Die satirische Verarbeitung der NSA-Affäre im Weblog "Der Postillon“

Untersuchung der Leserkommentare


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

25 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist „Der Postillon“?

3. Satire
3.1 Die Auswahl der Artikel
3.2 Die Satire
3.3 Die Parodie
3.4 Das Pastiche
3.5 Der Postillon als eine Mischung aus Pastiche, Parodie und Satire

4. Die Verschleierung der Satire beim Postillon
4.1 Das Generieren von Glaubwürdigkeit
4.2 Das Auftreten des Postillons
4.3 Inhaltliche und formale Aspekte
4.4 Internetphänomene, die das Generieren von Glaubwürdigkeit unterstützen

5. Der Postillon und die NSA-Affäre

6. Analyse der Kommentare
6.1 Kommentare im Internet
6.2 Voraussetzungen rhetorisch erfolgreicher Kommunikation
6.3 Untersuchung der Kommentare
6.3.1 Kommentare zum Artikel „Telekom stellt Kunden Datenübertragung an die NSA in Rechnung“
6.3.2 Kommentare zum Artikel „Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen“
6.3.3 Kommentare zum Artikel „Barack Obama schenkt Angela Merkel zum 60. Geburtstag ein neues Handy“
6.3.4 Die restlichen Kommentare

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhänge

Anhang 1: Interview mit Stefan Sichermann. Durchgeführt am 22.02.2016

Anhang 2: Artikel des Postillons mit NSA-Thematik. Sortiert nach Datum. Stand: 24.02.2016

Anhang 3: Durchschnitt Rezeption der Artikel. Stand: 24.02.2016

1. Einleitung

Die NSA-Affäre hat vor fast drei Jahren ihren Anfang genommen. Seitdem wurden mehrere Enthüllungen in bekannten Nachrichtenmagazinen vorgestellt, die jeden Bürger der Bundesrepublik Deutschland teils in prekärem Ausmaß betreffen. Das Echo aus der Bevölkerung blieb jedoch ruhig und unaufgeregt. Woran dieses Desinteresse an starken Eingriffen in die bürgerliche Souveränität liegt, wurde stark diskutiert[1]. Jedoch gilt diese unaufgeregte Geisteshaltung nicht für alle Bürger, einige engagierten sich in der Aufklärung des NSA-Skandals. So auch Stefan Sichermann, der Chefredakteur des Satiremagazins „Der Postillon“.

Diese Arbeit beschäftigt sich damit, wie die satirische Verarbeitung des NSA-Skandals durch den Postillon vonstattenging und welche Reaktionen der Leser hervorgerufen wurden. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Kommentare gerichtet, die die Leser zu bestimmten Artikeln mit NSA-Thematik abgegeben haben. Es wird herauszufinden sein, ob die durch Satire verschleierte Nachricht erkannt und die intendierte Kritik unterstützt wurde. Außerdem ist von Interesse, ob die Kommunikation rhetorisch erfolgreich war, die intendierten Nachrichten also einen Wechsel der Geisteshaltung nach sich zogen.

Zu diesem Zweck wird der Postillon vorgestellt und seine Reichweite analysiert, um dann eine Definition der Satire und ähnlicher Formen vorzunehmen und sie in den Postillon-Artikeln nachzuweisen. Dann wird darauf eingegangen, mit welchen Mitteln er seinen Satire-Status zu verschleiern versucht, wozu in erster Linie äußere und formale Merkmale untersucht werden.

Danach wird untersucht, welchen Stellenwert der Postillon dem NSA-Skandal beimaß, woraufhin die entscheidende Analyse der Kommentare zu bestimmten Artikeln stattfindet. In einem abschließenden Fazit werden schließlich die Ergebnisse vorgestellt und eingeordnet.

2. Was ist „Der Postillon“?

Der Postillon ist ein Weblog, das von Stefan Sichermann im Oktober 2008 ins Leben gerufen und seitdem von ihm als Chefredakteur geleitet wird[2]. Sichermann wird inzwischen von einigen anderen Autoren bei der Textproduktion unterstützt[3].

Der Postillon veröffentlicht verschiedene Formate. Neben regulären satirischen Artikeln in Nachrichtenform gibt es die regelmäßige Sonntagsfrage, die meistens ein ernstes Thema besitzt, aber mit unsinnigen, größtenteils ironischen Antwortmöglichkeiten aufwartet[4].

