Gewaltdarstellung im Film. Filmrezeption der Filme "Funny Games" und "Pulp Fiction"


Hausarbeit, 2015
74 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Kontext der Untersuchung
1.1 Rezeption von gewalthaltigen Filmen
1.1.2 Verwendungsweisen von Gewalt in Filmen
1.1.3 Wirkung auf den Zuschauer
1.2 Forschungsstand

2 Methode
2.1 Allgemeines zur Rezeptionsanalyse
2.2 Erhebungsmethode: Qualitativer Fragebogen
2.3 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse
2.4 Vorgehen
2.4.1 Filmauswahl
2.4.2 Setting
2.4.3 Erhebung der Daten

3 Empirische Untersuchung
3.1 Beschreibung des Materials
3.1.1 Rezipient Tina
3.1.2 Rezipient Tim
3.1.3 Rezipient Kaya
3.1.4 Rezipient Helene
3.1.5 Rezipient Hilde
3.1.6 Rezipient Lara
3.1.7 Rezipient Thomas
3.1.8 Rezipient Jan
3.1.9 Rezipient Moritz
3.1.10 Rezipient Caro
3.2 Interpretation des Materials
3.2.1 Vergleich der beiden Filme
3.2.2 Geschlechtsspezifische Rezeption
3.2.3 Auswirkungen des Settings und der Filmroutine
3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Gewalthaltige Medien und ihre Auswirkungen auf den Konsumenten sorgen in der- Medienwirkungsforschung und in der Öffentlichkeit stets für Diskussionen. Hierbei werden wiederkehrend Feindrufe laut, die aussagen, dass Gewaltdarstellungen in Medi- en schädigend auf den Rezipienten wirken und dass beispielsweise „ein Zusammenhang zwischen dem Konsum jugendgefährdender Videos und aggressiven Verhalten“ bestün- de (Glogauer 1993: 121).

Anhänger dieser These von einem monokausalen Zusammenhang zwischen Gewaltdar- stellung und Gewaltanwendung in der Gesellschaft versuchen, diesen immer wieder zu beweisen. Beliebt ist hierfür die These, dass sogenannte Schundfilme, in denen Gewalt eine große Rolle spielt, eine Zunahme der Gewalttätigkeit der Gesellschaft zur Folge hätte. Auf der anderen Seite der Medienwirkungsforschung existieren Standpunkte, die jegliche Wirkung von medialer Gewalt auf den Zuschauer bestreiten. Zwischen diesen beiden Extremen liegen Wissenschaftler, für die eine Beziehung zwischen medialer Ge- walt und Zuschauer weder durch einen monokausalen Zusammenhang noch durch Nicht-Wirkung beschrieben werden kann. Für sie ist es zwar unumstritten, dass Medien und ihre Inhalte irgendeine Art von Wirkungen zeigen. Diese seien jedoch von vielen Faktoren abhängig und beschränken sich nicht nur auf die Medien, sondern seien auch abhängig von begleitenden Faktoren des Zuschauers, wie beispielsweise die Sehge- wohnheiten oder das Umfeld, in dem die Filme geschaut werden. (vgl. Mikos 2001: 16ff.)

Auf diesen Ansatz der Einbeziehung der begleitenden Faktoren des Zuschauers baut auch die folgende Untersuchung auf.

Bei Gewaltdarstellungen in Filmen gibt es stets ästhetische Unterschiede in der media- len Bearbeitung und in der Inszenierung von Gewalt. In dieser Arbeit sollen nun im Fol- genden die Auswirkungen dieser ästhetischen Unterschiede in fiktiven Filmen auf die Wirkung der Gewalt hin untersucht werden. Hierbei stehen der Rezipient und sein Um- gang mit gewalthaltigen Medien im Fokus. Mit Hilfe eines Fragebogens sollen die Er- fahrungen der Rezipienten bei dem Betrachten zweier gewalthaltiger Filme, mit ver- schiedenartiger Gewaltdarstellungen festgestellt und anschließend miteinander vergli- chen werden. Bei den beiden Filmen handelt es sich zum einen um Michael Hanekes „Funny Games“ aus dem Jahr 1997 und zum anderen um „Pulp Fiction“ von Quentin Tarantino aus dem Jahr 1994, die unserer Meinung nach hochdifferenzierte Gewaltdarstellungen symbolisieren.

Es soll hierbei die Frage beantwortet werden, ob und wenn ja, inwiefern verschiedenar- tige Gewaltdarstellungen unteschiedlich auf den Zuschauer wirken. Hierbei sollen zu- dem weitere Begleitfaktoren, wie Geschlecht, Alter, Filmroutine und Setting, berück- sichtigt werden.

Im Folgenden soll zunächst der Kontext der Untersuchung beschrieben werden. Hierbei geht es anfänglich um die theoretischen Grundlagen der Rezeption von gewalthaltigen Filmen. Es werden hier grundsätzliche unterschiedliche Arten von Gewaltdarstellungen definiert sowie einige Thesen zur Gewaltwirkung dargestellt. Im Anschluss soll der jet- zige Forschungsstand kurz vorgestellt werden. Nachdem der theoretische Teil der Ar- beit beendet wurde, folgt der methodische Teil im Punkt 2. Hierbei werden sowohl Er- hebungs- als auch Forschungsdesign vorgestellt sowie das Vorgehen der Datenerhebung erklärt. Den dritten Teil der Arbeit bildet die Beschreibung und die Interpretation des durch die Fragebögen gewonnenen Materials.

