Die postalische Befragung. Methodische Probleme, Ursachen der Stichprobenausfälle und Lösungsansätze


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: 2,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Methodische Probleme bei postalischen Befragungen
1.1 Repräsentanzprobleme
1.1.1 Das Rücklaufproblem
1.1.2 Das Identitätsproblem
1.2 Kommunikationsprobleme
1.2.1 Probleme der formalen Gestaltung des Fragebogens
1.2.2 Probleme der Steuerung des Befragungsprozesses

2 Ursachen der Stichprobenausfälle bei postalischen Befragungen
2.1 Kontaktprobleme
2.2 Probleme der Antwortbereitschaft
2.2.1 Allgemeine Reaktionshemmnisse
2.2.2 Spezifische Reaktionshemmnisse
2.3 Probleme des Handlungsablaufs

3 Lösungsansätze
3.1 Repräsentanzprobleme
3.1.1 Instrumentelle Ansätze zur Lösung des Rücklaufproblems
3.1.1.1 Mahnaktionen
3.1.1.2 Die Gestaltung des Umfragebriefs
3.1.1.3 Die Vorgabe einer Rücksendefrist
3.1.1.4 Verwendung materieller Anreize
3.1.2 Relativierung des Identitätsproblems
3.2 Kommunikationsprobleme
3.2.1 Probleme der formalen Gestaltung des Fragebogens
3.2.2 Probleme der Steuerung des Befragungsprozesses

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit sollen die vielfältigen Probleme der postalischen Befragung dargelegt werden, die oftmals den Ausschlag gegen diese Erhebungsform geben. Um diesen durchaus ungerechtfertigten Vorurteilen entgegenwirken zu können, ist eine detaillierte Betrachtung aller empirisch oder hypothetisch aufgestellten Probleme erforderlich.

Das Ziel dieser Arbeit ist Lösungsansätze zu formieren, die zu einem optimalen Ergebnis bei postalischen Befragungen führen.

Gang der Untersuchung

Die Arbeit gliedert sich in drei Schwerpunktkapitel (Kapitel 2 - 4).

In Kapitel 2 werden zunächst die methodischen Probleme der postalischen Befragung aufgezeigt, die sich in die Repräsentanzprobleme (2.1) und die Kommunikationsprobleme (2.2) unterteilen lassen.

Es folgt in Kapitel 3 eine Aufzählung der Ursachen der Stichprobenausfälle. Diese werden in den Unterpunkten Kontaktprobleme, Probleme der Antwortbereitschaft und die des Handlungsablaufs differenziert betrachtet.

Kapitel 4 stellt die Lösungsansätze für alle methodischen Probleme dar. Zunächst werden instrumentelle Ansätze zur Lösung des Rücklaufproblems und die Relativierung des Identitätsproblems dargelegt. Anschließend werden die Kommunikationsprobleme (Gestaltungs- und Steuerungsprobleme) unter die Lupe genommen.

1 Methodische Probleme bei postalischen Befragungen

1.1 Repräsentanzprobleme

Ein anvisiertes Ziel jeder Befragung ist die Repräsentativität der Stichprobe für die Grundgesamtheit. Das bedeutet, dass das Sample der befragten Personen in jeder Hinsicht die gleichen Merkmalsstrukturen aufweisen muss wie die Gesamtheit der Personen, über die eine Aussage getroffen werden soll. Dies ist jedoch so gut wie nie der Fall, da es bei Stichproben sowohl zu quantitativen als auch zu qualitativen Veränderungen kommt.[1] Hier sind grundsätzlich zwei Fehlerquellen zu nennen: der mangelnde Rücklauf der versandten Fragebogen und eine fehlende Identität von Ziel- und Auskunftsperson.

1.1.1 Das Rücklaufproblem

Es gibt immer einen gewissen Anteil an Personen, die den Fragebogen aus verschiedensten Gründen nicht zurückschicken. Die Ausfallquoten variieren stark, jedoch sind solche von 50% normal und auch solche von 80-90% nicht selten. Hieraus ergibt sich eine starke Veränderung der bestimmten Stichprobe in ihrer Größe, was nicht weiter problematisch wäre, wenn sie sich nicht auch in ihrer Zusammensetzung verändern würde. Dies ist jedoch bei höheren Ausfallraten zu erwarten, da die Ausfälle meist aus wenigen bestimmten Merkmalsgruppen resultieren. Somit erhöhen sich die Anteilswerte anderer Gruppen am Rücklaufsample und ihre Aussagen erhalten ein viel stärkeres Gewicht als ihnen – entsprechend ihrem Anteil an der Grundgesamtheit – überhaupt zukommen dürfte. Dadurch kommt es zu einer mehr oder weniger gewichteten Verzerrung der Reststichprobe.[2]