Daneben wird monatlich eine Linksammlung mit dem Namen „Links! Zwo! Drei! Vier!“[5] veröffentlicht. Außerdem gibt es eine wöchentliche Aufzählung der Newsticker, die in den vergangenen Tagen auf der Seite angezeigt wurden. Diese Newsticker sind keine tatsächlichen News, sondern vermeintliche Meldungen, die dazu dienen, Wortwitze zu verarbeiten[6].

Für diese Arbeit sind nur die regulären Artikel von Interesse sein, da nur sie eine eindeutige Nachricht transportieren.

Der Postillon veröffentlichte 2015 insgesamt 442 Artikel[7]. Weiterhin ist der Postillon einer der am meisten besuchten Weblogs Deutschlands. So stand er im Januar 2014 an Platz 1 der deutschen Blogcharts[8] und war auch im ersten Quartal 2015 regelmäßig in den TOP 3 der inoffiziellen Blogcharts der Seite blogrebellen.de vertreten[9]. Auf Facebook, eine der wichtigsten Verbreitungsplattformen für Weblog-Inhalte[10], hat der Postillon zum Stand dieser Arbeit 1.937.250 Likes[11]. Außerdem waren laut der Verbreitungsanalyse der Seite 10000flies.de zwei Artikel des Postillons im Jahr 2015 unter den 20 am stärksten wahrgenommenen Artikeln der deutschen Medienlandschaft im Internet[12]. Die Reichweite des Postillons ist demnach ein ernstzunehmender Faktor.

3. Satire

M. A. Rose beschreibt Satire als „[…]an instrument of criticism and a ‚medley‘ of forms[…]“[13]. Das trifft, wie später noch zu zeigen sein wird, in besonderer Weise auch auf den Postillon zu. Doch sollen die in Frage kommenden Formen zuerst vorgestellt und kurz definiert werden.

Im historischen Wörterbuch der Rhetorik schreibt Sickendiek: „Der moderne Begriff [Satire] bezeichnet […] keine Gattung, sondern vielmehr von aggressiv-ironischer Rhetorik geprägte ästhetische Werke.“[14] Die Kennzeichen der Satire seien seit der Renaissance und dem Humanismus der einfache Stil, die Verstellung, das Humorvolle und die Entrüstung über falsche Entwicklungen in der Welt[15].

F. Wünsch definiert die Satire als Gattung wie auch als Schreibart[16]. Für ihn ist die Satire aber ebenfalls ein mit aggressiver Komik arbeitender Text, der dazu gedacht ist, Missstände aufzudecken und zu kritisieren: „Im wesentlichen [sic!] handelt es sich demnach um eine Verbindung von Komik und Kritik, wobei die Komisierung des Gegners […] als Waffe und Wirkungsmittel im Dienste der kritischen Intention eingesetzt wird.“[17]

Dabei ist es wichtig, dass diese Art der Kritik nicht ungesteuert zerstören, sondern ein spezielles Problem aufdecken und verspotten will. Durch diesen Spott verfolgt die Satire die Absicht, soziale Aufmerksamkeit auf den Gegenstand der Kritik zu lenken, „um ihn (sozial) zu vernichten oder zu tadeln.“[18]

Wünsch geht noch weiter, indem er sagt, dass Satiren „[…]ohne den Willen, einen Mißstand gezielt zu bekämpfen, und ohne das klare Bewußtsein, Kritik zu üben, nicht vorstellbar sind.“[19]

Es darf aber nicht vergessen werden, dass diese Art der Kritik „keinesfalls mit präzise gezielter, wohldosierter und gänzlich angemessener Kritik gleichgesetzt werden darf.“[20]

Bei der Parodie hingegen, die der Satire durchaus ähnlich ist, ist nach Wünsch „der Vorlagenbezug, die Intertextualitätsrelation (und zwar durch Imitation, nicht durch bloße Erwähnung o.ä.) […] essentiell […]“[21]. Erwähnte Vorlage wird von der Parodie auf komische Art und Weise verzerrt, sodass eine auf die „Vorlage gerichtete komische Wirkung entsteht.“[22] Damit ist die Parodie in erster Linie ein „bestimmtes Textverarbeitungsverfahren“[23]. Das bestätigt auch P. Stocker in seinem Artikel über die Parodie im Historischen Wörterbuch der Rhetorik: „Sie [die Parodie] ist (a) intertextuell auf eine Vorlage bezogen und (b) komisch.“[24]