In einem Fazit werden die Ergebnisse noch einmal kurz zusammengefasst und reflektiert. Zudem wird ein kurzer Ausblick für zukünftige Medienarbeit und zur Weiterführung dieser Untersuchung gegeben.

1 Kontext der Untersuchung

Im Folgenden sollen die theoretischen Grundlagen und der Kontext der Untersuchung beschrieben werden. Hierbei geht es zunächst um die Rezeption von gewalthaltigen Filmen und ihre Erklärungsmuster, bevor anschließend der Forschungsstand zu gewalthaltigen Filmen beschrieben wird.

1.1 Rezeption von gewalthaltigen Filmen

1.1.2 Verwendungsweisen von Gewalt in Filmen

Mit der Verwendungsweise der Gewalt in Filmen hängt auch die Wirkung der gewalttätigen Szenen zusammen. Dieser Punkt findet in unserer Untersuchung besonders Verwendung, da bei der Filmauswahl von „Funny Games“ und „Pulp Fiction“ sehr unterschiedliche Formen von Gewaltdarstellungen gewählt wurden.

Hausmanninger (2002) hat die Verwendungsart von filmischer Gewalt in vier Kategori- en unterteilt. Einerseits können Gewaltdarstellungen das Actionpotential einen Filmes mitbestimmen. Hierfür stehen beispielweise aufregende Verfolgungsjagden, spektakulä- re Explosionen oder reißerische Kampfszenen, die die „Action“ im Film steigern sollen. Diese Action reißt den Zuschauer mit ihrer „Durchschlagskraft“ (Hausmanninger 2002: 236) aus seinem Alltag. Zum anderen wird Gewalt als ein dramaturgisches Element ver- wendet. Gewalt kann einen bevorstehenden Konflikt ankündigen und erzeugt Spannung im Handlungsverlauf. Zu dieser Kategorie zählt aber auch das starke Inszenieren von Gewalt, die so fast schon zu einer eigenen Kunstform aufgestiegen ist. Beispielhaft hier- für sind die Filme Quentin Tarantinos, in denen häufig Kampf und Töten kunstvoll in Szene gesetzt werden. (vgl. ebd. : 237f.)

Zudem kann Gewalt im Film auch bewusst Künstlichkeit schaffen. Diese wird beispiels- weise durch übertriebene bis hin zu unrealistischen Darstellungen erzeugt. Dadurch fällt es dem Zuschauer leichter, eine innere Distanz zum Gezeigten zu wahren. Die Differenz zwischen der Fiktion des Gezeigten und der Realität wird umso deutlicher. Hausman- ninger fügt außerdem hinzu, dass „ein gewisses Maß an Künstlichkeit […] stets die Voraussetzung für die vergnügliche Rezeption [ist]. Sie ermöglicht uns den wirklichen entlasteten Bezug zum Gegenstand, die realen Zwecken enthobene Rezeption.“ (ebd.: 240) Im Gegensatz dazu kann Gewalt selbstverständlich auch als Realphänomen darge- stellt werden. Ziel ist es hierbei, mit einer unverblümten Ehrlichkeit, die in schonungs- losen Bilder ausgedrückt wird, auf Missverständnisse aufmerksam zu machen und diese zu kritisieren. Diese werden dem Zuschauer bewusst gemacht und zwingen diesen zu ei- ner Stellungnahme. (vgl. ebd. 235ff.)

1.1.3 Wirkung auf den Zuschauer

Die Verwendung von Gewalt bietet dem Zuschauer Anregung auf der kognitiven, emotionalen und sensomotorischen Ebene. Diese drei Ebenen wirken beim Rezeptionsprozess gegenseitig aufeinander ein.

Zunächst werden die kognitiven Fähigkeiten des Zuschauers angeregt. Um überhaupt „ästhetische Lust“ (ebd.: 235) beim Konsum von gewalthaltigen Filmen zu verspüren, muss der Zuschauer zuerst kognitiv dazu fähig sein, Handlungsstränge und Erzählstruk- tur des Films zu erkennen, zu entschlüsseln und zu interpretieren. Hat er dieses geleistet, so kann die Gewalt auf den Zuschauer ungehindert wirken. Gewaltdarstellungen rufen beim Zuschauer Emotionen wie beispielweise Furcht oder Unverständnis vor. Diese wiederum aktivieren sensomotorische Reaktionen wie Muskelkontraktionen oder Ad- renalinausschüttung. Neben Furcht und ähnlichen Gefühlen ruft Gewalt im Film beson- ders Empathie und Antipathie hervor. Im Regelfall ergreift der Rezipient Partei für das Opfer und verurteilt die Gewalt des Täters. Die durch Gewalt hervorgerufenen Emotio- nen können vielfältig sein. Die Bandbreite erschließt sich vom Mitleid mit dem Opfer, Wut auf den Täter, Entlastung des Zorns beim Happy-End bis zur Bestürzung beim Un- happy-End. Die Art und Intensität der Gefühle sind stark abhängig von den zuvor aufge- führten Verwendungs- und Darstellungsweisen im Film. (vgl. ebd.: 238)

Zudem gibt es fünf gängige Thesen, die verschiedene Wirkungs- und Erklärungsmuster für die Einfluss von Gewalt auf den Zuschauer erklären sollen. Roland Eckerts „Grauen und Lust- Die Inszenierung der Affekte“ beschreibt diese Thesen folgendermaßen (vgl. Eckert 1991: 19ff.):

