Sind Gewalt und Verbrechen "männlich"? Ursachen männlicher Gewalt


Hausarbeit, 2014

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1: Verbrechen und Männer

Kapitel 2: Gewalt und Männer

Kapitel 3: Resümee

Kapitel 4: Ursachen „männlicher“ Gewalt

Kapitel 5: Eigene Stellungnahme und Bedeutung für die Soziale Arbeit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verurteilte StraftäterInnen in Deutschland 1977 bis im Vergleich

Abbildung 2: Belegungsentwicklung JVA-NRW nach Geschlechtern

Abbildung 3: Verkehrstote 2010

Abbildung 4: Kampfsport im Vergleich

Abbildung 5: Waffen im Haushalt Geschlechtervergleich

Abbildung 6: System(e) der Gewalt

Abbildung 7: Bedingungskonstellationen für Gewalt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Alter und Anteile der Tatverdächtigen 2012

Tabelle 2: Begangene Straftaten von Häftlingen 2013, Geschlechtervergleich

Tabelle 3: Anteil der Soldatinnen bei der Bundeswehr im Juni 2014

Tabelle 4: Gewaltformen im Vergleich

Vorwort:

Diese Studienarbeit ist nach den Richtlinien von Prof. Dr. Alexander Noyo (in Bezug auf Format der Arbeit und verwendeter Zitationsregeln) und den Vorgaben des Dozenten Robert Soultanian (in Bezug auf Thema und Umfang der Arbeit) im Rahmen der Veranstaltung „Männerforschung“ erstellt. Sie ist die für das Modul T5 zu erbringende erforderliche Studienarbeit und verbindet deshalb das Thema auch mit einer der Theorien der sozialen Arbeit. Die Richtlinien von Herrn Noyo sind auf dessen Homepage unter nachstehender URL zu finden:

https://docs.google.com/document/d/1wbel7pA4fCcZQrWXZjo8GnvOgQxEttYYvyou Rn8cMwI/edit

Kapitel 1: Verbrechen und Männer

„ Die M ä nner sind alle Verbrecher, ihr Herz ist ein finstres Loch... “

Ein Auszug aus dem Refrain eines deutschen Volksliedes von Bernauer und Schanzer (1913).

Während meines Praktikums bei der Bewährungshilfe Neustart gGmbH in Heidelberg ist mir aufgefallen, dass die Mehrzahl der Klienten männlich war. Straftäterinnen sind mir im Kontext der Bewährungshilfe nur 5 begegnet, Straftäter waren es hingegen weit mehr als 30. Hier stellte sich mir zum ersten mal die Frage: „ist Verbrechen männlich?“

Die Definition von Verbrechen

Laut Duden ist ein Verbrecher jemand der ein Verbrechen begangen hat (Duden, 2014, online). Als Verbrechen gelten laut § 12 StGB, Absatz 1 „rechtswidrige Taten, die mit einer Mindeststrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind.“ (Nomos- Gesetze, 2012, S. 2125. Auch der Duden bedient sich dieser Definition, fasst den Begriff „Verbrechen“ allerdings weiter. So definiert der Duden als Verbrechen auch eine „verabscheuungswürdige Untat“ und Kriminalität und damit jedwede kriminelle Handlung im Allgemeinen. (Duden, 2014, online). Das Rechtslexikon „lexexakt.de“ definiert „Verbrechen im weiteren Sinne“ als tatbestandsmäßige, rechtswidrige und schuldhafte Straftat.“ (lexexakt.de, 2007, online). Ich werde mich im Folgenden letzterer Definition bedienen, da diese der im Volksmund gängigen Definition näher kommt als die des StGB. Als Verbrecher und Verbrecherinnen gelten in dieser Arbeit, wenn nicht anders erwähnt, also Menschen die eine Straftat begangen haben. Wie die polizeilichen Kriminalstatistiken von 2011 und 2012 belegen, scheint Verbrechen durchaus sehr viel eher männlich als weiblich zu sein. Sowohl 2011 als auch 2012 lag der Anteil der männlichen Tatverdächtigen bei 74,4%. (Bundesministerium des Innern, 2011 und 2012). Im Jahre 2000 waren 76,9% aller Tatverdächtigen männlich (Bundesministerium des Innern, 2000) und 1993 waren es sogar noch 78,4 % (BKA, Wiesbaden, 1994). Es zeigt sich insgesamt zwar ein Rückgang des männlichen Anteils, allerdings sind die Anteile 2011 und 2012, wie bereits erwähnt, in gleicher Höhe. Betrachtet man das Alter der erfassten Tatverdächtigen 2012, so bleiben auch über alle Altersgruppen hinweg die Männer klar in Führung, wie die folgende Tabelle veranschaulicht:

