Alice Salomon: Leben und Lebenswerk - Leitideen und Konzepte Sozialer Arbeit - Klassikerdiskussion


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005
28 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biografischer Teil (chronologisch)
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Erste soziale Hilfsarbeit / erste Kontakte zur Frauenbewegung
2.3 Studium und Promotion
2.4 Soziale Frauenschule in Berlin Schöneberg
2.5 Internationales Engagement im „International Council Of Women“
2.6 Deutsche Akademie für soziale und pädagogische Frauenarbeit
2.7 Die Jahre unter dem Regime der Nationalsozialisten
2.8 Lebensende im Exil

3. Leitideen und Konzepte Sozialer Arbeit (systematisch)
3.1 Theoretische Grundlagen bezüglich Salomons Begriff von Sozialer Arbeit
3.1.1 Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft / Der Bildungsbegriff
3.1.2 Anthropologie
3.1.3 Salomons Begriff von Sozialer Arbeit
3.2 Soziale Arbeit und Frauen
3.3 Soziale Arbeit als Beruf/Profession

4. Ist Alice Salomon ein Klassiker?
4.1 Was sind KlassikerInnen?
4.2 Was macht Alice Salomon zum Klassiker?

5. Kritische Würdigung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein wesentliches Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, das Werk von Alice Salomon chronologisch sowie systematisch zu erschließen, so dies im Rahmen einer stark begrenzten Abhandlung wie dieser überhaupt möglich ist.

Die, dieser Arbeit eigene, ausführliche Darstellung der Biografie Alice Salomons dient in erster Linie dem Verständnis der von ihr vertretenen Positionen. Erwähnenswert wäre diesbezüglich u.a. der unmündige Status der Frau in der damaligen Zeit und Salomons Engagement in der Frauenbewegung. Ich bin der Auffassung, dass es für ein tieferes Verständnis ihres Werkes unerlässlich ist, sich in aller Ausführlichkeit mit der Biografie, wie auch mit der historischen Epoche auseinanderzusetzen.

Die vorliegende Arbeit bezieht sich jedoch nicht ausschließlich auf die Darstellung der Biografie Alice Salomons. Daher folgt dem chronologisch aufgebauten biografieorientiertem Teil der systematische Abschnitt dieser Arbeit, der sich auf ihren theoretischen Beitrag zur Entwicklung Sozialer Arbeit konzentriert. Hier werden zunächst theoretische Grundlagen, wie Salomons Anthropologie, ihr Arbeits- und Bildungsbegriff erörtert. Dem folgt eine Darstellung von Salomons Ideenkonstrukten und Theorien zu den Themen Soziale Arbeit und Frauen und Soziale Arbeit als Profession.

Anschließend wird die Frage behandelt, ob Alice Salomon zu den sog. KlassikerInnen der Sozialen Arbeit/Sozialpädagogik zu zählen ist.

Den Abschluss der vorliegenden Arbeit bildet das Fazit, indem dem Salomons Frauenbild sowie dessen Einfluss auf die sozialpädagogische Ausbildung und Praxis unter kritischen Gesichtspunkten diskutiert werden soll.

2. Biografischer Teil (chronologisch)

2.1 Kindheit und Jugend

Alice Salomon erblickte am 19. April 1872 als Tochter von Albert Salomon und Anna Salomon (geb. Potocky-Nelken) in Berlin das Licht der Welt. Sie kam aus gutbürgerlichem Hause und hatte fünf Geschwister. Ihr Vater betrieb in dritter Generation ein florierendes Lederwarengeschäft in Berlin (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 48). Er war Anhänger des Wirtschaftsliberalismus, jedoch wenig an sozialen Fragen interessiert (vgl. ebd. S. 49). Aufgrund des elterlichen Familienhintergrundes (wirtschaftliches Unternehmertum) war der alltägliche Umgang mit ökonomischen Prinzipien sowie Denkweisen Alice Salomon bereits in ihrer Kinderstube vertraut (vgl. ebd.). Peyser (1958) beschreibt Alice Salomon als sehr lebhaftes, empfindsames, furchtsames und sogar hochbegabtes Kind (vgl. ebd., S. 15).

