Die Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard für die BMW AG

Ein Nachhaltigkeitsbericht


Praktikumsbericht / -arbeit, 2016
39 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Relevanz des Themas und Problemstellung
1.2 Aufbau und Gliederung der Arbeit
1.3 Informationen zur BMW AG

2 Methodischer Rahmen
2.1 Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung
2.1.1 Definition und Begriff der Nachhaltigkeit
2.1.2 Die drei Säulen unternehmerischer Nachhaltigkeit
2.1.3 Nachhaltigkeitsberichterstattungspflicht
2.2 Nachhaltigkeitsbericht der BMW AG
2.2.1 Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens
2.2.2 Produkte und Dienstleistungen
2.2.3 Produktion und Wertschöpfung
2.2.4 Mitarbeiter und Gesellschaft
2.3 Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard (SBSC)
2.3.1 Konzept der traditionellen Balanced Scorecard (BSC)
2.3.2 Eignung der BSC für das Nachhaltigkeitsmanagement
2.3.3 Integration von Nachhaltigkeit in die BSC

3 Ergebnisse
3.1 Entwicklung einer SBSC für die BMW AG
3.1.1 Formulierungsprozess einer Sustainability Balanced Scorecard
3.1.2 Auswahl der strategischen Geschäftseinheit (SGE)
3.1.3 Ermittlung der Umwelt- und Sozialexponiertheit
3.1.4 Beurteilung der strategischen Relevanz der Nachhaltigkeitsaspekte
3.2 Darstellung der SBSC als Strategie Map

4 Diskussion und Handlungsempfehlung

5 Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Das Drei-Säulen-Modell

Abb. 2 Strategie „Number One Next“

Abb. 3 Vernetztes Balanced-Scorecard-Modell

Abb. 4 Integration der Umwelt- und Sozialaspekte in die vier Perspektiven der BSC

Abb. 5 Erweiterung der BSC um eine weitere Nicht-Markt-Perspektive

Abb. 6 Vorgehensweise zur Formulierung einer SBSC

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Strategische Kernaspekte der vier BSC-Perspektiven

Tab. 2 Raster zur Ermittlung der Umweltexponiertheit der BMW AG

Tab. 3 Raster zur Ermittlung der Sozialexponiertheit der BMW AG

Tab. 4 Ziele, Leistungstreiber und Ergebniskennzahlen der Finanzperspektive

Tab. 5 Ziele, Leistungstreiber und Ergebniskennzahlen der Kundenperspektive

Tab. 6 Ziele, Leistungstreiber und Ergebniskennzahlen der Internen Prozessperspektive

Tab. 7 Ziele, Leistungstreiber und Ergebniskennzahlen der Lern- und Entwicklungsperspektive

