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Lesesucht und Lesewut. Der Lesekonsum im Zeitalter der Aufklärung im 19. Jahrhundert

Title: Lesesucht und Lesewut. Der Lesekonsum im Zeitalter der Aufklärung im 19. Jahrhundert

Term Paper , 2013 , 14 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Peter Oliver Greza (Author)

Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
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Summary Excerpt Details

Das Hauptthema dieser Hausarbeit ist das Entstehen des Phänomens der Lesesucht und besonders dessen Förderung durch die verschiedenen Institutionen der Aufklärung.
Zu diesem Zweck wird in dieser Arbeit zuerst auf die Lesesucht an sich eingegangen. Es wird untersucht, welche Gruppen den Begriff der Lesesucht prägten, auf welche Gruppen der Begriff angewandt wurde, und inwiefern er berechtigt war.
Im zweiten Teil werden die Institutionen der Aufklärung aufgelistet und ihren Funktionen entsprechend nach Wichtigkeit geordnet.

Das Wort „Lesesucht“ oder auch „"Lesewut"“ wird dem Menschen des 21. Jahrhundert nur selten ein Begriff sein. Schließlich wird das Lesen heutzutage in den meisten Fällen sehr geschätzt, wenn nicht gar gefördert. Mehr noch, Menschen, die nicht lesen können, haben oft keinen Zugriff auf gesellschaftliche Selbstverständlichkeiten. Lesen wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehr und mehr zur wichtigsten Quelle der Wissensaneignung, vor allem zu Zeiten des World-Wide-Web. Da erscheint es reichlich absurd, das Lesen mit solch abfälligen Begriff wie „"Lesewut"“ oder „Lesesucht“ zu betiteln.
Andere Umstände herrschten jedoch im 18. Jahrhundert, zur Zeit der Aufklärung. Als der Buchdruck langsam aber sicher praktikabel wurde, Bücher also nicht mehr langwierig von Hand abgeschrieben werden mussten, konnte man eine riesige Anzahl an Neuveröffentlichungen beobachten. Da es nun viel einfacher war, an ein Buch zu kommen, oder selbst eines zu veröffentlichen, als noch im 17. Jahrhundert, stieg nicht nur die allgemeine Verfügbarkeit, sondern auch die Vielfältigkeit der Bücher.

Nun haben die zeitgenössischen Aufklärer das vermehrte Lesen zuerst begrüßt, schließlich bildet es und hilft, selbst zu denken. Weiterhin waren es die Vertreter der Aufklärung, und vor allem die von ihnen errichteten Institutionen der Aufklärung, die für das vermehrte Lesen verantwortlich waren. Mit der Zeit jedoch kehrte sich ihre Meinung um, auch die Vertreter der Aufklärung kritisierten zunehmend die "Lesewut" der Bürger. Dies geschah aus mehreren Gründen, von denen nicht wenige die Annahme vertraten, dass übermäßiger Bücherkonsum ernsthafte Schäden an Geist und Körper nach sich ziehen würde.
In welchem Maße das Lesen durch die Institutionen der Aufklärung auch gefördert worden war, bereits hier kann man festhalten, dass niemand die Entwicklung des Lesens als Zeitvertreib hat aufhalten können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die unterschiedlichen Institutionen der Aufklärung und ihr Stellenweer

2.1 Die pragmatischen Institutionen

2.2 Die Geheimbünde

2.3 Die literarischen Institutionen

2.3.1 Universitäten

2.3.2 Private Vereinigungen

2.3.3 Zeitschriften

2.3.4 Lesegesellschaften

3. Die Lesesucht

3.1 Wer von der Lesesucht betroffen war, und warum

3.2 Über die Argumente von Kritikern gegen die Vielleserei

3.3 Einschätzung der "Lesewut"

4. Die Unterstützung der "Lesewut" durch die Institutionen der Aufklärung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das historische Phänomen der sogenannten "Lesesucht" im 18. Jahrhundert und analysiert, inwieweit die neu entstandenen Institutionen der Aufklärung zu deren Entstehung und Verbreitung beigetragen haben.

