Die von Bram Stoker erschaffene Romanfigur "Graf Dracula" ist wohl der bekannteste Vampir der Welt. Obwohl es bereits vor dem Roman des irischen Schriftstellers Literatur über die blutsaugenden Untoten gab, erlangte kein Schriftwerk dessen Berühmtheit.
Dabei ranken sich viele Geschichten und Mutmaßungen darum, ob und wie Bram Stoker bei der Erschaffung der berühmten Figur auf ein reales Vorbild zurückgegriffen hat. Dieses reale Vorbild soll Vlad III Dracul, genannt Țepeș, der Pfähler, gewesen sein; ein walachischer Woiwode aus dem 15. Jahrhundert. Der fast identische Name und seine Vorliebe für eine grausame Todesart, das Pfählen, geben sicherlich Anhaltspunkte für diese Mutmaßung. Sei es nun diese Ähnlichkeit , die ihn mit Stokers Roman verbinden soll, seine nachgesagte Blutrünstigkeit oder sein angeblich ähnliches Äußeres - in jedem Fall suchen Autoren ganzer Generationen nach Ähnlichkeiten, die ihn mit dem Grafen Dracula verbinden. In manchen Fällen hat das zu haarsträubenden Behauptungen geführt, andere Forschungen gehen weniger weit und deuten eine Verbindung nur an.
Ob sich die tatsächliche Inspiration, die Bram Stoker vom "realen" Dracula bekommen hat, nicht als noch nebensächlicher herausstellt, soll in dieser Arbeit mithilfe einschlägiger Fachliteratur geklärt werden. Es werden einige der am häufigsten verbreiteten Theorien um eine Verbindung der beiden Figuren vorgestellt und auf Glaubhaftigkeit untersucht, um schließlich zum Ende einen Überblick über die Inspiration oder die Gründe zu erstellen, die Bram Stoker gehabt haben mag, seinen Roman nach einem Fürsten aus dem 15. Jahrhundert zu benennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wer war Vlad III. Draculea?
2.1 Sein Aufstieg zum Woiwoden
2.2 Sein Fall
2.3 Der Beiname „Der Pfähler“
3. Die Verbindungen zu Bram Stokers Dracula
3.1 Vermutungen im Internet
3.2 Vermutungen in der Fachliteratur
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die verbreitete Annahme einer direkten Verbindung zwischen der historischen Figur Vlad III. Draculea und der fiktiven Romanfigur Graf Dracula von Bram Stoker. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern historische Fakten und biographische Elemente des walachischen Woiwoden tatsächlich als Inspiration für den berühmten Vampirroman dienten oder ob es sich primär um nachträgliche Spekulationen handelt.
- Historische Einordnung von Vlad III. Draculea (Aufstieg, Fall, Beinamen).
- Analyse populärer Mythen und Internet-Vermutungen zur Herkunft der Romanfigur.
- Wissenschaftliche Bewertung der Fachliteratur bezüglich Stokers Quellenrecherche.
- Überprüfung von Stokers Notizen zur Entstehung von "Dracula".
- Abgrenzung zwischen realhistorischer Vorlage und literarischer Fantasie.