Im Jahre 1886 verstarb plötzlich Salomons Vater an einer verschleppten Brustfellentzündung (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 51). Zwei Jahre später starb Salomons jüngere Schwester Edith-Elfriede im Alter von 14 Jahren ebenfalls an Diphtherie wie ihr Bruder zwei Jahre zuvor (vgl. ebd.). Salomons Mutter war nicht mehr in der Lage ihr sterbendes Kind zu pflegen, und so wechselten sich Alice Salomon, ihre Schwester Käthe und eine Krankenschwester hinsichtlich der Pflege ab (vgl. ebd.). Nach dem Tode Ediths hatten die beiden großen Schwestern die schwere Aufgabe sich um ihre Mutter zu kümmern (vgl. ebd.). Des Weiteren herrschten große Spannungen zwischen Alice Salomon und ihrem älteren Bruder Ernst, der von ihr Unterordnung erwartete, welche sie ihm allerdings strikt verweigerte (vgl. ebd.).

Die Feministin in mir war schon geboren...“ (Salomon zit. n. Kuhlmann, 2000, S.51).

Nach ihrem Schulabschluss hatte Salomon weder die Möglichkeit ein Gymnasium zu besuchen, noch sonst eine für sie angemessene Beschäftigung auszuüben (vgl. ebd.). Nach Kuhlmann (2000) besuchte sie nicht zuletzt wegen des gesellschaftlichen Druckes eine Kunstschule für Nadelarbeit, belegte jedoch nebenbei Vorlesungen sowie Sprachkurse am Victoria-Lyceum, einer Art „weiblichen Volkshochschule“ (vgl. ebd., S. 51). Da ihr Berufswunsch schon seit ihrer Schulzeit Lehrerin gewesen war, ihre Familie dieses jedoch aufs Schärfste ablehnte, bereitete sie heimlich ihr Lehrerexamen vor, was ihr allerdings misslang (vgl. ebd.). Schließlich musste sie es auf Drängen ihrer Familie aufgeben (vgl. ebd.). Alice Salomon bezeichnete die Zeit zwischen ihrem 15. und 20. Lebensjahr selber als „unfruchtbare Wartezeit“ bzw. „leere Erwartungen und blinde Hoffnungen“ (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 52). Sie empfand die Ziellosigkeit und das Verbot zu arbeiten als „Fluch“ und hielt das Leben eines einfachen Arbeiters für wertvoller als das derer, die „nichts schaffen und nach nichts streben“ (vgl. ebd.). Rechtlich, finanziell und emotional war sie von ihrer Verwandtschaft, insbesondere von ihrem Onkel, der nach dem Tod ihres Vaters als ihr Vormund eingesetzt wurde, und ihrer Mutter abhängig (vgl. ebd.).

Preyser (1958) umschreibt die Stimmung, in der Alice Salomon gelebt haben muss mit folgendem Gedicht:

Die Nebel hängen tief ins Tal hinein.

Ich weiß nicht, woher ich bin und was ich soll,

Ich bin so jungen drängenden Leben voll.

O Leben, komm, ich will dein eigen sein!

O Leben, Leben, laß mich nicht allein,

Dies Herz hier ist bereit zu jeder Last:

Gib mir das Schicksal, das du für mich hast!

(zit. n. Preyser, 1958, S. 19).