Obwohl also eine klare Trennlinie zwischen Parodie und Satire besteht, gibt es viele Übereinstimmungen. So bedienen sich beide „der Komik, speziell der Komisierung ihres Gegenstandes, als Wirkungs-, d.h. Angriffs- und Überredungsmittel; beide stellen oft bloß, indem sie Diskrepanzen zwischen Schein und Sein, Anspruch und Wirklichkeit aufdecken.“[25] Außerdem vertauschen sie den normalen Kommunikationsprozess: „[D]ie Parodie kann mit der Ironie verglichen werden, bei der die ‚echte‘ Meinung des Senders hinter einer anderen verborgen wird.“[26]

Eine weitere Form, die eine Nähe zu Parodie und Satire besitzt, ist das Pastiche. Hier wird der Stil „eines Autors, einer Epoche, Schule oder Gattung mit ernsthafter […] oder parodistischer Absicht imitiert.“[27] „Eine weitere Möglichkeit des parodistischen Pastiche […], Diskrepanz zu erzeugen, besteht darin, einen neuen unpassenden Inhalt unterzuschieben.“[28] Dafür muss es „eine größtmögliche stilistische (und in aller Regel inhaltliche) Ähnlichkeit mit dem Original anstreb[en].“[29]

Allen drei Formen, insbesondere aber der Parodie und der Satire ist also als wichtiges, bestimmendes Kriterium gleich, dass sie ihre eigentliche Nachricht verstecken und in ironischer oder sarkastischer Form verschlüsseln[30]. Damit ein parodistischer oder satirischer Text funktionieren kann, muss er also bestimmte Signale senden, die auf eine Diskrepanz zwischen oberflächlichem und intendiertem Text hinweisen, sodass die Verschlüsselung vom Leser erkannt und durchschaut werden kann[31]. Erst dann kann der vom Orator intendierte Text vom Adressaten aufgenommen werden und sein rhetorisches Potential entfalten.

Ein Zusammenspiel aus allen drei in diesem Kapitel vorgestellten Gattungen bzw. Schreibarten wird im Postillon verwendet, wie im Folgenden dargelegt wird.

3.1 Die Auswahl der Artikel

Da eine Untersuchung aller Postillon-Artikel mit NSA-Thematik und den entsprechenden Kommentaren den Rahmen dieser Arbeit bei weitem sprengen würde, werden in dieser Arbeit nur drei Artikel und deren Kommentare untersucht.

Bei der Auswahl der Artikel wurde darauf geachtet, dass die Ironiesignale der Artikel nicht zu eindeutig waren, um Unterschiede der Rezeption zwischen Veröffentlichungen auf Facebook und auf dem Weblog besser erkennen zu können.

Außerdem wurden Artikel ausgewählt, die eine hohe Anzahl von Kommentaren bekommen haben, um mehr Material für die Untersuchung zu besitzen.

Daher werden nur diese drei Artikel auf ihre Formen der Satire untersucht. Es kann aufgrund der typischen Auswahl aber angenommen werden, dass diese Untersuchung auch für die meisten anderen Artikel des Postillons gilt.

3.2 Die Satire

Der erste Aspekt, der die Satire bestimmt, und der beim Postillon gegeben ist, ist das Bewusstsein, in dem die Kritik geübt wird. Sichermann hat angegeben, mit seinen Artikeln auf Missstände hinweisen zu wollen.[32]

Der Postillon benutzt die der Satire eigene aggressive Komik, um einen bestimmten Gegenstand oder eine Sachlage zu kritisieren. Der Artikel „Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen“[33] kritisiert mit leicht zu entschlüsselnder Satire die Bundesregierung und vor allem die Bundeskanzlerin Angela Merkel dafür, im NSA-Skandal nicht mit angemessener Schärfe reagiert zu haben. Eine tatsächlich zu diesem Zeitpunkt stattgefundene Reise Merkels in die USA[34] wird durch ironische Verzerrung von ihrem eigentlichen Zweck getrennt, die Nachricht ins Gegenteil verkehrt. So trügen die Deutschen die Schuld am NSA-Skandal und hätten das Vertrauen der Amerikaner verletzt. Neben der Kritik an der Haltung der Bundesregierung wird mit dem letzten Absatz noch ihre Unfähigkeit kritisiert: „[…]Nachdem [Präsident Obama] die auf Merkels Dienstcomputer gespeicherte Rohfassung der Entschuldigung am Mittwoch zum ersten Mal durchgelesen habe, habe er laut Berichten aus Insiderkreisen gerührt und nachdenklich gewirkt.“[35] Nicht nur deutet dieser Absatz an, dass die Spionage nicht eingeschränkt werden konnte, vielmehr scheint diese Tatsache auch öffentlich bekannt und geduldet zu sein.