Bei der postalischen Befragung von Spezialquerschnitten, z.B. von Ärzten, Lehrern oder Journalisten fallen die zuvor erwähnten Probleme nicht so sehr ins Gewicht. Das liegt einerseits an der höheren Teilnahmebereitschaft und andererseits an der größeren Homogenität. Die Teilnehmer dieser Gruppen interessieren sich nämlich eher für eine auf ihr Fachgebiet zugeschnittene Befragung und sind daher eher bereit zu antworten, so dass von allen Merkmalsgruppen eine gleichmäßig hohe Rücklaufquote zu erwarten ist. Hinzu kommt, dass diese Gruppenteilnehmer oftmals im Begleitschreiben persönlich angesprochen werden, was ebenfalls zu einer höheren Antwortbereitschaft führt.

Bei allgemeinen Bevölkerungsumfragen, wie etwa bei Verbraucherbefragungen oder Media-untersuchungen spielt die Rücklaufquote eine weitaus größere Rolle. Aufgrund der sehr großen Heterogenität ist die Motivationen der verschiedenen Merkmalsgruppen sehr unterschiedlich. Es kann somit zu erheblichen qualitativen Verzerrungen und zu ungenauen Ergebnissen kommen.[3]

In Kapitel 3 wird ausführlicher auf die Ursachen der Demotivation bzw. der mangelnden Antwortbereitschaft sowie auf weitere Rücklaufprobleme, wie z.B. Kontaktprobleme und Probleme des Handlungsablaufs eingegangen.

1.1.2 Das Identitätsproblem

Gerade bei postalischen Befragungen, in denen die eigentliche Befragungssituation nicht kontrolliert werden kann, ist das Identitätsproblem ein weiterer zu berücksichtigender Faktor, der die Repräsentanz in nur schwer abschätzbarem Maße beeinflussen kann. Es kommt vor, dass Ziel- und Auskunftsperson nicht identisch sind, wenn nämlich die ausgewählten Probanden den Fragebogen nicht selbst bearbeiten, sondern wenn er durch dritte Personen, meist Familienmitglieder ausgefüllt wird.

Hierfür gibt es verschiedene Gründe: Wenn die angeschriebenen Probanden wegen einer Geschäfts- oder Urlaubsreise oder aufgrund einer Krankheit längere Zeit nicht zu hause sind, fühlen sich die Mitbewohner verpflichtet den Fragebogen auszufüllen. Bei älteren und/oder sich überfordert fühlenden Personen kann es vorkommen, dass diese die Aufgabe an andere abtreten.[4] Des weiteren werden Fragen zu einem Thema, mit der sich der ausgewählte Proband nicht so gut auskennt, an vermeintlich besser informierte Dritte weitergegeben.[5]

Dieses Ausfüllen von Dritten wirft die Frage auf, ob die Antworten der „nichtgemeinten“ Personen mit denen der eigentlichen Zielpersonen übereinstimmen. Insbesondere bei Fragen zu persönlichen Meinungen und Einstellungen wird dies wohl eher nicht der Fall sein, dagegen werden Fragen zur Erfassung von Haushaltsdaten, wie z.B. Anzahl von Familienmitgliedern, Küchengeräten, oder technischen Geräte durchaus übereinstimmend beantwortet werden.[6]

Hierdurch wird deutlich, dass es zu starken Repräsentanzverzerrungen kommen kann, da im ersten Fall die Aussagen vermeintlich nicht denen der Zielpersonen entsprechen, und somit eine andere Merkmalsgruppe plötzlich stärker vertreten ist.

1.2 Kommunikationsprobleme

Kommunikationsprobleme kommen zustande, weil es bei postalischen Befragungen keinen Interviewer gibt, dem in der Regel zwei Aufgaben zufallen. Erstens die ihm vorgegebenen Stimuli korrekt zu übermitteln und die Reaktionen der Probanden umfassend festzuhalten. Dem Interviewer wird also die Rolle eines „Befragungsautomaten“[7] zugewiesen. Zweitens sorgt er als Kontrolleur für einen ordnungsgemäßen und störungsfreien Ablauf der Befragung, d.h. für die Einhaltung des Befragungstermins, der Fragenreihenfolge und dass die Fragen spontan beantwortet werden.[8]

Bei postalischen Befragungen müssen die angeschriebenen Personen selbst bzw. das Begleitschreiben und der Fragebogen diese Aufgaben übernehmen. Daher wird nachfolgend beschrieben, welche Probleme bei der formalen Gestaltung des Fragebogens und bei der Steuerung des Befragungsprozesses berücksichtigt werden müssen.

