Bankenregulierung nach der Finanzkrise. Die Auswirkungen des neuen Regelwerks auf die Geschäftstätigkeit deutscher Genossenschaftsbanken


Bachelorarbeit, 2017
40 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Finanzkrise

3 Die Neue Institutionenökonomik als Regulierungsansatz
3.1 Regulierung als Prinzipal-Agent-Problem
3.2 Compliance

4 Korrektur- und Anpassungsmechanismen im Bankensystem
4.1 Regulierende Instanzen
4.2 Die Rolle der Banken in einer Volkswirtschaft
4.3 Mangelnde Effizienz des bisherigen Regulierungs- undCompliancesystems
4.4 Aktuell gültige Regulierungsmechanismen
4.5 Compliance-Funktion

5 Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit deutscher Genossenschaftsbanken
5.1 Geschäftsmodell genossenschaftlicher Banken
5.2 Rolle der Genossenschaftsbanken in der Finanzkrise
5.3 Analyse der Auswirkungen von Regulierung und Compliance

6 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Aufbau von Basel II. Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Bun-desbank (2001) S.17

Abbildung 2: Der Member Value. Eigene Darstellung in Anlehnung an Theurl/Schweinsberg (2004)

Abbildung 3: Allgemeine Auswirkungen der Bankenregulierung. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 4: Verhältnis der laufenden Kosten für den Wertpapierertrag im Jahr 2014 zu den Bilanzklassen in Millionen Euro. Quelle: Bundesverband der Deutschen Volks-und Raiffei-senbanken. .

Abbildung 5: Übersicht Verbraucherschutz. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 6: Übersicht Eigenkapitalvorschriften. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 7: Übersicht Meldewesen. Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 8: Auswirkung Compliance. Quelle: Eigene Darstellung

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die nach der Finanzkrise von 2008 beschlossenen Regulierungsmaßnahmen für das Finanzwesen darzustellen und die Auswirkungen der Regulierung und Compliance auf die Geschäftstätigkeit deutscher Genossenschaftsbanken zu analysieren und zu bewerten. Da zwischen Finanzkrise und Regulierungsmaßnahmen ein enger Zusammenhang besteht, werden zunächst kurz Auslöser, Verlauf und Folgen der Krise dargestellt. Anschließend wird die Regulierungsproblematik in eine moderne volkswirtschaftliche Theorie – die NIÖ – eingeordnet. Da eine detaillierte Darstellung und Erläuterung sämtlicher Regulierungsmaßnahmen den begrenzten Umfang dieser Arbeit weiter übersteigen würde, werden in einem nächsten Schritt schwerpunktmäßig vor allem die für die anschließende Analyse wesentlichen Einzelmaßnahmen herausgestellt und nach ihren Zielsetzungen geordnet. Anschließend wird analysiert, in welcher Form und in welchem Ausmaß die jeweiligen Regulierungsmaßnahmen die Geschäftstätigkeit und Compliance deutscher Genossenschaftsbanken positiv oder negativ beeinflussen.

Der Schlussabschnitt enthält neben der Zusammenfassung der Auswirkungen, die die bisher in Kraft getretenen regulatorischen Maßnahmen auf die deutschen Genossenschaftsbanken gehabt haben, einige Hinweise auf die Überlegungen, die zurzeit vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht diskutiert werden.

2 Finanzkrise

Auslöser für die Finanzkrise, die im Jahr 2008 einsetzte und zunächst den Bankensektor und anschließend die gesamte Weltwirtschaft erfasste, war die Immobilienkrise in den USA.

Der Häusermarkt in den USA erlebte in den Jahren vor der Krise einen ungewöhnlichen Aufschwung. Dieser wurde zu einem erheblichen Teil durch das niedrige Zinsniveau und die dadurch verfügbare Liquidität angetrieben. Zwischen Anfang 2001 und Mitte 2003 hatte die Fed den Leitzins von 6,5% auf 1% gesenkt. Erst im Juni 2003 begann sie mit behutsamen Zinserhöhungen.