Tab. 8 Darstellung der SBSC als Strategie Map

Tab. 9 Wettbewerbsvergleich BMW AG und Daimler AG

1 Einleitung

1.1 Relevanz des Themas und Problemstellung

In unserer Gesellschaft wird Nachhaltigkeit immer präsenter. In Zeiten des Klimawandels, ist es fast schon alltäglich, dass in den Medien oder in den sozialen Netzwerken die Wichtigkeit von nachhaltigem Handeln kommuniziert wird. Aber nicht nur bei den Verbrauchern spielt Nachhaltigkeit eine immer wichtiger werdende Rolle, sondern auch auf Seiten der Unternehmen wird das Thema Nachhaltigkeit immer bedeutungsvoller. Aufgrund dessen, dass Unternehmen jene Güter produzieren, welche die Menschen konsumieren und dass durch ihr wirtschaftliches Handeln die soziale und ökologische Umwelt beeinflusst wird, kommt diesen Wirtschaftssubjekten eine besonders hohe Bedeutung und Verantwortung zu. Im Zuge der ab 2017 eingeführten Berichterstattungspflicht, auf welche im Kapitel 2.1.3 näher eingegangen wird, stellen sich für die Unternehmen große Herausforderungen hinsichtlich der Bereitstellung von Nachhaltigkeitsinformationen. Ein besonderes Problem dabei, stellt die Integration von Nachhaltigkeit in die Gesamtstrategie des Unternehmens dar. Oft werden soziale und ökologische Belange losgelöst von der Unternehmensstrategie betrachtet und dadurch oft vernachlässigt. Durch die fehlende Implementierung in die Strategie des Unternehmens, werden Manager und auch die Mitarbeiter nicht in die Prozesse eingebunden, somit fehlt das nötige Commitment, welches bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen besonders wichtig ist. Auch wird das Thema Nachhaltigkeit und die nötige Informationsbeschaffung, oft als eher zeit- und kostenintensiv betrachtet und daher des Öfteren vom Management bewusst außer Acht gelassen. Ziel dieser Arbeit ist es nun, die wichtigsten Handlungsfelder der BMW AG im Bereich Nachhaltigkeit herauszufiltern und diese mit Hilfe der Balanced Scorecard, in die vier Perspektiven zu integrieren. Die daraus entstehende Sustainability Balanced Scorecard (SBSC), soll helfen, die Umwelt- und Sozialaspekte in die Strategie der BMW AG zu integrieren und dadurch ein Beispiel dafür geben, wie die langfristige Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele sichergestellt werden kann. Zur Veranschaulichung der kausalen Wirkungszusammenhänge, wird die SBSC im Anschluss als Strategie Map dargestellt. Die Entwicklung der SBSC soll zeigen, wie Umwelt- und Sozialaspekte, erfolgreich in eine bestehende Unternehmensstrategie eingebunden werden können und soll veranschaulichen, wie Unternehmen, den Herausforderungen der Berichterstattungspflicht erfolgreich begegnen können.

1.2 Aufbau und Gliederung der Arbeit

Zu Beginn der Projektarbeit wird das Praxisunternehmen mit ihren Hauptgeschäftstätigkeiten vorgestellt. In Kapitel 2 wird zunächst auf die allgemeine Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung eingegangen und die Rahmenbedingungen für die Berichterstattungspflicht erläutert. Im weiteren Verlauf, wird konkret auf den Nachhaltigkeitsbericht der BMW AG eingegangen und die spezifischen Handlungsfelder des Unternehmens im Bereich der Nachhaltigkeit dargestellt. Am Ende dieses Kapitels wird die allgemeine Vorgehensweise bei der Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard vorgestellt, welche dann im darauffolgenden Kapitel in einem Praxisbeispiel für die BMW AG schrittweise entwickelt wird. Den inhaltlichen Abschluss dieser Arbeit bildet das Kapitel 4, im Rahmen einer Diskussion und Handlungsempfehlung. Anschließend erfolgt eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse dieser Projektarbeit, in Form eines „Management Summary“.

1.3 Informationen zur BMW AG

Die BMW AG ist ein Automobil- und Motorradhersteller im Premiumsegment und hat ihren Hauptsitz in München. Die BMW AG fungiert dabei als Mutterkonzern der BMW Group, welche für die Bereiche Automobile, Motorrad und Finanzdienstleistungen zuständig ist. Mit ihren 124.729 Mitarbeitern betreibt das Unternehmen 31 Produktions- und Montagestätten in 14 Länder und hat sich ein globales Vertriebsnetzwerk aufgebaut, welches in 140 Ländern aktiv ist. Mit den Marken BMW, Mini, Rolls Royce und BMW Motorrad ist die BMW AG führend im Bereich individuelle Mobilität, zudem bietet der Konzern Premium-Finanzdienstleistungen und innovative Mobilitätsservices an. Die Marke BMW gliedert sich auf in die Bereiche BMW M für Motorsport und BMW i für elektrifizierte Fahrzeuge[1]. Der Konzern erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz von knapp 94,2 Mrd. Euro, das Ergebnis vor Steuern belief sich dabei auf ca. 9,6 Mrd. Euro[2].

