Verbindungen zwischen Bram Stokers Dracula und der historischen Figur Vlad Draculea


Hausarbeit, 2015
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wer war Vlad III. Draculea?
2.1 Sein Aufstieg zum Woiwoden
2.2 Sein Fall
2.3 Der Beinahme „Der Pfähler“

3. Die Verbindungen zu Bram Stokers Dracula
3.1 Vermutungen im Internet
3.2 Vermutungen in der Fachliteratur

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die von Bram Stoker erschaffene Romanfigur „Graf Dracula“ ist wohl der bekannteste Vampir der Welt. Obwohl es bereits vor dem Roman des irischen Schriftstellers Literatur über die blutsaugenden Untoten gab[1], erlangte kein Schriftwerk dessen Berühmtheit. Es ist kaum ein gebildeter Mensch vorstellbar, der den Namen „Dracula“ nicht mit der Figur aus dem Roman verknüpft.

Dabei ranken sich viele Geschichten und Mutmaßungen darum, ob und wie Bram Stoker bei der Erschaffung der berühmten Figur auf ein reales Vorbild zurückgegriffen hat. Dieses reale Vorbild soll Vlad III. Dracul, genannt Țepeș, der Pfähler, gewesen sein.

Ein walachischer Woiwode aus dem 15. Jahrhundert. Der fast identische Name und seine Vorliebe für eine grausame Todesart, das Pfählen, geben sicherlich Anhaltspunkte für diese Mutmaßung. Sei es nun diese Ähnlichkeit[2], die ihn mit Stokers Roman verbinden soll, seine nachgesagte Blutrünstigkeit oder sein angeblich ähnliches Äußeres. In jedem Fall suchen Autoren ganzer Generationen nach Ähnlichkeiten, die ihn mit dem Grafen Dracula verbinden. In manchen Fällen hat das zu haarsträubenden Behauptungen geführt[3], andere Forschungen gehen weniger weit und deuten eine Verbindung nur an.

Ob sich die tatsächliche Inspiration, die Bram Stoker vom „realen“ Dracula bekommen hat, nicht als noch nebensächlicher herausstellt, soll in dieser Arbeit mithilfe einschlägiger Fachliteratur geklärt werden.

Innerhalb der nächsten Seiten werden einige der am häufigsten verbreiteten Theorien um eine Verbindung der beiden Figuren vorgestellt und auf Glaubhaftigkeit untersucht, um schließlich zum Ende einen Überblick über die Inspiration oder die Gründe zu erstellen, die Bram Stoker gehabt haben mag, seinen Roman nach einem Fürsten aus dem 15. Jahrhundert zu benennen.

2. Wer war Vlad III. Draculea?

2.1 Sein Aufstieg zum Woiwoden

Am 09.02.1431 wurde der rumänische Adlige Vlad von König Sigismund von Luxemburg zum neuen Woiwoden, also Fürst, der Walachei erklärt. Weiterhin wurde er zum Ritter des bereits 1418 vom König gegründeten Drachenordens geschlagen. Dadurch erhielt er den Beinamen „Dracul“[4]. Sein zweiter Sohn, der mutmaßlich 1431 in Schäßburg geboren wurde, wurde nach seinem Vater benannt: „das ist Draculea“[5].

Sein Thron war zu dieser Zeit von seinem Halbbruder Aldea besetzt, welcher ihn mit türkische Hilfe bekommen hatte. Unter anderem deswegen konnte er den Thron nicht sofort einnehmen: Erst „1435, spätestens 1436, residierte [Vlad Dracul] endlich in Tirgoviste, der Hauptstadt des Fürstentums“[6]. Vlad Dracul spielte auch in den Kriegen der Türkei gegen Südungarn eine wichtige Rolle. So erbat sich der damalige Sultan Murad II. zwei seiner Söhne als Geiseln. Vlad schickte ihm Vlad Draculea und seinen dritten Sohn Radu[7]. Schließlich fiel Vlad Dracul nach einer vernichtenden Schlacht 1447, „60 Kilometer von der rettenden Donau entfernt“[8]. Vladislav II. folgte ihm als Fürsten nach. Vlad Draculea, immer noch am Hof des Sultans, erhob man in den Rang eines Prätendenten und „sicherte ihm Unterstützung bei der Durchsetzung seiner Erbansprüche zu“[9]. Als die Truppen aus seinem Heimatland zu einem Krieg mit der Türkei aufbrachen und auch der damalige Fürst Vladislav II. sein Land mit ihnen verließ, machte sich Vlad Draculea samt einer kleinen Abordnung türkischer Soldaten auf, seinen Thron zurückzuerobern. Gegen Abtretung eines Stückes Land an die Türkei zog Vlad Draculea in Tirgoviste ein. Seine erste Herrschaft währte jedoch nur kurz, da er bald und problemlos von Vladislav II. bei dessen Rückkehr wieder vom Thron vertrieben wurde[10]. „Die Perspektive, seinem Vater nachzufolgen und sich im Dienst des Sultans zu bewähren […]behagte offensichtlich dem Sohne nicht. Vlad Draculea riskierte den Bruch mit Murad und setzte sich in das Fürstentum der Moldau ab.“[11] Durch Hunyadi, einen der führenden Männer Ungarns, der den Tod von Draculeas Vater herbeigeführt hatte, sicherte sich „Vlad Draculea ein eindeutiges Votum […] und war als Thronprätendent halbwegs anerkannt.“[12] Als die Türken vor Belgrad vernichtend geschlagen wurden, hatte Vlad Draculea bereits die Schutzwacht Siebenbürgens anvertraut bekommen. Er marschierte in die Walachei, besiegte Vladislav II., ließ ihn hinrichten und bestieg als neuer Woiwode Vlad III. den Fürstenthron der Walachei[13].