Wer noch kein Wohnungseigentümer war oder sich eine neue Immobilie zulegen wollte, nutzte das Angebot zinsgünstiger Darlehen. Durch die gestiegene Immobiliennachfrage kam es zu erheblichen Preiserhöhungen auf dem Häusermarkt.[1]

Von der Hoffnung auf immer weiter steigende Immobilienpreise angetrieben, ließ sich der Bankensektor von der Marktstimmung mitreißen und vergab Hypothekendarlehen in Milliardenhöhe. Teile der Darlehen waren mit einer variablen Verzinsung ausgestattet; andere Finanzierungsformen erforderten über die Laufzeit hinweg nur Zinszahlungen und wurden erst mit Ablauf der Finanzierungsdauer fällig. Nicht selten wurden Finanzierungen von über 100% des Immobilienwertes gewährt. Einige Anbieter finanzierten Immobilien sogar ohne jegliches Eigenkapital des Käufers. Das geringe Zinsniveau wurde von einigen Immobilienbesitzern zusätzlich dazu genutzt, ihre Häuser zu beleihen und damit andere Ausgaben zu finanzieren.

Selbst Schuldnern mit geringer Bonität wurden Kredite genehmigt („Subprime Mortgages“).

Die mit einer derartigen Form der Kreditvergabe verbundenen Risiken traten für die Gläubiger und Schuldner in den Hintergrund oder wurden bewusst in Kauf genommen.

Die Immobilienblase platzte, als infolge der dynamischen Bautätigkeit das Angebot an Häusern die Nachfrage deutlich zu übersteigen begann. Der beginnende Anstieg der Zinsen brachte zahlreiche Hausbesitzer, vorrangig die Schuldner von variabel verzinsten Darlehen, in Zahlungsschwierigkeiten. Die Zahl der Kreditausfälle im Subprime-Segment stieg. Die Immobilienpreise sanken und setzten die Aktienkurse von Unternehmen aus dem Baugewerbe stark unter Druck. Da die amerikanische Wirtschaft stark vom privaten Konsum abhängig ist, begannen sich viele Aktionäre Sorgen um die Konjunktur zu machen.

Diese negative Entwicklung setzte eine Kettenreaktion in Gang, die die gesamte Finanzbranche erfasste. Zunächst gerieten die Gläubiger der Subprime-Hypotheken unter Druck, da diese wiederum Schwierigkeiten hatten, an neue Liquidität zu gelangen. Dies hatte zur Folge, dass einige Hypothekenanbieter Insolvenz anmelden mussten. Nach einer kurzen Phase der Beruhigung, getragen von der Hoffnung, die Krise am Hypothekenmarkt werde sich auf das Subprime- Segment beschränken, setzte sich die Kettenreaktion fort.[2]

Kredite waren in Form von Asset Backed Securities[3] oder Hypothekenpfandbriefen gebündelt und handelbar gemacht worden. Dies hatte zur Folge, dass die ursprünglichen Herausgeber der Finanzierungen Risiken aus ihren Bilanzen auslagern konnten. Somit waren die Inhaber derartiger Wertpapiere - Investmentbanken, Pensionsfonds, Banken oder Versicherungsgesellschaften - ebenfalls von den Folgen der Krise betroffen.

Die geringe Transparenz dieser Wertpapiere und die steigende Unsicherheit über die Wertmäßigkeit der Aktiva, die zu ihrer Absicherung dienten, führten in der Folge dazu, dass die Aktienkurse der Banken an der Wallstreet aus Sorge um Verluste im Subprime Markt stark unter Druck gerieten, obwohl die negativen Auswirkungen auf die Gewinnentwicklungen noch begrenzt waren.

Als sich die Turbulenzen an den Märkten verstärkten, reagierten die Ratingagenturen mit einer Abstufung zahlreicher Wertpapiere. Das Vertrauen in die Bonität der immobilienbesicherten Schuldverschreibungen kam ins Wanken. Es kam in allen Bewertungskategorien oder Tranchen zu erheblichen Marktverlusten.[4] Die Befürchtung, es könnte zu Bankenzusammenbrüchen kommen, schwächte das Vertrauen in die Kreditwürdigkeit ihrer Marktpartner.