2 Methodischer Rahmen

2.1 Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung

Im folgenden Kapitel, werden der Begriff der Nachhaltigkeit und die Bedeutung der Nachhaltigkeit für die Unternehmen erläutert. Im Anschluss daran, werden anhand der gesetzlichen Vorgaben die Rahmenbedingungen für die Berichterstattung dargestellt.

2.1.1 Definition und Begriff der Nachhaltigkeit

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der mittelalterlichen Fortwirtschaft, mit dem Gebot des Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713, nicht mehr Bäume zu fällen, als der Wald erzeugt[3]. Eine einheitliche Definition des Begriffes, liegt jedoch seither nicht vor. Klar ist aber, dass in vielen Definitionen der Begriff „Nachhaltigkeit“ mit nachhaltiger Entwicklung gleichgesetzt wird[4]. Die wohl bekannteste Definition des Nachhaltigkeitsbegriffes ist die des Brundtland-Berichtes „Our Common Future“ der vereinten Nationen. Diese stammt aus dem Jahr 1987, dort heißt es: „Nachhaltige Entwicklung, ist eine Entwicklung, die gewährt, dass künftige Generationen nicht schlechter gestellt sind, ihre Bedürfnisse zu befriedigen als gegenwärtig lebende“[5]. Auf dieser Grundlage wurden in den letzten Jahrzehnten zahlreiche weitere Begriffsdefinitionen vorgenommen, wobei alle die Verbindung von Gegenwart und Zukunft beinhalten, welche die Grundidee von Nachhaltigkeit verdeutlicht.

2.1.2 Die drei Säulen unternehmerischer Nachhaltigkeit

Unternehmerische Nachhaltigkeit basiert auf dem Konzept des „Drei-Säulen-Modells“, welches nachfolgend in Abbildung 1 dargestellt ist.

Abb. 1 Das Drei-Säulen-Modell

(Eigene Darstellung in Anlehnung an Spindler (2012) , S.13.)

Dieses Modell wurde 1998 von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages entwickelt. Dies war die Schaffung eines ganzheitlichen Leitbildes für eine nachhaltige, zukunftsverträgliche Entwicklung, welche durch die drei Säulen Ökologie, Ökonomie und Soziales dargestellt werden[6]. Diese können wie folgt beschrieben werden:

Ökologische Nachhaltigkeit beinhaltet dabei die Orientierung des Unternehmens an ökologischen Aspekten, wie beispielsweise die Emissionsreduktion, die Abfallvermeidung/-reduktion oder die Substitution endlicher Ressourcen. Des Weiteren, sollen die Risiken für Mensch und Umwelt weitestgehend minimiert werden, beispielsweise durch eine Reduzierung der Gefahrenstoffe im Herstellungsprozess oder durch die Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten und Herstellverfahren. Die Säule der ökonomischen Nachhaltigkeit bedeutet, globales Wirtschaften so anzupassen, dass es den stetigen Erwerb und Wohlstand der Unternehmen heute und auch zukünftig sicherstellt. Mittels Effizienz, Stabilität und Wachstum, soll dies gewährleistet werden. Ein Beispiel hierfür wäre, die Förderung der Fähigkeit und Bereitschaft für Innovationen im sozialen Wandel[7]. Soziale Nachhaltigkeit verlangt die Erhaltung, beziehungsweise Erhöhung des Humankapitals und des Sozialkapitals, welches die Beziehung des Unternehmens zu den Mitarbeitern und die Beziehung der Mitarbeiter untereinander beschreibt. Des Weiteren erwarten die Stakeholder, Beiträge des Unternehmens zum Sozialkapital, z.B. durch die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen[8]. Darüber hinaus, bedeutet soziale Nachhaltigkeit, die Sicherstellung sozialer Mindeststandards, sowie die Achtung der Rechte und der Würde des Menschen, die Chancengleichheit aller Menschen und die Gewährung der selbstbestimmten Persönlichkeitsentfaltung[9].