1. Die Kartasisthese, welche eine Senkung der Aggression und Aggressionsbereitschaft nach dem Konsum gewalthaltiger Inhalte annimmt.
2. Die Inhibtionsthese, deren Ausgangspunkt die Annahme ist, dass der Zuschauer durch die Gewaltdarstellungen verängstigt ist, da ihm die Konsequenzen von Gewalt- handlungen vor Augen geführt werden und so seine Schwelle zur Gewaltausübung grö- ßer wird.
3. Die Stimulationsthese, welche davon ausgeht, dass Gewaltdarstellungen zu einem aggressiven Verhalten beim Zuschauer führen.
4. Die Habitualisierungsthese, deren Annahme es ist, dass vermehrter Konsum gewal-
thaltiger Medien zu einer Abstumpfung sowohl gegenüber fiktiver als auch gegenüber realer Gewalt führt. Man gewöhnt sich emotional also an die Gewalt.
5. Die These der Wirkungslosigkeit, deren Vertreter zwar nicht bestreiten, dass Medien bestimmte Wirkungen auf den Konsumenten haben können, eine schädliche Wirkung von Gewaltdarstellungen in Medien sei allerdings nicht empirisch bewiesen. (vgl. ebd.)

1.2 Forschungsstand

Zum Thema „Gewalt in Filmen“ gibt es einige Veröffentlichungen. Beispielhaft für die Analyse von Gewalt in Filmen ist die Arbeit von Thomas Bohrmann, der in seinem Buch „Ethik-Werbung-Mediengewalt“ die Gewaltdarstellung in den audiovisuellen Medien untersucht. Hierfür analysiert er beispielhaft drei ausgewählte Filme. Es geht ihm hierbei besonders um die dargestellten Gewaltformen. Methodisch orientiert er sich an den Arbeiten von Faulstich, Hickethier und Howard & Mabley (vgl. ebd.: 134). Er nennt hierbei fünf Schritte, die für ihn vor der eigentlichen Analyse entscheidend sind: Rezeption, das schriftliche Festhalten spontaner Gefühle, das Filmprotokoll, das Se- quenzprotokoll und fünftens die Inhaltsangabe (vgl. ebd.). Bohrmann begegnet dem Thema Gewalt in Filmen primär mit der klassischen Filmanalyse, allerdings lässt sich bei ihm auch ein Kapitel finden, welches sich mit der Frage nach der Wirkung von ge- walthaltigen Medien beschäftigt. Hierbei geht es ihm, im Gegensatz zum Ansatz dieser Arbeit, nicht um eine Rezeptionsanalyse, sondern vor allem um verschiedene Erklä- rungsansätze der möglichen Wirkung von Gewaltdarstellungen, wie sie innerhalb der Medienforschung behandelt werden.

In der Vergangenheit fand in der Filmwissenschaft primär die hermeneutische Analyse Anwendung. Mittlerweile allerdings sind die Forscher bemüht, durch Beobachten, Be- fragen und durch Interviews mit den Rezipienten selbst, die Einbindung der genutzten Medien in den Alltag sowie das Filmerleben der einzelnen Rezipienten herauszuarbei- ten. Ein Beispiel hierfür ist Renate Luca, die in ihrer Arbeit „Zwischen Ohnmacht und Allmacht: Unterschiede im Erleben medialer Gewalt von Mädchen und Jungen“ (1993), der Frage nachgegangen ist, was Gewaltfilme bei Jugendlichen auslösen. Sie sucht in ihrer qualitativen Arbeit nach Schnittstellen zwischen den Inhalten der Filme und der realen Lebenswelt der Jugendlichen. (vgl. Luca 1993: 10f.)

Für ihre Untersuchung hat sie jugendliche Rezipientinnen und Rezipienten mit zwei Horrorfilmen konfrontiert. Hierbei konzentriert sie sich auf die Geschlechterdifferenz im Erleben medialer Gewalt, wobei sie besonders das Erleben weiblicher Jugendlicher fokussiert (vgl. ebd.: 12).

Renate Luca kommt zu dem Ergebnis, dass Gewaltfilme bei Mädchen und Jungen unterschiedliche Gefühle hervorrufen. Mädchen reagieren im Gegensatz zu Jungen verstärkt mit Gefühlen wie Angst und Ohnmacht. Dies führt Luca darauf zurück, dass Mädchen sich mit den weiblichen Filmfiguren, die in diesem Genre meist die hilflosen Opfer sind, identifizieren. Jungen hingegen steht es offen, sich mit der männlichen Figur des Täters oder des Retters zu identifizieren. (vgl. ebd.: 216)

Auch Jutta Röser legt in ihrer qualitativen Studie zur Mediengewalt aus dem Jahr 2000 den Fokus auf die Geschlechtsunterschiede. Sie konnte belegen, dass die Kategorie „Geschlecht" bei der Rezeption von gewalthaltigen Filminhalten von zentraler Bedeutung sein kann. Wenn nach den affektiven Reaktionen von Gewaltdarstellungen gefragt wurde, zeigten sich erhebliche Unterschiede zwischen den Antworten der Geschlechter. Fast jede Frau beschrieb Gefühle wie Angst und Bedrohung in Folge des Konsums von gewalthaltigen Filmen. (vgl. Röser 2000: 68ff.)