Hier kommt die Problematik der Adversen Selektion in der Finanzkrise zum Tragen. Es wird von Informationsasymmetrie zwischen zwei Vertragspartnern ausgegangen, die das Handeln des Partners gar nicht oder nur teilweise beobachten können. Der Vertragspartner kann sich die Informationsasymmetrie wiederum zu Nutze machen.[5] Als Folge der Adversen Selektion brach bereits im August 2007 der Interbankenhandel kurzfristig zusammen. Erst durch massive Interventionen seitens der Zentralbanken kam dieser wieder in Gang.

Am 18.September 2008 gab das US-Finanzministerium bekannt, dass es nicht gewillt sei, die Investmentbank Lehmann Brothers zu retten. Dies hatte zur Folge, dass der Kreditverkehr zwischen den Banken am 15.September 2008 praktisch zum Erliegen kam. Hiermit war die akute Phase der Finanzkrise erreicht; die realwirtschaftliche Krise wurde verstärkt.[6] Durch die deutlich werdende Überschuldung des Bankensektors traten Probleme bei der Refinanzierung auf. Es kam zu Zusammenbrüchen von Banken. Weltweit gingen im Jahr 2008 mehr als 100 Banken in Konkurs, wurden übernommen oder verstaatlicht.[7]

Die Kosten der Bankenkrise in Deutschland ließen sich Stand 2010 auf 829 Mrd. € beziffern. Hiervon wurden etwa 630 Mrd. € als Hilfen und Bürgschaften für die Banken, 115 Mrd. € für Privatunternehmen und 84 Mrd. € für Konjunkturprogramme vom deutschen Staat zur Verfügung gestellt.[8]

3 Die Neue Institutionenökonomik als Regulierungsansatz

Regulierung kann im herkömmlichen Sinne als staatliche Intervention definiert werden. Durch die Intervention wird die Gewerbe- und Vertragsfreiheit der Wirtschaftssubjekte über die allgemeingültigen Regeln hinaus eingeschränkt. Sie beeinflusst das Verhalten der betroffenen Wirtschaftssubjekte und dient zur Erreichung von politischen, sozialen oder ökonomischen Zielen.[9]

Die traditionelle Regulierungs- und Wettbewerbstheorie befasst sich vorwiegend mit der Regulierung von Marktmacht in Monopolmärkten. Sie erklärt Preis- bzw. Gewinnregulierungen und befasst sich mit der Entstehung von Kartellen.

Da im Bankensektor kein Monopolmarkt existiert und die getroffenen Regulierungsmaßnahmen sich schwer in die traditionellen ökonomischen Modelle einordnen lassen, wird als theoretische Grundlage für diese Arbeit die NIÖ verwendet. In der NIÖ werden Institutionen in unterschiedlichen Bereichen untersucht und auf alltägliche Situationen übertragen. Im Hinblick auf den Regulierungsbegriff wird der Begriff der Institution hier auf seine ökonomische Anwendbarkeit reduziert. Die Institution wird mit einem Überwachungs- und Durchsetzungssystem gleichgesetzt.

Die NIÖ basiert auf einer Weiterentwicklung des Modells Homo Oeconomicus. Die Handlungen des Homo Oeconomicus werden durch Präferenzen und Restriktionen bestimmt. Diese führen zu einem gesamtwirtschaftlichen Ergebnis, welches ersichtlich und bewertbar ist. Im Idealfall entsteht durch die Handlungen ein Pareto-Optimales Ergebnis.[10] Die NIÖ erweitert dieses Grundmodell um realitätsnahe Annahmen. Hierzu zählen unter anderem Informationsasymmetrien, die Existenz von Transaktionskosten oder Marktmacht.

Institutionen sind verhaltenssteuernde Regeln bzw. Restriktionen, die Problembereiche der Interaktion zwischen Wirtschaftssubjekten gemäß einer Leitidee ordnen. Sie sind für einen bestimmten Kreis von Menschen über einen längeren Zeitraum gültig. Die Durchsetzung dieser Regeln erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise.[11]

Institutionen können im Laufe der Zeit durch menschliches Handeln entstehen; andere werden bewusst gegründet. Bei der Entwicklung oder Veränderung von Institutionen muss überprüft werden, ob diese in das bestehende Institutionengefüge passen und nicht widersprüchlich zu diesem sind.