2.2 Erste soziale Hilfsarbeit / erste Kontakte zur Frauenbewegung

Im Alter von 21 Jahren erhielt Alice Salomon eine schriftliche Einladung zur Gründerversammlung der „Mädchen- und Frauengruppen für soziale Hilfsarbeit“, die am 5. Dezember 1893 im Bürgersaal des Berliner Rathauses stattfinden sollte (vgl. Preyser, 1958, S. 19). Nach Preyser (1958) hatte Alice Salomon immer gesagt, dass mit diesem „Stück Papier“ ihr Leben endlich begann (vgl. ebd., S. 19). Diese Gruppe stellte sich an, freiwillige Dienste in wohltätigen Einrichtungen zu organisieren. Auch Alice Salomon trat ihr auf besagter Gründerversammlung bei (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 55). Trotz der immer wieder manifestierten Ablehnung von Emanzipationsbestrebungen seitens der Gruppe (vgl. Preyser, 1958, S. 20), war nach Kuhlmann (2000) der Einfluss der Frauenbewegung deutlich (vgl. ebd., S. 56). Ebenfalls die sog. „Kathedersozialisten“, welche sich für ein neues Verständnis für Nationalökonomie einsetzten, übten Einfluss auf die Gruppe aus (vgl. ebd.). Die Gruppe entstand folglich im Schnittpunkt der sozialreformerischen und feministischen Bewegung. Auch Preyser (1958) schreibt, dass die Gruppe mehr eine Bewegung war, als ein Verein (vgl. ebd., S. 21). Neu war die Idee der praktischen und theoretischen Schulung für eine ehrenamtliche Tätigkeit (vgl. ebd.). Durch die Tätigkeit in der Gruppe entstand bei den Frauen und Mädchen, unter ihnen war auch Alice Salomon, eine euphorische Aufbruchstimmung. Sie glaubten durch ihre Mithilfe womöglich die Welt zu verändern (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 57). Weiter entwickelten sich durch die Tätigkeit staatsbürgerliche Interessen. Die Frauen erwarben notwendiges Wissen und Fähigkeiten, die sie zur aktiven Teilnahme am öffentlichen Leben befähigten (vgl. ebd.).

Alice Salomon begann ihre ehrenamtliche soziale Arbeit indem sie die Schülerinnen eines Mädchenhortes betreute (vgl. ebd., S. 58; Preyser, 1958, S. 23).

1896 schrieb Salomon ihren ersten von unzähligen Artikeln, welcher in der 1893 gegründeten Zeitschrift „Die Frau“ erschien (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 58).

Neben ihrer regelmäßigen Tätigkeit im Hort begann Salomon nun auch für die „Auskunftsstelle für Wohlfahrten“ (später „Zentrale für private Fürsorge“) zu arbeiten. In diesem Rahmen besuchte sie regelmäßig Familien, die bei den Gruppen oder anderen privaten Wohltätigkeitsorganisationen um Hilfe gebeten hatten (vgl. ebd.). Salomon überprüfte die Bedürftigkeit und verteilte Geld bzw. Lebensmittel. Diese Art der Sozialen Arbeit, dem sog. „friendly visiting“, war zur damaligen Zeit vor allem in England und den USA verbreitet (vgl. ebd.).

Durch diese ersten Kontakte mit armen Menschen veränderte sich Salomons Leben radikal. Sie erkannte den Gegensatz zwischen ihren eigenen Lebensumständen und den derer, denen sie half, was nach Kuhlmann (2000) in ihr einen Stein zum Rollen brachte (vgl. ebd., S. 59).

Neben ihrer praktischen Tätigkeit besuchte Salomon regelmäßig theoretische Kurse über Soziologie und Staatsbürgerkunde, welche durch die Gruppe organisiert wurden (vgl. ebd. S. 59ff.). Hierbei ist festzustellen, dass vor allem die Vorträge über Max Weber und Jeanette Schwerin Salomon sehr geprägt haben (vgl. ebd., S. 60; Preyser, 1958, S. 24ff.).

Das Leben der Jeanette Schwerin war laut Kuhlmann (2002) für Alice Salomon in vieler Hinsicht Vorbild (vgl. ebd., S. 61). Schwerin engagierte sich gegen konfessionelle Engstirnigkeit und war an internationalem Austausch interessiert. Es lässt sich sagen, dass Alice Salomon durch Jeanette Schwerin in Kontakt mit den führenden Persönlichkeiten der deutschen Frauenbewegung und dem Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) kam (vgl. ebd.; Preyser, 1958, S. 27).

Die Gruppe erweiterte ihre Aktivitäten gegen Ende der 1890er Jahre in zunehmendem Maße auch in Richtung sozialpolitischer Lobbyarbeit. Sie forderten Beschränkungen der Kinderarbeit, unterstützten die ersten Jugendgerichte und führten den ersten Sozialdienst im Krankenhaus ein (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 64). Salomon verglich diese Aktivitäten u.a. mit denen von Jane Addams Hull House (Chicago), Lillian Walds Henry Street (New York) und der Settlementbewegung (England) (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 64).