Bei all diesen Arbeiten ist es auffällig, dass die verschiedenen Gewaltdarstellungen in Filmen eher sekundär behandelt worden sind. Genau dieses Aspekt soll unsere Untersu- chung näher beleuchten. Jedoch soll hier keine Beschränkung stattfinden. Auch der Aspekt des Geschlechts oder des Settings ist für uns interessant und von Bedeutung.

2 Methode

Für die vorliegende Arbeit wurde eine Entscheidung für eine schriftliche Befragung ge- troffen, mit deren Hilfe die Rezeptionsanalyse durchgeführt werden soll. Als schriftliche Befragungsmethode wurde ein qualitativer Fragebogen mit offenen Fragen gewählt. Als Auswertungsmethode haben wir uns für die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring entschieden.

2.1 Allgemeines zur Rezeptionsanalyse

Die Rezeptionsanalyse beschreibt und erklärt den Prozess der Aufnahme und Verarbei- tung medialer Inhaltsangebote. Dieser Prozess ist interaktionistisch. Betont werden hier- bei das Motiv des Rezipienten, das Wirkungspotential des Inhaltsangebotes sowie die Gefühle und kognitiven Leistungen des Rezipienten. (vgl. Geimer 2010: 25ff.)

Es gibt verschiedene Ansätze der Rezeptionsforschung. Michael Charlton (1997) differenziert hier zwischen zwei grundlegenden Ansätzen. Als erstes nennt er die kognitionswissenschaftliche Rezeptionsforschung, bei der Rezeption als konstruktive und wissensbasierte Verstehensprozesse beschrieben wird. Den zweiten Ansatz benennt er als handlungstheoretische Rezeptionsforschung, bei der Rezeption als Teil sozialer Alltagspraxis gedeutet wird. Rezeptionsresultate entstehen hierbei aus sozialen und kulturellen Bedingungen. (vgl. Charlton 1997: 16ff.)

Es gibt unterschiedliche Methoden der Rezeptionsanalyse, wobei hier zwischen rezepti- onsbegleitender und postrezeptionaler Methoden differenziert wird. Rezeptionsbegleitende Methoden sind die rezeptionsbegleitende Befragung und Beob- achtung, die rezeptionsbegleitende non-verbale Erfassung der Bewertungsreaktion so- wie die der physiologischen Reaktion. Retrospektive Interviews und Gruppendiskussio- nen mit Mediennutzung über ihre Rezeptionserlebnisse- und erfahrungen bilden die postrezeptionale Methode.

2.2 Erhebungsmethode: Qualitativer Fragebogen

Der Fragebogen ist eine schriftliche, stark strukturierte Befragungsmethode. Im Gegen- satz zum Interview fehlt hierbei die direkte Interaktion zwischen Befragtem und For- schenden. Die Fragen sind standardisiert und werden bei jedem Befragtem in gleicher Form und in gleicher Reihenfolge gestellt. Im Gegensatz zu Interviews sind die Fragen des Fragebogens häufig auf Skalen zu beantworten. Ausnahme bildet hier allerdings die qualitative Sozialforschung und somit auch die Untersuchung dieser Arbeit, bei der aus- schließlich offene Fragen verwendet werden. (vgl. Bortz/Döring 2006: 253ff.)

Bei der Konstruktion eines Fragebogens ist eine exakte und sorgfältige Vorgehensweise besonders wichtig, da der Fragebogen die Spielräume des Interviewers und des Befrag- ten stark einschränkt (vgl. Atteslander 2003: 147f.). Aufgabe des Fragebogens ist es, den Inhalt, die Anzahl und die Reihenfolge der Fragen festzulegen. Hierbei sollte beson- deren Wert auf die Verständlichkeit und Eindeutigkeit der Frageformulierungen liegen, da diese in der Erhebungsphase nicht mehr verändert werden können. (vgl. ebd.: 144) Um auch bei dem Untersuchungsinstrument des Fragebogens gewährleisten zu können, dass qualitativ geforscht wird, haben wir uns, wie bereits schon erwähnt, für offene Fra- gen ohne Antwortkategorien entschieden.

Durch das Einsetzen eines Fragebogens entsteht ein deutlicher Organisationsvorteil und aufwändige Terminabsprachen entfallen. Dies ist besonders für die Filmrezeption von Vorteil, da der Fragebogen direkt nach dem Ansehen des Films ausgefüllt werden kann und die Eindrücke des Filminhalts so noch sehr präsent sind. Für jeden der Befragten einen Termin zum Anschauen des Film und anschließendem Interview zu finden, würde sich als sehr schwierig gestalten. Zudem wird dem Befragten eine erhöhte Freiheit durch die zeitliche Unabhängigkeit zugesichert. Stier (1999) sagt ferner, sogenannte „Interviewer-Effekte" würden wegfallen und die Interaktion infolge der Distanz objek- tiver und emotionsloser werden (vgl. Stier 1999: 193). Auf eine teilnehmende Beobach- tung wurde verzichtet, da die sensomotorischen Reaktionen für uns nicht mehr im Fo- kus lagen. Es sollte primär um die Gefühle und Erfahrungen der Rezipienten gehen.

2.3 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse

Das Material aus den Fragebögen wurde anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) ausgewertet. Hierbei wird sprachliches Material, in diesem Fall die Antworten aus den Fragebögen, systematisch analysiert, indem dieses zum einen zergliedert und Schritt für Schritt bearbeitet wird und zum anderen, indem am Material Kategoriensysteme entwickelt werden (vgl. Mayring 2010: 12f.).