2.1.3 Nachhaltigkeitsberichterstattungspflicht

Den Unternehmen kommt aufgrund der Berührungspunkte mit diesen drei Bereichen eine besondere Bedeutung, im Hinblick auf die Einhaltung dieser Kriterien zu. Zwar ist die Anzahl der Unternehmen, welche Informationen bezüglich Nachhaltigkeit veröffentlichen, in den letzten Jahren stetig steigend, jedoch reicht eine Freiwilligkeit zur Berichterstattung noch nicht aus. Daher wurden nun Unternehmen, welche bestimmte Voraussetzungen erfüllen, gesetzlich dazu verpflichtet sogenannte nicht-finanzielle Informationen offenzulegen[10]. Synonym für den Nachhaltigkeitsbericht wird auch die Bezeichnung CSR-Bericht verwendet. Der Begriff CSR (Corporate Social Responsibility) stammt aus dem angloamerikanischen und definiert ein Konzept zur gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen[11]. Dieses Konzept beruht auf der freiwilligen Berücksichtigung der Interessen der Anspruchsgruppen, im Hinblick auf alle unternehmerischen Entscheidungen und Aktivitäten innerhalb und außerhalb des Kerngeschäfts des Unternehmens[12]. Ziel dieser Berichterstattungspflicht ist es, dass Unternehmen, Banken und Versicherungen in Europa, verantwortungsvoller und nachhaltiger handeln sollen. Die Berichterstattungspflicht gilt ab dem Geschäftsjahr 2017 und betrifft kapitalmarktorientierte Unternehmen, Finanzdienstleister und Versicherungen, welche die Anzahl von 500 Mitarbeitern im Jahresdurchschnitt überschreiten und zugleich eine Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro oder einen Umsatz von über 40 Millionen Euro überschreiten. Kleine Unternehmen sind daher von der Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ausgenommen[13]. Die Anforderungen an den Inhalt der Berichterstattung, richten sich dabei hauptsächlich auf Informationen bezüglich der allgemeinen Geschäftstätigkeit des Unternehmens, Umweltbelange, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption und Bestechung. Nach welchen Standards die Unternehmen berichten, können sie selbst festlegen[14]. Die am häufigsten verwendeten Standards sind die sogenannten G4 Leitlinien der Global Reporting Initiative (GRI), die Richtlinien der United Nations Global Compacts (UNGC) und die des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK)[15].

2.2 Nachhaltigkeitsbericht der BMW AG

Bereits im Jahr 1973 setzte die BMW AG, als erstes Unternehmen in der Automobilindustrie einen Umweltschutzbeauftragten ein. Seit 2001 verpflichtet sich die BMW AG dem UN Global Compact, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Cleaner Production Declaration. Seither verankert das Unternehmen die Zehn Prinzipien des UN Global Compact in ihrem Sustainable Value Report und setzt diese an allen Standorten weltweit um. Das Unternehmen wurde 2016 vom Dow Jones Sustainability Index (DJSI) erneut als nachhaltigstes Automobilunternehmen weltweit ausgezeichnet. Die BMW AG verfolgt mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie, die konsequente Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele, entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Mit ihrem Nachhaltigkeitsbericht, dem „sustainable value report“ informieren sie ihre Stakeholder jährlich über den Fortschritt im Unternehmen, hinsichtlich der Nachhaltigkeit[16].