Im Oktober 1896 wurde unter Mitwirkung von Salomon und inspiriert durch die englischen Settlements das „Abendheim für Arbeiterinnen“ in einem verkehrsreichen Arbeiterviertel in Berlins Süden eröffnet (vgl. ebd.). Im Gegensatz zu bestehenden kirchlichen oder parteilichen Einrichtungen sollte hier keinerlei religiöse bzw. politische Einflussnahme auf die teils sehr jungen Arbeiterinnen (ab 14 J.) stattfinden (vgl. ebd.). Es bestand für die meist jungen und ledigen Arbeiterinnen die Möglichkeit günstig zu speisen, aber auch sich bei Tanz, Festen und Theater zu amüsieren, da ihr Leben zwischen Arbeit und Schlafstelle bzw. Ledigenheim zumeist recht trist verlief. Die Mitarbeiterinnen begannen später ebenfalls damit, Arbeits- und Wohnmöglichkeiten zu vermitteln (vgl. ebd., S. 65). Der Club wurde ein so großer Erfolg, dass die Mitarbeiterinnen bald auch in anderen Stadtteilen Berlins weitere Etablissements eröffneten. Für Salomon waren diese Clubs ein Stück „Volkserziehung“ (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 65). Die Arbeiterinnen sollten befähigt werden Solidaritätsgefühle untereinander zu entwickeln und sich für den Kampf um Schutzgesetze und höhere Löhne zu interessieren (vgl. ebd.).

Ebenfalls zu dieser Zeit festigte sich der Kontakt Salomons zur organisierten Frauenbewegung. Sie nahm regelmäßig und meist in Begleitung von Jeanette Schwerin an den Treffen des Bund Deutscher Frauenvereine (BDF) teil (vgl. ebd., S. 67; Preyser, 1958, S. 28ff.). Thematisch ging es nach Kuhlmann (2000) vor allem um Bildungs- und Berufsmöglichkeiten für Frauen (vgl., ebd., S. 67). Nachdem Alice Salomon 1898 allein, d.h. ohne Schwerin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, die Gruppe auf dem 3. Zwei-Jahrestreffen des BDF vertrat und referierte, wurde sie von diversen Frauenvereinen aus dem gesamten Reichsgebiet zu Vorträgen eingeladen und schließlich zwei Jahre später in den Vorstand des BDF gewählt (vgl. ebd.).

Später, zur Zeit der Weimarer Republik und dem verstärkt aufkommenden Chauvinismus und Antisemitismus (auch innerhalb des BDF), kam es 1920 jedoch schließlich zum Bruch mit dem BDF und Alice Salomon trat nach zwanzigjähriger Tätigkeit aus dem Vorstand aus (vgl. ebd., S. 156; Preyser, 1958, S. 85f.).

Rückblickend kann festgehalten werden, dass sich in den Jahren 1893-1899 die drei Interessenschwerpunkte Salomon entwickelten, welche für ihr gesamtes Leben bedeutsam waren: die praktische Soziale Arbeit, die Frauenbewegung sowie das Interesse am internationalen Vergleich (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 68).

2.3 Studium und Promotion

Kuhlmann (2000) schreibt, dass Alice Salomon 1901nach acht „atemlosen Jahren der Sozialarbeit ... geistig ausgehungert“ beschloss ein Studium zu beginnen (vgl. ebd., S. 92). Dieses Vorhaben schien nicht eben selbstverständlich, da Frauen in Preußen erst 1908 offiziell zum Studium zugelassen wurden (vgl. ebd.). Dennoch schrieb sich Salomon, auf Anregung von Professor Max Sering und unter Protest ihrer Familie, als Gasthörerin 1902 an der Berliner Friedrich-Wilhelm-Universität für die Fächer Nationalökonomie sowie Sozialwissenschaften ein (vgl. Preyser, 1958, S. 38).

Um die Universitätsgebühren zu bezahlen, gab sie volkswirtschaftlichen Unterricht am Victoria-Lyzeum, am Pestalozzi- und Fröbelhaus sowie im Lette-Verein (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 63). Zudem verdiente sie nebenbei noch etwas Geld mit ihren bekannten Publikationen (vgl. ebd., S. 94).

