Diese Arbeit befasst sich mit mittelhochdeutscher politischer Lyrik, die sich die Gesellschaftsordnung und Gesellschaftskritik zum Thema gemacht hat. Insbesondere soll hier die mittelalterliche Ständeordnung behandelt werden. Denn auch wenn das Mittelalter eine genau definierte Ordnung für seine Gesellschaft vorgab, hielt sich nicht immer jeder an seine vorgesehenen Aufgaben. Dieser Umstand wurde dann von Autoren in ihren politischen Sangsprüchen aufgezeigt, verarbeitet und vor allem auch kritisiert. Bevor nun aber im letzten Kapitel der Arbeit in Hinblick auf diesen Umstand zwei politische Sangsprüche analysiert und interpretiert werden, sollen zunächst die Begrifflichkeiten ‚mittelhochdeutsche Lyrik’ und ‚politische Lyrik’ definiert und Autoren und Publikum dieser Dichtung vorgestellt werden. Außerdem wird dann im Anschluss die Gesellschaftsordnung des Mittelalters mit ihren Grundlagen detaillierter dargestellt. Zu guter letzt folgt dann die Analyse und Interpretation des Spruches „Ir pfaffen und ir ritter“ von Regenbogen und des Spruches „Got helfe mir daz miniu kinder niemer werden alt“ von Marner, welche eine kurze Beschreibung des Autors und eine historische Einordnung zum besseren Verständnis mit einschließen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur politischen Lyrik im Mittelalter
2.1 Was versteht man eigentlich unter politischer Lyrik?
2.2 Autoren und Publikum politischer Lyrik
3 Vorstellungen und Ideen zur Gesellschaftsordnung im Mittelalter
3.1 Der ordo-Gedanke
3.2 Ständeordnung innerhalb der Gesellschaft
4 Mittelalterliche Ständeordnung in politischer Lyrik
4.1 Regenbogen: Ir pfaffen und ir ritter, tribent von uch nit
4.1.1 Kleine Einführung zu Autor und Entstehungszeit des Spruches
4.1.2 Streit zwischen den Ständen
4.1.3 Idealbild der mittelalterlichen Gesellschaft
4.1.4 Aufruf zur Erfüllung des Idealbildes
4.2 Der Marner: Got helfe mir, daz miniu kinder niemer werden alt
4.2.1 Kleine Einführung zu Autor und Entstehungszeit des Spruches
4.2.2 Konflikte im Stand des Klerus
4.2.3 Anrede an den Papst
4.2.4 Entartung der geistlichen Gewalt
4.3 Kurze Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die mittelalterliche Gesellschaftsordnung anhand von zwei ausgewählten politischen Sangsprüchen, um aufzuzeigen, wie Dichter jener Zeit bestehende soziale Missstände und Abweichungen vom idealen Stände-Ordo kritisierten und kommentierten.
- Definition und Funktion mittelhochdeutscher politischer Lyrik
- Analyse des "ordo"-Gedankens als hierarchisches Weltbild
- Untersuchung der dreigliedrigen Ständegesellschaft
- Kritik an der Entartung geistlicher Gewalt bei Regenbogen und dem Marner
- Gegenüberstellung von Idealbild und politischer Realität im Mittelalter
Auszug aus dem Buch
4.2.4 Entartung der geistlichen Gewalt
Der letzte Abschnitt (V. 9-15) zeigt nun jedoch die Entartung der geistlichen Gewalt, wobei der Marner sich auf die aktuelle Situation bezieht, was durch das Wort Nû (V. 9) deutlich angezeigt wird. Er bezieht sich auch hier wieder auf die schon im zweiten Stollen genannten päpstlichen Attribute und zeigt deren gegenwärtige Pervertierung durch den Papst und wohl generell aller Bischöfe (V. 11: wer hât iuch bischof daz gelêrt). Die stôle ist zum swert (V. 9) geworden, die infel zum helm (V. 12) und der krumbe stap zum langen sper (V. 13). Die von Gott gegebenen Insignien dienen nicht mehr dazu, die Menschen zenbinden und sich um ihr Seelenheil zu kümmern, sondern um zu vehten [...] nach golde (V. 10). Das Motto, unter dem die Kirche nun agiert heißt: „gib eht her!“ (V. 15).