In unserem Fall wurden diese Kategoriensysteme induktiv entwickelt. Das bedeutet, dass die Kategorien direkt aus dem Material herausgebildet werden und nicht bereits vorher feststehen (vgl. ebd: 49f.).

Zur Kategorienbildung gibt es laut Mayring drei verschiedene Analyseschritte: Zusam- menfassung, Explikation und Strukturierung. Diese schließen sich nicht aus, sondern können sich ergänzen. Die Zusammenfassung hat laut Mayring die Reduktion des Mate- rials als Ziel, wobei die wesentlichen Inhalte des Materials erhalten bleiben. Bei der Ex- plikation werden unverständliche Textstellen erklärt, wobei zusätzliches Material ver- wendet wird. Bei der Technik der Strukturierung sollen aus dem Material bestimmte Aspekte oder eine bestimmte Struktur herausgefiltert werden. (vgl. ebd.: 65) Bei der Auswertung unserer Fragebögen wurde das Material zunächst zusammengefasst und ab- strahiert, um so induktiv die Kategorien bilden zu können. Diesen Schritt lässt sich in der Beschreibung und Darstellung der einzelnen Rezipienten in Punkt 3.1 wieder. An- schließend wurden einige Textstellen mit zusätzlichem Material erklärt. Hierbei handel- te es sich besonders, um die Klärung der Beschreibung von bestimmten Filmszenen. Als letzter Schritt fand die Strukturierung statt. Die Fragebögen wurde demnach im Bezug auf die im ersten Schritt entstandenen Kategorien strukturiert. Ähnliche Paraphrasen, die bei der Zusammenfassung entstanden sind, wurden gebündelt und den Kategorien zugeordnet. Diejenige Textstelle, die die Bedeutung der Kategorie am besten wieder- gab, wurde als Ankerbeispiel gewählt, um so den Zusammenhang zwischen Text und Kategorie nicht zu vernachlässigen. Einige Kategorien sind bereits im Vorfeld durch die einzelnen Fragen des Fragebogens gebildet worden. Die restlichen Kategorien wurden induktiv mit Hilfe den Antworten aus den Fragebögen gebildet. Das Kategoriensystem in Form zweier Tabelle wurde der Arbeit angehängt. Die Kategorien wurden zur Inter- pretation der Ergebnisse in 3.2 genutzt.

2.4 Vorgehen

Im Folgenden sollen die einzelnen Schritten der Untersuchungsvorbereitung und der Datenerhebung beschrieben werden. Hierbei wird in Punkt 2.4.3 auch genauer auf den Art und Umfang des Fragebogens sowie auf die Auswahl der Befragten eingegangen.

2.4.1 Filmauswahl

Um ein möglichst großes Spektrum von Gewaltdarstellungen im Film zu erlangen, wur- den zwei Filme gewählt, die in ihrer Darstellung von Gewalt sehr unterschiedlich sind. Hierfür wurde einerseits Quentin Tarantinos „Pulp Fiction“ (1994) und andererseits Mi- chael Hanekes „Funny Games“ (1997) ausgewählt.

Hanekes „Funny Games“ ist eine Mischung aus Drama, Problem- und Gewaltfilm und handelt von einer Familie, deren Urlaubs- und Familienidylle schlagartig durch das Auftreten zweier Männer zerstört wird. Die beiden jungen Männer schließen eine Wette auf das Leben der dreiköpfigen Familie ab und töten nach und nach alle drei.

Die Darstellung der Gewalt ist hierbei genreunüblich und durchbricht die Mauern der Gewöhnung des Kinopublikums. Im Gegensatz zu genreüblichen Filmen wird Gewalt in diesem Film überdeutlich als Leiden der Opfer dargestellt. Nur an einer einzigen Stelle im Film wird Gewalt als expliziter Akt gezeigt. In den anderen Fällen beschränkt sie sich auf die Darstellung der Leiden des Opfers und der Angehörigen und somit auf die Folgen von Gewalt. Hinzu kommt, dass das Publikum zunehmend zum Komplizen der Verbrecher gemacht wird. Dies wird besonders an einer Stelle deutlich, an der einer der jungen Verbrecher direkt in die Kamera sagt. „Ist es schon genug? Sie wollen doch ein plausibles Ende!“. Haneke nimmt so dem Zuschauer die Distanz und lässt ihm keinen Raum mehr zum Rückzug. Er verweigert dem Zuschauer ebenso wie den Figuren im Film den Fluchtweg. Zudem verweigert er die Legitimierung und Erklärung von Ge- walt. Stattdessen hinterlässt er ein Rätselkonstrukt, das den Zuschauer zwingen soll, über die dargestellte Gewalt und ihre Ursachen nachzudenken. (vgl. Grabner 2008: 16ff.)

Hanekes Absicht ist es, die Zuschauer für das, was sie sehen und konsumieren, zu sensi- bilisieren und sie zu zwingen, dafür Verantwortung zu übernehmen. Das Publikum wird bewusst zum Mittäter gemacht, es wird gegen seinen Willen zum Ursprung der Gewalt. Der Film scheint nur für den Betrachter inszeniert, welcher hiermit zum Grund der Gräueltaten wird. Der Zuschauer soll dazu gebracht werden die Rolle von Gewalt in Medien und seine Position als Betrachter zu reflektieren. (vgl. ebd.: 12ff.)