  • Analyse der institutionellen Landschaft der Aufklärung (pragmatische, geheime und literarische Institutionen)
  • Untersuchung der Zielgruppen und der zeitgenössischen Kritik am Phänomen der "Lesesucht"
  • Bewertung der Rolle von Lesegesellschaften und Zeitschriften bei der Förderung des Leseverhaltens
  • Kritische Einordnung des tatsächlichen Ausmaßes der Lesesucht im Kontext der damaligen Gesellschaft

Auszug aus dem Buch

3.1 Wer von der Lesesucht betroffen war, und warum

„Den verderblichsten Einfluß hat die Lesesucht auf die Jugend“29 stellte man 18. Jahrhundert im christlichen Andachtsbuch für die Jugend fest. Damit ist klar, dass vor allem die jungen Generationen als unbefangene Opfer für die Lesesucht galten.

Zschokke darüber: „[D]as unerfahrne Herz [ist] am empfänglichsten für Eindrücke jeder Art, theils weil die Einbildungskraft ohnehin das Thätigste ihrer Seelenvermögen ist“30. Gerade also die in der Entwicklung begriffene Jugend ist besonders gefährdet, da sie Eindrücke und Gelesenes sehr schnell aufnimmt. Sogar the Macht, die Liebe und Erziehung der Eltern ist machtlos gegen den „Fluch eines einzigen verbrecherischen Buches“31.

Doch nicht nur die Jugend wird durch Bücher gefährdet. Bedroht sind auch diejenigen, „denen die Natur eine reizbare Einbildungskraft verlieh“32. Dabei ist das Wort Einbildungskraft hier zuerst gar nicht negativ bewertet, sondern wird als „Seelenvermögen“33 bezeichnet. Doch wird es durch „Vielleserei zum Schaden übriger Gemüthskräfte ins Ungeheure und Mißgeburtartige aus[gebildet]“34. Fortan würden solche Menschen, so Zschokke, nur noch mögen, was ihre Phantasie befriedigt und Unterhaltung bietet35.

Doch damit nicht genug. Weiterhin sind Männer gefährdet, die mit ihrer Situation und ihrem Einfluss unzufrieden sind und Frauen, die als Eheweib und Hausfrau „keine Genugthuung überspannter Erwartungen, keine Nahrung ihrer Einbildungskraft und Empfindelei finden“36. Die Gefahr der Lesesucht besteht also über weite Kreise hinaus und betrifft Männer wie Frauen gleichermaßen. Man muss jedoch bedenken, dass fast ausschließlich die bürgerliche Schicht genügend Freizeit hatte, sich Büchern zu widmen. „Die vorhandenen Mitgliederlisten zeigen, dass die Träger der Lesegesellschaften aus den 'gebildeten Ständen' stammen: Wiederum sind es vor allem die Beamten, die akademischen Berufe, am Rande auch der niedrige Adel“37.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der "Lesesucht" des 18. Jahrhunderts ein und erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Förderung durch aufklärerische Institutionen.

2. Die unterschiedlichen Institutionen der Aufklärung und ihr Stellenweer: In diesem Kapitel werden die verschiedenen Institutionen wie Akademien, Geheimbünde und literarische Vereinigungen vorgestellt, die das bürgerliche Leben und das Leseverhalten prägten.

2.1 Die pragmatischen Institutionen: Dieser Abschnitt behandelt Institutionen wie Akademien und patriotische Gesellschaften, in denen praktisches Handeln und wissenschaftliche Erkenntnis im Vordergrund standen.

2.2 Die Geheimbünde: Hier werden Freimaurer und Illuminaten als Gemeinschaften analysiert, die einen standeslosen Austausch anstrebten.

2.3 Die literarischen Institutionen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Institutionen, die speziell die literarische Kultur förderten.

2.3.1 Universitäten: Es wird die Rolle der Universitäten bei der Entwicklung einer einheitlichen deutschen Literatursprache und des bürgerlichen Selbstverständnisses beleuchtet.

2.3.2 Private Vereinigungen: Dieser Teil beschreibt lose Freundschaftsbünde und deren Einfluss auf die literarische Selbstbehauptung.

2.3.3 Zeitschriften: Die Bedeutung der moralischen Wochenschriften für die Verbreitung von Lesestoff wird hier dargestellt.