2.2.1 Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens

Nachhaltigkeit wird zur Sicherstellung der Zukunftsfähigkeit des Unternehmens konsequent in ihr Geschäftsmodell integriert und weiter ausgebaut. Die weltweiten Anforderungen, in Bezug auf Nachhaltigkeit, werden seitens der BMW AG als Chance gesehen, um ständig neue und innovative Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, dadurch trägt Nachhaltigkeit zum kontinuierlichen wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei. Des Weiteren möchte die BMW AG durch die Innovationen nicht nur den Kundennutzen erhöhen, sondern auch positive Effekte auf die Gesellschaft und Ökologie erzielen. Durch die effiziente und ressourcenschonende Produktion und das Angebot an zukunftsweisenden Lösungen für nachhaltige und individuelle Mobilität, möchte sich das Unternehmen auf lange Sicht Wettbewerbsvorteile schaffen. In der Strategie „number one next“, welche anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums 2016 vorgestellt wurde, ist die Schaffung und Sicherung eines Wettbewerbsvorteils, fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. Aus diesem Grund ist Nachhaltigkeit ein zentraler Kernaspekt in den strategischen Stoßrichtungen des Unternehmens.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Strategie „Number One Next“

(Quelle: BMW AG, Sustainable Value Report 2016)

Die Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung hat für die BMW AG mit der Steigerung des Unternehmenswertes zu tun. Durch Transparenz in der Kommunikation, fördert das Unternehmen das Verständnis für sein Handeln in der Öffentlichkeit und erzeugt dadurch Vertrauen bei ihren Stakeholdern. Mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie will sie vor allem Ressourcen schonen, die Produktionsprozesse effektiver gestalten und die Reputation und das Image des Unternehmens steigern. Vorrausschauendes Denken steht dabei an erster Stelle, denn aus Sicht der BMW AG können sich nur jene Unternehmen Wettbewerbsvorteile sichern, welche frühzeitig Antworten, auf künftige gesellschaftliche und technologische Entwicklungen haben. Aus diesem Grund möchte das Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele lange verfolgen und setzt sich ihre Ziele bis in das Jahr 2020, die wichtigsten Themengebiete lauten dabei wie folgt:

- Produkte und Dienstleistungen
- Produktion und Wertschöpfung
- Mitarbeiter und Gesellschaft

auf welche im folgenden Kapitel weiter eingegangen wird[17].

2.2.2 Produkte und Dienstleistungen

Nachhaltigkeit bei den Produkten und Dienstleistungen wird in die drei Bereiche CO2- und Schadstoffemissionen, Elektromobilität und Mobilitätsverhalten untergliedert.

CO 2 - und Schadstoffemissionen:

Im Jahr 2016 lag der Durchschnitt der Fahrzeugflotte aller in der EU zugelassenen Fahrzeuge bei 124g/km[18]. Die Zielvorgabe für die spezifischen Emissionen für einen Hersteller in einem Kalenderjahr wird als Durchschnitt der spezifischen CO2 - Emissionen jedes neuen, in der EU zugelassenen Personenkraftwagens, dessen Hersteller er ist, berechnet.[19] Das bedeutet, dass ein Hersteller den CO2-Emissionsdurchschnitt, auch durch alternative Antriebstechnologien senken kann. BMW möchte dies, durch einen konsequenten Ausbau der Elektromobilität und Hybridtechnologie erreichen. Im Berichtsjahr konnte die Anzahl der elektrischen und elektrifizierten Fahrzeuge bereits um knapp 100 Prozent von 32.000 auf 62.000 gesteigert werden. Für das Jahr 2017 hat sich das Unternehmen das Ziel von 100.000 verkauften elektrischen und elektrifizierten Fahrzeugen gesetzt.