Im Gegensatz hierzu steht Tarantinos „Pulp Fiction“. Tarantino hat sich hierfür thema- tisch bei der „Schundliteratur“ der dreißiger und vierziger Jahre und ihren Unterwelt- Geschichten des „Pulp“ bedient (Barg 1996: 138ff.). Der Film ist geprägt durch eine episodenhafte und verschachtelte Erzählstruktur, in der er drei Haupthandlungen er- zählt. Sie behandeln das Gangster- und Kleinkrimellenleben in Los Angeles.

Die Gewalt läuft in „Pulp Fiction“ fast beiläufig ab. Der Gewaltakt wird in Witz, Satire und Zynismus eingebettet und so entschärft. Dieses Klima erlaubt dem Zuschauer, über das Geschehen amüsiert zu schmunzeln. Barg sagt hierzu: „Durch seine Helden und mit seinen Geschichten entzaubert er das Spektakuläre und Sensationelle des Gewaltaktes. Gewalt selbst interessiert Tarantino dabei wenig.“ (ebd.: 136).

Gewalt ist für Tarantino ein Stilmittel und wird im Gegensatz zu Hanekes Gewalt kon- sumierbar. Die Gewalt wird ästhetisiert und häufig in Zeitlupe oder Farbfilter gefilmt.

Die ausgewählten Filme arbeiten also mit einer sehr gegensätzlichen Form der Gewaltdarstellungen und sind somit ideal, um bei der Rezeptionsanalyse die unterschiedliche Wirkungsweisen von Gewalt in Filmen auf den Zuschauer zu untersuchen. Ferner wird auch die Möglichkeit geboten, zu untersuchen, welche Gewaltdarstellung stärkere Reaktionen bei dem Zuschauer auslösen kann.

2.4.2 Setting

Das Setting kann die Filmrezeption der Befragten maßgeblich beeinflussen. Die äußeren Umstände wirken auf die Gefühlslage und Stimmung, in der der Befragte in den Film wahrnimmt und ebenso die dieser in ihm auslöst, ein.

Bei unserer Untersuchung handelt es sich um eine Feldstudie mit unterschiedlichen Set- tings. Da den Befragten der Ort und das Medium, mit dem sie den Film schauen sollten, freigestellt wurde, gibt es kein einheitliches Setting. Da es sich außerdem um keine teil- nehmende Beobachtung handelt, bei der wir die Umgebung des Filmschauenden selbst miterleben und so auch beschreiben könnten, musste ein anderer Weg gefunden werden. Um also das Setting nicht außer Acht zu lassen, wurden in den Fragebogen Fragen zum Setting aufgenommen. Die Fragen lauteten: „Welchen Film hast du geschaut?“, „Wann hast du diesen Film geschaut, zu welcher Tageszeit?“, „Kennst du den Film bereits oder hast etwas über ihn gehört?“, „Auf welchem Multimedia Gerät hast du den Film ge- schaut?“, „Wer war noch anwesend als du den Film geschaut hast?“, „Was hast du ge- macht während du den Film geschaut hast?“, „Hast du zwischendurch den Raum verlas- sen, wenn ja warum?“ und „In welcher Grundstimmung warst du, als du den Film ge- schaut hast?“. Diese Fragen bieten so zumindest indirekt die Kontrolle zur Entstehungssituation des Materials.

Auf das Zusammenspiel von Setting und Filmwahrnehmungen im Einzelnen wird in Punkt 3.2.3 bei der Interpretation der Erhebungsdaten näher eingegangen.

2.4.3 Erhebung der Daten

Die Rezeptionsanalyse wurde mit Hilfe eines Fragebogens durchgeführt. Es handelte sich hierbei um themenfokussierte offene Fragestellungen und die Befragten wurden aufgefordert, von ihren Erfahrungen beim Ansehen des jeweiligen Films zu berichten. Dadurch wird Raum geschaffen für Antworten in bestimmten Bereichen, die eine große individuelle Variationsbreite aufweisen können. Der Fragebogen umfasst 27 Fragen.

Auch wenn ein besonderer Schwerpunkt auf die Darstellung von Gewalt und die Gefüh- le der Befragten, die diese bei ihnen ausgelöst hatte, gelegt wurde, sollte der Fragebogen möglichst offen gehalten werden, um ihre Wahrnehmungen und Beschreibungen nicht allzu stark zu lenken sowie andere Aspekte nicht zu unterschlagen. Am Anfang sollten die Befragten einige statistische Angaben zu Alter, Geschlecht und Familienstand ma- chen, um weitere mögliche Einflüsse überprüfen zu können. Ferner sollte in dem ersten Abschnitt „Persönliches“ zunächst die Filmroutine der Befragten geklärt waren. Hierfür waren die Fragen nach dem Lieblingsgenre sowie nach der Häufigkeit des Filmkonsums entscheidend. Außerdem wurde selbstverständlich noch erfragt, ob der geschaute Film bereits bekannt war. Zudem wurde nach der Stimmung vor und nach dem Film gefragt. Es wurde dabei davon ausgegangen, dass sich die emotionale Wirkung eines Films auf die Stimmung der Befragten auswirkt. Eine Veränderung der Stimmung kann demnach auf die Wirkung des Filminhalts zurückgeführt werden.