Von 1902 bis 1904 hörte Salomon Vorlesungen bei Max Sering, Gustav Schmoller (Reformer und „Kathedersozialist“), Adolf Wagner und Alfred Weber, daneben auch bei dem Pädagogen Friedrich Paulsen und dem Soziologen Georg Simmel (vgl. ebd.; Preyser, 1958, S. 38). Die Nationalökonomie war ihr bevorzugtes Studiengebiet, da diese zu jener Zeit eine Disziplin war, die sich mit soziologischen Methoden der sozialen Frage annahm und damit zu Salomons bisherigem Tätigkeitsfeld sowie zu ihrem Verständnis von Sozialer Arbeit passte (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 95). Kuhlmann (2000) bezieht sich auf Elisabeth Gnauk-Kühne, welche die nationalökonomische Wissenschaft der damaligen Zeit als „Fachausbildung für die soziale Arbeit“ bezeichnet (vgl. ebd., S. 95).

Im dritten Semester verfasste Alice Salomon eine wissenschaftliche Hausarbeit bzw. eine Seminararbeit für Adolf Wagner, in welcher sie die Böhm-Bawerksche „Grenz-Nutzentheorie“, welche damals sehr populär zugleich aber ebenso hart umstritten war, auf das Problem der niedrigen Bezahlung von Frauen anwandte (vgl. ebd., S. 96). Beeindruckt und angetan von dieser Arbeit bot ihr Wagner an, über dieses Thema zu dissertieren (vgl. Preyser, 1958, S. 39). Im Februar 1905 reichte Alice Salomon ihre Dissertation über „Die Ursachen der ungleichen Entlohnung von Männer- und Frauenarbeit“ zusammen mit einem Antrag auf Zulassung zur Promotion ein (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 96). Der Antrag wurde jedoch abgelehnt, da der amtierende Dekan der philosophischen Fakultät bekennender Gegner des Frauenstudiums war (vgl. ebd.; Preyser, 1958, S. 39). Alice Salomon wiederholte den Antrag im November des selben Jahres. Trotz des energischen Einsatzes von Sering und Schmoller lehnte die Fakultät erneut ab. Erst der Antrag vom 16. Januar 1906 war erfolgreich, da inzwischen ein Wechsel des Dekans stattfand (vgl. ebd). Am 5. März legte Salomon ihre mündliche Prüfung, zum Doktor der Philosophie, bei Schmoller, Sering, Lenz und Riehl ab. Sie bestand „cum laude“ (vgl. ebd.).

2.4 Soziale Frauenschule in Berlin Schöneberg

Das Jahr 1908 markiert zwei der wohl wichtigsten Wendepunkte für die Frauenbewegung (vgl. Kuhlmann, 2000, S. 104). Zum einen wurde das „preußische Vereinsgesetz“ aufgehoben, wonach es Frauen nicht gestattet war politischen Vereinigungen anzugehören. Dies war nach Kuhlmann (2000) ein Meilenstein im Kampf für gleiche staatsbürgerliche Rechte von Männern und Frauen (vgl. ebd., S. 104). Zum anderen kam in diesem Jahr die „preußische Schulmädchenreform“, welche nach Kuhlmann (2000) in einem engen Zusammenhang mit der Entstehung einer Berufsausbildung im sozialen Bereich steht (vgl. ebd., S. 104). Die besagte Reform bildete die Voraussetzung für die Zulassung von Frauen zum Studium, da sie eine gymnasiale Bildung von Mädchen ermöglichte und somit die Zugangsberechtigung regelte (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Alice Salomon: Leben und Lebenswerk - Leitideen und Konzepte Sozialer Arbeit - Klassikerdiskussion
Hochschule
Universität Lüneburg  (Institut für Sozialpädagogik)
Veranstaltung
Geschichte der Sozialpädagogik II
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V38631
ISBN (eBook)
9783638376372
ISBN (Buch)
9783656246954
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Alice, Salomon, Leben, Lebenswerk, Leitideen, Konzepte, Sozialer, Arbeit, Klassikerdiskussion, Geschichte, Sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Dipl.-Sozialpäd. Stefan Dannheiser (Autor), 2005, Alice Salomon: Leben und Lebenswerk - Leitideen und Konzepte Sozialer Arbeit - Klassikerdiskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38631

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