Auszug aus dem Buch
3.2 Vermutungen in der Fachliteratur
Heiko Haumann, ein emeritierter Professor für Osteuropäische und Neuere Allgemeine Geschichte, stellt etwa in seiner Publikation „Dracula. Leben und Legende“ fest, dass Vlad Tepes trotz aller Grausamkeit zu seinen Lebzeiten nicht als Vampir angesehen wurde33. Erst 200 bis 300 Jahre später wurde Vlad Tepes von den Dichtern, wegen seinem grausamen, mit Blut verbundenen Verhalten, „in einen Vampir verwandel[t]“34. Später stellt er fest: „Die Zusammenführung verschiedener Linien des Vampir-Motivs und ihre Konzentrierung auf den historischen Vlad Draculea geschah dann mit dem bis heute berühmtesten Vampir-Roman: Bram Stokers (1847-1912) ‚Dracula‘ von 1897.“35
Weiterhin findet Haumann eine optische Ähnlichkeit zwischen den Beschreibungen des historischen und des von Bram Stoker erschaffenen Dracula: „Die Beschreibung von Draculas Nase und Gesicht erinnert […] an die bereits zitierte Schilderung […] von Vlad Draculea […] oder auch an dessen weit verbreitete Porträts.“36
Weitere Vermutungen formuliert Haumann sehr vorsichtig: „Doch 1890 las Stoker ein Buch […], in dem der Woiwode Dracula […] erwähnt wurde[…]. Möglicherweise entschied er sich daraufhin, seine Hauptperson nach ihm zu benennen. Etwa zur gleichen Zeit lernte Stoker den ungarischen Orientalisten Ármin Vámbéry (ca. 1832-1913) kennen […]. Stoker, der Vámbéry mehrmals getroffen hat, erfuhr vielleicht von ihm Genaueres […]. Mit letzter Sicherheit lässt sich dies nicht nachweisen. […] Die Vermutungen gründen auf Hinweise nicht zuletzt am Roman selbst. So bezieht sich der Wissenschaftler Van Helsing – der wie Stoker selbst mit Vornamen Abraham heißt – auf seinen ‚Freund Arminius von der Universität Budapest‘.“37
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Fragestellung ein, ob und inwiefern der historische Vlad III. Draculea als Inspiration für Bram Stokers Vampirfigur diente.
2. Wer war Vlad III. Draculea?: Dieses Kapitel beleuchtet das historische Leben von Vlad III. Draculea, einschließlich seines politischen Aufstiegs, seines Falls sowie der Entstehung seines berüchtigten Beinamens.
3. Die Verbindungen zu Bram Stokers Dracula: Dieser Abschnitt analysiert sowohl populärwissenschaftliche Internet-Theorien als auch fundierte fachliterarische Erkenntnisse, um den Wahrheitsgehalt einer direkten Verbindung zu prüfen.
4. Fazit: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass die meisten Parallelen zwischen dem historischen Fürsten und der Romanfigur entweder zufällig sind oder auf moderne Spekulationen zurückgehen.
Schlüsselwörter
Vlad III. Draculea, Bram Stoker, Dracula, Vampir, Walachei, Pfählen, Literaturgeschichte, Romanfigur, Historische Vorlage, Quellenkritik, Elizabeth Miller, Heiko Haumann, Mythos, Inspiration, Woiwode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung, ob Bram Stokers berühmte Romanfigur "Graf Dracula" auf der historischen Person Vlad III. Draculea basiert.
Welche Themenfelder stehen dabei im Fokus?
Zentrale Themen sind die historische Biografie des Woiwoden, die Entstehungsgeschichte des Romans und die Überprüfung verbreiteter Mythen durch Fachliteratur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob der Roman als versteckte Biografie des historischen Fürsten interpretiert werden kann oder ob die Verbindung lediglich eine literarische Konstruktion ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, die vor allem die Notizen von Bram Stoker sowie fachwissenschaftliche Analysen von Forschern wie Elizabeth Miller und Heiko Haumann gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das historische Leben Vlad III. Draculeas dargelegt und anschließend die verschiedenen Theorien über dessen Einfluss auf den Roman kritisch hinterfragt.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Dracula, Vlad III. Draculea, Bram Stoker, Vampirismus, historische Inspiration und Quellenkritik.
Warum wurde der Name "Dracula" laut den Notizen Stokers gewählt?
Elizabeth Miller legt dar, dass der Name primär gewählt wurde, weil er im Walachischen "Teufel" bedeutet und nicht aufgrund einer tiefen Kenntnis der Biografie von Vlad Tepes.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Flugschriften bei der Legendenbildung?
Flugschriften aus dem 15. Jahrhundert trugen maßgeblich zum negativen Ruf des Fürsten bei, was jedoch als politische Kampagne und nicht als historische Wahrheit gewertet wird.
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- Peter Oliver Greza (Author), 2015, Verbindungen zwischen Bram Stokers Dracula und der historischen Figur Vlad Draculea, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386856