Die Regelsysteme erhalten Wirksamkeit, wenn sie von den entsprechenden Wirtschaftssubjekten befolgt werden. Daher muss die Einhaltung der geschaffenen Regeln von den regulierenden Instanzen kontrolliert werden. Zusätzlich muss dem regulierten Wirtschaftssubjekt ein Anreiz geboten werden, das erwünschte Verhalten auszuüben. Außerdem ist es notwendig, dass die bewusst gegründeten Regeln kompatibel zur Kultur im jeweiligen Geltungsbereich sind.[12]

Sobald ein Marktversagen auftritt oder ein gesellschaftlich unerwünschter Zustand erreicht wird, muss das bestehende Institutionengefüge überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.

3.1 Regulierung als Prinzipal-Agent-Problem

Einen wichtigen Unterpunkt innerhalb der NIÖ stellt die Regulierung als Prinzipal-Agent-Problem dar. In der klassischen Regulierungstheorie werden die Informationsasymmetrien zwischen Regulierer und reguliertem Unternehmen oft vernachlässigt oder spielen eine untergeordnete Rolle. Der Prinzipal-Agent-Ansatz wird im analytischen Teil der Arbeit wieder aufgegriffen und in einen praktischen Bezug gesetzt.

„We define an agency relationship as a contract under which one or more persons (the principal(s)) engage another person (the agent) to perform some service on their behalf...“[13]

Da zwischen dem Prinzipal und dem Agenten Informationsasymmetrien vorliegen und opportunistisches Verhalten vorausgesetzt wird, entstehen bei einer solchen Beziehung Agency-Kosten. Diese setzten sich aus Monitoring Costs, Bonding Costs und dem Residual Loss zusammen. Die Monitoring Costs hat der Prinzipal zu tragen. Sie entstehen bei der Verringerung des Informationsnachteils. Die Bonding Costs entstehen dem Agenten bei der Verringerung der Informationsasymmetrie. Da durch die vorhandenen Informationsunterschiede vom wohlfahrtsoptimalen Zustand abgewichen wird, entsteht ein Wohlfahrtsverlust. Dieser wird als Residual Loss bezeichnet.[14]

In Bezug auf den Regulierer und das regulierte Unternehmen nimmt der Regulierer als Prinzipal die Rolle des Auftraggebers ein. Das regulierte Unternehmen hingegen ist der Agent. Das regulierte Unternehmen hat gegenüber dem Regulierer einen Informationsvorteil, da es seine eigene Kostenstruktur besser einschätzen kann als dieser. Gleiches gilt für das Nachfrageverhalten seiner Kunden.[15]

Dies führt zu zwei Problemen im Regulierungsprozess. Einerseits kann das zu regulierende Unternehmen seine Kostenstruktur höher und seine Marktposition schlechter darstellen, als sie in der Realität sind. Dies kann zur Folge haben, dass die Regulierungsmaßnahmen in bestimmten Bereichen nicht ausreichend sind und das Regulierungsziel nicht erreicht wird. Außerdem entsteht durch die PA-Beziehung innerhalb der Regulierung eine neue Kostenstruktur. Zusätzlich zu den Kosten aus dem üblichen Geschäftsbetrieb des regulierten Unternehmens fallen Bonding Costs an. Diese entstehen beispielsweise im Meldewesen des Unternehmens. Es müssen Ressourcen aufgewendet werden, um Informationsasymmetrien gegenüber dem Prinzipal abzubauen. Auf Seiten der Regulierer entstehen hingegen Monitoring Costs. Als Beispiel kann erhöhter Personalbedarf innerhalb einer Regulierungsbehörde genannt werden.

Vor dem Beschluss neuer Institutionen muss überprüft werden, ob die Veränderungen einen größeren Wohlfahrtsgewinn als -verlust erzeugen. Da sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Laufe der PA-Beziehung ändern können, ist eine laufende Überprüfung der Institutionen erforderlich.