2.2 Sein Fall

Das Ende von Vlad Draculeas Herrschaft wurde durch zwei Briefe eingeleitet, die seinen Namen als Absender trugen und die ausreichten, um ihn vor dem ungarischen König des Verrats zu überführen.

In diesen Briefen, die an den damaligen Sultan Mehmed II. und an Stefan von der Moldau adressiert waren, bot Vlad III. Mehmed II. ein Bündnis an, versprach ihm den Besitz der Walachei, Siebenbürgens und sogar ganz Ungarns, „ja, er deutete an, dass es unter bestimmten günstigen Umständen möglich wäre, sich der Person des ungarischen Königs zu bemächtigen.“[14]

Vlad Draculea wurde fest- und in Haft genommen, wo er für zwölf Jahre verblieb. Ob die Briefe tatsächlich von ihm stammten, oder von einer dritten Partei inszeniert waren, um den Woiwoden zu Fall zu bringen, ist nicht eindeutig geklärt. Denkbar wäre beides[15].

Sicher dahingegen ist, dass er 1475 auf Geheiß des Königs von Ungarn freigelassen wurde, um beim Krieg gegen die Türken zu helfen[16]. Seine militärische Raffinesse war unumstritten. So erzielte er auch durchaus militärische Erfolge gegen die Osmanen und wurde sogar als erneuter Woiwode der Walachei gehandelt. Dafür musste diese aber erst von türkischem Einfluss befreit werden[17]. Das allerdings glückte, so dass Vlad III. am 26. November erneut als Woiwode der Walachei ausgerufen wurde.

Schon um die Jahreswende aber fiel ein Kontingent der Türken in die Walachei ein. Vlad Tepes verlor unter diesen Umständen sein Leben. Nicht klar ist, ob Vlad Tepes im Kampf fiel oder von einem Meuchelmörder getötet wurde[18]. So oder so endete hier sein Leben und seine Herrschaft.

2.3 Der Beiname „Der Pfähler“

Das Pfählen war in Vlad Draculeas Zeiten eine nicht unübliche Methode, Menschen mit einem langsamen und qualvollen Tod zu bestrafen.

So zog man dem Delinquenten den Pfahl oder Spieß entweder im liegenden Zustand durch den Körper, oder, noch grausamer, man trieb dem Verurteilten den meist extra stumpfen Pfahl auf eine Art durch den After oder die Vagina, dass möglichst wenige innere Organe verletzt wurden. Auf diese Weise zog sich das Sterben oft stunden- manchmal tagelang hin[19].

Vlad Draculea hatte an dieser Hinrichtungsmethode offensichtlich einigen Gefallen gefunden, da er sie des Öfteren anwandte. So ließ er etwa Soldaten, die eine Wunde an der Vorderseite bekommen hatten, belohnen, während die mit einer Rückenwunde auf der Stelle gepfählt wurden[20]. Auch, oder gerade, die Adligen seines Fürstentums, die Bojaren, waren vor dieser Hinrichtungsmethode nicht sicher. Im Jahr 1459 ließ Vlad Draculea eine große Menge an Bojaren, die er vorher zu einem Festmahl geladen und auch verköstigt hatte, durch den Pfahl hinrichten[21]. Ob Vlad aufgrund seiner Vorliebe zum Pfählen seinen grausamen Beinamen erhalten hat, ist allerdings fraglich, da diese Hinrichtungsmethode wie erwähnt zu dieser Zeit keineswegs unüblich war[22].