Tabelle 1: Alter und Anteile der Tatverdächtigen 2012 (Bundesministerium des Innern, S.34, 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gesamt 74,4% 25,6%

Einzig bei den Jugendlichen und Kindern bewegt sich der Anteil der männlichen Tatverdächtigen unter ¾. In keiner Altersgruppe und zu keiner (erwähnten) Zeit, gab es mehr weibliche als männliche Tatverdächtige.

Bei den Verurteilten-zahlen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab:

Abbildung 1: Verurteilte StraftäterInnen in Deutschland 1977 bis 2012 im Vergleich, übernommen vom Statistischen Bundesamt, 2014, S.12.

Die Haftplatzbelegung von Nordrhein-Westfalen zeigt, dass sich im Zeitraum von 1990 bis 2013 auch deutlich mehr Männer als Frauen in Haft befanden.

Gefangene

Abbildung 2: Belegungsentwicklung JVA-NRW nach Geschlechtern, übernommen aus Justiz-Online, 2014,online, A.

Anhand der großen zahlenmäßigen Unterschiede lässt sich schlussfolgern, dass zu keiner Zeit mehr Frauen als Männer in deutschen Justizvollzugsanstalten inhaftiert waren und vermutlich auch in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr Frauen als Männer inhaftiert sein werden. 2012 waren 94,1% (15.661) aller Inhaftierten von Nordrhein-Westfalen männlich und nur 5,9% (984) weiblich. Vergleicht man diese Anteile mit den Tatverdächtigen 2012 aus ganz Deutschland, 74,4% männlich zu 25,6% weiblich, zeigt sich, dass die männlichen Tatverdächtigen zu einem deutlich höheren Anteil inhaftiert werden, der Anteil der Männer liegt hier um 19,7 Prozentpunkte höher als der der Tatverdächtigen. Die Differenz zwischen den Geschlechtern bei den Tatverdächtigen 2012 betrug 48,8%, bei den Inhaftierten (in NRW) liegt sie bei 88,2%.

Bei der Verurteilungsquote für das Jahr 2012 zeigt sich hingegen nur eine Differenz von 1,1% zum Nachteil der Männer. 79,7% der Tatverdächtigen Frauen wurden rechtskräftig vor Gericht verurteilt und 80,8% der Männer. (Statistisches Bundesamt, 2014). „Weil Frauen weniger und leichtere Straftaten begehen als Männer, werden Frauen nur relativ selten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Bedeutsam ist auch, dass straffällig gewordene Frauen ein geringeres Rückfallrisiko und eine günstigere Sozialprognose als Männer aufweisen.“ (Schmölzer, 2003)

Aus dem Vorangegangenen lässt sich Ableiten, dass Männer nicht nur eher zu Tatverdächtigen werden als Frauen, sondern auch wahrscheinlicher verurteilt werden (1,1%) und auch sehr viel wahrscheinlicher eine Haftstrafe verbüßen müssen. Das kann daran liegen, dass die von Männern begangenen Straftaten generell härter vom Gesetzgeber geahndet werden als die von Frauen begangenen Taten. Ein Geschlechtervergleich (siehe Tabelle 3) der von 2013 in Nordrhein- Westfälischer Haft befindlichen Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten begangenen strafbaren Handlungen soll darüber Aufschluss geben.

Tabelle 2: Begangene Straftaten von Häftlingen 2013, Geschlechtervergleich, Justiz-Online, 2014, online, B und C)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Positive Differenz bedeutet, dass Männer hier häufiger vertreten sind, negative, dass Frauen häufiger vertreten sind. Dominierende männliche Prozentanteile sind blau, weibliche rot markiert. Abweichungen um insgesamt 0,2% in der 1. Spalte sind Rundungsfehlern geschuldet.)