Im Artikel „Barack Obama schenkt Angela Merkel zum 60. Geburtstag ein neues Handy“[36] wird erneut die Kanzlerin kritisiert. Dieses Mal allerdings wird ihr Leichtgläubigkeit unterstellt und ihre Entscheidungsfähigkeit angezweifelt. Wieder arbeitet der Artikel mit starker und aggressiver Ironie: „So hätte sie etwa ‚eine hübsche Originalverpackung nett gefunden‘ – schon der Garantie wegen. Doch mit der Erklärung des US-Präsidenten für den unverpackten Zustand, das Gerät habe eine vorherige gründliche Sicherheitsüberprüfung durch zuständige Behörden durchlaufen, könne sie sich anfreunden.“[37] Nach der bekannt gewordenen Abhörung[38] ihres alten Handys ein neues von jener Nation anzunehmen, die die Spionage initiierte, und das offensichtlich bereits manipuliert wurde, ist ein Ironiesignal mit klar ersichtlicher Kritik.

Im Artikel „Telekom stellt Kunden Datenübertragung an die NSA in Rechnung“[39], wird neben der Bundesregierung, der vorgeworfen wird, die Spionage durch fremde Geheimdienste nicht unterbinden zu können, auch der Bürger kritisiert, dem das Eindringen in die Privatsphäre scheinbar egal ist. So kann die Telekom ganz offen damit umgehen, dass Geheimdienste Zugriff auf private Daten haben und ihre Preise erhöhen, um das größere Datenaufkommen, das durch die Übertragung an die Geheimdienste zustande kommt, abzudecken. Der Artikel scheint darauf zu zielen, dass Proteste aus der Bevölkerung nur dann entstehen, wenn Kosten auf sie zukommen, obwohl die Spionage privater Daten ein größeres Empörungspotential besitzen sollte.

Beißende Ironie kann man hier finden, wenn dem tatsächlichen Vorstandsvorsitzenden der Telekom folgender Satz in den Mund gelegt wird: „Die jüngsten Snowden-Leaks belegen, dass in den letzten Jahren in massivem Umfang Daten unserer Kunden aus unseren Netzen und von unseren Servern bereitgestellt wurden […]. Und zwar in höchster VDSL-Telekom-Qualität. Das ist genau die Art von Dienstleistung, für die unsere Kunden uns schätzen und für die sie auch gerne bezahlen.“[40] Es gibt kein Anzeichen für irgendeine Art der Empörung, viel wichtiger als die Spionage scheint die Qualität des Netzes zu sein sowie die Geschwindigkeit, mit der die Daten an die Geheimdienste übertragen worden sind. Abgeschlossen wird der Artikel mit dem ebenso absurden Hinweis, die Telekom würde bald eine Secret-Service-Flatrate anbieten, bei der für einen Pauschalpreis alle Geheimdienste auf die privaten Daten zugreifen könnten.

Alle drei Artikel haben den für Satire üblichen einfachen Stil. Es werden keine schwierigen Fach- oder Fremdworte verwendet, die Sätze sind relativ kurz und einfach verständlich. Ganz offensichtlich arbeiten sie mit Humor und benutzen ihn dazu, in einer eindeutig zu erkennenden Stoßrichtung Kritik an Umständen der NSA-Affäre anzubringen.

3.3 Die Parodie

Da die Parodie sich viele Aspekte mit der Satire teilt, die bereits aufgezeigt wurden, wird im Folgenden nur auf die für die Parodie essentiellen Intertextualitätsmerkmale eingegangen.

Ein Großteil der komischen Wirkung des Artikels „Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen“[41] entsteht dadurch, dass sie tatsächlich in die USA gereist ist[42] und es dazu Berichte in anderen Medien gab, die der Postillon damit imitiert.

Etwas Ähnliches kann man auch beim Artikel „Telekom stellt Kunden Datenübertragung an die NSA in Rechnung“[43] beobachten. Hier gewinnt der komische Aspekt noch einiges an Wirkung, wenn man weiß, dass die im Artikel dargestellte Tatsache gar nicht so absurd ist, sondern in ähnlicher Weise bereits passiert ist[44].

Es sind also eindeutige Intertextualitätsmerkmale beim Postillon zu finden, die deutlich machen, dass hier auch parodistische Elemente ihren Platz haben. Zwar richtet sich ihre komische Wirkung meist nur als Nebeneffekt auf die Textvorlage, dennoch ist sie vorhanden.