Dass dennoch Vlad Draculea dieser zweifelhaften Ehre gewahr wurde, lag wahrscheinlich an der Flugschriften-Kampagne gegen seine Person. Die Flugblätter waren Teil einer politischen Kampagne gegen Vlad III., die für diese Arbeit aber nicht weiter relevant ist. Wohl relevant sind dafür aber die entsprechenden Flugschriften:

„Vermutlich gegen 1462/63 wurde eine Flugschrift […] in Umlauf gesetzt, die erste „Histori von dem posen Dracol“, die „Geschichte vom bösen Dracula“.[23] Doch nicht nur durch dieses Flugblatt, sondern auch durch mehrere Dracula-Erzählungen[24], die ab 1488 erschienen und die die Brutalität des Fürsten anprangerten und ausschmückten, wurde die negative öffentliche Wahrnehmung des Woiwoden gefestigt. In allen Schriften taucht eine Geschichte immer wieder auf, in der Vlad Draculea verschiedenste Menschen, jung wie alt, auf Pfähle spießen lässt und unter ihnen zum Mahl sitzt. Weiterhin habe er eine Schar Zigeuner gezwungen, sich gegenseitig aufzuessen und auch sie danach aufspießen lassen[25]. Den Ursprung dieser Schriften kann man am ungarischen Königshof suchen, weiterhin ist es wahrscheinlich, dass „einzelne Vertreter ebenso wie unzufriedene walachische Bojaren gegen Vlad intrigierten“[26]. Auch Papst Pius II. verbreitete die Vorwürfe gegen den Fürsten mit dem schrecklichen Charakter weiter[27].

War der Woiwode also der Grausamste der damaligen Herrscher? Man kann als sicher annehmen, dass Vlad Tepes Lust an Grausamkeiten hatte. Allerdings unterscheiden sich die Handschriften, die aus deutschen Gebieten überliefert sind von denen, die wir aus Russland kennen. In den deutschen Blättern werden die Taten des Fürsten als unnötig brutal und völlig willkürlich beschrieben, wohingegen Vlad III. in russischen Quellen durchaus ebenfalls als „grausam und hart, aber gerecht“[28] gilt.

Im Grunde tat Vlad Tepes nichts weiter, als den Gebräuchen seiner Zeit zu folgen. Nicht nur Vlad beging im Krieg hunderte wenn nicht tausende Verbrechen gegen das heutige Verständnis von Menschlichkeit, Anführer anderer Heere waren nicht weniger zimperlich. So bricht Mehmed II. sein Wort gegenüber der 6000-köpfigen Einwohnerschaft einer Stadt und lässt alle zu Tode foltern[29]. Das ist bei weitem nicht das einzige Beispiel, das man finden kann. Und nicht nur im Krieg werden Grausamkeiten begangen, auch das Rechtswesen ist durchzogen davon „Todes- oder Verstümmlungsstrafen sind allgemeiner Brauch.“[30]

[...]


[1] Vgl. Claude Lecouteux: Die Geschichte der Vampire. Metamorphose eines Mythos. Düsseldorf und Zürich 2001. S. 10 f

[2] Auch die zum Vampir gewordene Lucy wird in Bram Stokers Dracula mit einem Holzpflock um ihr untotes Leben gebracht.

[3] So wurde im History Channel 1998 angedeutet, dass Dracula eine Biographie von Vlad Tepes sein solle. Vgl. dazu Elizabeth Miller: Dracula. Sense&Nonsense. Trowbridge 2000. S. 207

[4] Vgl. Ralf-Peter Märtin: Dracula. Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. Berlin 1980. S. 12f

[5] S. ebd. S. 24

[6] S. ebd. S. 24

[7] Vgl. ebd. S. 34

[8] S. ebd. S. 71

[9] S. ebd. S. 73.

[10] Vgl. ebd. S. 76f

[11] S. Ralf-Peter Märtin: Dracula. Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. Berlin 1980. S. 77.

[12] Vgl. ebd. S. 85

[13] Vgl. ebd. S. 91

[14] S. ebd. S. 140

[15] Vgl. ebd. S 140f.

[16] Vgl. ebd. S. 149

[17] Vgl. ebd. S. 153

[18] Vgl. Ralf-Peter Märtin: Dracula. Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. Berlin 1980. S. 155

[19] Vgl. Heiko Hauman: Dracula. München 2011. S. 44

[20] Vgl. Ralf-Peter Märtin: Dracula. Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. Berlin 1980. S. 124

[21] Vgl. ebd. S. 101f

[22] Vgl. Heiko Hauman: Dracula. München 2011. S. 42f

[23] S. Heiko Hauman: Dracula. München 2011. S. 44

[24] Vgl. ebd. S. 45

[25] Vgl. ebd. S 46

[26] S. ebd. S. 47

[27] Vgl. ebd. S. 48

[28] S. Ralf-Peter Märtin: Dracula. Das Leben des Fürsten Vlad Tepes. Berlin 1980. S. 127

[29] Vgl. ebd. S. 129

[30] S. ebd. S.132

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Verbindungen zwischen Bram Stokers Dracula und der historischen Figur Vlad Draculea
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V386856
ISBN (eBook)
9783668611146
ISBN (Buch)
9783668611153
Dateigröße
569 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dracula, vlad draculea, tepes, der pfähler, bram stoker, count, graf
Arbeit zitieren
Peter Oliver Greza (Autor), 2015, Verbindungen zwischen Bram Stokers Dracula und der historischen Figur Vlad Draculea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386856

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