Den wichtigsten Beitrag zur Reduktion der CO2- und Schadstoffemissionen bei der BMW AG leisten die Effizienztechnologien, wobei die Reduktionsziele aber auch bereits in der Fahrzeugentwicklung Berücksichtigung finden. Bereits im Life Cycle Engineering werden Einflussfaktoren wie Materialauswahl, Produktionstechnologie, Lieferantenauswahl und Antriebsvariante berücksichtigt. Zudem wird durch Design for Recycling, die Verwertbarkeit der einzelnen Fahrzeugkomponenten, während des gesamten Lebenszyklus optimiert. Weitere Beiträge zur Emissionsreduktion sind der Einsatz der Efficient Dynamics Technologien seit 2007 (effiziente Motoren, Leichtbauweise, ect.), die Konzipierung der Auto Start Stop Funktion und das Angebot an Connectivity Services, welche eine verbrauchs- und zeiteffiziente Routenplanung gewährleistet. Den wichtigsten Beitrag liefern jedoch die im Jahr 2013 eingeführten BMWi Modelle mit elektrifizierten Antrieben. Dadurch konnte der CO2 Ausstoß der neu verkauften Fahrzeuge von 1995 bis 2016 um insgesamt 41% gesenkt werden. Durch den weiteren Ausbau von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden soll der Kohlenstoffdioxidausstoß von 1995 bis 2020 um 50% gesenkt werden[20].

Elektromobilität:

Mit dem BMWi 3, wurde vom Unternehmen im Jahr 2013, das erste vollelektrische Fahrzeug auf den Markt gebracht, seither steigt die Nachfrage nach elektrischen Fahrzeugen weiter an. Das Ausmaß der Reduktion von CO2 und anderen Schadstoffen, wird erheblich beeinflusst durch das Produktdesign, die Rohstoffauswahl und die Produktionsprozesse. Auch die energieintensive Batterieherstellung und die anschließende Wiederverwendbarkeit tragen enorm zum Ressourcenverbrauch bei. Die BMW AG garantiert bei den i-Fahrzeugen einen durchgängigen Einsatz von erneuerbaren Energien, sowohl bei der Herstellung von CFK (Karbonfaserverstärkter Kunststoff), welcher für den Karosseriebau eingesetzt wird, da dieser erheblich weniger zum Gesamtgewicht beiträgt, als auch bei der Produktion und der nachträglichen Nutzung der PKW, durch Ökostromtarife für die Kunden. Durch BMWi 360° electric werden Solarstromanlagen für Carports und Häuserdächer angeboten, wodurch die Kunden ihr Fahrzeug direkt von zu Hause aus emissionsfrei laden können. Ziel der BMW AG ist der weitere Ausbau der i Fahrzeuge und auch der Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge, welche sich durch die Kombination aus Elektro- und Benzinmotor charakterisieren. Durch den elektrifizierten Antrieb des Plug-in-Hybrid wird eine Kraftstoffersparnis von 50% ermöglicht. Die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge soll in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden. In diesem Zusammenhang, schließt sich die BMW AG mit weiteren Automobilherstellern zusammen, um gemeinsam ein Schnellladenetzwerk für elektrifizierte Fahrzeuge in Europa zu schaffen[21].

Mobilitätsverhalten:

Um der zunehmenden Verkehrsbelastung in den Städten entgegenzuwirken, nutzt das Unternehmen vermehrt Technologien der vernetzen Mobilität und des automatisierten Fahrens. Dazu wurde 2015 das Kompentenzzentrum für urbane Mobilität gegründet, welches sich mit dem Zukunftsbild der mobilen Stadt befasst. 2016 wurde zu dieser Thematik ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Bewohner der Städte München und Hamburg alternative Mobilitätsangebote wie Carsharing und E-Fahrzeuge auf ihre Alltagstauglichkeit testen können. Die EVA-CS Evaluation Carsharing kam zu dem Ergebnis, dass das verfügbare Angebot von 860 Fahrzeugen der Carsharingflotte in München, dazu beigetragen hat, dass die Anzahl der PKW um 1500 zurückgegangen ist und sich insgesamt die Fahrleistung um 41,2 Mio. Kilometer reduziert hat. Durch die Mobilitätsangebote Drive Now (Free-Floating-Carsharing), Reach Now (On-demand-Mobilitätsservices), Park Now (digitaler Parkdienst) und charge Now (Ladenetzwerk für Elektrofahrzeuge), sollen die individuellen Mobilitätslösungen attraktiver gestaltet werden und das Verhalten der Menschen positiv, im Hinblick auf nachhaltige Mobilität, beeinflusst werden. Ab dem Jahr 2021, sollen Lösungen für hoch- und vollautomatisiertes Fahren serienmäßig in Produktion gebracht werden. Ziel der Anstrengungen des Automobilherstellers ist es, Lösungen für das urbane Verkehrsproblem aktiv mitzugestalten und dadurch den Lärmpegel in den Stadtzentren zu reduzieren und die Luftqualität und damit auch verbunden die Lebensqualität der Stadtbewohner, zu verbessern[22].