3.4 Das Pastiche

Das Pastiche als Gattungsnachahmung zeigt sich beim Postillon darin, dass er zur Verschlüsselung der Satire vor allem vorgibt, ein seriöses Nachrichtenmagazin zu sein (siehe 4.). Dafür imitiert er den Stil von Nachrichtenmagazinen und veröffentlicht satirisch-parodistische Texte, die durch diese Methode an Glaubwürdigkeit gewinnen.

3.5 Der Postillon als eine Mischung aus Pastiche, Parodie und Satire

Der Postillon bedient sich also in erster Linie der Satire mit der sie bestimmenden aggressiven, komischen Art zur Kritikäußerung, ihrem einfachen Stil, der Verstellung und Verzerrung sowie ihrer Möglichkeit zum sozialen Tadel. Dazu kommen die Parodie mit ihren intertextuellen Textverarbeitungsverfahren und das Pastiche zur Stilnachbildung.

Man kann den Postillon also als in erster Linie satirischen Weblog bezeichnen, der auch Aspekte aus Parodie und Pastiche verwendet.

4. Die Verschleierung der Satire beim Postillon

4.1 Das Generieren von Glaubwürdigkeit

Da Satire ihre größte Wirkung entfalten kann, wenn ihr Satirestatus nicht sofort eindeutig erkennbar ist[45], ist es für den Orator wichtig, Glaubwürdigkeit zu generieren, auf deren Sockel die Satire ihre Wirkung durch Entschlüsselung durch den Adressaten entfalten kann. Auf gewisse Weise wird dabei ein Ethos inszeniert, von dem die Leser in ihrer Erwartungshaltung ausgehen sollen.

Der Postillon generiert diese Glaubwürdigkeit dadurch, dass er sich selber den Anschein eines ehrlichen Nachrichtenmagazins gibt. Dadurch besteht für ihn die Chance, Erwartungshaltungen anzusprechen, die man mit professionellem Journalismus verbindet.

Im Journalismus ist aber in erster Linie die objektive Haltung der Schreibenden dafür verantwortlich, die nötige Glaubwürdigkeit zu schaffen. Vertrauen in ihre Arbeit kann nur entstehen, wenn ihre Recherche Daten und Geschehnisse so objektiv wie nur möglich darstellt.[46]

Im Folgenden wird untersucht, mit welchen Mitteln der Postillon den Anschein der Objektivität aufzubauen versucht.

[...]


[1] Vgl. „Analyse: Ein Jahr NSA-Skandal und noch viel zu tun“. URL: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Analyse-Ein-Jahr-NSA-Skandal-und-noch-viel-zu-tun-2215730.html. Zuletzt aufgerufen: 28.02.2016

[2] Vgl. „Geld verdienen mit Galgenhumor“. URL: http://www.zeit.de/digital/internet/2013-04/postillon-stefan-sichermann-portrait. Zuletzt aufgerufen: 20.02.2016

[3] Vgl. Die FAQ des Postillons. URL: http://www.der-postillon.com/p/faq.html. Zuletzt aufgerufen: 24.02.2016

[4] Vgl. „Sonntagsfrage (131): Was sagen Sie dazu, dass der BND massenhaft Daten an die NSA übermittelt hat?“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/10/sonntagsfrage-131-was-sagen-sie-dazu.html. Zuletzt aufgerufen: 23.02.2016

[5] Vgl. „Links! Zwo! Drei! Vier! (301)“ URL: http://www.der-postillon.com/2016/01/links-zwo-drei-vier-301.html. Zuletzt aufgerufen: 23.02.2016

[6] Vgl. „Newsticker (868)“ . URL: http://www.der-postillon.com/2016/02/newsticker-868.html. Zuletzt aufgerufen: 23.02.2016

[7] Quelle: Eigene Recherche. Siehe Anhang 3

[8] Vgl. „Deutsche Blogcharts“. URL: http://www.deutscheblogcharts.de/. Zuletzt aufgerufen: 23.02.2016

[9] Vgl. „Deutsche Blogcharts im Januar 2015-April 2015“. URL: http://www.blogrebellen.de/?s=Deutsche+Blogcharts&cat=0, Zuletzt aufgerufen: 23.02.2016

[10] Vgl. Simons, Anton: Journalismus 2.0. Konstanz 2011. S. 157

[11] Vgl. die Facebook-Seite des Postillons. URL: https://www.facebook.com/DerPostillon/. Zuletzt überprüft am 24.02.2016. Zum Vergleich: Die Facebook-Seite der Süddeutschen Zeitung hatte zur gleichen Zeit mit 453.248 Likes nicht einmal ein Viertel dieser Reichweite.