2.3.4 Lesegesellschaften: Dieses Kapitel identifiziert Lesegesellschaften als die bedeutendste Institution für die Ausbreitung der "Lesewut" durch gemeinschaftliche Nutzung von Medien.

3. Die Lesesucht: Hier wird der Begriff der Lesesucht definiert und untersucht, wer von diesem Phänomen betroffen war.

3.1 Wer von der Lesesucht betroffen war, und warum: Es wird analysiert, welche Bevölkerungsgruppen als besonders gefährdet galten, insbesondere Jugendliche und Frauen.

3.2 Über die Argumente von Kritikern gegen die Vielleserei: Dieser Abschnitt fasst die zeitgenössischen Ängste vor gesundheitlichen und moralischen Schäden durch unkontrolliertes Lesen zusammen.

3.3 Einschätzung der "Lesewut": Eine kritische Hinterfragung des tatsächlichen Ausmaßes der Lesesucht unter Berücksichtigung der eingeschränkten Leserschaft des 18. Jahrhunderts.

4. Die Unterstützung der "Lesewut" durch die Institutionen der Aufklärung: Dieses abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und ordnet den Einfluss der Institutionen auf die Entstehung der Lesegewohnheiten ein.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Lesesucht, Lesewut, 18. Jahrhundert, Lesegesellschaften, Literaturgeschichte, bürgerliche Öffentlichkeit, Moralische Wochenschriften, Bildungsgeschichte, Medienkonsum, Leseverhalten, Institutionen, Sozialgeschichte, Wissensaneignung, Lesekabinette

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Debatte um die sogenannte "Lesesucht" im 18. Jahrhundert und der Rolle, die aufklärerische Institutionen bei der Förderung dieses Phänomens spielten.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der bürgerlichen Öffentlichkeit, die verschiedenen Institutionen der Aufklärung (von Universitäten bis hin zu Lesegesellschaften) sowie die zeitgenössische Kritik am vermeintlich maßlosen Bücherkonsum.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der Förderung des Lesens durch Institutionen und der daraus resultierenden Kritik an der "Lesesucht" sowie das tatsächliche Ausmaß dieses Verhaltens zu untersuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und sozialgeschichtliche Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Statuten und historischer Forschungsliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Institutionen der Aufklärung, die Untersuchung der Lesesucht-Debatte und eine kritische Einschätzung der historischen Reichweite dieses Phänomens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Lesesucht, Aufklärung, Lesegesellschaften, bürgerliche Öffentlichkeit und Literaturgeschichte.

Warum galten besonders Frauen als durch die "Lesesucht" gefährdet?

Kritiker befürchteten, dass Frauen durch das Lesen ihren zugedachten häuslichen Aufgaben nicht mehr nachkommen könnten und dass die Lektüre ihr Wertesystem sowie die männliche Bevormundung infrage stellen könnte.

Inwieweit lässt sich heute noch von einer echten "Lesesucht" im 18. Jahrhundert sprechen?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass das tatsächliche Lesepublikum im Vergleich zur heutigen Zeit sehr gering war (geschätzt ca. 1 % der Bevölkerung), weshalb die zeitgenössischen Warnungen vor einer "Lesesucht" stark übertrieben waren.

Welche Rolle spielten Lesegesellschaften konkret?

Lesegesellschaften ermöglichten durch gemeinschaftliche Finanzierung und den Austausch von Medien auch weniger begüterten Schichten den Zugang zu Literatur und förderten aktiv die Verbreitung von Bildung und aufklärerischem Gedankengut.

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Details

Title
Lesesucht und Lesewut. Der Lesekonsum im Zeitalter der Aufklärung im 19. Jahrhundert
College
University of Tubingen
Grade
2,0
Author
Peter Oliver Greza (Author)
Publication Year
2013
Pages
14
Catalog Number
V386859
ISBN (eBook)
9783668610309
ISBN (Book)
9783668610316
Language
German
Tags
aufklärung lesewut frauen 19. Jahrhundert 1800 institutionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Oliver Greza (Author), 2013, Lesesucht und Lesewut. Der Lesekonsum im Zeitalter der Aufklärung im 19. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386859
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