2.2.3 Produktion und Wertschöpfung

Die Untergliederung dieses Bereiches erfolgt in die Kategorien Ressourcenverbrauch, erneuerbare Energien und nachhaltige, ressourceneffiziente Lieferkette.

Ressourcenverbrauch:

Im Zuge des Klimawandels konzentriert sich die BMW AG auf die kontinuierliche Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz und die Reduktion der CO2- und Schadstoffemissionen, entlang des gesamten Produktionsprozesses. Im Vordergrund stehen hier, vor allem Wasserverbrauch, Abfallproduktion, Abwasseraufkommen, Lösungsmitteleinsatz, Energieverbrauch und CO2 Emissionen. So gelang es dem Unternehmen, diese Faktoren um durchschnittlich 50% je produziertes Fahrzeug, gegenüber dem Basisjahr 2006, zu senken. Durch die im Jahr 2001 unterzeichnete International Declaration of Cleaner Production des Umweltprogramms der Vereinten Nationen hat sich das Unternehmen selbst dazu verpflichtet die Umweltauswirkungen und den Ressourcenverbrauch, innerhalb der Produktion, auf ein Minimum zu reduzieren. Derzeit werden an sieben Standorten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen eingesetzt, durch weitere geplante Maßnahmen, wie beispielsweise Wärmerückgewinnung, flächendeckender LED Einsatz und der Bau neuer Anlagen, sollen in den kommenden Jahren weitere Ressourceneinsparungen verwirklicht werden. Da rund 70% der Emissionen, durch die Nutzung der verkauften Fahrzeuge entstehen, wird durch die Efficient Dynamics Technologie der Emissionsausstoß kontinuierlich gesenkt. Im Jahr 2016 konnte dieser von 147 g/km (im Jahr 2015) auf 144 g/km gesenkt werden. In den nachgelagerten Wertschöpfungsbereichen, kommt es zum Beispiel durch die Verwertung von Altfahrzeugen, im BMW AG Recycling und Demontage Zentrum (RDZ) in Unterschleißheim, zu großen Ressourceneinsparungen, durch die Gewinnung von Sekundärrohstoffen. Die weltweite Transportlogistik für die Materialversorgung, die Fahrzeugauslieferung und die Ersatzteilversorgung wird durch die Erhöhung des Schienenanteils effizienter gestaltet. Im werksnahen Lieferverkehr werden zudem die ersten elektrisch fahrenden LKW`s eingesetzt. Zudem soll durch Design for Recycling bereits im Entstehungsprozess des Produktes eine hohe Rückführungsquote der Bestandteile in den Materialkreislauf ermöglicht werden[23].

Erneuerbare Energien:

Um einen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz zu leisten, baut die BMW AG die Eigenerzeugung von regenerativem Strom an den Standorten aus und nutz weltweit vermehrt Energie aus erneuerbaren Quellen. Der Anteil an regenerativem Strom, konnte dadurch im Berichtsjahr 2016 auf 63% gesteigert werden. Dies wird verwirklicht, durch den Ausbau von Photovoltaikanlagen, Biogasanlagen und durch die Nutzung von Erdwärme und Windkraft. Zur Kühlung der Rechenzentren wird Grundwasser eingesetzt, in Deutschland werden 80% der Werke und Rechenzentren bereits mit grünem Strom versorgt. Im Bereich der Lieferkette, arbeitet das Unternehmen eng mit den Lieferanten zusammen und vereinbart mit ihnen jährlich den Anteil an erneuerbaren Energien, welche die Lieferanten erfüllen müssen. In den nächsten Jahren werden die Bemühungen zum Einsatz regenerativer Energien weiter verstärkt und Konzepte erarbeitet, welche eine emissionsfreie Produktion ermöglichen sollen[24].