1.2.1 Probleme der formalen Gestaltung des Fragebogens

Bei der formalen Gestaltung können alle möglichen Probleme auftreten. Der Fragebogen kann aufgrund einer falschen, verwirrenden oder nur schwer verständlichen Anordnung der Antwortalternativen unübersichtlich gestaltet sein, was zum Nichtbeantworten der Frage führen kann. Oder aber die Probanden füllen Fragen aus, die für sie nicht bestimmt waren.

Die Verwendung offener Fragen kann bei Angehörigen bestimmter Bevölkerungsschichten durchaus Probleme hervorrufen, insbesondere dann, wenn nicht ein oder zwei Wörter, sondern mehrere Sätze zur Antwort nötig sind. Auch können Formulierungen, bei denen das Sprachniveau und die Ausdrucksweise nicht optimal der jeweiligen Befragungsgruppe angepasst ist, zu einer Ablehnung der Frage führen. Des Weiteren kann es bei nicht eindeutigen Formulierungen zu Missverständnissen kommen.[9]

1.2.2 Probleme der Steuerung des Befragungsprozesses

Eine Erhebung der zu fragenden Sachverhalte muss bei allen Probanden unter weitgehend gleichen Bedingungen erfolgen, damit die Genauigkeit der Erhebungsresultate nicht gefährdet ist. Dies betrifft insbesondere den Zeitpunkt des Auskunftstermins, die Fragenreihenfolge und die Reaktionszeit bei der Beantwortung der Fragen. Allerdings sind diese Merkmale bei einer schriftlichen Befragung im Gegensatz zu einer mündlichen mit Interviewer nicht so ohne weiteres kontrollierbar und steuerbar.

Gerade wenn die Untersuchungsgegenstände temporalen Einflüssen unterliegen, ist die Beantwortung des Fragebogens von allen Probanden zur gleichen Zeit entscheidend. Eine direkte Terminsteuerung ist demnach schwer realisierbar.[10]

Die Einwirkung der Stimuli in der gewählten Reihenfolge kann dadurch gestört werden, dass der Proband die Möglichkeit hat, sich einen Teil oder gar den ganzen Fragebogen vor Beantwortung der ersten Frage durchzulesen oder auch einzelne Fragen zu überspringen und diese erst am Ende auszufüllen. Das kann dazu führen, dass die Folgefragen anders beantwortet werden und auch Dissonanzen bewusst weitgehendst vermieden werden.[11]

Des weiteren ist es aufgrund der mangelnden Kontrollinstanz nicht möglich festzustellen, ob die Probanden die Fragen spontan, nach längerer Überlegung oder sogar erst nach Beratung mit anderen Personen beantworten haben. Diese Unterschiede können sich auf die Qualität der Antworten auswirken. Die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist also problematisch.[12]

[...]


[1] Vgl. Porst, R. (2000), S. 107.

[2] Vgl. Hafermalz, O. (1976), S. 28f.

[3] Vgl. Hafermalz, O. (1976), S. 29f.

[4] Vgl. Hafermalz, O. (1976), S. 179f.

[5] Vgl. Scott, C. (1961), S. 152.

[6] Vgl. Hafermalz, O. (1976), S. 32.

[7] Behrens, K. (1966), S. 49.

[8] Vgl. Hafermalz, O. (1976), S. 25ff.

[9] Vgl. Hafermalz, O. (1976), S. 33f.

[10] Vgl. Rümelin, H. (1968), S. 75f.

[11] Vgl. Scheuch, E. (1967), S. 150.

[12] Vgl. Noelle, E. (1963), S. 163.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die postalische Befragung. Methodische Probleme, Ursachen der Stichprobenausfälle und Lösungsansätze
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, früher: Berufsakademie Mannheim  (Wirtschaft)
Note
2,5
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V386534
ISBN (eBook)
9783668609310
ISBN (Buch)
9783668609327
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rücklaufquote, Stichprobenausfall, Repräsentanzprobleme, Befragung
Arbeit zitieren
Christian Schaper (Autor), 2004, Die postalische Befragung. Methodische Probleme, Ursachen der Stichprobenausfälle und Lösungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386534

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