Im Vergleich der von Männern und Frauen in Haft begangenen strafbaren Handlungen zeigt sich, dass die männlichen Häftlinge deutlich im Bereich der Gewaltdelikte führen. Ein Gewaltdelikt ist laut Duden-Definition ein Delikt bei der gegen eine Personen körperliche oder psychische Kraft (rücksichtslos) eingesetzt wird um ein Ziel zu erreichen. (Duden, 2013, online). Folglich können unter

Gewaltdelikte Raub und Erpressung, Sexualdelikte, Straftaten gegen das Leben und

Körperverletzung verstanden werden. Insgesamt zeigt sich hier eine Differenz gegenüber den weiblichen Strafgefangenen von 16,9% , d.h männliche Straftäter in Haft 2013 sind deutlich führend was Gewaltdelikte betrifft. Einen ähnlich deutlichen Vorsprung weisen die weiblichen Häftlinge auf wenn man Betrug, Diebstahl und Urkundenfälschung als Gruppe zusammenfasst, nämlich 16.7%. Hier lassen sich Geschlechterunterschiede erkennen. 39,3 % der männlichen Häftlinge waren 2013 in Nordrhein-Westfalen wegen Gewaltdelikten inhaftiert. Dies legt den Schluss nahe dass nicht nur Verbrechen männlich ist, wie bereits erwähnt waren 2013 94,1% aller Inhaftierten in NRW Männer (Justiz-Online, 2014,online, A), sondern auch Gewalt und insbesondere Gewaltverbrechen (39,3%). Ein erhöhtes Gewaltpotential bei Männern könnte also ein Grund für eine größere Delinquenz des männlichen Geschlechts im Allgemeinen sein.

Kapitel 2: Gewalt und Männer

„Frauen m ü ssen ab und zu eins auf den Hintern bekommen. Manchen gef ä llt's. “ Sean Connery

„Eine These, die sich hartnäckig in der Debatte um Gewalt, Geschlecht und Männlichkeit hält, lautet: Männer dominierten alle Formen der Gewalt“ (Döge, 2013, S.27). Raewyn W. Connell (alias Bob Connell oder Robert William Connell) ist ein, so Döge (2013, S.27), prominenter Vertreter dieser These. In dem Buch „The man and the Boys“ schreibt er selbst "So men predominate across the spectrum of violence" (Connel, 2000, S. 214). Laut Connell (2009) geht der Großteil aller häuslichen Gewalt von Männern aus und richtet sich insbesondere gegen Frauen. Nach einer Studie des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend von 2004 war ein Viertel der befragten Frauen bereits Opfer häuslicher Gewalt, ausgeübt von ihrem Partner. Mit 13 % litten mehr als die Hälfte der Befragten in ihrer aktuellen Beziehung unter häuslicher Gewalt. Connell (2009) spricht außerdem davon, dass Studien in den USA ergeben haben, dass Frauen sechs mal häufiger Opfer von Vergewaltigung werden als Männern und diese Akte gegen die sexuelle Selbstbestimmung meistens von Männern ausgeführt werden. Die Polizeiliche Kriminalstatistik Deutschland für das Jahr 2012 zeigt die

Geschlechterunterschiede noch deutlicher. 93,2 % der Opfer von vollendeten

(92,9%) und versuchten (94,7%) „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung unter Gewaltanwendung oder Ausnutzung eines Abhängigkeitsverhältnisses“ waren Frauen (Bundesministerium des Innern, 2012, S.23). Bob Connell (2009) sieht aggressives Verhalten im Straßenverkehr ebenfalls als eine Form der Gewalt wo vor allem junge Männer führend seien. Die Tatsache dass, 2013 in Nordrhein-Westfalen 1,9% mehr Männer als Frauen wegen Straßenverkehrsdelikten inhaftiert waren untermauert diese These ebenso wie die Verkehrsunfallstatistik des statistischen Bundesamtes für das Jahr 2010.

Abbildung 3: Verkehrstote 2010, übernommen vom Statistischen Bundesamt, 2011, S. 7.

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Sind Gewalt und Verbrechen "männlich"? Ursachen männlicher Gewalt
Hochschule
Hochschule Mannheim
Veranstaltung
Männerforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V386873
ISBN (eBook)
9783668627635
ISBN (Buch)
9783668627642
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sind, gewalt, verbrechen, ursachen
Arbeit zitieren
Dirk Hofbeck (Autor), 2014, Sind Gewalt und Verbrechen "männlich"? Ursachen männlicher Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386873

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