[12] Vgl. „News-Charts des letzten Jahres“. URL: http://www.10000flies.de/?timefilter=1_year&category=Alle. Zuletzt aufgerufen: 23.02.2016

[13] S. Rose, Margaret A.: Parody: Ancient, Modern and Post-Modern. Cambridge 1993. S. 83

[14] S. Meyer-Sickendiek, B.: Satire. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Hrsg. v. Gert Ueding. Band 8. Tübingen 2007. Sp. 447

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 25

[17] S. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 25

[18] S. ebd. S. 25f.

[19] S. ebd. S. 31

[20] S. ebd. S. 31

[21] S. ebd. S. 12

[22] S. ebd. S. 13

[23] S. ebd. S. 30

[24] S. Stocker, P.: Parodie. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Hrsg. v. Gert Ueding. Band 6. Tübingen 2003. Sp. 637

[25] S. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 31

[26] S. Rose, Margaret A.: Parodie, Intertextualität, Interbildlichkeit. Bielefeld 2006. S. 29

[27] S. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 89

[28] S. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 93

[29] S. ebd. S. 92

[30] Vgl. Rose, Margaret A.: Parody: Ancient, Modern and Post-Modern. Cambridge 1993. S. 87

[31] Vgl. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 225f.

[32] Quelle: Eigenes Interview. Siehe Anhang 1

[33] Vgl. „Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/05/merkel-reist-in-usa-um-sich-bei-obama.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[34] Vgl. „US-Reise der Kanzlerin: Merkels Mission Neuanfang“. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/merkel-besuch-bei-us-praesident-obama-ukraine-und-nsa-sind-thema-a-966871.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[35] S. Vgl. „Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/05/merkel-reist-in-usa-um-sich-bei-obama.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[36] Vgl. „Barack Obama schenkt Angela Merkel zum 60. Geburtstag ein neues Handy“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/07/barack-obama-schenkt-angela-merkel-zum.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[37] Vgl. ebd.

[38] Vgl. „Kanzler-Handy im US-Visier? Merkel beschwert sich bei Obama“. URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nsa-merkel-beschwert-sich-bei-obama-a-929636.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[39] Vgl. „Telekom stellt Kunden Datenübertragung an die NSA in Rechnung“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/09/telekom-stellt-kunden-datenubertragung.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016.

[40] S. ebd.

[41] Vgl. „Merkel reist in USA, um sich bei Obama für NSA-Skandal zu entschuldigen“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/05/merkel-reist-in-usa-um-sich-bei-obama.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[42] Vgl. „US-Reise der Kanzlerin: Merkels Mission Neuanfang“. URL: http://www.spiegel.de/politik/ausland/merkel-besuch-bei-us-praesident-obama-ukraine-und-nsa-sind-thema-a-966871.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[43] Vgl. „Telekom stellt Kunden Datenübertragung an die NSA in Rechnung“. URL: http://www.der-postillon.com/2014/09/telekom-stellt-kunden-datenubertragung.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016.

[44] Vgl. „Handyrechnungen mit Abhörkosten“. URL: http://www.welt.de/print-welt/article419341/Handyrechnungen-mit-Abhoerkosten.html. Zuletzt aufgerufen: 27.02.2016

[45] Vgl. Wünsch, Frank: Die Parodie. Zu Definition und Typologie. Hamburg 1999. S. 258

[46] Vgl. Fürsich, Elfriede: Medienkonvergenz als Risiko und Chance. In: Ralf Hohlfeld et al. (Hrsg.): Crossmedia. Wer bleibt auf der Strecke? Berlin 2010. S. 64

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die satirische Verarbeitung der NSA-Affäre im Weblog "Der Postillon“
Untertitel
Untersuchung der Leserkommentare
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Veranstaltung
Hauptseminar Mediale Reflexion von Krieg und Krisen im 21. Jahrhundert
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
25
Katalognummer
V386860
ISBN (eBook)
9783668609648
ISBN (Buch)
9783668609655
Dateigröße
754 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Postillon, Leserkommentare, NSA, Affäre, Satire, Ironie
Arbeit zitieren
Peter Oliver Greza (Autor), 2015, Die satirische Verarbeitung der NSA-Affäre im Weblog "Der Postillon“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386860

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