Auch hier herrscht ein Ungleichgewicht zwischen den Ständen, denn die Kleriker sind aus ihrem Stand herausgetreten und zu Rittern geworden. Sie erfüllen ihre ursprüngliche Aufgabe nicht mehr. Sie erfüllen jedoch auch keine ritterlichen Aufgaben; denn ihr Kämpfen hat nur die Erlangung von Macht und weltlichen Gütern (Gold) zum Ziel. Dies ist für Marner eine derart schreckliche Situation, dass er für seine Kinder keine glückliche Zukunft mehr sieht und ihnen daher einen frühen Tod wünscht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der mittelhochdeutschen politischen Lyrik ein und erläutert die Relevanz der Ständekritik für das Verständnis mittelalterlicher Ordnungsvorstellungen.
2 Zur politischen Lyrik im Mittelalter: Dieses Kapitel definiert den Begriff der politischen Lyrik und beschreibt das Wirken der fahrenden Sangspruchdichter sowie deren Publikum.
3 Vorstellungen und Ideen zur Gesellschaftsordnung im Mittelalter: Hier werden der theologische ordo-Gedanke und die hierarchische Ständegliederung als statische Ordnung des Mittelalters theoretisch hergeleitet.
4 Mittelalterliche Ständeordnung in politischer Lyrik: Dieser Hauptteil analysiert konkret die Sprüche von Regenbogen und dem Marner hinsichtlich ihrer zeitgenössischen Kritik an der Ständeordnung.
Schlüsselwörter
Mittelalter, politische Lyrik, Sangspruchdichtung, Ständegesellschaft, ordo-Gedanke, Regenbogen, Der Marner, Gesellschaftskritik, Klerus, Adel, Bauernstand, Interregnum, kirchliche Insignien, Rollenverteilung, Heilsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der mittelhochdeutschen politischen Lyrik, insbesondere wie Dichter die gesellschaftliche Ordnung und das Verhalten der Stände kritisch kommentierten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind der ordo-Gedanke, das hierarchische Ständemodell des Mittelalters sowie die politische Lyrik als Medium der Zeitkritik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Kontrast zwischen dem idealisierten ständischen Ordnungsschema und der gelebten, teils konfliktreichen Realität des Mittelalters anhand von zwei Textbeispielen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert literaturwissenschaftliche Analyse von Sangsprüchen mit historischem Kontextwissen über das 13. und 14. Jahrhundert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zwei spezifische Sangsprüche von Regenbogen und dem Marner detailliert analysiert, historisch eingeordnet und im Hinblick auf ihre Kritik an Adel und Klerus untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ständegesellschaft, politische Lyrik, ordo, Kleruskritik und die Rolle des Sangspruchdichters.
Inwiefern unterscheidet sich die Kritik von Regenbogen von der des Marners?
Regenbogen fordert primär die Rückkehr zu einer harmonischen Zusammenarbeit der Stände, während der Marner eine schärfere, fast verzweifelte Kritik an der Verweltlichung und Machtgier des Klerus übt.
Warum wird die Interregnumszeit im Zusammenhang mit dem Marner erwähnt?
Die kaiserlose und unruhige Zeit des Interregnums bildet den historischen Hintergrund für Marners bittere Kritik an den Päpsten, die das Machtvakuum für eigene politische und finanzielle Interessen nutzten.
- Citar trabajo
- Melanie Strieder (Autor), 2004, Gesellschaftsordnung im Mittelalter - am Beispiel zweier Sangsprüche, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38637