3.2 Compliance

Die Bedeutung des Begriffes Compliance lässt sich vom englischen Verb „to comply with“ ableiten.[16] Eine Definition lieferte Herr Wolberg, Vorstandsvorsitzender der WGZ Bank und unter anderem für Compliance in der Genossenschaftlichen Zentralbank zuständig, in seinem 2013 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster gehaltenen Vortrag zum Thema „Compliance im Bankensektor“.

Compliance ist die Gesamtheit aller Maßnahmen, die das regelkonforme Verhalten eines Unternehmens, seiner Organe und Mitarbeiter im Hinblick auf die Einhaltung von Gesetzen und Richtlinien und die Erfüllung von selbst gesetzten Standards und Anforderungen umfasst. Zusätzlich dient sie dem Handeln in Übereinstimmung mit den eigenen Wertvorstellungen und der Durchsetzung einer Good Governance[17].

Compliance soll dazu dienen, dass ein Unternehmen nicht durch die Missachtung interner oder externer Regeln haftbar gemacht werden kann. Externe Regeln existieren in Form von Gesetzen oder allgemein gültigem Recht, interne Regeln sind unternehmensinterne Vorgaben oder Richtlinien.[18]

4 Korrektur- und Anpassungsmechanismen im Bankensystem

Der folgende Abschnitt beinhaltet die konkreten Regulierungs- und Compliancemaßnahmen und bietet damit die Grundlage für die Analyse ihrer Auswirkungen auf die deutschen Genossenschaftsbanken. Außerdem werden die regulierenden Instanzen dargestellt, die Rolle der Banken in einer offenen und modernen Volkswirtschaft beschrieben sowie Branchenziele und Risiken genauer untersucht.

Banken wurden bereits vor und während der Finanzkrise reguliert. Die damaligen Regulierungsmaßnahmen und die Selbstregulierung des Marktes reichten jedoch nicht aus, die Krise zu verhindern. Daher wird anschließend das Regelwerkes Basel II dargestellt, um die Lücken und Fehler im damaligen Regulierungssystem zu verdeutlichen.

Auf europäischer und nationaler Ebene wird stetig an der Aktualisierung der Regulierungsmaßnahmen gearbeitet. Die Beschlüsse von Basel III müssen bis 2020 vollständig umgesetzt sein.

4.1 Regulierende Instanzen

In diesem Kapitel werden als erstes die regulierenden Instanzen vorgestellt. Darauf folgt eine Darstellung der getroffenen Regulierungsmaßnahmen und -vorschriften. Maßnahmen mit bedeutenden Auswirkungen auf die Geschäftstätigkeit deutscher Genossenschaftsbanken werden hinsichtlich ihres Regulierungsziels genauer betrachtet.

Da alle Mitgliedsländer der Europäischen Union ebenfalls Mitglied der Wirtschafts- und Währungsunion sind, werden Verordnungen und Richtlinien zum Thema Bankenregulierung auf europäischer Ebene beschlossen.[19] Die nationalen Gesetzgeber sind dafür zuständig, die europäischen Beschlüsse national umzusetzen. Zusätzlich können sie eigene Regulierungsmaßnahmen treffen.

Für die Überwachung der systemrelevanten und nicht systemrelevanten Finanzinstitute ist seit Ende 2014 der SSM zuständig. Dieser Überwachungsmechanismus setzt sich aus der Europäischen Zentralbank und den nationalen Aufsichtsbehörden der jeweiligen EU-Länder zusammen. Die Leitung des SSM liegt bei der Europäischen Zentralbank.[20]

Eine weitere wichtige Komponente ist die ESA. Die ESA setzt sich aus drei Aufsichtsgremien zusammen, die jeweils für die Bereiche Bankenaufsicht, Versicherungswesen und Altersvorsorge sowie Marktaufsicht und Wertpapiere zuständig sind.[21]

