jedoch ist die Vorbereitung und das Begleiten und Beraten der Schüler immer noch von großer Bedeutung.

[...]


1 T. Bohl 2015, S. 21.

2 T. Bohl 2015, S. 13-15.

3 H. Gudjons 2006, S.10-11.

4 H.Gudjons2006,S.53-55.

5 H. Gudjons 2006, S.15-18.

6 H.Gudjons2006,S.20-21.

7 T. Bohl 2015, S. 16.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der neue Lehrer. Wie sich die Lehrerrolle und ihre Aufgaben im offenen Unterricht verändert haben
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V386280
ISBN (eBook)
9783668606159
ISBN (Buch)
9783668606166
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lehrer, lehrerrolle, aufgaben, unterricht
Arbeit zitieren
Ronja Bastian (Autor), 2016, Der neue Lehrer. Wie sich die Lehrerrolle und ihre Aufgaben im offenen Unterricht verändert haben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386280

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