Nachhaltige, ressourceneffiziente Lieferkette:

Aufgrund der zunehmenden Globalisierung und der dadurch verbundenen steigenden Anzahl an Lieferanten, kommt der Lieferkette eine immer bedeutendere Rolle zu. Um diese Herausforderungen meistern zu können, setzt die BMW AG auf eine Steigerung der Transparenz innerhalb der Lieferkette. Dies betrifft sowohl die Lieferanten, als auch deren Vorlieferanten. Grundlage hierfür, bildet der „BMW AG Nachhaltigkeitsstandard für das Lieferantennetzwerk“, welcher soziale und ökologische Kriterien beinhaltet.

[...]


[1] Vgl. (BMW Group, 2016), Unternehmenshomepage, abgerufen am 01.05.2017

[2] Vgl. (BMW AG, 2016), Geschäftsbericht 2016, S. 5.

[3] Vgl. (von Carlowitz, 1713)

[4] Vgl. (Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, 2015), abgerufen am 01.05.2017

[5] Vgl. (Hauff, 1987), S. 46.

[6] Vgl. (Spindler, 2012), S. 10.

[7] Vgl. (Högner, Freitag, & Hube, 2016)

[8] Vgl. (Arnold, Freimann, & Kurz, 2003), S. 393.

[9] Vgl. (Högner, Freitag, & Hube, 2016)

[10] Vgl. (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und future E.V. - Verantwortung Unternehmen, 2016), abgerufen am 02.05.2017

[11] Vgl. (Neßler & Fischer, 2013), S. 19.

[12] Vgl. (Neßler & Fischer, 2013), S. 22.

[13] Vgl. (Akzente Kommunikation und Beratung GmbH und sustainable AG, 2017), abgerufen am 07.05.2017

[14] Vgl. (www.deutscher-nachhaltigkeitskodex.de, 2017), abgerufen am 07.05.2017

[15] Vgl. (Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. (BDI) und ecosense - Forum nachhaltige Entwicklung der deutschen Wirtschaft e.V.), abgerufen am 07.05.2017

[16] Vgl. (BMW Group, 2016), Unternehmenshomepage, abgerufen am 09.05.2017

[17] (BMW AG, 2016), Sustainable Value Report 2016, S.9-17.

[18] Vgl. (Bimmer Today, 2017), abgerufen am 10.05.2017

[19] Vgl. (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 2008), abgerufen am 10.05.2017

[20] Vgl. (BMW AG, 2016), Sustainable Value Report 2016, S. 22-31.

[21] Vgl. (BMW AG, 2016), Sustainable Value Report 2016, S. 32-38.

[22] Vgl. (BMW AG, 2016), Sustainable Value Report 2016, S. 39-50.

[23] Vgl. (BMW AG, 2016), Sustainable Value Report 2016, S. 55-65.

[24] Vgl. (BMW AG, 2016), Sustainable Value Report 2016, S. 66-69.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Die Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard für die BMW AG
Untertitel
Ein Nachhaltigkeitsbericht
Hochschule
Fachhochschule Amberg-Weiden
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
39
Katalognummer
V386886
ISBN (eBook)
9783668611382
ISBN (Buch)
9783668611399
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, sustainability, balanced, scorecard, nachhaltigkeitsbericht
Arbeit zitieren
Alexandra Hackl (Autor), 2016, Die Entwicklung einer Sustainability Balanced Scorecard für die BMW AG, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/386886

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