4.2 Die Rolle der Banken in einer Volkswirtschaft

Kreditinstitute sind ein wichtiger Teilnehmer im Wirtschaftskreislauf. Der Konkurs oder bereits die Schieflage eines systemrelevanten Instituts kann weitreichende Folgen haben. Das beste Beispiel hierfür ist die letzte Finanzkrise. Hauptziele der Kreditinstitute sind Rentabilität, Liquidität und Sicherheit. Um diese Ziele durch ihr Filialgeschäft, Interbankenhandel oder Eigengeschäft zu erreichen, müssen sie bereit sein, Risiken einzugehen.[22] Als übergeordnete Risikoarten gelten Marktpreisrisiken, das operationelles Risiko, Liquiditätsrisiken und die risikobehaftete Kreditvergabe.[23] Ein funktionierender Früherkennungsmechanismus und ein kontrollierter Umgang mit ihnen mindern die Risikofolgen. Bei Eintritt eines dieser Risiken verringert sich das bilanzielle Eigenkapital des betroffenen Kreditinstituts.

4.3 Mangelnde Effizienz des bisherigen Regulierungs- undCompliancesystems

Mit Basel I bestand bereits lange vor dem Beginn der Finanzkrise ein Regelwerk für den Bankensektor. In der 1988 entstandenen Vereinbarung waren lediglich Mindestkapitalvorschriften für Banken festgelegt worden. Diese sollten Risiken und Verluste im Insolvenzfall eines Instituts begrenzen.[24] Basel I beschränkte sich daher inhaltlich auf die erste Säule des unten dargestellten 3-Säulen-Modells von Basel II. Basel I wurde im Jahr 2007 zu Beginn der Finanzkrise durch Basel II ersetzt.

[...]


[1] Betrachtung des Case-Shiller Home Price Index. Dieser wird von Standard and Poor´s berechnet und spiegelt die Preisentwicklung am US-Immobilienmarkt wider. Dieser stieg von 100 Punkten im Jahr 2000 auf sein Allzeithoch von 189,93 Punkten im Juni 2006.

[2] Vgl. Sinn (2010) S.63 ff.

[3] Asset Backed Securities sind Anleihen, deren Rückzahlung durch Aktivposten aus der Bilanz besichert sind. In der Regel handelt es sich bei den Aktiva um Hypotheken. allerdings wurden auch Forderungen aus anderen Bereichen verbrieft (Leasing Verträge, Kreditkarten).

[4] Vgl. Sinn (2010), S. 61

[5] Vgl. Schumann, J. (1999) S.436

[6] Vgl. Sinn (2010), S. 26

[7] Vgl. ebenda (2010), S.79

[8] Vgl. ebenda (2010), S.11

[9] Vgl. Borrmann/Finsinger (1999) S.8

[10] Vgl. Göbel, E. (2002) S.23ff

[11] Vgl. ebenda (2002) S.3

[12] Vgl. ebenda (2002) S. 20

[13] Vgl. Jensen/Meckling (1976) S.5

[14] Vgl. ebenda S.6

[15] Vgl. Knieps (2008) S.81ff.

[16] to comply with - Vorschriften einhalten

[17] Good Governance= gute Unternehmensverfassung.

[18] Vgl. Boldt/Büll (2013) S.5 ff.

[19] Vgl. Europäische Kommission (2014)

[20] Vgl. Jahresbericht der BaFin (2015)

[21] Vgl. Bundesbank (2016)

[22] Vgl. Bartetzky (2012), S.11

[23] Vgl. Grill/Perczynsky (2010), S.529

[24] Vgl. Bundesbank (o.J.a)

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Bankenregulierung nach der Finanzkrise. Die Auswirkungen des neuen Regelwerks auf die Geschäftstätigkeit deutscher Genossenschaftsbanken
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Genossenschaftswesen)
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
40
Katalognummer
V386840
ISBN (eBook)
9783960952381
ISBN (Buch)
9783960952398
Dateigröße
2224 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bankenregulierung, Compliance, Genossenschaftsbanken, Volksbanken, Raiffeisenbanken, Finanzkrise, Neue Institutionenökonomik, Basel III
Arbeit zitieren
Sebastian Mielke (Autor), 2017, Bankenregulierung nach der Finanzkrise. Die Auswirkungen des neuen Regelwerks auf die Geschäftstätigkeit deutscher Genossenschaftsbanken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386840

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