Es wurden zunächst 15 Personen entweder persönlich oder via Email kontaktiert, um diese für die Untersuchung zu gewinnen. Befragt wurden schlussendlich zehn Men- schen im Alter zwischen 20 und 58 Jahren, um so eine möglichst große Altersspanne abzudecken. Hierbei wurde darauf geachtet, dass die Anzahl von Frauen und Männern relativ ausgeglichen ist. Befragt wurden sechs Frauen und vier Männer. Es handelt sich bei den Person um eine Mischung zwischen Menschen, die Filme als pure Unterhaltung sehen und nur gelegentlich Filme konsumieren und denen, die sich auch in ihrer Freizeit mit Filmen beschäftigen und als Cineasten gelten können. Vielfalt war uns bei der Aus- wahl der Befragten wichtig, um so ein möglichst breit gefächertes Ergebnis zu erlangen. Beim Kontaktieren wurden den Personen nur grobe Informationen über die geplante Untersuchung gegeben, um ihre Voreingenommenheit zu reduzieren. Ihnen wurde mit- geteilt, dass die Untersuchung im Rahmen eines Seminars in der Universität stattfinden soll und sie dafür die beiden Filme „Funny Games“ und „Pulp Fiction“ schauen und an- schließend jeweils den Fragebogen ausfüllen sollen. Das Augenmerk der Untersuchung blieb unbekannt. Die Befragten erklärten sich mündlich damit einverstanden, dass ihre Äußerungen zum Zweck dieser Arbeit anonym verwendet werden dürfen.

Den Befragten wurde zudem freigestellt, in welcher Umgebung, zu welcher Tageszeit und mit welcher Aufmerksamkeit sie den Film schauen sollen, um so ein möglichst offenes und breit gefächertes Ergebnis zu erreichen. Der Fragebogen war den Befragten, zumindest beim ersten Film, nicht bekannt. Direkt nachdem die Befragten den Film geschaut hatten, wurde ihnen der Fragebogen jeweils per Email zugeschickt und auch auf diesem Wege ausgefüllt zurückerlangt.

3 Empirische Untersuchung

3.1 Beschreibung des Materials

Die ingesamt zehn Personen haben bis auf einen Rezipienten, die nur einen Fragebogen bearbeitet hat, jeweils zwei Fragebögen ausgefüllt. Diese 19 Fragebögen liegen sowohl in elektronischer als auch in ausgedruckter Form vor. Sämtliche Namen wurden geändert und sind somit fiktiv.

Bevor das Material interpretiert wird, soll zunächst eine Darstellung und Beschreibung der Befragten und ihrer Antworten zu den jeweiligen Filmen folgen. Hierfür wurden die Antworten der Fragebögen zusammengefasst und paraphrasiert. Die ausgefüllten Originalfragebögen sind der Arbeit angehängt.

3.1.1 Rezipient Tina

Tina ist weiblich, 54 Jahre alt, getrennt, aber mit neuem Partner lebend und hat ein Kind. Sie schaut nur gelegentlich Filme, insbesondere Komödien und Filme mit geschichtlichem Hintergrund und nutzt hierfür das Kino, das Internet, DVDs und den Fernseher. Der Film dient ihr ausschließlich zur Unterhaltung.

1. Funny Games

Tina schaute „Funny Games" abends um sieben Uhr zusammen mit ihrem Partner auf DVD, verließ den Raum währenddessen nicht und schrieb nebenbei eine SMS. Sie kannte den Film vorher nicht, hatte keine Erwartungen an den Film und war in guter Grundstimmung. Sie gibt an, den Film verstanden zu haben.

Die Grundthematik des Films ist für sie, dass Menschen ohne Grund auf andere Men- schen Gewalt ausüben können und damit das Leben dieser Menschen plötzlich verän- dern, ohne dass diese sich wehren können. Diese Grundthematik findet sie abstoßend. Der Film löste bei Tina eine angespannte Gefühlslage aus. Sie gibt an, dass ihre gute Grundstimmung weg gewesen sei und sie zeitlichen Abstand brauchte, um sich wieder so gut zu fühlen wie vorher. Als besonders negativ empfindet sie die Szenen, in der das Kind stirbt und die, in der die Frau sich von ihrem Mann verabschieden muss, bevor sie flieht. Diese Szene ist aber gleichzeitig auch positiv für sie. Generell hat ihr in diesem Film die Gegenwehr der Opfer und ihr Bemühen, sich zu retten, gefallen. Das zeigt für sie, dass Menschen in Extremsituationen über sich hinauswachsen können. Die erneute Gefangennahme und Rückkehr in das Haus empfindet sie wiederum als negativ. Tina beschreibt die Gewalt in diesem Film als extreme Darstellung von physischer Gewalt, die bei ihr Unwohlsein und negative Fantasien hervorgerufen hat.

Sie würde diesen Film nicht noch einmal schauen.

2. Pulp Fiction

Tina schaute den Film „Pulp Fiction" abends um neun Uhr wieder zusammen mit ihrem Partner auf DVD. Sie hat den Raum währenddessen zweimal verlassen, um etwas zu trinken zu holen, aber ansonsten nichts anderes nebenbei gemacht. Der Film war ihr schon bekannt, sie war in guter Grundstimmung und sie hatte keinerlei Erwartungen an den Film.

Der Film hat bei ihr keine veränderten Gefühle hervorgerufen und sie fühlte sich nach wie vor gut. Tina gibt an, den Inhalt des Films vollkommen verstanden zu haben. Als Grundthematik nennt sie die Rolle des Zufalls als lebensbestimmender Einfluss und die dadurch geschehende Verknüpfung der Ereignisse. Es gibt zwei Szenen, die für sie posi- tiv hervorgestochen sind. Dies ist zum einen die Szene, in der Butch seinem Verfolger hilft und zum anderen die Tanzszene. Zudem haben ihr die schauspielerischen Leistun- gen in diesem Film und die Komik, die trotz der Gewaltszenen überwog, gut gefallen. Tina findet, dass die Gewalt in diesem Film verharmlost dargestellt wird. Diese Gewalt- darstellung löst allerdings nichts in ihr aus.

Sie würde diesen Film sowohl noch einmal schauen als auch weiterempfehlen.

3.1.2 Rezipient Tim

Tim ist männlich, 23 Jahre alt und ledig. Er schaut ca. achtmal im Monat Filme und nutzt hierfür das Kino, Blu-ray, DVDs und den Fernseher. Er schaut vor allem Comedy, Drama, Action, Science Fiction, Fantasy, Abenteuer und Dokumentationen und beschäftigt sich auch in seiner Freizeit mit Filmen.

1. Funny Games

Den Film „Funny Games" hat er nachmittags alleine im Internet geschaut. Er hat nichts anderes während des Filmkonsums gemacht und den Raum nicht verlassen. Tim hatte den Film zuvor noch nicht gesehen, aber der Name und der Regisseur waren ihm bereits bekannt. Seine Grundstimmung war entspannt und er hatte keine Erwartungen an den Film. Er gibt an, keine Verständnisprobleme gehabt zu haben.

Der Film löste bei ihm aufgrund der Gewaltandeutungen und Persönlichkeiten der bei- den Psychopathen Unbehagen aus. Seine allgemeine Gefühlslage änderte sich während des Film jedoch nicht. Als Grund gibt er an, dass ihm der Film nicht gefallen hat. Positiv hervorgestochen ist für ihn die Gebetsszene, in der die Gleichgültigkeit in seinen Augen fantastisch gespielt worden ist. Aus demselben Grund findet er auch die Boots- szene positiv, auch wenn diese ein negatives Gefühl in ihm ausgelöst hat. Die Szene, in der zurückgespult wird, bewertet er als negativ, da dies ein übertriebener Versuch sei, die vierte Wand zu durchbrechen. Tim hatte das Gefühl, dass der Regisseur seine Zuschauer für Idioten hält, da dem Zuschauer immer wieder ein Spiegel vorgehalten werden soll. Gut gefallen hingegen hat ihm die Ausarbeitung der Charaktere, insbesondere die der beiden Täter, die als so verzerrte Persönlichkeiten dargestellt werden, dass einem Angst und Horror über den Rücken läuft.

Die Grundthematik des Films ist für Tim ein Statement des Autors und Regisseurs Haneke über die Gesellschaft, die Gewalt als Entertainment empfindet. Er gibt an, dass die Gewalt in diesem Film selten direkt gezeigt werde. Es werde viel dem Zuschauer überlassen. Diese Darstellung der Gewalt löste in ihm Unbehagen aus, das durch die Gleichgültigkeit der beiden Protagonisten gefördert wurde.

Tim hat der Film nicht gefallen, dies lag jedoch nicht an der dargestellten Gewalt. Er würde den Film nicht noch einmal schauen oder weiterempfehlen, da es noch weitere Filme mit ähnlichem Tenor gibt, die seiner Meinung nach deutlich besser sind.

2. Pulp Fiction

Tim schaute den Film „Pulp Fiction", den er bereits einmal gesehen hatte, abends auf Blu-ray über den Fernseher. Während des Filmkonsums hat er gegessen. Er war in einer müden Grundstimmung und die Erwartung an diesen Film war eine entspannte Unter- haltung.

Seine entspannte Gefühlslage änderte sich während und nach dem Ansehen nicht, da er den Film kannte und wusste, was ihn erwartet. Der Film löste in ihm größtenteils Freude aus, aber aufgrund der teils exzessiven Gewaltszenen auch ein abstoßendes Gefühl. Tim gibt an, den Inhalt des Films verstanden zu haben, da er den Film schon mehrfach gesehen hat und auch andere Filme des Regisseurs kennt.

Positiv aufgefallen ist ihm die Tanzszene, da er diese lustig findet und die Szene des Restaurantüberfalls. Als negativ empfindet Tim die Vergewaltigungsszene. Diese ist für ihn abstoßend und ekelig. Der Humor, die satirischen und sarkastischen Züge haben Tim gut gefallen. Hingegen war ihm die Gewaltdarstellung teilweise zu übertrieben und brutal.

[...]

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Gewaltdarstellung im Film. Filmrezeption der Filme "Funny Games" und "Pulp Fiction"
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autoren
Jahr
2015
Seiten
74
Katalognummer
V386528
ISBN (eBook)
9783668605497
ISBN (Buch)
9783668605503
Dateigröße
1567 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewaltdarstellung, film, filmrezeption, filmen, funny, games, pulp, fiction
Arbeit zitieren
Wenka Kasper (Autor)Anna Beyer (Autor), 2015, Gewaltdarstellung im Film. Filmrezeption der Filme "Funny Games" und "Pulp Fiction", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386528

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